Bodenversiegelung

Etwa 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsfl?chen sind in Deutschland aktuell versiegelt, das hei?t bebaut, betoniert, asphaltiert, gepflastert oder anderweitig befestigt. Damit gehen wichtige Bodenfunktionen, vor allem die Wasserdurchl?ssigkeit und die Bodenfruchtbarkeit, verloren. Mit der Ausweitung der Siedlungs- und Verkehrsfl?chen nimmt auch die Bodenversiegelung zu.

Inhaltsverzeichnis

 

Was ist Bodenversiegelung?

Bodenversiegelung bedeutet, dass der Boden luft- und wasserdicht abgedeckt wird, wodurch Regenwasser nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen versickern kann und auch der Gasaustausch des Bodens mit der ⁠Atmosph?re⁠ gehemmt wird.
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Innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfl?chen ist ein Teil der B?den durch darauf errichtete Geb?ude versiegelt. Auch unbebaute Fl?chen – wie Freifl?chen, Betriebsfl?chen, Erholungsfl?chen und Verkehrsfl?chen – sind teilweise mit Beton, Asphalt, Pflastersteinen oder wassergebundenen Decken befestigt und damit ganz oder teilweise versiegelt.

asphaltierte Stra?e und gepflasterter Weg, im Hintergrund ein Neubaugebiet "auf der grünen Wiese"
Fruchtbare B?den gehen weltweit verloren – etwa durch Versiegelung, Bebauung oder übernutzung.
Quelle: ThomBal / Fotolia.com
 

?kologische Auswirkungen

Eine überm??ige Bodenversiegelung hat unmittelbare Auswirkungen auf den Wasserhaushalt: Zum einen kann Regenwasser weniger gut versickern und die Grundwasservorr?te auffüllen, zum anderen steigt das Risiko, dass bei starken Regenf?llen die Kanalisation oder die Vorfluter die oberfl?chlich abflie?enden Wassermassen nicht fassen k?nnen und es somit zu ?rtlichen überschwemmungen kommt.

Auch das Kleinklima wird negativ beeinflusst: Versiegelte B?den k?nnen kein Wasser verdunsten, weshalb sie im Sommer nicht zur Kühlung der Luft beitragen. Hinzu kommt, dass sie als Standort für Pflanzen ungeeignet sind, welche somit als Wasserverdunster und als Schattenspender ausfallen.

Vor allem wird die natürliche Bodenfruchtbarkeit durch eine Versiegelung der B?den massiv beeintr?chtigt. Wenn der Boden dauerhaft von Luft und Wasser abgeschlossen ist, geht die Bodenfauna zugrunde, welche wiederum wichtige Funktionen für den Erhalt und die Neubildung von fruchtbaren B?den erfüllt.

Schlie?lich ist Bodenversiegelung nur schwer und mit hohen Kosten wieder zu beseitigen. Im Anschluss an eine Entsiegelung bleibt die natürliche Struktur des Bodens gest?rt. H?ufig bleiben Reste von Fremdstoffen (wie Beton- oder Asphaltbrocken, Kunststoffsplitter oder diverse Schadstoffe) im Boden zurück. Eine neue Bodenfauna bildet sich nur über l?ngere Zeitr?ume, so dass auch die natürliche Bodenfruchtbarkeit verz?gert und oft nicht in der vorherigen Qualit?t wieder herstellbar ist.

 

Bodenversiegelung in Deutschland

Für Deutschland weist die amtliche Fl?chenstatistik zum Ende des Jahres 2018 51.315 Quadratkilometer (km2) Siedlungs- und Verkehrsfl?chen aus. Davon waren laut Umwelt?konomischen Gesamtrechnungen der L?nder etwa 45,1 % versiegelt. Bezogen auf die Gesamtfl?che betr?gt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfl?che 14,4 % und der Anteil der versiegelten Fl?che 6,5 %.

