Siedlungs- und Verkehrsfl?che

Der Fl?chenverbrauch für Siedlungen und Verkehr hat Auswirkungen auf die Umwelt. Versiegelte Fl?chen schaden B?den und begünstigen Hochwasser. Die Zersiedelung erzeugt zudem mehr Verkehr. Die Bundesregierung will den Fl?chenverbrauch bis 2020 auf 30 ha pro Tag und bis 2030 auf weniger als 30 ha pro Tag senken. Das integrierte Umweltprogramm des BMU formuliert für 2030 ein Ziel von 20 ha pro Tag.

Inhaltsverzeichnis

 

Anhaltender Fl?chenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke

In Deutschland werden stetig neue Fl?chen für Arbeiten, Wohnen und Mobilit?t belegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hat sich die Siedlungs- und Verkehrsfl?che von 1992 bis 2019 von 40.305 auf 51.489 Quadratkilometer (km2) ausgedehnt. Damit ist die Siedlungs- und Verkehrsfl?che in den letzten 27 Jahren um 11.184 km2 bzw. 27,7 % angestiegen (siehe Abb. ?Siedlungs- und Verkehrsfl?che nach Art der tats?chlichen Nutzung“). Rechnerisch entspricht dies einem Zuwachs von durchschnittlich 180 ha oder beinahe 2 km2 pro Tag. Mit Blick auf die Teilfl?chen dehnte sich die Siedlungsfl?che um 40,0 % und die Verkehrsfl?che um 9,8 % aus. Der Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfl?che vollzog sich in weiten Teilen zu Lasten der landwirtschaftlich genutzten Fl?che. Es ist zu dabei zu beachten, dass Fl?chenverbrauch etwas anderes als Bodenversiegelung ist.

Das Diagramm zeigt, die Siedlungs- und Verkehrsfl?chen haben in den Jahren 1992 bis 2019 stetig zugenommen.
Siedlungs- und Verkehrsfl?che nach Art der tats?chlichen Nutzung
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Das Tempo des Fl?chen-Neuverbrauchs geht zurück

Obwohl in Deutschland weiterhin neue Fl?chen für Siedlungs- und Verkehrszwecke in Anspruch genommen werden, ist die Inanspruchnahme neuer Fl?chen seit 2000 erheblich zurückgegangen. Sie wird meist als Mittelwert über 4 Jahre angegeben, um etwa wetter- oder konjunkturbedingte Schwankungen in der Baubranche zu gl?tten und Trends besser zu erkennen. So betrug der t?gliche Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfl?che in den Jahren 1997 bis 2000 im Schnitt 129 Hektar (ha), das entspricht etwa 180 Fu?ballfeldern, am Tag. Demgegenüber ging der durchschnittliche t?gliche Anstieg in den Jahren 2015 bis 2018 auf nur noch 56 ha zurück (siehe Abb. “Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfl?che“).

Auch in den Werten für die Einzeljahre ist seit 2004 ein rückl?ufiger ⁠Trend⁠ erkennbar. Der gesamtdeutsche t?gliche Fl?chenverbrauch lag im Jahr 2009 erstmals unter dem Wert von 80 ha. Auch nach 2010 ist der Fl?chenverbrauch tendenziell mit leichten Schwankungen in den Einzeljahren zurückgegangen. 2015 lag der durchschnittliche t?gliche Fl?chenverbrauch bei nur noch 61 ha. Der Wert für 2016 ist – wegen Umstellungen der Erhebungsmethode – mit so gro?en Unsicherheiten behaftet, dass er sich nicht für Trendbetrachtungen eignet. Da die Umstellungen der Erhebungsmethode im Jahr 2017 in vier Bundesl?ndern immer noch nicht abgeschlossen waren, sind auch die Daten des Einzeljahrs 2017 noch mit Unsicherheiten behaftet. Aus diesen Gründen kann als ⁠Indikator⁠ für die Jahre ab 2016 allenfalls der 4-Jahres-Mittelwert herangezogen werden mit einem Wert 2015 bis 2018 mit 56 Hektar pro Tag.

