Biodiversit?t

Ein grüner Leguan sitzt auf einem grünen Astzum Vergr??ern anklicken
Biologische Vielfalt ist eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens.
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Leben ist Vielfalt. Eine ausgewogene und funktionierende Umwelt gründet auf der Vielfalt der ?kosysteme, der genetischen Vielfalt und dem Reichtum an Arten bei Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen.

Inhaltsverzeichnis

 

Umweltschutz und Biodiversit?t

Der Begriff biologische Vielfalt bzw. ⁠Biodiversit?t⁠ umfasst diese drei Aspekte. Die ⁠Biologische Vielfalt⁠, der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Natur werden schwerpunktm??ig vom Bundesamt für Naturschutz bearbeitet. Daneben sind aber auch Umweltschutzaspekte von Bedeutung: Stoffkreisl?ufe, klares Wasser und saubere Luft, die Produktion von Nahrungsmitteln, die ⁠Anpassungsf?higkeit⁠ an ver?nderte Umweltbedingungen, die menschliche Erholung in der Natur, all dies beruht auf der biologischen Vielfalt. Für unser überleben müssen wir also die biologische Vielfalt nutzen und sie gleichzeitig schützen.

Die biologische Vielfalt dauerhaft zu erhalten und nur im Rahmen ihrer Leistungsf?higkeit zu nutzen kann nur gelingen, wenn alle Akteure in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft dieses Thema zu ihrer eigenen Sache machen. Die Bundesregierung hat deshalb 2007 eine Strategie zur biologischen Vielfalt verabschiedet, die alle Sektoren in die Pflicht nimmt – so auch den Umweltschutz, denn viele Ursachen für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt stehen im engen Zusammenhang mit den Arbeitsfeldern des klassischen Umweltschutzes.

Biologische Vielfalt stellt eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens dar. Andererseits üben wir einen starken – teils f?rdernden, teils zerst?rerischen – Einfluss auf die biologische Vielfalt aus. Im Jahr 2005 legte die ⁠UN⁠ die bisher umfangreichste Studie zum weltweiten Zustand und Wandel der ?kosysteme vor, deren Aussagen im Bericht ?Millennium Ecosystem Assessment und seine Relevanz für Deutschland des UFZ Leipzig zusammengefasst sind. Die wichtigsten direkten Triebkr?fte für den Verlust an biologischer Vielfalt sind demnach:

  • Landnutzungswandel: Fl?chenverbrauch für Siedlungen und Verkehr, Bodenversiegelung und Landschaftszerschneidung sowie Ver?nderungen natürlicher Lebensr?ume (z.B. Flussbegradigung, Wehre)
  • Klima?nderungen infolge Freisetzung von Treibhausgasen durch Verbrennen fossiler Brennstoffe, industrielle Produktion und intensivierte Landwirtschaft sowie durch den Landnutzungswandel bedingte Ausgasung klimarelevanter Gase (Entwaldung, Umwandlung von Mooren in Wiesen und ?cker)
  • Fl?chenhafte N?hr- und Schadstoffbelastung terrestrischer und aquatischer ?kosysteme durch Landwirtschaft, Industrie und Verkehr
  • übernutzung der natürlichen Ressourcen
  • Auftreten invasiver Arten

Mit Ausnahme der invasiven Arten stehen die Hauptursachen für den Verlust an Biodiversit?t in engem Zusammenhang mit den Arbeitsfeldern des klassischen Umweltschutzes. Viele umweltrechtliche Regelwerke zielen auf den Erhalt der biologischen Vielfalt ab, h?ufig ohne das Schutzgut Biodiversit?t explizit zu nennen.

Das ⁠UBA⁠ engagiert sich deshalb im besonderen Ma?e für die Umsetzung der in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt enthaltenen Umweltqualit?ts- und Umwelthandlungsziele. Ein wichtiges Ziel des UBA ist es, das Schutzgut Biodiversit?t noch st?rker in der Umweltgesetzgebung und im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern.

 

Fl?chensparen

Siedlungsb?nder und Verkehrswege sind für viele Arten unüberwindbare Hindernisse. Besonders Tierarten, die gro?e Reviere ben?tigen, sind unmittelbar von der Zerschneidung und dem Verlust zusammenh?ngender Lebensr?ume betroffen. Aber auch Arten mit geringeren Raumansprüchen werden beeintr?chtigt. Besonders fatal wirken sich Lebensraumzerschneidungen durch Verkehrswege aus. Bei Tierpopulationen, die in eng begrenzten Landschaftsfragmenten leben und nur wenige Individuen aufweisen, kann schon der Verlust weniger Individuen zum Zusammenbruch der Population in diesem Gebiet führen. Geringe Populationsgr??en zeitigen Inzucht und mittelfristig eine genetische Verarmung der Population. Die fehlende genetische Variabilit?t? beeintr?chtigt – tendenziell auf der Ebene der Population – die ⁠Resistenz⁠ gegenüber vielf?ltigen Krankheitserregern und die ⁠Anpassungsf?higkeit⁠ an wechselnde Umweltbedingungen. Auch dieser Mechanismus kann langfristig zum Aussterben von Teilpopulationen führen.

