BD-I-2: Temperaturindex der Vogelartengemeinschaft

Das Bild zeigt einen singenden Gelbsp?tter, der auf einem Zweig sitzt.zum Vergr??ern anklicken
Der Gelbsp?tter geh?rt zu den Klimawandelverlierern. Sein Bestand in Deutschland nimmt seit 1990 ab.
Quelle: Ron Knight | Wikimedia Commons/CC BY 2.0

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BD-I-2: Temperaturindex der Vogelartengemeinschaft

Der ⁠Klimawandel⁠ führt zu Ver?nderungen von Artengemeinschaften. Bei 88 in Deutschland h?ufig vorkommenden Brutvogelarten haben sich in den Jahren 1990 bis 2016 die relativen H?ufigkeiten zu Gunsten w?rmeliebender Arten bzw. zu Ungunsten k?lteliebender Arten verschoben. Welche weiteren Auswirkungen dies auf die biologische Vielfalt hat, l?sst sich derzeit noch nicht vollst?ndig überblicken. Die angezeigte Trendumkehr l?sst sich auf eine Reihe strenger Winter zwischen 2009 und 2013 zurückführen, die unabh?ngig vom langfristigen klimatischen ⁠Trend⁠ wirkten.

Die Linien-Grafik zeigt den Temperaturindex h?ufiger Brutvogelarten von 1994 bis 2016. Der Indexwert steigt von circa 12,15 Grad Celsius für 1994 auf knapp 12,35 Grad Celsius in 2016. Weil die Jahre 2007 und 2009 nach einem deutlichen Anstieg den Hochpunkt markieren, und die Kurve danach mit Schwankungen niveaugleich geblieben ist, ergibt sich ein quadratisch fallender Trend. Eine gestrichelte schwarze Linie bildet das gleitende 5-Jahresmittel ab. Auch für diese ergibt sich ein quadratisch fallender Trend.
BD-I-2: Temperaturindex der Vogelartengemeinschaft

Die Linien-Grafik zeigt den Temperaturindex h?ufiger Brutvogelarten von 1994 bis 2016. Der Indexwert steigt von circa 12,15 Grad Celsius für 1994 auf knapp 12,35 Grad Celsius in 2016. Weil die Jahre 2007 und 2009 nach einem deutlichen Anstieg den Hochpunkt markieren, und die Kurve danach mit Schwankungen niveaugleich geblieben ist, ergibt sich ein quadratisch fallender Trend. Eine gestrichelte schwarze Linie bildet das gleitende 5-Jahresmittel ab. Auch für diese ergibt sich ein quadratisch fallender Trend.

Quelle: Dachverband Deutscher Avifaunisten e.V.
 

Einfluss des Klimawandels auf Vogelarten nimmt zu

V?gel reagieren auf viele Ver?nderungen ihrer Umwelt vergleichsweise sensibel. Dies führt dazu, dass sich die Zusammensetzung von Vogelgemeinschaften in Abh?ngigkeit von Umwelteinflüssen stark ver?ndern kann. In der Regel sind diese Ver?nderungen Ergebnis des Zusammenwirkens vieler unterschiedlicher Einflussfaktoren. Eine alleinige Ursache für den Wandel von Artengemeinschaften und den Rückgang oder Ausfall einzelner Arten gibt es i. d. R. nicht. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen jedoch, dass Klimaver?nderungen hierbei neben dem Landnutzungswandel eine entscheidende Rolle spielen k?nnen.

Brutv?gel haben in der Brutzeit artspezifische Temperaturansprüche. Diese sind beispielsweise beim Braunkehlchen, dem Sprosser und dem Gelbsp?tter niedriger als beim Schwarzkehlchen, der Nachtigall und dem Orpheussp?tter. Nehmen bedingt durch den ⁠Klimawandel⁠ die Temperaturen in der Brutzeit im langfristigen Mittel zu, dann finden w?rmeliebende Arten bessere Bedingungen vor und werden im Vergleich zu anderen Vogelarten h?ufiger. Umgekehrt werden k?lteliebende Arten im Vergleich zu anderen Vogelarten seltener.