Ein Diagramm stellt in Balkenform für jedes Jahr dar, wie viel Hektar Fl?che in Deutschland zwischen 1993 und 2018 pro Tag neu für Siedlungs- und Verkehrsfl?chen ausgewiesen wurden. Erg?nzend wird als Linie der Vier-Jahres-Durchschnitt abgebildet.
Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfl?che
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Politische Ziele

2002 hat die Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel vorgegeben, den t?glichen Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfl?che bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar zu reduzieren. Im Rahmen der Neuauflage 2016 wurde zudem das Ziel formuliert, den Zuwachs bis zum Jahr 2030 auf ?weniger als 30 Hektar“ zu begrenzen (siehe Indikator "Siedlungs- und Verkehrsfl?che“). Damit tr?gt sie der Tatsache Rechnung, dass Fl?che eine bedeutsame begrenzte natürliche Ressource darstellt, um deren Nutzung Land- und Forstwirtschaft, Siedlungs- und Verkehrsentwicklung, Naturschutz, Rohstoffabbau und Energieerzeugung konkurrieren.

Das integrierte Umweltprogramm des ⁠BMU⁠ formuliert für das Jahr 2030 sogar das Ziel von 20 Hektar pro Tag, denn sp?testens zum Jahr 2050 soll – nach der Ressourcenstrategie der Europ?ischen Union und dem Klimaschutzplan der Bundesregierung – der übergang zur Fl?chenkreislaufwirtschaft (Netto-Null-Ziel) geschafft werden. Um überprüfen zu k?nnen, ob sich die Entwicklung auf dem Pfad zu den genannten Zielen bewegt, hat das Umweltbundesamt Zwischenziele für die Jahre 2010, 2015, 2025, 2035, 2040 und 2045 eingeführt (siehe Tab. ?Zwischenziele für die Fl?chenneuinanspruchnahme). Nach dem Klimaschutzplan der Bundesregierung soll der Fl?chenverbrauch bis 2050 auf Netto-Null reduziert und somit der übergang in eine Fl?chenkreislaufwirtschaft vollzogen sein.

Um das 30-Hektar-Ziel bis zum Jahr 2020 erreichen zu k?nnen, hat die Bundesregierung bereits verschiedene Anstrengungen unternommen. Beispielsweise hat sie im Jahr 2013 ein Gesetz zur St?rkung der st?dtebaulichen Innenentwicklung erlassen. Au?erdem unterstützt sie die Kommunen bei der Nutzung von Brachfl?chen, Freifl?chen und Baulücken sowie bei der Nach- und Umnutzung von leerstehenden Geb?uden in Innenst?dten und Dorfkernen.

In der Tabelle sind die umweltpolitischen Ziele für den Fl?chenverbrauch im Zeitraum 2010 bis 2050 dargestellt.
Tab: Zwischenziele für die Fl?chenneuinanspruchnahme
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Zukünftige Entwicklung

Trotz der tendenziellen Verlangsamung bei der Fl?chenneuinanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr ist Deutschland bislang noch ein gutes Stück vom Erreichen des 30-Hektar-Ziels entfernt. Falls sich die Entwicklung wie in letzten fünf Jahren fortsetzt, wird das 30-Hektar-Ziel für das Jahr 2020 sowohl im Einzeljahr als auch im 4-Jahres-Mittelwert verfehlt. Für das Jahr 2030 würde eine stetige Fortsetzung des Trends es jedoch erm?glichen, sogar ein 20-Hektar-Ziel einzuhalten.