Ein Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung, das auch in der ?nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt - NBS“ aufgegriffen wurde, besteht darin, die Neuinanspruchnahme von Fl?chen für Siedlung und Verkehr von 130 ha pro Tag im Jahr 2000 auf 30 Hektar pro Tag im Jahr 2020 zu reduzieren. Ein langfristiges Ziel muss allerdings sein, diese Neuinanspruchnahme auf null zu reduzieren.

Dazu sind die umweltpolitischen, planungsrechtlichen und ?konomischen Rahmenbedingungen auf der Ebene des Bundes und der L?nder konsequent auf Fl?chensparen auszurichten. Dies muss auch mit konsequenten Zielvorgaben der Landes- und Regionalplanung vorangetrieben werden. Ein Handlungsziel der ⁠NBS⁠ fordert, dass bis zum Jahr 2015 raum- und gebietsbezogene Reduktionsziele auf regionaler Ebene, das hei?t zum Beispiel für Bundesl?nder, Landkreise und Kommunen, zu erarbeiten sind.

Das Fl?chensparziel kann nur durch Ma?nahmen zur Innenentwicklung, d.h. zur Lenkung künftiger Nutzungen aus dem Au?en- in den Innenbereich von St?dten und Gemeinden, erreicht werden, wo die Potentiale inner?rtlicher Brachfl?chen (mindestens 168.000 ha im Jahr 2004 bundesweit) zu nutzen sind. In Schrumpfungsregionen k?nnte dies mit dem Rückbau von nicht mehr ben?tigten Siedlungsteilen und Entsiegelung des Bodens verbunden werden. Die Vorteile der Innenentwicklung müssen verst?rkt in das gesellschaftliche Bewusstsein gerückt werden.

Zu den Grunds?tzen der ⁠Raumordnung⁠ gem?? Paragraf 2 Raumordnungsgesetz (ROG) geh?rt u.a. auch, dass die dezentrale Siedlungsstruktur des Gesamtraums mit ihrer Vielzahl leistungsf?higer Zentren und Stadtregionen zu erhalten ist.

Das von den Mitgliedstaaten der EU aufgestellte Europ?ische Raumentwicklungskonzept (EUREK) sowie die von den Staaten des Europarates verabschiedeten CEMAT-Leitlinien (Leitlinien für eine nachhaltige r?umliche Entwicklung auf dem europ?ischen Kontinent) bieten einen wichtigen Orientierungsrahmen für die nachhaltige Entwicklung des europ?ischen Territoriums und auch über die Grenzen Europas hinaus.

 

Luftreinhaltung

Wirkungen von Luftschadstoffen auf die ⁠Biodiversit?t

über den Luftpfad k?nnen Schadstoffe auch in solche ?kosysteme gelangen, die fernab der Schadstoffquellen liegen. Diese Luftschadstoffe bewirken sowohl direkte Sch?den an Pflanzen und Tieren als auch Ver?nderungen der Lebensbedingungen:

  • In natürlichen ?kosystemen führt ein überangebot an Stickstoff (⁠Eutrophierung⁠) zu einem unausgewogenen Ern?hrungsstatus; das überleben der standorttypischen Vegetationsgemeinschaften wird dadurch gef?hrdet.
  • Auch durch die Versauerung der B?den (ausgel?st durch den Eintrag von Stickstoff- und Schwefelverbindungen) ?ndern sich die Lebensbedingungen; wichtige Bodenlebewesen (z.B. Regenwürmer) k?nnen am Standort nicht mehr überleben. Au?erdem werden Schadstoffe (Aluminium, Schwermetalle) durch die Versauerung freigesetzt.
  • Bodennahes Ozon sch?digt die Blattorgane, beschleunigt Alterungsprozesse und verringert die Produktivit?t der Nutzpflanzen.

Ver?nderungen des Stoffhaushalts in ?kosystemen st?ren zusammen mit anderen Stressfaktoren (z.B. Witterungsextreme) die Funktionsabl?ufe in ?kosystemen und k?nnen eine nicht standorttypische Verschiebung im Artenspektrum und damit einen Verlust an biologischer Vielfalt bewirken. In vielen ?kosystemen sind die kritischen Belastungswerte zum Schutz vor Eutrophierung und Versauerung seit Jahrzehnten überschritten. Die Begrenzung der Eintr?ge luftgetragener Schad- und N?hrstoffe ist somit ein entscheidender Schritt zum Schutz unserer biologischen Vielfalt.

Luftreinhaltung und Schutz der Biodiversit?t

Die Luftreinhaltepolitik verfolgt das Ziel Mensch und Umwelt vor sch?dlichen Einwirkungen durch Luftschadstoffe zu schützen. Sie konnte in der Vergangenheit wichtige Erfolge erzielen. So wurden beispielsweise die verkehrs- und industriebedingten Emissionen von Stickstoff- und Schwefelverbindungen in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Ein ?hnlicher Erfolg blieb bei den Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft bisher aus, diese stagnieren seit gut zehn Jahren auf hohem Niveau. Auch bei der Belastung mit Ozon gibt es nur bei den Spitzenwerten eine rückl?ufige Entwicklung. Die Konzentration bodennahen Ozons ?in siedlungsfernen Gebieten in Mitteleuropa hat sich hingegen in den vergangenen 100 Jahren etwa verdoppelt. Die bestehende Belastungssituation stellt noch immer eine bedeutende Gef?hrdung für die Biodiversit?t dar.