Zum Ende des Jahres 1992 lag der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfl?che noch bei 11,5 % (38.669 km2) und der Anteil der versiegelten Fl?che bei 5,3 % (17.839 km2) (siehe Abb. ?Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfl?che an der Gesamtfl?che Deutschlands“).

Somit hat in den 26 Jahren von 1992 bis 2018 die Bodenversiegelung um insgesamt 4.622 km2 zugenommen. Das sind im Durchschnitt 178 km2 pro Jahr. W?hrend das Tempo in den Jahren bis etwa 2015 aufgrund baukonjunktureller Effekte etwas nachgelassen hat, ist aufgrund des steigenden Bedarfs an neuem Wohnraum zuletzt wieder ein leichter Zuwachs zu erkennen. Dies zeigt sich u.a. auch an der grundlegenden Entwicklung des Anstiegs der Siedlungs- und Verkehrsfl?che. Dennoch hat die j?hrliche Zunahme der versiegelten Siedlungs- und Verkehrsfl?che im Vergleich zur Mitte der 1990er Jahre erheblich abgenommen (siehe Abb. ?Zunahme der versiegelten Siedlungs- und Verkehrsfl?che“).

Im 4-Jahreszeitraum von 1993 bis 1996 wuchs die versiegelte Fl?che um 185,8 km2 pro Jahr. Im Bauboom von 1997 bis 2000 steigerte sich das Wachstum der versiegelten Fl?che sogar auf 190,8 km2 pro Jahr. Im Jahr 2018 lag der Zuwachs der versiegelten Fl?che dagegen bei 65 km2 pro Jahr, wobei aufgrund fehlender Daten der Zuwachs in Thüringen pauschal als Null angenommen wurde, was es bei der Interpretation zu berücksichtigen gilt.

Die Zunahme versiegelter Fl?chen ist vor allem auf das stetige Wachstum der Verkehrsfl?chen zurückzuführen, denn mit 50 bis 70 % weisen Verkehrsfl?chen einen relativ hohen Anteil versiegelter Fl?che auf.

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Ermittlung der Bodenversiegelung

Die Bodenversiegelung in einem Gebiet l?sst sich mit Hilfe von Luftbildaufnahmen, die zur weiteren Absicherung der Daten auch mit topographischen Karten, Katasterdaten, Bebauungspl?nen oder anderen geographischen Informationen abgeglichen werden k?nnen, in guter N?herung ermitteln. Mit ⁠Unsicherheit⁠ behaftet ist dabei vor allem die Bewertung teilversiegelter Fl?chen - also von Fl?chen, die mit lose verlegten Platten, Pflastern oder wassergebundenen Decken befestigt sind.

In vielen Gemeinden wird inzwischen die Versiegelung von Baugrundstücken erhoben, um den Eigentümern bei der Berechnung der Abwassergebühren die Beseitigung von nichtversickertem Regenwasser anlasten zu k?nnen. Die diesbezüglichen Informationen verbleiben allerdings bei den Abwasserbetrieben und sind nicht ?ffentlich zug?nglich. Eine fl?chendeckende, detaillierte Erfassung der Bodenversiegelung in Deutschland oder einzelnen Bundesl?ndern gibt es daher nicht. Lediglich im Rahmen von diversen Forschungsvorhaben wurde in einigen ausgew?hlten Regionen die Bodenversiegelung fl?chendeckend in unterschiedlichem Detaillierungsgrad erfasst.

Um dennoch eine Aussage über die Bodenversiegelung in Deutschland treffen zu k?nnen, hat der L?nderausschuss für Bodenschutz (LABO) einen Arbeitskreis eingerichtet, in dem Fachleute auf der Basis der vorliegenden Regionaldaten zur Bodenversiegelung ein Rechenmodell entwickelt haben, mit dem sich überschl?gig die Bodenversiegelung innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfl?che berechnen l?sst. Dem Rechenmodell liegt die Beobachtung zugrunde, dass der Versiegelungsgrad innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfl?che umso h?her ist, je st?rker die Region besiedelt ist. Mit anderen Worten: Je st?rker die Besiedelung, desto knapper ist der Raum und desto intensiver sind die Bebauung und die Versiegelung der genutzten Fl?chen.

