Nachhaltige Waldwirtschaft

Rund ein Drittel der Landfl?che in Deutschland ist mit Wald bedeckt. Dieser erfüllt vielf?ltige Funktionen für Mensch und Umwelt. Eine ?kologisch, ?konomisch und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung soll diese Funktion jetzt und zukünftig erhalten und sicherstellen.

Inhaltsverzeichnis

 

Die vielf?ltigen Funktionen des Waldes

Nach den Ergebnissen der dritten Bundeswaldinventur 2011/2012 ist Deutschland mit rund 11,4 Millionen Hektar (Mio. ha) etwa zu einem Drittel mit Wald bedeckt. Der Wald erfüllt zahlreiche Funktionen für Mensch und Natur – vielfach gleichzeitig und auf derselben Fl?che (siehe Schaubild ?Funktionen der W?lder“).

Umweltbelastungen, ⁠Klimawandel⁠ und menschliche Nutzung k?nnen aber die natürliche Leistungsf?higkeit der W?lder überfordern. Insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels sind in den letzten Jahren deutlich sichtbar geworden und haben zu gro?fl?chigen Waldsch?den und hohen Mengen an Schadholz in den W?ldern Deutschlands geführt (BMEL 2020). Um sowohl die Leistungen und die Produktivit?t der Wald?kosysteme dauerhaft zu erhalten als auch den Erhalt der biologischen Vielfalt auf der ganzen Waldfl?che zu gew?hrleisten, ist eine nachhaltige, naturnahe und multifunktionale Waldbewirtschaftung Voraussetzung.

Das Schaubild zeigt verschiedene Bereiche, in denen der Wald Funktionen für Mensch und Umwelt erfüllt. Dazu geh?ren die Bereiche Wasserschutz, Klimaschutz, Bodenschutz, Biodiversit?t, Lebensraum sowie Freizeit und Erholung.
Schaubild: Funktionen der W?lder
Quelle: Umweltbundesamt Schaubild als PDF
 

Nachhaltige Waldbewirtschaftung

Heute verstehen wir unter nachhaltiger Waldwirtschaft weit mehr als die Sicherstellung der Holzmengen. Die Ministerkonferenz zum Schutz der W?lder in Europa (FOREST EUROPE) hat 1993 in der Helsinki-Deklaration eine nachhaltige Waldbewirtschaftung definiert als ?die Betreuung und Nutzung von W?ldern und Waldfl?chen auf eine Weise und in einem Ausma?, welche deren biologische Vielfalt, Produktivit?t, Regenerationsf?higkeit und Vitalit?t erh?lt und ihre F?higkeit, gegenw?rtig und in Zukunft wichtige ?kologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, gew?hrleistet, ohne dass dies zu Sch?den an anderen ?kosystemen führt“. FOREST EUROPE hat in diesem Zusammenhang sechs übergreifende Kriterien einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung erarbeitet:

  • Erhaltung und angemessene Verbesserung der forstlichen Ressourcen und Sicherung ihres Beitrags zu den globalen Kohlenstoffkreisl?ufen,
  • Erhaltung der Gesundheit und Vitalit?t von Wald?kosystemen,
  • Erhaltung und F?rderung der Produktionsfunktion der W?lder, sowohl für Holz als auch für Nicht-Holzprodukte,
  • Erhaltung, Schutz und ad?quate Verbesserung der biologischen Vielfalt in Wald?kosystemen,
  • Erhaltung, Schutz und angemessene Verbesserung der Schutzfunktion bei der Waldbewirtschaftung, vor allem in den Bereichen Boden und Wasser,
  • Erhaltung sonstiger sozio-?konomischer Funktionen und Konditionen.

Dies wird aus Sicht des Umweltbundesamtes (⁠UBA⁠) nur durch eine umweltvertr?gliche, naturnahe und multifunktionale Waldbewirtschaftung erm?glicht.

 

Naturn?he der W?lder

Ziel der Bundesregierung ist eine naturnahe Waldbewirtschaftung auf m?glichst der gesamten forstwirtschaftlichen Fl?che. Dieses Ziel hat sie sich bereits in der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von 2002 gesetzt und mehrfach bekr?ftigt, unter anderem in der Waldstrategie 2020 und zuletzt im Klimaschutzprogramm 2030. Daneben hat die Bundesregierung in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt eine Vielzahl weiterer waldbezogener Ziele formuliert, wie zum Beispiel 5 % der W?lder einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Mit der Naturschutz-Offensive 2020 sollte dieses Ziel bereits bis 2020 erreicht werden. Anfang 2019 lag der Fl?chenanteil von W?ldern, für die die natürliche Entwicklung dauerhaft gesichert ist, bei 2,8 %. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor.