Allerdings ist keineswegs sichergestellt, dass dieser ⁠Trend⁠ anh?lt. Im Jahr 2017 wurde durch eine Novelle des Baugesetzbuchs (BauGB) und der Baunutzungsverordnung (BauNVO) mit der Einführung des Urbanen Gebiets zwar dichteres Bauen in Siedlungen erleichtert, gleichzeitig wurde aber mit der Einführung des § 13b BauGB die Erweiterung von Siedlungen im ⁠Au?enbereich⁠ erheblich vereinfacht und damit allen Bemühungen zur Innenentwicklung und Revitalisierung von Ortskernen entgegengewirkt. Der vom Bundeskabinett beschlossene Entwurf des Gesetzes zur Mobilisierung von Bauland (Baulandmobilisierungsgesetz) verl?ngert diese Regelung zun?chst bis Ende 2022, was voraussichtlich zu einer weiteren Fl?chenneuinanspruchnahme im Au?enbereich von Siedlungsgebieten führen wird. Insgesamt besteht bei anhaltendem Bev?lkerungs- und Wirtschaftswachstum und intensiver Baut?tigkeit die Gefahr, dass der Fl?chenverbrauch auch über das Jahr 2020 hinaus weiter zunimmt. Ob und inwieweit dies m?glicherweise durch Auswirkungen der Corona-Pandemie gebremst wird, ist aktuell nicht wissenschaftlich fundiert einsch?tzbar.

Um das Nachhaltigkeitsziel für das Jahr 2030 sicher zu erreichen, sollte deshalb die konsequente Weiterentwicklung von zielführenden planerischen, rechtlichen und ?konomischen Instrumenten zum Fl?chensparen und deren Umsetzung in der Praxis vorangetrieben werden. Gleicherma?en sollten innovative Ans?tze – wie zum Beispiel eine Fl?chenkontingentierung – konsequent gef?rdert werden. Je zügiger Ma?nahmen ergriffen werden, desto weniger Landschaften und B?den gehen am Ende verloren.

 

Umstellung der Erhebungsmethodik im Jahr 2016

Für das Jahr 2016 sind die Daten nur mit Einschr?nkungen belastbar, weil in diesem Jahr eine Umstellung der Erhebungsmethodik der Datengrundlage vom automatisierten Liegenschaftsbuch (ALB) zum amtlichen Liegenschaftskataster-Informationssystem erfolgte. Damit ging eine leicht ge?nderte Nomenklatur einher und es ?nderte sich zum Teil die Zuordnung einzelner Fl?chennutzungstypen zu den Oberkategorien.

Insbesondere wurde die Unterscheidung zwischen den Oberkategorien ?Geb?ude- und Freifl?che“ sowie ?Betriebsfl?che ohne Abbauland“ aufgehoben. Des Weiteren gab es eine Verlagerung von Geb?ude- und Freifl?chen für die Erholung zu den Erholungsfl?chen und teilweise von Geb?ude- und Freifl?chen für Verkehrsanlagen zu den Verkehrsfl?chen. Diese Umgruppierungen sind für die Berechnung des Indikators ?Siedlungs- und Verkehrsfl?che“ aber nicht relevant, weil sie innerhalb der Siedlungs- und Verkehrsfl?chen erfolgten.

Relevant für den Indikator ?Siedlungs- und Verkehrsfl?che“ sind hingegen Verlagerungen von Nicht-Siedlungs- und Verkehrsfl?chen in die Siedlungs- und Verkehrsfl?che (Historische Anlagen, Nicht-milit?rische übungspl?tze, Betriebsfl?chen Land- und Forstwirtschaft) bzw. eine Verlagerung von Gebieten, die bislang zur Siedlungs- und Verkehrsfl?che z?hlten, in andere Kategorien (Verkehrsbegleitfl?che Gew?sser). W?hrend die Auswirkungen dieser Umstellung in einigen Bundesl?ndern kaum sichtbar sind (z.B. Baden-Württemberg), gab es in anderen Bundesl?ndern für das Jahr 2016 deutliche Verwerfungen in der Zeitreihe (z.B. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern).