Waldzustand: Kronenverlichtung

W?lder sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere, filtern Schadstoffe aus der Luft, schützen vor Erosion und Lawinen, wirken regulierend im Wasserhaushalt, dienen dem Menschen als Ort für Erholung und liefern den Rohstoff Holz. Diese vielf?ltigen Funktionen im Naturhaushalt und für den Menschen k?nnen nur gesunde W?lder erfüllen. Die Kronenverlichtung zeigt den Gesundheitszustand von Waldb?umen an.

Inhaltsverzeichnis

 

Ergebnisse der Waldzustandserhebung

Die Abbildung ?Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung“ zeigt die ⁠mittlere Kronenverlichtung⁠ für die vier Hauptbaumarten in deutschen W?ldern sowie für die Kategorie ?Gesamt/alle Baumarten“, die neben den Hauptbaumarten auch andere Laub- und Nadelbaumarten erfasst. Je kleiner die Werte für die Kronenverlichtung ausfallen – also je belaubter oder benadelter die Baumkronen – desto besser der Kronenzustand. Der Kronenzustand der Buchen und Eichen verschlechterte sich in den letzten Jahrzehnten gegenüber dem Beginn der Erhebung im Jahr 1984 deutlich. 2019 lag die mittlere Kronenverlichtung bei diesen Baumarten bei 28,6 % beziehungsweise 28,2 %. Die Fichte zeigt seit Beginn der 1990er Jahre keinen klaren ⁠Trend⁠ der Verbesserung oder Verschlechterung des Kronenzustands. Im Jahr 2019 lag die mittlere Kronenverlichtung der Fichte bei 23,9 %. Die Kiefer ist seit Beginn der 1990er Jahre der Baum mit der geringsten Kronenverlichtung. 2019 betrug die mittlere Kronenverlichtung der Kiefer 22,4 %. Weitere Informationen zur Kronenverlichtung und zum Waldzustand finden Sie in den vom Bundesministerium für Ern?hrung und Landwirtschaft (⁠BMEL⁠) ver?ffentlichten ?Ergebnissen der Waldzustandserhebung 2019“.

Das Diagramm zeigt die mittlere Kronenverlichtung für die vier Hauptbaumarten in den deutschen W?ldern sowie für die Kategorie ?Gesamt/alle Baumarten“, die neben diesen auch andere Laub- und Nadelbaumarten erfasst.
Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung
Quelle: Bundesministerium für Ern?hrung und Landwirtschaft Diagramm als PDF
 

Ursachen der Kronenverlichtung als Wirkungskomplex

Die Kronenverlichtung und andere Schadsymptome an Waldb?umen lassen sich nicht eindeutig auf einzelne Einflussfaktoren zurückführen. Es ist davon auszugehen, dass immer verschiedene abiotische und biotische, vom Menschen verursachte und natürliche Faktoren als Schadursachen zusammenwirken. Wichtige Einflussgr??en sind:

  • Die atmosph?rische ⁠Deposition⁠ von Stickstoff- und Schwefelverbindungen und die damit verbundenen Bodenver?nderungen – vor allem ⁠Versauerung⁠ und ⁠Eutrophierung⁠ (N?hrstoffanreicherung);
  • die ⁠Witterung⁠ (zum Beispiel lange Trockenperioden; vgl. Seidling, 2006 und Seidling, 2007);
  • Insekten- und Krankheitsbefall;
  • andere biologische Ursachen, wie die überdurchschnittliche Ausbildung von Früchten (zum Beispiel sogenannte Mastjahre bei Eiche und Buche), die zur lichteren Ausbildung der Baumkrone führen;
  • das Alter des Baumes: ?ltere B?ume sind in der Regel st?rker verlichtet als jüngere.

Die einzelnen Faktoren wirken nicht unabh?ngig voneinander: So k?nnen zu hohe Stickstoffeintr?ge das Wachstum von B?umen f?rdern, aber auch die Anf?lligkeit gegenüber Witterungsextremen sowie Insekten- und Krankheitsbefall erh?hen. Auch der ⁠Klimawandel⁠ dürfte die Wirkung der einzelnen Faktoren verst?rken.

Im Jahr 2019 zeigen alle Baumarten schlechtere Werte der mittleren Kronenverlichtung als 2017 und 2018. Die beiden Laubbaumarten liegen aber trotz der in vielen Regionen Deutschlands und nach 2017 zum wiederholten Mal beobachteten extremen Trockenheit in den Sommermonaten sowie regional auftretenden Krankheiten und Sch?dlingen innerhalb der Schwankungsbreite der letzten Jahre. Dagegen zeigen die beiden Nadelbaumarten sowie die Kategorie ?Gesamt/alle Baumarten“ im Jahr 2019 den schlechtesten mittleren Kronenzustand seit Beginn der Erfassung. Die in einigen Regionen Deutschlands eingetretenen schweren Waldsch?den werden durch den ⁠Indikator⁠ ?mittlere Kronenverlichtung“ nicht abgebildet.

 

Methodik der Waldzustandsbewertung

Die Bundesl?nder erheben j?hrlich den Waldzustand auf einem systematischen Stichprobennetz im Raster von 16 x 16 Kilometer. Das Thünen-Institut für Wald?kosysteme berechnet daraus das Ergebnis für Deutschland insgesamt. Um den Gesundheitszustand der einbezogenen Probeb?ume zu bewerten, sch?tzen Forstexperten vom Boden aus die Nadel- oder Blattverluste als Abweichungen von voll belaubten Baumkronen ein. Die ⁠mittlere Kronenverlichtung⁠ ist der gewichtete Mittelwert der in 5-Prozent-Stufen gesch?tzten Kronenverlichtung aller Probeb?ume. Daneben werden weitere Schadsymptome erfasst. Die Erhebung erfolgt nach dem bundesweit abgestimmten Leitfaden zur Waldzustandserhebung. Ein Teil der Daten wird an das ⁠UN⁠/ ECE ICP Forests für die europ?ische Erhebung übermittelt. Das europaweit abgestimmte Erhebungsverfahren wird in Teil IV des Aufnahmehandbuchs des Internationalen Kooperativprogramms zur Bewertung und überwachung der Wirkung von Luftschadstoffen auf W?lder (International Cooperative Programme on Assessment and ⁠Monitoring⁠ of Air Pollution Effects on Forests, ICP Forests) n?her beschrieben.?

Tipps zum Weiterlesen:

Pressemitteilung des Thünen-Instituts für Wald?kosysteme: ?Wald im Trockenstress: Schlechterer Kronenzustand, mehr tote B?ume“.
Eickenscheidt N, Augustin NH, Wellbrock N (2019). Spatio-temporal modelling of forest monitoring data: modelling German tree defoliation data collected between 1989 and 2015 for trend estimation and survey grid examination using GAMMs. iForest 12: 338-348.
Pressemitteilung der Fachagentur für Nachhaltige Rohstoffe (FNR) ?Was Dürre im Wald anrichtet
Eickenscheidt N, Augustin NH, Wellbrock N, Dühnelt P-E, Hilbrig L (2017) Der Kronenzustand in Deutschland. AFZ Wald 72(2):28-30
Eickenscheidt N, Augustin NH, Wellbrock N, Dühnelt P-E, Hilbrig L (2016) Kronenzustand – Steuergr??en und Raum-Zeit-Entwicklung von 1989-2015. Thünen Rep 43:387-456