Eine M?glichkeit die Naturn?he der W?lder zu ermitteln, ist der Vergleich der aktuellen Bestockung der Waldfl?che mit der natürlichen Waldgesellschaft. Dies gibt Auskunft über die Naturn?he der Baumartenzusammensetzung und erm?glicht Aussagen zur ?kologischen Stabilit?t des Waldes.

Nach den Ergebnissen der dritten Bundeswaldinventur 2011/2012 sind rund 36 % der Waldfl?che als sehr naturnah (14,5 %) oder als naturnah (21,3 %) einzustufen (siehe Abb. ?Naturn?he der Baumartenzusammensetzung“). Der Anteil naturnaher Waldfl?chen liegt dabei im Staatswald mit 40 % deutlich über dem Anteil der naturnahen Waldfl?chen im Privatwald (30,5 %).

Besonderen Anteil an der sehr naturnahen oder naturnahen Bestockung haben ungleichaltrige W?lder und Best?nde der h?heren Altersklassen. W?hrend Best?nde mit einem Alter ab 120 Jahren zum überwiegenden Anteil eine naturnahe Bestockung aufweisen (zwischen 60 und 80 %), weisen junge und jüngere Best?nde mit einem Alter unter 60 Jahren nicht einmal zu einem Drittel eine naturnahe Bestockung auf (zwischen 23 und 32 %) (siehe Abb. ?Anteil sehr naturnaher und naturnaher Bestockung an der Waldfl?che nach Altersklasse“). Es ist jedoch festzustellen, dass die jüngste Altersklasse den ⁠Trend⁠ eines Rückgangs der Naturn?he bei Abnahme des Alters durchbricht. Dies kann als ein Indiz für erste Erfolge beim Umbau der W?lder hin zu naturnahen Best?nden gewertet werden.?

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Holznutzung nahe am Zuwachs

Angesichts der steigenden Holznachfrage in Deutschland wurde in der Waldstrategie 2020 der Bundesregierung das Ziel formuliert, den Wald als Kohlendioxid (CO2)-Senke zu erhalten und dazu die Holzernte maximal bis zum durchschnittlichen j?hrlichen Zuwachs zu steigern. Die Waldgesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes macht deutlich, dass seit 2002 die Holzentnahme deutlich angestiegen ist und bereits ein Gro?teil des nutzbaren Zuwachses auch eingeschlagen wird.

Wurden im Jahr 1993 mit rund 51 Millionen Kubikmetern (Mio. m3) nur rund 49 % des nutzbaren Zuwachses auch tats?chlich genutzt, stieg die Holzentnahme bis zum Jahr 2007 auf 113 Mio. m3 an, was 112 % des nutzbaren Holzzuwachses entspricht. Dies war auch der bisherige H?chststand der Holzentnahme, bevor sich der genutzte Zuwachs nach 2009 auf Werte zwischen 80 und 90 Mio. m3 einpendelte (was in etwa 80 % des nutzbaren Zuwachses entspricht). Im Jahr 2010 wurden gr??ere Waldfl?chenanteile im Rahmen der übergabe ?Nationales Naturerbe“ an die Bundesl?nder, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder Naturschutzorganisationen übergeben und damit aus der Nutzung herausgenommen. Der Zuwachs dieser Fl?chen stand somit 2010 theoretisch zur Holzproduktion zur Verfügung, war aber aufgrund des in diesem Jahr vereinbarten Nutzungsverzichts real nicht mehr nutzbar. Hierdurch erkl?rt sich die gro?e Diskrepanz zwischen Bruttozuwachs und nutzbarem Zuwachs und somit auch die Nutzung von rund 135 % des Zuwachses in diesem Jahr (siehe Abb. ?Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses“).