Beispielsweise ist im dicht besiedelten Stadtstaat Berlin etwa 70 % der Verkehrsfl?che versiegelt, w?hrend im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern nur etwa 50 % der Verkehrsfl?che versiegelt ist. Zur Verkehrsfl?che z?hlen unter anderem Stra?en, Wege, Pl?tze und Eisenbahnen, aber auch B?schungen, Seiten- und Mittelstreifen und sonstigen Nebenfl?chen. Entsprechendes gilt auch für Geb?ude- und Freifl?chen, bei denen der Versiegelungsgrad zwischen 55 % in den Stadtstaaten und 45 % in den dünnbesiedelten Fl?chenl?ndern variiert (siehe Tab. ?Eckwerte und resultierende Parameter für die Berechnung der versiegelten Siedlungs- und Verkehrsfl?che“). Die hier angegebenen Werte für das Jahr 2011 wurden auf Basis dieser Methode berechnet.

Seit einiger Zeit weisen auch die Umwelt?konomische Gesamtrechnungen der L?nder (UGRdL) Daten zu Versiegelungsanteilen der Siedlungs- und Verkehrsfl?che auf Ebene der Bundesl?nder aus. Auch hier wird ein entsprechendes Sch?tzverfahren angewendet, welches im Methodenbericht auf den Internetseiten der UGRdL dokumentiert ist. Die hier angegebenen Werte für das Jahr 2018 greifen auf die UGRdL zurück.

Exkurs 1: Wie wird der Anteil versiegelter Siedlungs- und Verkehrsfl?che nach LABO berechnet?
Die Berechnung des Anteils der versiegelten Siedlungs- und Verkehrsfl?che in den Bundesl?ndern in einem bestimmten Jahr in Abh?ngigkeit von der Nutzungsart erfolgt nach der Formel:

Pn,b (t) = A1n * Db (t) + A0n

Dabei sind
t: das Bezugsjahr
n: die Nutzungsart
b: das Bundesland
Db: der Anteil der SuV-Fl?che im jeweiligen Bundesland in % (Siedlungs- und Verkehrsfl?che/Landesfl?che*100)
Pn,b: der Prozentsatz der versiegelten Fl?che in Abh?ngigkeit von Bundesland und Nutzungsart
A1n, A0n: Parameter, die so gew?hlt sind, dass für das Jahr 2000 in den Bundesl?ndern mit der h?chsten bzw. geringsten Dichte (Berlin (BE) und Mecklenburg-Vorpommern (MV)) für die Versiegelungsanteile bestimmte Eckwerte eingehalten werden.

Exkurs 2: Wie ist die Daten- und Berechnungsqualit?t einzusch?tzen?
Eine regelm??ige amtliche Erfassung des Versiegelungsgrades wird bislang nicht durchgeführt, weshalb die hier angegebenen Versiegelungsgrade anhand von Sch?tzverfahren ermittelt wurden. Insgesamt ist festzustellen, dass die Methoden nur eine ungef?hre Absch?tzung der Bodenversiegelung abbilden k?nnen. Die Ergebnisse sind für einen r?umlichen Vergleich der Bundesl?nder geeignet. Die zeitliche Vergleichbarkeit ist allerdings durch die methodische Umstellung in der Fl?chenerhebung zum Berichtsjahr 2016 eingeschr?nkt.

Die Tabelle zeigt die Eckwerte und daraus resultierende Parameter für die Berechnung der versiegelten Siedlungs- und Verkehrsfl?che beispielhaft für Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.
Tab: Eckwerte und resultierende Parameter für die Berechnung der versiegelten SuV
Quelle: Gunreben at al. Tabelle als PDF