Ozon - Einhaltung von Zielwerten zum Schutz der Pflanzen

Bodennahes Ozon kann Pflanzen sch?digen. Wirkungsschwellenwerte (Critical Levels) markieren, welche Ozonbelastung nicht überschritten werden darf, um Sch?den an Kultur- und Wildpflanzen zu vermeiden. Die Zielwerte zum Schutz der Vegetation nach EU-Richtlinie 2008/50/EG werden in Deutschland vielerorts überschritten. Neue Bewertungsmethoden führen zu einer noch pr?ziseren Risikobewertung.

Inhaltsverzeichnis

 

Wirkungen von bodennahem Ozon auf Pflanzen

Pflanzen, die zu viel Ozon durch ihre Spalt?ffnungen aufnehmen, tragen oft Sch?den davon. Als sichtbare Anzeichen treten Verf?rbungen und abgestorbene Blattteile auf (siehe Foto ?Sichtbare Blattsch?den bei Kartoffelpflanzen“). Diese und andere nicht sichtbare Stoffwechselver?nderungen in den Pflanzen führen bei Kulturpflanzen zu Ertrags- und Qualit?tsverlusten. B?ume werden ebenfalls geschw?cht. Experimente belegen langfristig verminderte Zuwachsraten und eine erh?hte Empfindlichkeit gegenüber anderen Stressfaktoren (siehe Foto ?Zuwachsminderung bei jungen Eichen durch die Einwirkung von Ozon“). Es gibt auch deutliche Hinweise darauf, dass sich bodennahes Ozon auf die biologische Vielfalt und die ?kosystemfunktionen auswirken kann (Bergmann 2015).

Wie bodennahes Ozon entsteht, erfahren Sie hier.

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Critical Levels für Ozon – Schutzwerte für Pflanzen

?Critical Levels“ sind Wirkungsschwellenwerte zum Schutz der Vegetation, die im Internationalen Kooperativprogramm zur Bewertung von Luftverunreinigungen auf die Vegetation (ICP Vegetation) im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonvention definiert wurden. Wie hoch das Risiko durch bodennahes Ozon für Pflanzen ist, h?ngt neben den Ozonkonzentrationen auch vom Witterungsverlauf im entscheidenden Zeitabschnitt ab. Zwei unterschiedliche Herangehensweisen in der Risikobewertung sind zu unterscheiden:

AOT40⁠: Die Abkürzung AOT kommt aus dem Englischen und bedeutet ?Accumulation Over a Threshold“. Bei dieser Methodik werden alle überschreitungen eines Stundenmittels der Ozonkonzentration von 40 Teilen pro Milliarde (parts per billion, ⁠ppb⁠) ? das entspricht 80 Mikrogramm pro Kubikmeter w?hrend der Tageslichtstunden ? über die Zeitspannen mit intensivem Wachstum summiert (Critical Levels als AOT40: siehe Tab. ?Konzentrationsbasierte Critical Levels für Ozon“). In dieser Zeit reagieren Pflanzen besonders empfindlich auf Ozon.

Phytotoxische Ozondosis (⁠POD⁠): Eine weiterentwickelte Methodik, die das tats?chliche Risiko wesentlich pr?ziser abbildet, bezieht sich auf den Ozonfluss aus der ⁠Atmosph?re⁠ über die Spalt?ffnungen in die Pflanzen. Sie berücksichtigt, dass sich die Spalt?ffnungen unter bestimmten Witterungsbedingungen schlie?en und dadurch der Ozonfluss unterbunden ist. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Risikoindikator zum Schutz der Pflanzen sowohl international als auch in Deutschland durchsetzen wird (Critical Levels als POD-Werte: siehe Tab. ?Critical Levels für Ozon bezogen auf kritische Ozonflüsse in die Pflanzen, standortbezogene Risikobewertung“).

Einzelheiten zu diesen und weiteren Methoden der Critical Levels-Berechnung stehen im Methodenhandbuch des International Cooperative Programme zur Modellierung und Kartierung von Critical Loads und Levels (ICP Modelling and Mapping Manual).

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Zielwerte der Europ?ischen Union zum Schutz der Vegetation

Nach der Richtlinie 2008/50/EG des Europ?ischen Parlaments und des Rates vom 21. Mai 2008 über Luftqualit?t und saubere Luft für Europa (in deutsches Recht umgesetzt durch die 39. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz) gilt als Zielwert für den Schutz der Vegetation nach wie vor der Expositionsindex ⁠AOT40⁠ von 18.000 Mikrogramm pro Kubikmeter und Stunde (μg/m3*h), gemittelt über fünf Jahre. Dieser soll seit 2010 an jeder Station eingehalten werden (siehe Abb. ?Ozon AOT40 – gleitende 5-Jahres-Mittelwerte, gemittelt über alle l?ndlichen Hintergrundstationen“). Langfristig soll fl?chendeckend ein niedrigerer Zielwert von 6.000 μg/m3*h zum Schutz der Vegetation Anwendung finden (siehe Abb. ?Ozon AOT40-Mittelwerte (Schutz der Vegetation) für Einzeljahre, gemittelt über alle l?ndlichen Hintergrundstationen“). Dieser langfristige Zielwert entspricht dem Critical Level für Ozon als AOT40 (siehe Tab. ?Konzentrationsbasierte Critical Levels für Ozon“).