Mit dem Berichtsjahr 2014 erfolgte eine methodische Umstellung bei der Erfassung des Holzuwachses und seiner Nutzung von der ?Waldgesamtrechnung“ auf die sogenannten ?European Forest Accounts“. Hierdurch ist die bisherige Zeitreihe nicht mehr unmittelbar mit der Zeitreihe ab 2014 vergleichbar. W?hrend die bisherige Zeitreihe den Bruttozuwachs darstellt, zeigt die Zeitreihe ab 2014 den Nettozuwachs. Der Nettozuwachs wird aus dem Bruttozuwachs abzüglich der Mortalit?t berechnet. Der Bruttozuwachs ist in diesem Zusammenhang das Ergebnis der natürlichen Wachstumsprozesse und entspricht der biologischen Produktion. Der nutzbare Zuwachs ist der Teil des Bruttozuwachses (bzw. ab dem Berichtsjahr 2014 des Nettozuwachses) auf den für die Holzproduktion verfügbaren Fl?chen, der nach Abzug von nicht verwertbarem Holz, Mortalit?t und des Zuwachses auf ungenutzten Fl?chen verbleibt. Betrachtet man explizit den Nettozuwachs, dann ist noch deutlicher erkennbar, dass bereits nahezu der gesamte nutzbare Zuwachs in Deutschlands W?ldern auch genutzt wird. So wurden im Jahr 2015 rund 95 % des nutzbaren Nettozuwachses für die Holzproduktion verwendet. Bis zum Jahr 2017 sank er auf 87 % des Nettozuwachses, um 2018 deutlich auf 104 % zu steigen. Das hei?t im Jahr 2018 wurde mehr Holz genutzt als rechnerisch netto zugewachsen ist (siehe Abb. ?Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses“). Dies kann zu gro?en Teilen auf die im Jahr 2018 stark gestiegenen Zwangsnutzung wegen Sturm, Trockenheit und vermehrten Insektenbefall zurückgeführt werden (siehe Artikel ?Forstwirtschaft“).

Die Abbildung zeigt den Anteil des nutzbaren Zuwachses 1993 bis 2013 sowie in einer zweiten Zeitreihe für 2014 bis 2018. W?hrend vor der 2. Bundeswaldinventur der Vorratsaufbau überwog, lag die Holzentnahme nach 2003 h?ufig über 80 % des nutzbaren Zuwachses.
Anteil der Nutzung des nutzbaren Zuwachses
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Zertifizierung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung

Die Zertifizierung ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Forstbetriebe, über die gesetzlichen Mindestanforderungen der Wald- und Naturschutzgesetze hinaus weitere Mindestnormen im ?kologischen, ?konomischen und sozialen Bereich einzuhalten. Mit der Zertifizierung nach einem anspruchsvollen Zertifizierungssystem dokumentieren die Waldbesitzer ihre Bereitschaft, bei der Bewirtschaftung ihrer Fl?chen Erfordernisse der ⁠Nachhaltigkeit⁠ sowie des Natur- und Artenschutzes über den gesetzlich vorgegebenen Standard hinaus zu berücksichtigen.

Daher hat auch die Bundesregierung in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel festgelegt, dass 80 % der Waldfl?che bis 2010 nach hochwertigen ?kologischen Standards zertifiziert sein sollen (siehe Abb. ?Anteil nach PEFC bzw. FSC zertifizierter Waldfl?che“). Dieses Ziel wurde jedoch verfehlt. Auch die aktuell im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung enthaltene ?Waldpr?mie“ ist an eine Zertifizierung nach anerkannten Zertifizierungssystemen gekoppelt.

In Deutschland sind derzeit drei forstliche Zertifizierungssysteme etabliert: Das Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) ist mit einer Fl?che von aktuell rund 8,15 Millionen Hektar (Mio. ha) das System mit der gr??ten zertifizierten Fl?che (PEFC-Website 2021). Der deutliche Anstieg der nach PEFC zertifizierten Fl?che im Jahr 2020 kann u.a. auf die Bindung der Waldpr?mie an eine Zertifizierung zurückgeführt werden.

Nach dem System des Forest Stewardship Council (FSC) sind aktuell rund 1,44 Mio. ha zertifiziert (FSC International Website 2021). Nach den Kriterien zur ?kologischen Waldnutzung von Naturland sind derzeit 54.000 ha zertifiziert (Naturland 2018). Diese sind zugleich auch FSC-zertifiziert.

Der Anteil der nach PEFC und FSC zertifizierten Waldfl?che an der Gesamtwaldfl?che wird als ⁠Indikator⁠ der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verwendet. Es ist dabei zu beachten, dass Waldfl?chen sowohl nach PEFC als auch nach FSC zertifiziert sein k?nnen und das Ausma? der überschneidung nicht ermittelbar ist. Ferner sind die nach Naturland zertifizierten Fl?chen in den Zahlen des FSC enthalten.

Ein Diagramm zeigt den Anteil der nach Nachhaltigkeits-Standards PEFC und FSC zertifizierten Waldfl?che von 2000 bis 2020. PEFC lag 2020 bei 73,9 Prozent, FSC bei 13,1. Das Diagramm zeigt auch das Ziel für das Jahr 2010.
Anteil nach PEFC bzw. FSC zertifizierter Waldfl?che
Quelle: FSC und PEFC Diagramm als PDF