In den Jahren 1990 bis 2016 l?sst sich eine solche Entwicklung anhand von 88 in Deutschland h?ufig vorkommenden Brutvogelarten beobachten. In diesem Zeitraum haben sich – wie der Temperaturindex h?ufiger Brutvogelarten zeigt – die relativen H?ufigkeiten der betrachteten Vogelarten zu Gunsten w?rmeliebender Arten bzw. zu Ungunsten k?lteliebender Arten verschoben. Die Entwicklung des gleitenden 5-Jahresmittels des Temperaturindex zeigt seit 1994 zun?chst einen Anstieg bis ca. 2010, danach eine in etwa gleichbleibende Entwicklung. Die Entwicklung ab dem Jahr 2010 l?sst sich allerdings auf Witterungseinflüsse zurückführen, die unabh?ngig vom langfristigen klimatischen ⁠Trend⁠ wirkten. Von 2009/10 bis 2012/13 gab es eine Reihe strenger Winter in Folge mit negativen Auswirkungen auf die Best?nde vieler Brutv?gel. Im Zuge ?kologischer Ver?nderungsprozesse kommt dem Auftreten au?ergew?hnlich kalter Winter auch bei fortschreitender klimatischer Erw?rmung gro?e Bedeutung zu.

Zur Berechnung des Temperaturindex wird jeder der 88 Arten ein artspezifischer Temperaturanspruchswert zugeordnet, der aus der durchschnittlichen Temperatur für den Referenzzeitraum 1961–1990 innerhalb des europ?ischen Verbreitungsgebiets der Art ermittelt wird. Diese artspezifischen Temperaturanspruchswerte gehen – nach der relativen H?ufigkeit der Art im jeweiligen Jahr gewichtet – in die Berechnung des Index ein. Je st?rker der Temperaturindex h?ufiger Brutvogelarten langfristig zunimmt, desto st?rker verschieben sich die relativen H?ufigkeiten der Arten untereinander zugunsten w?rmeliebender Arten und desto st?rker ist der Einfluss eines Temperaturanstiegs auf die betrachtete Gruppe der V?gel. Die gezeigten Indexwerte beziehen sich auf ganz Deutschland, d. h. Aussagen zu einer ver?nderten Zusammensetzung regionaler Brutvogelgemeinschaften sind hiermit nicht m?glich.

Auch andere Artengruppen wie Tagfalter oder Gef??pflanzen k?nnen als Zeiger für langfristige Temperaturver?nderungen im Klimawandel dienen. Dabei zeigen sich Artverschiebungen am deutlichsten in ?kologischen Grenzregionen wie den Gebirgen. So haben europaweit angelegte Untersuchungen der Vegetation in den Gipfelbereichen der Gebirge oberhalb der Baumgrenzen ergeben, dass sich die dortigen Artengemeinschaften der Gef??pflanzen in ihrer Zusammensetzung ver?ndern. Hier siedeln sich w?rmeliebende Arten aus tiefer gelegenen Gebieten an. Auch in Flüssen, Seen und Meeren vollziehen sich bereits Ver?nderungen der Zusammensetzung von Artengemeinschaften.

Neben Verschiebungen der Arth?ufigkeiten innerhalb bestehender Artengemeinschaften führt der Klimawandel auch zur Einwanderung und Ausbreitung von Arten, die zuvor nicht in unseren Breiten vorkamen. Diese Entwicklungen vollziehen sich sowohl bei Pflanzen als auch bei Tieren. Beispiele hierfür sind der Orpheussp?tter, der aus Südwesteuropa kommend in den 1980er Jahren als Brutvogel nach Deutschland eingewandert ist und sich derzeit tendenziell weiter ausbreitet, oder die Gottesanbeterin, die sich seit den 1990er Jahren vom Mittelmeerraum kommend in Deutschland allm?hlich weiter n?rdlich ausbreitet.

 

Schnittstellen

FW-I-1: Baumartenzusammensetzung in Naturwaldreservaten

FI-I-1: Verbreitung warmadaptierter mariner Arten

FI-I-2: Vorkommen w?rmeliebender Arten in Binnengew?ssern

 

Ziele

Abpufferung und Minimierung der Auswirkungen des Klimawandels auf die biologische Vielfalt in Deutschland (z. B. Verschiebung der Vegetationszonen, Ver?nderung des Vogelzugverhaltens, Gef?hrdung k?lteliebender Arten) (⁠NBS⁠, Kap. B 3.2)