BAU-R-3: Spezifischer Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumw?rme

Das Bild zeigt einen Mann mit Bauhelm, der auf einem Baugerüst hockt und eine D?mmplatte an der Hauswand anbringt. zum Vergr??ern anklicken
Eine gute Geb?udeisolierung schützt auch vor sommerlicher Hitze.
Quelle: Mitifoto / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BAU-R-3: Spezifischer Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumw?rme

Der bis 2014 rückl?ufige temperaturbereinigte Energieverbrauch für Raumw?rme deutet darauf hin, dass neben Verhaltens?nderungen und dem zunehmenden Einsatz effizienterer Heizsysteme auch bauliche Ma?nahmen zum W?rmeschutz erfolgreich umgesetzt wurden. Diese Ma?nahmen haben auch positive Auswirkungen auf den Schutz der Geb?ude vor sommerlicher überhitzung. Seit 2015 steigt der temperaturbereinigte Energieverbrauch für Raumw?rme wieder an.

Drei Linien stellen den spezifischen Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumw?rme für die Jahre von 2000 und 2017 dar.
BAU-R-3: Spezifischer Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumw?rme

Drei Linien stellen den spezifischen Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumw?rme für die Jahre von 2000 und 2017 dar. Die Zeitreihe ist indexiert. Im Jahr 2000 sind die Werte auf 100 gesetzt. Die genutzte Wohnfl?che steigt signifikant. Der Energieverbrauch für Raumw?rme (temperaturbereinigt) je genutzter Wohnfl?che zeigt einen quadratisch steigenden Trend, der Energieverbrauch für Raumw?rme (unbereinigt) je genutzter Wohnfl?che einen signifikant fallenden Trend. Die beiden genannten Werte sinken von 100 auf 71 beziehungsweise 76 im Jahr 2017.

Quelle: StBA (Umwelt?konomische Gesamtrechnungen)
 

Klimaangepasste Geb?ude – die Hitze bleibt drau?en

Eine klimagerechte st?dtebauliche Gestaltung, die innerst?dtisches Grün bewahrt und ausweitet, ist ein Weg, um W?rmebelastungen vorzubeugen oder sie zumindest zu mindern. Andere Ma?nahmen setzen direkt am Geb?udebestand an.

Um eine überw?rmung von Innenr?umen zu vermeiden, kommt in w?rmeren Klimazonen vielfach eine aktive technische Kühlung von Wohn- und Arbeitsst?tten zum Einsatz. In den hei?en Sommern der vergangenen Jahre war diese Reaktion auch in Deutschland zu beobachten: Der Verkauf mobiler Klimaanlagen zur aktiven Kühlung von Wohnungen und H?usern stieg au?ergew?hnlich stark an. Allerdings ist die Nutzung von Klimaanlagen mit einem h?heren Stromverbrauch verbunden, der wiederum zu einem verst?rkten ⁠CO2⁠-Aussto? führt, solange das Energiesystem noch zum gr??eren Teil auf fossilen Energien beruht. Bemühungen um den ⁠Klimaschutz⁠ laufen diese Ma?nahmen daher zuwider. Hinzu kommt, dass die Abluft der Klimaanlagen lokal an ihrem Einsatzort die Stadtatmosph?re erw?rmt und damit die bioklimatischen Belastungen verst?rken kann. Ma?nahmen der passiven Kühlung sollten aus diesem Grund sowohl bei der Sanierung des Geb?udebestands als auch beim Neubau gr??ere Priorit?t genie?en.

Um das Innenraumklima zu sichern und baulich vor Sommerhitze zu schützen, müssen Bauherren und Architekten zwei Strategien gleichzeitig verfolgen: Die erste l?sst eine Erw?rmung innerhalb des Geb?udes erst gar nicht zu, die zweite führt die vorhandene W?rme ohne oder mit m?glichst geringem Energieeinsatz nach drau?en ab. Letzteres l?sst sich z. B. durch natürliche Lüftungs- und Ventilationssysteme, eine kontrollierte n?chtliche Lüftung oder eine antizyklische Speicherung bzw. Abgabe von W?rme bzw. K?lte erreichen. M?glichkeiten für einen vorbeugenden sommerlichen W?rmeschutz – die erste Strategie – bestehen beispielsweise darin, Fensterfl?chenanteile und Geb?udeausrichtung sorgf?ltig zu planen, au?en liegende Verschattungselemente und Sonnenschutzgl?ser einzusetzen, Geb?udefassaden und -d?cher zu begrünen oder Geb?ude mit einer guten W?rmed?mmung zu versehen und hohe energetische Baustandards einzuhalten.

Die Ma?nahmen des baulichen W?rmeschutzes verringern auch die für Heizung und Kühlung von Geb?uden eingesetzte Energie. In neuen Geb?uden werden Anforderungen an den W?rmeschutz bei Planung und Bau berücksichtigt. Bei ?lteren Geb?uden verbessert die energetische Sanierung den W?rmeschutz – in Deutschland werden aktuell pro Jahr etwa 1,4 % des vor 1979 errichteten Geb?udestands entsprechend modernisiert.50 Diese und andere passive Ma?nahmen k?nnen der überhitzung von Innenr?umen vorbeugen. Zusammen mit effizienzsteigernden Ma?nahmen und verhaltensbedingten Einsparungen, die aus einem gestiegenen Kosten- und Umweltbewusstsein resultieren, schlagen sie sich in einem deutlich verringerten Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumw?rme nieder. Der verringerte Energieverbrauch für Raumw?rme kann also auch ein Anhaltspunkt dafür sein, dass sich die Voraussetzungen für kühlere Innentemperaturen w?hrend Hitzeperioden verbessert haben.

Die erfolgreiche Umsetzung aller genannten Ma?nahmen wird am temperaturbereinigten, d. h. am rechnerisch auf einen mittleren bundesweiten Verlauf der Lufttemperatur angepassten Verbrauch von Heizenergie der privaten Haushalte ablesbar. Aussagen über die Robustheit der Wohngeb?ude gegen überhitzung in Hitzeperioden k?nnen daraus allerdings nur ansatzweise getroffen werden. Das gilt auch für Nicht-Wohngeb?ude, die dieser ⁠Indikator⁠ nicht abdeckt.

Im Jahr 2000 wendeten die Haushalte temperaturbereinigt noch mehr als 580 Terawattstunden Heizenergie auf, bis zum Jahr 2016 ging der Energieverbrauch auf 471 Terawattstunden zurück. Bezogen auf die Wohnfl?che, die im gleichen Zeitraum deutlich zunahm, bedeutet das einen signifikanten Rückgang des temperaturbereinigten Energieverbrauchs für Raumw?rme von knapp 20 %.

50 - Cischinsky H. & Diefenbach N. 2016: Datenerhebung Wohngeb?udebestand 2016 – Datenerhebung zu den energetischen Merkmalen und Modernisierungsraten im deutschen und hessischen Wohngeb?udebestand. Forschungsbericht eines durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung sowie das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung gef?rderten Vorhabens. Darmstadt, 179 S.

 

Schnittstellen

BAU-R-1: Erholungsfl?chen

BAU-R-3 F?rdermittel für klimawandelangepasstes Bauen und Sanieren

 

Ziele

St?rkere Anpassung an h?here durchschnittliche Sommertemperaturen und zwischenzeitlich l?ngere Hitzeperioden in der Geb?udeplanung und Geb?udetechnik (⁠DAS⁠, Kap. 3.2.2)