Im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonvention wurde das Konzept der kritischen Belastungsraten (Critical Loads) entwickelt. Dieses Konzept zielt darauf, Luftreinhaltestrategien so zu optimieren, dass die überschreitungen der kritischen Belastungsraten durch den Eintrag von Luftschadstoffen minimiert werden. Durch diesen Ansatz ist es der Politik m?glich, die Wirkungen auf die Biodiversit?t bei der Entwicklung und Umsetzung von Ma?nahmen direkt zu berücksichtigen. Die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (⁠NBS⁠) verlangt die Einhaltung der Critical Loads/ Critical Levels zum Schutz empfindlicher ?kosysteme vor Eutrophierung und Versauerung sowie vor Schwermetallbelastungen und bodennahem Ozon bis 2020.

 

Bodenschutz

Der Boden unter unseren Fü?en enth?lt eine enorme biologische Vielfalt, deren Ausma? bisher nur gesch?tzt werden kann und von der das gesamte oberirdische Leben abh?ngt.? Ein Gramm Boden enth?lt Milliarden von Mikroorganismen, also Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller. Unter einem Quadratmeter Boden leben Hunderttausende bis Millionen von Bodentieren, wie Fadenwürmer, Regenwürmer, Milben, Asseln, Springschw?nze und Insektenlarven. Hochgerechnet auf einen Hektar ergibt das circa 15 Tonnen Lebendgewicht im durchwurzelbaren Bodenraum, was dem Gewicht von etwa 20 Kühen entspricht.

Bodennutzungen und ihre Belastungen

Die biologische Vielfalt in und auf unseren B?den ist durch unterschiedliche Belastungen bedroht:

  • Fl?chenversiegelung mit der Folge des Totalverlusts an ⁠Biodiversit?t
  • Erh?hte Stoffeintr?ge (Schad- und N?hrstoffe) als Folge des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Kompost und Kl?rschlamm auf der Fl?che, aber auch diffuse Eintr?ge von Luftschadstoffen führen zum Verlust an Vielfalt der im und auf dem Boden lebenden Arten.
  • Mit ⁠Erosion⁠ durch Wasser und Wind sowie durch Boden-Verdichtung (Zerst?rung der Bodenstruktur) gehen Bodenqualit?t und Humusgehalt für die Pflanzenproduktion verloren, aber das Rückhalteverm?gen für Schadstoffe und die Belüftung im Boden.
  • Auch der ⁠Klimawandel⁠ beeintr?chtigt den Wasserhaushalt und damit auch den Stoffhaushalt von B?den.

Nationaler und europ?ischer Bodenschutz

Nach Paragraf 2 BBodSchG ist die natürliche ⁠Bodenfunktion⁠ als ?Lebensgrundlage für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen“ zu schützen. Das Schutzziel der natürlichen Bodenfunktionen erstreckt sich auch auf die bodentypischen Organismen. Für den Schutz gegen sch?dliche Bodenver?nderungen wurde bei der Ableitung von Vorsorgewerten der Schutz der Bodenorganismen mit berücksichtigt. Zu bodenbiologischen Indikatoren für die Charakterisierung eines guten ?kologischen Zustands der B?den besteht jedoch noch Forschungsbedarf.

Die Europ?ische Bodenschutzstrategie (EU-Kommission, 2006) benennt? den Verlust von Biodiversit?t in B?den als eine der bedeutendsten Gefahren für den Boden. Obwohl die im Entwurf vorliegende Boden-Rahmenrichtlinie der Europ?ischen Kommission den Erhalt der Biodiversit?t in B?den nicht explizit erw?hnt, ist davon auszugehen, dass die darin vorgeschlagenen Ma?nahmen (Schutz vor Verdichtung, Erosion, Versalzung, ⁠Versauerung⁠ und Verminderung der Schadstoffeintr?ge) zugleich positive Effekte auf die Boden-Biodiversit?t haben werden. Die von der Bundesregierung 2007 verabschiedete ?Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ thematisiert die Bodenbiologie bisher nicht direkt, aber in den Handlungsfeldern werden Ziele gesetzt – zum Beispiel die Verringerung der Stoffeintr?ge (z.B. N?hrstoffe, Schadstoffe und Pflanzenschutzmittel) – durch die auch die Bodenorganismen geschützt werden.

Die Realisierung von Zielen des Natur- und Artenschutzes, die Extensivierung der Land- und Forstwirtschaft, die Minimierung der Stoffeintr?ge sowie die Verringerung des Fl?chenverbrauchs k?nnen einen Beitrag zum Schutz der Bodenorganismen und Bodenfunktionen leisten.

