Beitrag der Landwirtschaft zu den Treibhausgas-Emissionen

Die Landwirtschaft in Deutschland tr?gt ma?geblich zur Emission klimasch?dlicher Gase bei. Dafür verantwortlich sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung (Fermentation und Wirtschaftsdüngermanagement von Gülle und Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten B?den als Folge der Stickstoffdüngung (mineralisch und organisch).

Inhaltsverzeichnis

 

Treibhausgas-Emissionen aus der Landwirtschaft

Rund 62 % der gesamten Methan (CH4)-Emissionen und 79 % der Lachgas (N2O)-Emissionen in Deutschland stammen aus der Landwirtschaft.

Im Jahr 2018 war die deutsche Landwirtschaft somit insgesamt für 63,6 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid (CO2)-?quivalente verantwortlich (siehe Abb. ?Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft nach Kategorien“). Das sind 7,4 % der gesamten ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen des Jahres. Die Emissionen aus der Landwirtschaft haben somit nach den energiebedingten Emissionen aus der station?ren und mobilen Verbrennung (82,9 %) und den prozessbedingten Emissionen der Industrie (7,5 %) einen substantiellen Anteil an den Treibhausgas-Emissionen in Deutschland.

Den Hauptanteil an THG-Emissionen innerhalb des Landwirtschaftssektors machen die Methan-Emissionen mit 51,2 % im Jahr 2018 aus. Sie entstehen bei Verdauungsprozessen, aus der Behandlung von Wirtschaftsdünger sowie durch Lagerungsprozesse von G?rresten aus nachwachsenden Rohstoffen (NAWARO) der Biogasanlagen. Lachgas-Emissionen kommen anteilig zu 44,2 % vor und entstehen haupts?chlich bei der Ausbringung von mineralischen und organischen Düngern auf landwirtschaftlichen B?den, beim Wirtschaftsdüngermanagement sowie aus Lagerungsprozesse von G?rresten. Durch eine fl?chendeckende Zunahme der Biogas-Anlagen seit 1994 haben die Emissionen in diesem Bereich ebenfalls kontinuierlich zugenommen. Nur einen kleinen Anteil (4,6 %) machen die Kohlendioxid-Emissionen aus der Kalkung, der Anwendung als Mineraldünger in Form von Harnstoff sowie CO2 aus anderen kohlenstoffhaltigen Düngern aus (siehe Tortengrafik). Die CO2-Emissionen entsprechen einem Anteil von 0,4 % der Gesamt-THG-Emissionen (ohne ⁠LULUCF⁠) und sind daher eher als vernachl?ssigbar anzusehen (siehe Abb. "Anteile der Treibhausgase an den Emissionen der Landwirtschaft 2018").

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Klimagase aus der Viehhaltung

Das klimawirksame Spurengas Methan entsteht w?hrend des Verdauungsvorgangs (Fermentation) bei Wiederk?uern (wie z.B. Rindern und Schafen) sowie bei der Lagerung von Wirtschaftsdüngern (Festmist, Gülle).

Die Methan-Emissionen aus der Fermentation machen anteilig 77 % an dem gesamten Landwirtschaftsbereich aus und sind nahezu vollst?ndig auf die Rinder- und Milchkuhhaltung (95 %) zurückzuführen. Insgesamt sind die Methan-Emissionen in dem Bereich zwischen 1990 (1,4 Mio. t CH4) und 2018 (1,0 Mio. t CH4) um 29,1 % zurückgegangen. Aus dem Wirtschaftsdüngermanagement stammen hingegen nur 19 % der Methan-Emissionen. Der gr??te Anteil des Methans aus Wirtschaftsdünger geht auf die Exkremente von Rindern sowie von Schweinen zurück. Emissionen von anderen Tiergruppen (wie z.B. Geflügel, Esel und Pferde) sind dagegen vernachl?ssigbar.?

Wirtschaftsdünger aus der Einstreuhaltung (Festmist) ist gleichzeitig auch Quelle des klimawirksamen Lachgases (Distickstoffoxid, N2O) und seiner Vorl?ufersubstanzen (Stickoxide, NOx und Stickstoff, N2). Die gesamten Lachgas-Emissionen aus dem Bereich Wirtschaftsdünger (inklusive Wirtschaftsdünger-G?rreste) nahmen zwischen 1990 und 2018 um mehr als 18 % ab (siehe Tab. ?Emissionen von Treibhausgasen aus der Tierhaltung“).

Somit lassen sich 40,4 Mio. t CO2-?quivalente THG-Emissionen (das sind 63,6 % der Emissionen der Landwirtschaft und knapp 5 % an den Gesamtemissionen Deutschlands) allein auf die direkte Tierhaltung, d.h. der Verdauung sowie der Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdünger zurückführen. Emissionen, die bei der Ausscheidung beim Weidegang entstehen, werden in der Emissionsberichterstattung in der Kategorie ?landwirtschaftliche B?den“ geführt.

