Internationale Marktmechanismen im Klimaschutz

Für den Klimaschutz ist es zweitrangig in welchen L?ndern Emissionen gemindert werden. Daher realisieren Industriestaaten einen Teil ihrer Reduktionsziele durch internationale Klimaschutzprojekte. Die durch ein Klimaschutzprojekt erreichte Minderung von Emissionen kann bis zu einem bestimmten Umfang auf die Reduktionspflicht der Industriel?nder nach dem Kyoto-Protokoll gutgeschrieben werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Flexible Mechanismen des Kyoto-Protokolls (2008-2020)

Das Kyoto-Protokoll sieht neben dem Emissionshandel zwischen den Annex-I-Staaten zwei projektbezogene ?Flexible Mechanismen“ vor: Joint Implementation (gemeinsame Umsetzung) und den Clean Development Mechanism (Mechanismus zur umweltgerechten Entwicklung) (siehe Schaubild ?Flexible Mechanismen des Kyoto Protokolls“).

Emissionshandel zwischen den Annex-I-Staaten
Der Emissionshandel des Kyoto-Protokolls erlaubt es Industriel?ndern (Annex-I-Staaten), untereinander mit Emissionsrechten zu handeln. Jeder Staat bekommt gem?? der jeweils im Kyoto-Protokoll festgesetzten Stabilisierungs- oder Minderungsverpflichtung eine bestimmte Menge an Emissionsrechten (Assigned Amount Units – AAU) zugeteilt. Reduziert ein Land mehr als mit dem Zielwert festgelegt, kann es überschüssige Emissionsrechte in Form von AAU an ein anderes Land verkaufen, das es nicht geschafft hat, sein Ziel zu erreichen.

Joint Implementation(JI)
Führt ein Industriestaat, der Stabilisierungs- oder Minderungspflichten nach dem Kyoto-Protokoll eingegangen ist (Annex-I-Staat), ein Klimaschutzprojekt in einem anderen Annex-I-Staat durch oder finanziert es, kann er sich die Emissionsminderung in Form von JI-Minderungszertifikaten (⁠Emission⁠ Reduction Units – ERU) auf sein Ziel anrechnen lassen. In dem durchführenden Land wird die entsprechende Menge an Zertifikaten von dem nationalen Budget abgezogen.

Clean Development Mechanism (CDM)
Der "Mechanismus zur umweltgerechten Entwicklung" erm?glicht es Annex-I-Staaten, Klimaschutzprojekte in Entwicklungsl?ndern (EL) durchzuführen oder zu finanzieren. Der Annex-1 Staat kann sich die mit dem Projekt eingesparten Einheiten (Certified Emission Reductions – CER) nach einem international abgestimmten und überwachten Prüfverfahren auf sein Kyoto-Ziel gutschreiben lassen. So sollen Entwicklungsl?nder durch Technologietransfer beim Aufbau einer klimafreundlichen Wirtschaft nachhaltig unterstützt und gleichzeitig Emissionen dort gemindert werden, wo dies am kosteneffizientesten erfolgen kann.

Das Schaubild gibt einen überblick über die flexiblen Mechanismen des Kyoto-Protokolls.
Schaubild: Flexible Mechanismen des Kyoto Protokolls
Quelle: Umweltbundesamt/DEHST Diagramm als PDF
 

Nutzung flexibler Mechanismen in Deutschland

Nicht nur die Staaten im Kyoto-Protokoll, sondern auch die Unternehmen, die am Europ?ischen Emissionshandel teilnehmen, k?nnen in der 3. Handelsperiode bis zum 30.04.2021 die Gutschriften internationaler Klimaschutzprojekte aus bestimmten Gastgeberstaaten und im Rahmen von definierten Quoten für die Erfüllung ihrer Abgabeverpflichtung nutzen.

Für die administrativen Aufgaben in Deutschland und die Beratungen zur Weiterentwicklung der Regelwerke zu CDM und JI ist die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt zust?ndig. Die umwelt- und entwicklungspolitische Unbedenklichkeit der Projekte ist dabei von entscheidender Bedeutung. Für die politischen Aspekte der Nutzung von CDM und JI in Deutschland liegt die Federführung beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (⁠BMU⁠).

Informationen zu CDM und JI sowie zu den neuen Marktmechanismen unter dem übereinkommen von Paris nach 2020 werden auf den Internetseiten der DEHSt sowie des BMU angeboten.