Boden-Dauerbeobachtungsprogramm

Auf vielen der circa 800 Fl?chen der Boden-Dauerbeobachtung führen die Bundesl?nder in ihrer Verantwortung auch bodenbiologische Untersuchungen durch. Diese Untersuchungen werden zurzeit in einem Forschungsprojekt zusammengetragen und ausgewertet.

Bodenbiologische Güteklassen

Ein Vorschlag für ein Konzept zur Bewertung der biologischen Qualit?t von B?den wurde mit den ?Bodenbiologischen Güteklassen“ vorgelegt. Allerdings fu?te das Projekt in erster Linie auf Waldstandorten, wenigen Grünlandstandorten und nur einem Acker. Damit sind bisher noch keine Bewertungen ⁠anthropogen⁠ beeinflusster Standorte m?glich.

Bodenbiologischer Atlas

Eine interessante europ?ische Aktivit?t ist die Ver?ffentlichung des ?Atlas der Boden Biodoversit?t“ durch das Joint Research Center (JRC) in Ispra (Italien). In Zusammenarbeit mit einer Reihe von Spezialisten aus den europ?ischen Mitgliedstaaten wurden Informationen zu Bodenorganismen, deren Vorkommen, Lebensweise, Gef?hrdung und Schutz zusammengestellt. Vervollst?ndigt wird diese Zusammenstellung durch brillante Aufnahmen von Bodenorganismen und ihren Lebensr?umen.

 

Biodiversit?t im Gew?sserschutz

Die biologische Gew?ssergütekarte zeigte von 1975 bis 2000 eine kontinuierliche Verbesserung der Sauerstoffverh?ltnisse an – nach 1990 auch in den neuen Bundesl?ndern. Aber reicht das aus, um die ⁠Biodiversit?t⁠ der Gew?sser zu schützen? Die ⁠Wasserrahmenrichtlinie⁠ (WRRL) von 2000 und die Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) von 2008 führten einen an Biodiversit?t und Natürlichkeit orientierten neuen Bewertungsma?stab ein: den ?kologischen Zustand. Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt hat die Ziele der WRRL und MSRL aufgenommen und verdeutlicht damit den Handlungsdruck an Flüssen, B?chen und Seen, im Grundwasser und den Meeren.

Biodiversit?t in Flüssen, B?chen und Seen

Wenn man den Ma?stab ?Guter ?kologischer Zustand“ anlegt, bleibt noch viel zu tun:

  • Etwa 200.000 Wehre zerschneiden im Durchschnitt alle zwei Kilometer Deutschlands Flüsse und B?che. Dies hat zur Folge, dass zahlreiche Fische nicht mehr wandern und laichen k?nnen.
  • Die Gew?sser sind eingeengt, begradigt und vertieft, damit bis an die Ufer gesiedelt und gewirtschaftet werden kann und Schiffe ausreichende Wassertiefe haben. Die Fische finden somit auch nicht mehr die natürliche Vielfalt aus Kies, Sand und Schlamm sowie die für ihren Lebensraum typischen Wasserpflanzen, Insekten und Muscheln vor.
  • Zu hohe N?hrstoffgehalte, die vor allem aus der Landwirtschaft stammen, lassen Algen überm??ig wachsen, wodurch Seen rasant ver?den und verlanden.

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert, alle diese Probleme aufzugreifen und bis 2015 einen guten Zustand für die Gew?sser zu erreichen. Die erste Bestandsaufnahme 2004 und die Zustandsbewertung in den Bewirtschaftungspl?nen zur WRRL 2009 belegen gro?e Fortschritte bei der chemischen Gew?sserreinhaltung, zeigen aber auch Defizite und deren Ursachen beim ?kologischen Zustand. Weniger als 9 Prozent der Flüsse in Deutschland befinden sich heute in einem guten Zustand. Für weitere 5 Prozent wird das bis 2015 erreichbar sein. Die Gründe liegen vor allem in den strukturellen Ver?nderungen von B?chen und Flüssen, zum Beispiel aus Gründen des Hochwasserschutzes, der Schifffahrtsnutzung oder der ⁠Gew?sserunterhaltung⁠ im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung. Bei den Seen f?llt das Ergebnis besser aus: Etwa 40 Prozent erreichen den guten Zustand schon heute.

Biodiversit?t im Grundwasserschutz

Erste Untersuchungen zu biologischen Bewertungsm?glichkeiten, bauen auf Erkenntnissen zur mikrobiellen Aktivit?t und zu Besiedlungsmustern der Grundwasserfauna im Untergrund auf. In Grundwasser?kosystemen kommen vergleichsweise wenige Organismen vor. So enth?lt ein Tropfen sauberes Grundwasser zehn bis 100-mal weniger Bakterien als ein Tropfen Oberfl?chenwasser. Auch die kleinr?umige, lokale Artenvielfalt der h?heren Organismen ist oft gering. Dagegen kann die Vielfalt? der vorkommenden Arten in gro?r?umigen Bioregionen die Artenzahlen von Oberfl?chenwasserorganismen erreichen. Nachgewiesen werden vor allem kleine Krebstiere, Würmer und Milben. Insgesamt ist der Lebensraum durch viele Endemiten, Reliktformen und sehr seltene Arten gepr?gt. Grundwasser wird nach seiner Chemie und dem Wasserhaushalt bewertet. ?kologie und Biodiversit?t spielen bisher keine Rolle.