Tabellarische Zusammenstellung wichtiger Treibhausgase aus der Tierhaltung (CH4, N2O, NO und NO2) in Jahresschritten von 1990 bis 2018.
Tab: Emissionen von Treibhausgasen aus der Tierhaltung
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF zur vergr??erten Darstellung
 

Klimagase aus landwirtschaftlich genutzten B?den

Auch B?den sind Emissionsquellen von klimarelevanten Gasen. Neben der erh?hten Kohlendioxid (CO2)-Freisetzung infolge von Landnutzung und Landnutzungs?nderungen (Umbruch von Grünland- und Niedermoorstandorten) sowie der CO2-Freisetzung durch die Anwendung von Harnstoffdünger und der Kalkung von B?den handelt es sich haupts?chlich um Lachgas-Emissionen. Mikrobielle Umsetzungen (sog. Nitrifikation und Denitrifikation) von Stickstoffverbindungen führen zu Lachgas-Emissionen aus B?den und entstehen vornehmlich aus der Umsetzung von Mineral- und Wirtschaftsdünger sowie der Umsetzung von Ernterückst?nden.

Es werden direkte und indirekte Emissionen unterschieden:
Die direkten Emissionen stickstoffhaltiger klimarelevanter Gase (Lachgas und Stickoxide, siehe Tab. ?Emissionen stickstoffhaltiger Treibhausgase und Ammoniak aus landwirtschaftlich genutzten B?den“) stammen überwiegend aus der Düngung mit mineralischen Stickstoffdüngern und Wirtschaftsdüngern, der Bewirtschaftung organischer B?den sowie von Ernterückst?nden im Boden. Des Weiteren fallen Emissionen zunehmend bei der Ausbringung von G?rresten aus nachwachsenden Rohstoffen (NAWARO) an.

Quellen für indirekte Lachgas-Emissionen sind die atmosph?rische ⁠Deposition⁠ von reaktiven Stickstoffverbindungen aus landwirtschaftlichen Quellen sowie die Lachgas-Emissionen aus Oberfl?chenabfluss und Auswaschung von gedüngten Fl?chen. Indirekte Lachgas-Emissionen belasten vor allem natürliche oder naturnahe ?kosysteme, die nicht unter landwirtschaftlicher Nutzung stehen.

Im Zeitraum 1990 bis 2018 nahmen die Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlichen B?den um 14,3 % ab.

Tabellarische Zusammenstellung wichtiger Treibhausgase aus landwirtschaftlich genutzten B?den (N2O, NO, NO2 und NH3) in Jahresschritten von 1990 bis 2018.
Tab: Emissionen stickstoffhaltiger Treibhausgase und Ammoniak aus landwirtschaftlich genutzten B?den
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF zur vergr??erten Darstellung
 

Emissionsentwicklung

Abgesehen von den deutlichen Emissionsrückg?ngen zwischen 1990 und 2018, die im Wesentlichen auf die ersten Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung beschr?nkt und auf die Verringerung der Tierbest?nde durch den strukturellen Umbau in den neuen Bundesl?ndern zurückzuführen sind, gingen zwischen 2017 und 2018 die THG-Emissionen deutlich zurück. Die Folgen der extremen ⁠Dürre⁠ im Jahr 2018 waren neben hohen Ernteertragseinbu?en und geringerem Mineraldüngereinsatz auch die erschwerte Futterversorgung der Tiere, die zu einer Reduzierung der Tierbest?nde (insbesondere bei der Rinderhaltung) beigetragen haben dürfte.

Gleichfalls stehen die Landwirte mit der Umsetzung neuer Anforderungen, wie der neuen Düngeverordnung 2020, dem Verbot der bet?ubungslosen Kastration, Kupierverzicht und Auflagen zur Haltung von Sauen in Kastenst?nden bei der Ferkelerzeugung und Schweinemast unter einem hohem Anpassungsdruck. Mit weiteren Schlie?ungen von Betrieben mit Schweinehaltung ist daher zu rechnen.

Das Umweltbundesamt hat im Rahmen des neuen Klimaschutzgesetzes (KSG) eine Vorjahressch?tzung für das Jahr 2019 vorgelegt. Für den Bereich Landwirtschaft werden die THG-Emissionen auf 61,9 Mio. t CO2-?quivalente (hier ohne die Emissionen der station?ren und mobilen Verbrennung) gesch?tzt. Die Daten basieren auf aktuellsten Zahlen zur Tierproduktion, Mineraldüngeranwendung sowie der Erntestatistik. Ein weiter abnehmender Emissionstrend ist erkennbar.

 

Ma?nahmen in der Landwirtschaft zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen

Das von der Bundesregierung in 2019 verabschiedetet Klimaschutzgesetz legt fest, dass die Emissionen der Landwirtschaft (inklusive der Emissionen aus den landwirtschaftlichen mobilen und station?ren Verbrennungen) bis 2030 auf 58 Mio. t CO2 ?quivalente reduziert werden müssen.

Weiterführende Informationen zur Senkung der ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen finden Sie auf den Themenseiten ?Ammoniak, Geruch und Staub“, ?Lachgas und Methan“ und ?Stickstoff“.