Ver?nderung der jahreszeitlichen Entwicklungsphasen bei Pflanzen

Die Klimaver?nderung ist in Deutschland inzwischen deutlich an Ver?nderungen der zeitlichen Entwicklung von Pflanzen (Ph?nologie) ablesbar. Vor allem die Temperaturerh?hung führt zu zeitigerem Austrieb, Blüte und Fruchtbildung im Vergleich zu früheren Jahrzehnten. Die Folgen für die biologische Vielfalt sowie Strukturen und Funktionen von ?kosystemen sind bisher kaum erforscht.

Inhaltsverzeichnis

 

Pflanzen als Indikatoren für Klimaver?nderungen

Der Begriff ?Ph?nologie“ bezeichnet heute im Wesentlichen die Beobachtung von Entwicklungsvorg?ngen von Lebewesen im Freien. Zum Beispiel erfassen Akteure in einem deutschlandweiten Beobachtungsnetz, wann in den einzelnen Jahren der Blattaustrieb, die Blüte oder Fruchtbildung bestimmter Zeigerpflanzen einsetzte oder wann sich die Bl?tter der Laubb?ume f?rbten oder abfielen. Diese ph?nologischen Phasen h?ngen wesentlich von der Temperaturentwicklung und der Wasserversorgung in den jeweiligen Jahren ab. Ph?nologische Daten sind deshalb sehr gute Indikatoren für die Wirkung der Klimaver?nderung auf die Vegetation. Die existierenden Zeitreihen umfassen inzwischen bis zu sieben Jahrzehnte.

Die Abbildungen in den nachfolgenden Abschnitten enthalten jeweils die j?hrlichen Angaben zur Anzahl der Tage vom Jahresbeginn bis zum Beginn des ph?nologischen Ereignisses (Blüte usw.) als Mittel über die Beobachtungen in Deutschland, die statistische Trendlinie über die Jahre sowie das gleitende drei?igj?hrige Mittel. Dieses wird immer für die zurückliegenden 30 Jahre berechnet. Zum Beispiel berücksichtigt das gleitende drei?igj?hrige Mittel für 1990 die Jahre 1961 bis 1990, das für 2019 die Jahre 1990 bis 2019.

 

Die Dauer der Vegetationsperiode nimmt zu

Die ⁠Vegetationsperiode⁠, also die Zeit des Jahres, in der Pflanzen wachsen, blühen und fruchten, nahm in Deutschland seit 1961 im mittleren ⁠Trend⁠ um rund zwei Wochen zu. Die Vegetationsperiode beginnt mit dem Vorfrühling, dessen Start durch den Blühbeginn des Huflattichs angezeigt wird. Sie endet mit dem Sp?therbst, wofür der beginnende Blattfall der Stieleiche steht. Trotz witterungsbedingter Schwankungen von Jahr zu Jahr belegen die nachfolgenden Daten die genannten Trends deutlich.
Abb. ?Beginn der Huflattichblüte“ (Beginn Vorfrühling)
Abb. ?Blattfall der Stieleiche“ (Ende Sp?therbst)
Abb. ?Dauer der Vegetationsperiode“

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Weitere Zeigerpflanzen best?tigen den zeitigeren Frühlingsbeginn

Neben dem Huflattich werden zum Beispiel auch das Schneegl?ckchen und die Salweide genutzt, um den Beginn des ph?nologischen Vorfrühlings zu datieren. Nachfolgend sind Zeitreihen für drei weitere Zeigerarten abgebildet, die den Beginn des Frühlings anzeigen und den zeitigeren Beginn dieser Jahreszeit im Vergleich zu früheren Jahrzehnten belegen. ?hnliche Tendenzen zeigen sich beim Blattaustrieb von Waldb?umen oder beim ?hrenschieben von Getreide.
Abb. ?Beginn der Salweidenblüte“(Vorfrühling)
Abb. ?Beginn der Schneegl?ckchenblüte“ (Vorfrühling)
Abb. ?Beginn der Apfelblüte“ (Vollfrühling)

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Ver?nderungen beim ph?nologischen Sommer und Herbst

Im Monitoringbericht 2019 zur Deutschen ⁠Anpassungsstrategie⁠ an den ⁠Klimawandel⁠ steht der Blühbeginn der Sommerlinde für den Beginn des Hochsommers, die Entwicklung erster reifer Früchte beim Schwarzen Holunder für den Beginn des Frühherbstes. Die Beobachtungen belegen einen zeitigeren Start des ph?nologischen Sommers sowie eine Verl?ngerung des Herbstes, so dass der ph?nologische Winter sp?ter beginnt.

 

Wirkungen auf Tiere und ?kosystemare Prozesse

Bisher ist nur ansatzweise gekl?rt, wie sich die Verschiebungen ph?nologischer Phasen auf die Best?nde von Tieren auswirken. So reagieren etwa bestimmte Vogelarten mit erh?htem Bruterfolg infolge kürzerer Winter. Andere werden beeintr?chtigt, weil zum Beispiel die Phasen erh?hten Futterbedarfs w?hrend der Brut nicht mehr mit einem entsprechend hohen Nahrungsangebot (bestimmte Pflanzen oder Insekten) zusammenfallen. Das gilt ?hnlich auch für das Auftreten von Blüten und spezialisierten Best?ubern bei Pflanzen oder in R?uber-Beute-Systemen bei Tieren. Das kann sich drastisch auf die Bestandsentwicklung bestimmter Arten auswirken.

 

Weiterführende Informationen

Detailliertere Informationen zur Verschiebung der ph?nologischen Phasen finden Sie im Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel ab Seite 140. Die L?nderinitiative Kernindikatoren stellt auf ihrer Internetseite ph?nologische Daten auch für die einzelnen Bundesl?nder dar.

Tipp zum Weiterlesen:
Menzel et al. (2006): European phenological response to climate change matches the warming pattern. Global Change Biology 12(10): p. 1969-1976