Biodiversit?t im Meeresschutz

Die Meeresumwelt nimmt eine zentrale Stellung in den unterschiedlichsten Kreisl?ufen der Biosph?re ein. Gleichzeitig unterliegt sie einem hohen Nutzungsdruck durch den Menschen, der eineVielzahl von Umweltproblemen, wie überdüngung, überfischung etc. nach sich zieht. Im Zuge der Umsetzung der Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) erfolgt eine Beschreibung des guten Meereszustands, die Festlegung von Umweltzielen und entsprechenden Indikatoren für jede Meeresregion auf der Grundlage einer Anfangsbewertung und schlie?lich die Aufstellung der überwachungsprogramme für die Zustandsbewertung und zur Kontrolle der Wirksamkeit der ergriffenen Ma?nahmen. Dabei nimmt der Erhalt der Biodiversit?t eine bedeutende Rolle ein.

Die ?stuare und Küstengew?sser sind bereits nach der Wasserrahmenrichtlinie bewertet worden: Nur ein Prozent zeigen schon heute einen guten Zustand. Dafür sind ma?geblich die zu hohen N?hrstoffbelastungen verantwortlich.

 

Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel

Der ⁠Klimawandel⁠ ist eine entscheidende Triebkraft für den weltweiten Verlust an ⁠Biodiversit?t⁠. Als besonders gef?hrdet gelten beispielsweise ?kosysteme wie Feuchtgebiete, Korallenriffe, Mangroven- und Tropenw?lder. Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klima?nderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) rechnet damit, dass sich bei einem Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 1°C das Aussterberisiko für zehn Prozent der weltweiten Arten erh?ht (mehr Informationen).

Durch Klima?nderungen k?nnten in den n?chsten Jahrzehnten Sch?tzungen zufolge bis zu 30 Prozent der derzeitigen Tier- und Pflanzenarten deutschlandweit aussterben, da ihre ⁠Anpassungsf?higkeit⁠ begrenzt ist (siehe Deutsche Anpassungsstrategie). Dies geht aus den Roten Listen (IUCN) der gef?hrdeten Arten in Deutschland hervor (Binot et al. 1998, Ludwig & Schnittler 1996).

Erhaltung der Biodiversit?t durch ⁠Klimaschutz

Mit der Klimarahmenkonvention (⁠UNFCCC⁠, 1994) und dem zugeh?rigen Kyoto-Protokoll (1997) hat sich die Staatengemeinschaft weitreichende Ziele gesetzt, um die Folgen der ⁠Klima?nderung⁠ zu begrenzen und die ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ voranzubringen.

Auch im Zusammenhang mit dem Schutz der Biodiversit?t setzt sich Deutschland weiterhin für ein ambitioniertes ⁠Klima⁠-Abkommen ein, mit dem die globale Erw?rmung auf maximal 2°C begrenzt werden kann. Allerdings führt bereits eine Temperaturerh?hung um weniger als 2°C zu unumkehrbaren Auswirkungen auf die Biodiversit?t, mit weitreichenden Folgen für das Klima und die sozio-?konomischen Systeme. Das ⁠UBA⁠ setzt sich daher in der Beratungst?tigkeit für ⁠BMU⁠ für Klimaschutzziele ein, die auch die Wirkung auf die Biodiversit?t angemessen berücksichtigen (EU-Ver?ffentlichung ?Scientific Perspectives After Copenhagen“).

Die Interessen aller Staaten müssen in den internationalen Klimaverhandlungen angemessen berücksichtigt werden. Für die nationale und internationale Politikberatung analysiert UBA fortlaufend die ?kologische Wirksamkeit umweltpolitischer Klimaschutzma?nahmen, so zum Beispiel auch des Mechanismus zur Verminderung der Entwaldung (REDD+).

Ein priorit?res Ziel der Nationalen Biodiversit?tsstrategie ist die Minderung der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Mit dem Integrierten Energie- und Klimaschutzprogramm von 2007 und dem Energiekonzept aus dem Herbst 2010 hat sich Deutschland verpflichtet, die THG-Emissionen bis 2020 um 40% gegenüber 1990 und bis 2050 weiter um 80 bis 95% zu reduzieren. Die Umsetzung dieser Ziele soll regelm??ig überprüft werden.

Erhaltung der Biodiversit?t durch Anpassung an den Klimawandel

In Deutschland wurde 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel verabschiedet. Die ⁠DAS⁠ berücksichtigt die Biodiversit?t als ein wichtiges Schutzgut und behandelt es sektorübergreifend innerhalb des Anpassungsprozesses mit integrierenden Ma?nahmen. Dies soll die Risiken des Klimawandels für ?kosysteme und damit für Bev?lkerung und Wirtschaft mindern.