 

Entwicklung des CDM

Bis zum 31. Januar 2021 wurden 7.846 Projekte bei der UNFCCC registriert und Minderungen in H?he von 2,054 Milliarden Tonnen ⁠Kohlendioxid-?quivalente⁠ verifiziert (siehe Abb. ?Emissionsminderungen in genehmigten CDM-Projekten seit 2004 - nach Regionen“ und Abb. ?Emissionsminderungen in genehmigten CDM-Projekten seit 2004 - nach Projekttypen“). Zum Vergleich: Die Menge an Emissionen Deutschlands betrug im Jahr 2019 etwa 810 Millionen Tonnen Kohlendioxid-?quivalente. Durch den CDM wurden seit 2004 Investitionen von rund 475 Milliarden US-Dollar angeregt (siehe Abb. ?Gesamtinvestitionen in genehmigte CDM-Projekte seit 2004 - nach Regionen“ und Abb. ?Gesamtinvestitionen nach CDM-Projekttypen seit 2004“).

Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) hat bis zum Januar 2021 515 CDM-Projekten in Schwellen- und Entwicklungsl?ndern, 25 JI-Projekten innerhalb Deutschlands sowie 33 im Ausland angesiedelten JI-Projekten zugestimmt.

Die Abbildungen ?Gastgeberstaaten und Zahl der genehmigten Projekte“ und ?Von Deutschland genehmigte Projekte nach Projekttypen“ geben einen überblick über die bisher von Deutschland genehmigten Projekttypen und die L?nder, in denen die Projekte durchgeführt werden. Eine stets aktualisierte übersicht über CDM- und JI-Projekte mit deutscher Beteiligung ist auf der Website der DEHSt in einer Projektdatenbank zu finden.

Die Gutschriften aus Klimaschutzprojekten (CER aus dem CDM beziehungsweise ERU aus JI) sind auch auf dem Sekund?rmarkt des Emissionshandels von den Unternehmen weltweit handelbar. Die Zahl der Projekte, in denen Deutschland als Investorstaat auftritt, gibt daher nur sehr eingeschr?nkt Hinweise darauf, in welchem Umfang deutsche Unternehmen sich tats?chlich an CDM-Projekten beteiligen bzw. bereits Gutschriften aus solchen Projekten erworben haben.

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Auslaufen des CDM

Mit dem 31. Dezember 2020 endet die zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls und damit auch die Nutzungsm?glichkeit für den CDM im europ?ischen Emissionshandel. Bestehende Projekte k?nnen noch bis zum 31.12.2020 erzielte Emissionsminderungen zertifizieren lassen, die unter der zweiten Verpflichtungsperiode angerechnet werden k?nnen. Der Status von weiteren Aktivit?ten nach diesem Stichtag bleibt bis zu einer Entscheidung der Vertragsstaatenkonferenz offen, weitere Informationen dazu stellt das Klimasekretariat bereit.

 

Weiterentwicklung der Projektmechanismen

Am 4. November 2016 trat mit dem übereinkommen von Paris das Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls unter der Klimarahmenkonvention (⁠UNFCCC⁠) für die Zeit nach 2020 in Kraft. Es sind jedoch noch Ausführungsvorschriften zu erarbeiten. Die Marktmechanismen sind in Artikel 6 des Paris übereinkommens als Teil eines umfassenderen Kooperationsverst?ndnisses definiert. Es werden explizit drei Ans?tze für einen internationalen Kohlenstoffmarkt genannt: 1. Kooperationen zur Verwendung international übertragener Minderungsergebnisse zum Erreichen der national festgelegten Beitr?ge; 2. ein Mechanismus zur Minderung von Emissionen und zur Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung mit allgemeiner Minderung der weltweiten Emissionen; 3. Nicht-marktbasierte Ans?tze zur F?rderung auf dem Gebiet der Minderung und der Anpassung. Mit diesen drei Ans?tzen soll es gelingen, die Belange aller L?nder nach internationalen Kooperationsm?glichkeiten im Kohlenstoffmarkt abzudecken. Die Mechanismen stehen allen L?ndern zur Erreichung des übergreifenden Ziels des Pariser übereinkommens auf Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf m?glichst 1,5 Grad zur freiwilligen Nutzung zur Verfügung.