Arzneimittelrückst?nde in der Umwelt

Arzneimittel sind für die menschliche und tierische Gesundheit unverzichtbar. Jedoch führen der hohe Verbrauch sowie der teilweise unkritische Umgang mit Arzneimitteln zu einer Zunahme von sch?dlichen und oft langlebigen Rückst?nden in der Umwelt. Um Gew?sser und B?den als Lebensraum und Trinkwasserressource zu schützen, muss der Eintrag von Arzneimittelrückst?nden in die Umwelt begrenzt werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Zahl der Wirkstoffe in Human- und Tierarzneimitteln

In Deutschland sind in der Humanmedizin derzeit rund 2.500 verschiedene Wirkstoffe auf dem Markt, wovon etwa die H?lfte nach den aktuellen Bewertungskriterien relevant für eine vertiefte Umweltprüfung w?ren.

In der Tiermedizin sind in Deutschland zurzeit über 400 Wirkstoffe auf dem Markt (Stand 2018: 443). Vor allem Antiparasitika und Antibiotika sind hier bezogen auf den Anteil am Tierarzneimittelmarkt und vor allem bei den negativen Auswirkungen auf die Umwelt relevant.

Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Antibiotika j?hrlich an Tier?rzte abgegeben werden und diese Daten an ein zentrales Register melden, welches beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in K?ln geführt wird. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin wertet diese Daten aus und ver?ffentlicht sie j?hrlich.

Im Jahr 2019 wurden in der Tierhaltung allein 670 t an Antibiotika an Tier?rzte abgegeben. Es handelt sich dabei zumeist um Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline, Tetracycline und Polypeptide. Die Abgabemengen für Veterin?rantibiotika sind in den letzten Jahren allerdings stetig gesunken, seit 2011 um 60,7 % (siehe Tab. ?Vergleich der Abgabemengen der Wirkstoffklassen in der Tiermedizin 2011 bis 2019“).

Eine Tabelle zeigt, dass im Jahr 2019 rund 670 Tonnen Antibiotika an Tier?rzte in Deutschland abgegeben wurde. Dies waren 1036 Tonnen weniger als 2011.
Tab: Vergleich der Abgabemengen der Wirkstoffklassen in der Tiermedizin 2011 bis 2019
Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Tabelle als PDF zur vergr??erten Darstellung
 

Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt

Rückst?nde von Arzneimittelwirkstoffen und ihre ⁠Metabolite⁠ sowie ⁠Transformationsprodukte⁠ gelangen, nachdem sie Mensch oder Tier verabreicht wurden, über deren Ausscheidungen über verschiedene Wege in Gew?sser und B?den:

  • Humanarzneimittel gelangen gr??tenteils über die Abw?sser in die Kl?ranlagen. Dort werden diese jedoch zum gr??ten Teil nicht zurückgehalten oder eliminiert. Deshalb werden Rückst?nde von Humanarzneimitteln nahezu fl?chendeckend und ganzj?hrig im Bereich von Kl?ranlagenabl?ufen sowie in B?chen, Flüssen und Seen, aber auch im Grund- und vereinzelt im Trinkwasser nachgewiesen (siehe Abb. ?Anzahl der gemessenen Arzneimittelwirkstoffe (AMW) inkl. Transformationsprodukte (TP) und Metabolite (ME) mit Positivbefund in Kl?ranlagenabl?ufen (KA), Oberfl?chen-, Grund- und Trinkwasser“). Rückst?nde von Humanarzneimitteln gelangen auch über Kl?rschl?mme aus der Abwasserreinigung auf landwirtschaftliche B?den.
  • Rückst?nde von Tierarzneimitteln gelangen in erster Linie über die Ausbringung von Gülle und Mist von behandelten Nutztieren aus der Intensivtierhaltung auf landwirtschaftliche B?den sowie über die direkte Ausscheidung durch behandelte Nutztiere auf der Weide (siehe Abb. ?Anzahl der gemessenen Arzneimittelwirkstoffe in B?den, Sedimenten, Gülle/Dung und Kl?rschlamm“). Je nach Substanz- und Standorteigenschaften reichern sich die Tierarzneimittelrückst?nde im Oberboden an (z.B. Tetracycline) oder k?nnen über Abschwemmung durch Starkregenereignisse in Oberfl?chengew?sser und/oder durch Versickerung ins oberfl?chennahe Grundwasser gelangen (z.B. Sulfonamide).

Bisherige Ergebnisse aus Forschungsprojekten und speziellen Messprogrammen der L?nderbeh?rden zeigen, dass in Deutschland mindestens 269 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe, deren Metabolite oder Transformationsprodukte in der Umwelt nachgewiesen wurden. Sie wurden meist in Flüssen, B?chen oder Seen gemessen. In den meisten F?llen liegen die Konzentrationen im Bereich von 0,1 bis ein Mikrogramm pro Liter (μg/l). Das Spektrum der gefundenen Wirkstoffe oder deren Metabolite und Transformationsprodukte ist gro?. Am h?ufigsten werden Antiepileptika, Analgetika (Schmerzmittel), Antibiotika sowie Betablocker und iodierte R?ntgenkontrastmittel gefunden. Die h?chsten Konzentrationen wurden bei den Wirkstoffen für Diuretika (harntreibende Medikamente), Antidiabetika sowie iodierte R?ntgenkontrastmittel und Antiepileptika nachgewiesen (siehe Abb. ?Arzneimittelwirkstoffe in Oberfl?chengew?ssern“). Bei den Metaboliten/Transformationsprodukten wurden die h?chsten Konzentrationen für Guanylharnstoff (Transformationsprodukt des Antidiabetikums Metformin), Oxipurinol (Metabolit des Gichtmittels Allopurinol) und Valsartans?ure (Metabolit des Blutdrucksenkers Valsartan) gemessen (siehe Abb. ?Metabolite, Transformationsprodukte und ihre Ausgangswirkstoffe in Oberfl?chengew?ssern“). Aufgrund der hohen Metabolisierung sind nicht von allen Metaboliten die Ausgangswirkstoffe in der Umwelt noch nachweisbar.

Gesundheitsfachleute gehen mit der zunehmenden Alterung der Bev?lkerung von einem Anstieg des Arzneimittelverbrauchs aus. Daher ist in Zukunft auch mit einem Anstieg der Umweltbelastung durch Arzneimittelrückst?nden zu rechnen. Dies bedeutet somit verst?rkten Handlungsbedarf in Hinblick auf Ma?nahmen und Aktivit?ten zur Reduzierung des Eintrags von Arzneimitteln und ihren Rückst?nden in die Umwelt.

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Prüfung der Umweltwirkung von Arzneimitteln

Das Umweltbundesamt (⁠UBA⁠) bewertet im Rahmen der Zulassungsverfahren von Human- und Tierarzneimitteln wie sich deren Wirkstoffe auf die Umwelt auswirken. Das UBA führt dabei keine eigenen Untersuchungen durch. Es prüft die von Antragstellern eingereichten Daten zu Umweltwirkungen und bewertet dann die Risiken für die Umwelt.

Es ist gesetzlich geregelt, welche Informationen und Testergebnisse Unternehmen, die ein Arzneimittel auf den Markt bringen wollen, für eine Umweltprüfung vorlegen müssen.