In einer Vulnerabilit?tsstudie hat das UBA 2005 die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland auf betroffene Regionen und Sektoren, welche die Biodiversit?t beinhalten, umfassend dargestellt. Weitere Informationen zum Thema Anpassung in Deutschland und Europa sind beim Kompetenzzentrum ⁠Klimafolgen⁠ und Anpassung des UBA (KomPass) erh?ltlich. Hier finden sich neben Hintergrund- und Fachinformationen auch Klimaprojektionen, ein Projektkatalog sowie mehrere interaktive ?Tools“ zum Thema Anpassung, ein Terminkalender und vieles mehr.

Auf europ?ischer Ebene ist das UBA Mitglied der Arbeitsgruppe ?Ad Hoc AG ⁠Adaptation⁠ and Biodiversity“ bei der Europ?ischen Kommission.

Innerhalb des Europ?ischen Themenzentrums Luft und Klima der Europ?ischen Umweltagentur (ETC/ACM) hat das UBA ma?geblich zu einem überblick über die Klimafolgen in Europa beigetragen und einen Katalog von Leitprinzipien zur guten und erfolgreichen Anpassung an den Klimawandel erstellt (EIONET; Guiding Principles for adaptation to climate change in Europe).

Auf internationaler Ebene finanziert die Bundesregierung seit 2008 im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) Projekte zu Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsl?ndern, die auch den Schutz der Biodiversit?t unterstützen und bringt die Ergebnisse in die Verhandlungen ein. UBA ist als Mitglied des Steuerungskreises der IKI in die Begleitung des Programms eingebunden.

 

Chemikalien in der Umwelt

Weltweit werden circa 100 000 Chemikalien in verschiedenen Anwendungsbereichen, zum Beispiel als Industriechemikalien, Arzneimittel, Biozide oder Pflanzenschutzmittel, eingesetzt. Ein geringer Anteil der Stoffe, wie die in der Landwirtschaft gro?fl?chig ausgebrachten Pflanzenschutz- oder Düngemittel, wird dabei zielgerichtet und offen in die Umwelt ausgebracht. Für den gr??ten Anteil der Stoffe stellt der Eintrag in die Umwelt jedoch einen unerwünschten Nebeneffekt bei der Herstellung, Verarbeitung, Anwendung oder Entsorgung dar. Der Eintrag umweltkritischer Chemikalien kann mit erheblichen Sch?den für die betroffenen ?kosysteme und den in ihnen lebenden Arten verbunden sein:

  • So verursachte die Belastung mit dem Insektizid ⁠DDT⁠ in den 70ger Jahren Populationeinbrüche bei verschiedenen Greifv?geln,
  • bioakkumulierende Schadstoffe wie ⁠PCB⁠ und DDT beeintr?chtigen das Immunsystems und die Fortpflanzungsf?higkeit bei Seehunden,
  • die Ausbringung von mit Tierarzneimitteln und/oder Bioziden belasteter Gülle auf landwirtschaftlichen Fl?chen führt zur Sch?digung von Bodenlebewesen.

Jeder Chemikalienbereich verfügt über gesetzliche Regelungen. Bereits vor dem Einsatz der Chemikalie soll so sichergestellt werden, dass die Belastungen der Umwelt auf ein vertretbares Ma? eingeschr?nkt und das Auftreten von Biodiversit?tssch?den durch Chemikalieneintr?ge vermieden werden. Der Vollzug der Chemikaliengesetzgebung im Umweltbereich sowie auch die Fortentwicklung der zugrundeliegenden Konzepte der erforderlichen Risikoprüfung ist im Umweltbundesamt im Fachbereich IV gebündelt und umfasst die folgenden Bereiche:

Pflanzenschutzmittel

Keine Stoffgruppe wird so gezielt und in ?hnlich gro?em Umfang offen in die Umwelt ausgebracht, wie die Pflanzenschutzmittel (PSM). PSM werden eingesetzt um bestimmte Zielarten (Sch?dlinge) zu bek?mpfen. Da ihre Wirkung aber nicht auf die Zielarten beschr?nkt ist und sie zudem in der Landwirtschaft sehr gro?fl?chig und intensiv eingesetzt werden, ist eine umfassende Bewertung ihres Umweltrisikos erforderlich. Die unerwünschten Nebenwirkungen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes k?nnen nicht nur für die benachbarten natürlichen Lebensr?ume, sondern auch für die landwirtschaftlichen Fl?chen selbst ein Problem darstellen. Beispiele hierfür sind potentielle Beeintr?chtigungen der Bodenfruchtbarkeit durch Sch?digung wichtiger Bodenorganismen oder von Tieren, die sich nur tempor?r auf den Fl?chen aufhalten, wie z. B. Wirbeltiere oder Blütenbest?uber bei der Nahrungssuche. Indirekte Wirkungen ergeben sich auch durch die überm??ige Beseitigung der Ackerbegleitflora mit so genannten Breitband-Herbiziden, denn für eine Vielzahl von Tieren entlang der Nahrungskette (zum Beispiel Goldammer oder Rebhuhn) bedeutet dies einen weitgehenden Entzug der Nahrung und somit auch der Lebensgrundlage. Der Pflanzenschutzmittelabsatz nimmt in Deutschland mit ca. 35.000 t Wirkstoffen im Jahr 2008 eine Spitzenposition ein und hat in den Jahren 1999 bis 2008 deutlich zugenommen.

