Chronische Tests in der Umweltbewertung von Chemikalien

Ein Wasserfloh in einem Glasgef?? von ganz nah photographiert. sein K?rper ist durchsichtig, sodass man sein Inneres sehen kann. zum Vergr??ern anklicken
Wasserfloh Daphnia magna
Quelle: UBA

In welchen F?llen erwartet das Umweltbundesamt (⁠UBA⁠) chronische Tests als Grundlage für eine ?kotoxikologische Stoffsicherheitsbewertung? Grundlage aller Entscheidungen ist die ⁠REACH⁠-Verordnung 1907/2006, die den Herstellern und Importeuren (hier kurz Registranden genannt) von Stoffen als solchen und in Gemischen die Verantwortung für eine ad?quate Stoffsicherheitsbeurteilung zuweist.

Die Anforderungen an eine REACH-konforme Registrierung werden in Technischen Leitf?den, u.a. in der ?Guidance on information requirements and chemical safety assessment“, n?her beschrieben.
Diese finden Sie unter folgendem Link:
http://guidance.echa.europa.eu/docs/guidance_document/information_requirements_de.htm

Auf Grundlage seiner Erfahrung als Wissenschaftliche Beh?rde für Stoffbewertung h?lt das UBA im Zusammenhang mit chronischen ?kotoxikologischen Studien folgende überlegungen für besonders wichtig:

Chemikalien, die sehr schwer wasserl?slich sind oder sich leicht in Fetten l?sen, zeigen in kürzeren ?kotoxikologischen Studien ( sog. Akuttests) oft keine Wirkung, da sie vom Organismus nur langsam aufgenommen werden. Die Wirkung auf Organismen kann jedoch gravierend sein, zum Beispiel langfristig Mortalit?t oder Missbildungen bewirken und das Wachstum oder die Reproduktion (aufgrund hormoneller Wirkungen) beeintr?chtigen.

Mit Hilfe der Langzeittests k?nnen solche Wirkungen eher ermittelt werden. Durch St?rung oder Ausl?schung einzelner Organismengruppen k?nnen komplexe Nahrungsnetze gest?rt sein, so dass selbst Tiere am Ende der Nahrungskette und letztlich ganze ?kosysteme betroffen sind. (Zu hormonell wirkenden Stoffen gibt es eine gesonderte REACH-Info-Seite: http://www.matthieusonnet.com/endokrine-disruptoren)

REACH fordert chronische Tests in der Regel dann, wenn die Mengenschwelle von 100t/Jahr oder mehr erreicht wird. Erforderlich sind dann Daten zur Langzeittoxizit?t für Wirbellose (Daphnien, REACH Anhang IX, 9.1.5) und Fische (REACH Anhang IX, 9.1.6).

Jenseits der Mengenschwelle von 1000t/Jahr müssen die Registranden zus?tzlich die Langzeittoxizit?t für terrestrische Organismen (Wirbellose (Regenwurm) und Pflanzen, REACH Anhang X, 9.4.4 und 9.4.6) und die Langzeittoxizit?t für im Sediment lebende Organismen (REACH Anhang X, 9.5.1) ermitteln. Studien zur Langzeittoxizit?t gegenüber V?geln k?nnen notwendig sein, sollen jedoch nur durchgeführt werden, wenn die Daten zu S?ugetieren, welche zur Bestimmung der Effekte auf Menschen ermittelt wurden, für eine Bewertung nicht ausreichend sind. Wenn wissenschaftliche Erw?gungen es nahelegen, k?nnen und sollen die Registranden jedoch von den Standardanforderungen der REACH-Anh?nge abweichen.

So kann auch schon ab der Mengenschwelle von 10 t/Jahr ein Test auf Langzeittoxizit?t für Fische notwendig werden, wenn der Stoff sehr schwer wasserl?slich ist (Anhang VIII REACH, 9.1.3 Spalte 2).
Ab der Mengenschwelle von 1 t/Jahr kann der Anmeldende die Langzeittoxizit?t statt der Kurzzeittoxizit?t ermitteln, wenn die geringe Wasserl?slichkeit des Stoffes dies sinnvoll erscheinen l?sst.

Wenn sich die Frage stellt, ob akute oder chronische Tests durchgeführt werden, sollte also nicht nur die kostengünstigste L?sung und die nur buchstabengetreue Erfüllung der Standardanforderungen in den REACH-Anh?ngen eine Rolle spielen. Entscheidend sind vielmehr wissenschaftliche Erw?gungen, wie sie in den Technischen Leitf?den detailliert erl?utert sind, wie die spezifischen kritischen Eigenschaften eines Stoffes in jedem Einzelfall ad?quat und effizient ermittelt werden k?nnen.

Besonders Hersteller und Importeure müssen mit diesem Baustein zur Stoffsicherheitsbeurteilung als Registranden sicherstellen, dass sie ihrer Verantwortung für den Schutz der Umwelt als dauerhafte Lebensgrundlage für Mensch und Natur gerecht werden.

Wenn Sie zu chronischen ?kotoxikologischen Tests Fragen haben, auf die Ihnen die Technischen Leitf?den keine ausreichenden Antworten geben, k?nnen Sie Fragen an den bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angesiedelten REACH-⁠CLP⁠-Helpdesk stellen. Sehen Sie dazu das Informationsportal der Bundesbeh?rden:
http://www.reach-clp-helpdesk.de/reach/de/Startseite.html

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 REACH  Chemikalien