Die Richtlinie 2008/50/EG soll in den n?chsten Jahren überarbeitet werden. Es ist anzunehmen, dass dabei auch die Zielwerte und die langfristigen Ziele zum Schutz der Vegetation an den neuesten Stand des Wissens angepasst werden. Die im Dezember 2016 überarbeitete Richtlinie (EU) 2016/2284 über die Reduktion der nationalen Emissionen bestimmter Luftschadstoffe, zur ?nderung der Richtlinie 2003/35/EG und zur Aufhebung der Richtlinie 2001/81/EG empfiehlt bereits ozonflussbasierte Indikatoren und Critical Levels zur langfristigen Beobachtung und Bewertung der Wirkungen von bodennahem Ozon auf die Vegetation. Die konkreten Anforderungen für die Umsetzung dieses Wirkungsmonitorings werden in einer internationalen Expertengruppe abgestimmt.

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Entwicklung und Ziele bei der Ozonbelastung

Sowohl konzentrationsbasierte als auch flussbasierte Critical Levels für Ozon (ICP Vegetation) werden in Europa und auch in Deutschland gro?fl?chig überschritten (vgl. Bender et al. 2015). Einige der in diesem Forschungsbericht genannten flussbasierten Critical Levels, die für eine fl?chenhafte Modellierung und Bewertung herangezogen wurden, sind seither jedoch angepasst worden, sodass inzwischen eine überprüfung der Aussagen des Berichts notwendig w?re, insbesondere für Grasland).

Die Abbildung “Ozon ⁠AOT40⁠-5-Jahres-Mittelwerte, gemittelt über alle l?ndlichen Hintergrundstationen“ zeigt die über fünf Jahre gemittelten Werte für alle (je nach Jahr 44 bis 75) l?ndlichen Hintergrundstationen. Die Mittelung über 5-Jahre dient dazu, witterungsbedingte Schwankungen auszugleichen. Die Situation kann an einzelnen Stationen deutlich besser oder schlechter sein als der Durchschnitt der Stationen, wie die Abbildung ?Ozon AOT40 - Einhaltung des Zielwertes zum Schutz der Vegetation (nur l?ndlicher Hintergrund)“ zeigt. Ziel der Europ?ischen Union (EU) und Deutschlands ist es, den Zielwert für 2010 und zukünftig auch den langfristigen Zielwert (siehe Abb. ?Ozon AOT40-Mittelwerte (Schutz der Vegetation) für Einzeljahre, gemittelt über alle l?ndlichen Hintergrundstationen“) immer an allen Stationen einzuhalten.

Die scheinbar deutliche Senkung der 5-Jahres-Mittelwerte für den Zeitraum 2007 bis 2016 ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Jahr 2006, welches besonders hohe Ozonkonzentrationen aufwies (siehe Abb. ?Ozon AOT40-Mittelwerte (Schutz der Vegetation) für Einzeljahre, gemittelt über alle l?ndlichen Hintergrundstationen“), aus dem Berechnungszeitraum herausfiel. 2018 war erneut ein Jahr mit sehr hoher Ozonbildung. Der erste 5-Jahres-Durchschnittswert, bei dem dieses Jahr einbezogen ist, liegt deshalb wieder deutlich h?her, wenn auch unterhalb des Zielwertes.

Im Gegensatz zum Zielwert ab 2010 gilt der langfristige Zielwert zum Schutz der Vegetation nach EU-Richtlinie 2008/50/EG für jedes einzelne Jahr. Die AOT40-Jahreswerte lagen von 1995 bis 2018 auch im Mittel der l?ndlichen Messstationen weit über dem langfristigen Zielwert und zeigten keinen eindeutigen ⁠Trend⁠ (siehe Abb. “Ozon AOT40 – Mittelwerte für Einzeljahre zum Schutz der Vegetation (nur l?ndlicher Hintergrund)“). Den starken Einfluss meteorologischer Verh?ltnisse auf die Ozonbelastung veranschaulichen vor allem die Werte der Jahre 1995, 2003, 2006 und 2018. In diesen Jahren traten w?hrend der ⁠Vegetationsperiode⁠ sehr hohe Temperaturen und Strahlungsintensit?ten und somit für die Ozonbildung besonders günstige Bedingungen auf.

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