Ein neues PSM kann nur zugelassen werden, wenn das ⁠UBA⁠ die Umweltrisiken des PSM bewertet hat und diese vertretbar sind. Mit dem Inkrafttreten der neuen Pflanzenschutzmittelverordnung VO (EC) 1107/2009 Ende 2009 wurde erstmals der Schutz der ⁠Biodiversit?t⁠ auch als eigenst?ndige Zielvorgabe für die Risikoregulierung von Pflanzenschutzmitteln eingeführt. Das UBA hat die Biodiversit?t auch bisher schon als integralen Bestandteil der bestehenden Schutzgüter betrachtet und bei der Risikobeurteilung entsprechend berücksichtigt. Es existieren jedoch Defizite sowohl hinsichtlich der Konkretisierung des Schutzziels für die Risikobewertung als auch bei der Umsetzung effizienter Ma?nahmen des Risikomanagements in die Praxis.? Basierend auf den Forschungsaktivit?ten auf nationaler und internationaler Ebene ist das Umweltbundesamt bemüht die Umweltregulierung von Pflanzenschutzmitteln stetig an den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik anzupassen.

Biozide, Arzneimittel

Auch für andere Bereiche der Chemikaliengesetzgebung wie den Bioziden oder den Arzneimitteln tr?gt das UBA als zust?ndige nationale Bewertungsbeh?rde die Verantwortung für den Schutz der Leistungs- und Funktionsf?higkeit der ?kosysteme und der biologischen Vielfalt vor unvertretbaren Eintr?gen von Chemikalien mit.

Chemikalien (⁠REACH⁠)

Mit der Umsetzung der neuen Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschr?nkung chemischer Stoffe (?REACH“) ist eine standardm??ige Prüfung der Umwelteigenschaften für die auf dem europ?ischen Markt befindlichen Chemikalien verknüpft. REACH verpflichtet Hersteller und Importeure von Chemikalien diese Daten zu erheben und zusammen mit Informationen zum sicheren Umgang mit diesen Chemikalien in der Lieferkette weiterzugeben. In einem Dossier, welches Hersteller und Importeure zur registrierung ihrer Chemikalien einreichen müssen, müssen sie nachweisen, dass die Verwendung dieser Stoffe nicht zu negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit führen kann.

Die Behebung des eklatanten Informationsmangels zu den Eigenschaften der Chemikalien verbessert die M?glichkeit der Identifizierung und Regulierung von besonders besorgniserregenden Stoffen. Unter REACH gelten Stoffe als besonders besorgniserregend, wenn sie z. B. eine hormonelle Wirkung zeigen, negativ auf die Fortpflanzungsf?higkeit wirken oder besonders langlebig und giftig sind und sich in Organismen anreichern. Für besonders besorgniserregende Stoffe wurde unter REACH ein Zulassungsverfahren eingeführt. Es gibt aber auch die M?glichkeit unter REACH Stoff-Beschr?nkungen zu verabschieden.

 

Agrarpolitik

Galt die Landwirtschaft lange Zeit als Garant für die Arten- und Biotopvielfalt in der offenen Kulturlandschaft, z?hlt sie seit der Industrialisierung im Pflanzenbau und in der Tierhaltung zu den treibenden Kr?ften für den Verlust an biologischer Vielfalt.

Ursachen hierfür sind vor allem die stofflichen Belastungen durch Pestizideinsatz und überdüngung aber auch die maschinengerechten (ausger?umten) Landschaften ohne Geh?lze, Feldraine und andere naturbetonte Biotope, die bei der Flurbereinigung auf der Strecke blieben, Entw?sserung der Landschaft sowie der Intensivanbau von Hochertragssorten.

Emissionen aus der Nahrungsmittelproduktion (Landwirtschaft und Verbrennungsprozesse wie zum Beispiel Herstellung, Transport und Verteilung von Vorleistungen und verarbeiteten Produkten) haben die Flussraten insbesondere von reaktiven Stickstoffverbindungen erheblich erh?ht. Daraus resultierende Umweltbelastungen sind vor allem ⁠Versauerung⁠, ⁠Eutrophierung⁠ sowie Beitr?ge zur ⁠Klima?nderung⁠. Durch erfolgreichere Minderungsma?nahmen in anderen Sektoren w?chst der Anteil der Landwirtschaft an der verbleibenden Umweltbelastung.

Wie sich die intensive Landwirtschaft auf Boden, Wasser, Luft, das ⁠Klima⁠ und die biologische Vielfalt auswirkt ist in der Broschüre ?Umwelt und Landwirtschaft“ aus der Reihe ?Daten zur Umwelt“ dargestellt.

Nachwachsende Rohstoffe, bislang haupts?chlich Raps und Mais, werden in Deutschland bereits auf ca. 2 Mio. Hektar angebaut und genutzt. Der Anbau von ⁠Biomasse⁠ muss nach guter fachlicher Praxis erfolgen, das bedeutet, dass der Anbau schutzgutorientiert erfolgen muss. Dabei sind die vorsorgenden Anforderungen des Umweltschutzes zu beachten.

Ma?nahmen zur Reduzierung von Umweltsch?den beinhalten eine deutliche Ausweitung des ?kologischen Landbaus, die Honorierung ?kologischer Leistungen, den Abbau umweltsch?dlicher Subventionen, die Besserstellung nachhaltig wirtschaftender Betriebe, ?gerechte” Preise für ihre Produkte sowie entsprechende Schwerpunkte in Ausbildung und Beratung. Entscheidend ist auch das nachhaltige Ern?hrungsverhalten der Verbraucher.

Zur aktuell anstehenden Reformrunde der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) für die Zeit von 2014 – 2020 hat das ⁠UBA⁠ die Umweltschutzanforderungen in einem Hintergrundpapier zusammengefasst.

 

Bioenergie

?Der (CO2-)Emissionsfaktor für ⁠Biomasse⁠ ist Null“. So pauschal steht es noch im ⁠Treibhausgas⁠-Emissionshandelsgesetz (⁠TEHG⁠) von 2004 (Bundesgesetzblatt, 2004 Teil I Nr. 35, 14. Juli 2004). Jedoch werden mit zunehmender energetischer und stofflicher Verwertung von Biomasse auch deren ?kologische und soziale Folgen diskutiert. Dabei wird nicht nur der Emissionsfaktor in Frage gestellt, sondern auch kritisiert, dass die weltweite Ausweitung der Biomasseproduktion mit der Ern?hrungssicherung und dem Schutz der ⁠Biodiversit?t⁠ konkurriert.

Neben der direkten Fl?chenkonkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelerzeugung stehen auch bestimmte Anbaumethoden sowie Ernte- und Verarbeitungsverfahren in der Kritik. Die Biomasse verursacht die gleichen Probleme, wie die gesamte industrielle Landwirtschaft. Zur Ausweitung der Anbaufl?che der pflanzenschutzmittelintensiven (Mono-) Kulturen Mais, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln wurde in den letzten Jahren Grünland in Acker umgewandelt sowie die Verwendung von Düngemitteln und Pestiziden erh?ht. Viel Wasser verbrauchende Kurzumtriebsplantagen k?nnen den Wasserhaushalt sch?digen, insbesondere bei gleichzeitig durch den ⁠Klimawandel⁠ zunehmendem ⁠Trockenstress⁠. Eine überm??ige Entnahme organischen Materials (Stroh, Laub, ⁠Totholz⁠) führt zur Humusverarmung der B?den.

Auch die Forstwirtschaft als wichtigster Lieferant von Biomasse für Energie ist aufgefordert, trotz Nutzungsdruck schon lange bekannte Nachhaltigkeitskriterien einzuhalten. National und international wird vor allem die Umwidmung von natürlichen oder naturnahen Mischwaldbest?nden in Plantagen schnell wachsender Monokulturen kritisiert. Vollbaumnutzung braucht den Humus und die N?hrstoffe der Waldstandorte auf. Landnutzungs?nderungen auf kohlenstoffreichen B?den (wie Moore und Grünland) für Biomasseanbau führen zu massiven Treibhausgasemissionen.

Rechtliche Regelungen fordern ⁠Nachhaltigkeit⁠. Die bereits 2007 zu beobachtende doppelte Nachfragesteigerung sowohl nach Lebensmitteln als auch nach Bioenergietr?gern und die Perspektive gesteigerter Importe waren für die Bundesregierung Anlass, u.a. zum Schutz der Biodiversit?t den ersten Entwurf einer Biokraftstoffverordnung vorzulegen, die Nachhaltigkeit fordert und auch im internationalen Kontext relevant war. In Folge verst?ndigte sich auch die Europ?ische Union in der Richtlinie 2009/28/EG zur F?rderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen (EE-RL) auf Nachhaltigkeitsanforderungen für flüssige Biobrennstoffe und Biokraftstoffe.

Die Bundesregierung setzte diese Anforderungen in der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV) und der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV) entsprechend der europ?ischen Vorgaben um. Beide Nachhaltigkeitsverordnungen verpflichten seit 1.1.2011 zum Nachweis der Einhaltung bestimmter Anforderungen, wenn eine Anrechnung auf die Biokraftstoffquote bzw. eine steuerliche Erm??igung oder Vergütung nach dem EEG in Deutschland erfolgen soll. Den Nachweis führen von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ern?hrung (BLE) akkreditierte Zertifizierungsstellen.

Die beiden Verordnungen enthalten im Hinblick auf den Schutz der Biodiversit?t folgende Anforderungen als Zertifizierungsvoraussetzung: Biokraftstoffe und flüssige Biobrennstoffe dürfen nicht aus Rohstoffen hergestellt werden, die auf Fl?chen mit hohem Wert hinsichtlich der biologischen Vielfalt gewonnen werden. Ausnahmen gelten, wenn nachgewiesen wird, dass die Nutzung dem Naturschutzzweck nicht zuwiderl?uft.