Strukturvielfalt der W?lder

Viele Schutzfunktionen des Waldes, wie die Reinhaltung von Luft, Wasser und Boden oder der Schutz vor Erosion, h?ngen wesentlich von der Vitalit?t der Wald?kosysteme ab. Gegenüber strukturarmen, nicht naturnahen Reinbest?nden sind strukturreiche Mischbest?nde weniger st?ranf?llig, erfüllen ihre Schutzfunktion nachhaltiger und minimieren das wirtschaftliche Risiko für Forstwirte und Waldbesitzer.

Inhaltsverzeichnis

 

Mischbest?nde f?rdern die Waldfunktionen und streuen das Risiko

Auch in unseren Wirtschaftsw?ldern sind die Produktions- und Planungszeitr?ume der Waldbewirtschaftung sehr lang verglichen mit agrarischen Nutzungsformen. Dies bedingt auch, dass Waldbewirtschafter mit entsprechenden Waldbaustrategien auf potentielle Unw?gbarkeiten reagieren müssen. Eine grundlegende Entscheidung mit Folgen für die Waldentwicklung und die damit verbundenen ⁠?kosystemleistungen⁠ trifft der Waldbesitzer bzw. Waldbewirtschafter mit der Auswahl der Wirtschaftsbaumarten. Diese haben sowohl unterschiedliche Ansprüche an den Standort als auch Rückwirkungen auf ihn und die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten.

Dabei hat sich in den letzten Jahrzehnten verst?rkt gezeigt, dass nicht naturnahe Monokulturen und einschichtige Waldbest?nde vor allem hinsichtlich der sich ?ndernden Standortbedingungen und in Zeiten des Klimawandels besonders st?ranf?llig sind. Dadurch besteht für diese W?lder eine erh?hte Gefahr, ihre Schutz- und Ausgleichsfunktion zu verlieren (wie zum Beispiel Reinhaltung von Luft, Wasser und Boden oder Regulierung des Wasserhaushalts). Mit der gezielten F?rderung von Mischbest?nden bzw. dem aktiven Umbau von Nadelbaumreinbest?nden zu Mischbest?nden versucht die Forstwirtschaft diesen Gefahren und den damit verbundenen ?konomischen Risiken zu begegnen. Denn Waldbest?nde mit einer gr??eren Anzahl von Baumarten mit unterschiedlichen Eigenschaften und Ansprüchen erh?hen die strukturelle und genetische Vielfalt und steigern die natürliche ⁠Anpassungskapazit?t⁠. Au?erdem bieten ⁠Mischbest?nde⁠ in der Regel einer gr??eren Anzahl von Arten geeignete Lebensr?ume. Damit verbessern sich die Umweltbedingungen potentieller Gegenspieler von Schaderregern der Forstwirtschaft. Aus wirtschaftlicher Sicht bietet die Diversifizierung der Baumarten in einem Bestand mehr Flexibilit?t in Hinblick auf schwankende Preise der unterschiedlichen Holzarten. Daher ist der Waldumbau von Nadelbaumreinbest?nden auch erkl?rtes Ziel der Forstpolitik in Deutschland. Sowohl der Bund als auch die Bundesl?nder haben bereits hohe Investitionen in diverse F?rderprogramme und Ma?nahmen get?tigt.

Die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur zeigen, dass sich die Fl?che der Mischbest?nde von knapp 54,9 Prozent (%) im Jahr 2002 auf 57,8 % in 2012 erh?ht hat. Die Fl?che der naturnahen Reinbest?nde ist mit rund 11 % stabil geblieben (siehe Abb. ?Fl?chenanteil der Mischungsformen an der Gesamtwaldfl?che“).

Ein Diagramm zeigt für die Jahre 2002 und 2012 den Anteil der Mischbest?nde (2, 3 oder 4 Baumarten) sowie der Reinbest?nde (naturnah und nicht naturnah) an der Waldfl?che. Der Anteil von Mischbest?nden stieg von fast 55 auf fast 58 %.
Fl?chenanteil der Mischungsformen an der Gesamtwaldfl?che
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Zweischichtiger Kronenraum überwiegt

Neben der Baumartenmischung bildet auch die ⁠Schichtung⁠ der Waldbest?nde ein wesentliches Merkmal der Strukturvielfalt unserer W?lder ab. Aktuell sind etwa 57 Prozent (%) der W?lder in Deutschland zweischichtig aufgebaut, w?hrend 11 % mehrschichtig oder plenterartig sind (d.h. sie haben mehr als zwei Kronenr?ume, die sich nicht berühren) (siehe Abb. ?Ver?nderung der Schichtung des Kronenraums“). Im Jahr 2002 zeigten hingegen nur 54 % der W?lder eine signifikante Schichtung des Kronenraums. Die gr??te Ver?nderung vollzog sich zwischen 2002 und 2012 im Staatswald der L?nder. Hier nahm der Fl?chenanteil von einschichtigen Waldbest?nden um fast 40 % ab; zweischichtige Best?nde sind aktuell auf rund 60 % der Fl?che zu finden (plus 30 % gegenüber 2002). Der h?chste Fl?chenanteil mehrschichtiger Best?nde ist in K?rperschaftsw?ldern zu finden. Rund 14 % der Waldfl?che waren hier im Jahr 2012 mehrschichtig oder plenterartig aufgebaut (plus 55 % gegenüber 2002).

Die Abbildung stellt die Ver?nderungen der Schichtung im Kronenraum zwischen 2002 und 2012 für unterschiedliche Waldbesitzarten dar. In allen Besitzarten reduzierten sich die Anteile einschichtiger deutlich zu Gunsten von zweischichtigen Waldbest?nden.
Ver?nderung der Schichtung des Kronenraums
Quelle: Thünen-Institut Diagramm als PDF
 

Strukturvielfalt nimmt zu

Die gr??te Strukturvielfalt herrscht in mehrschichtigen Mischbest?nden. Hier kommen B?ume unterschiedlicher Art und Gr??e gemeinsam vor. Sie bieten vielf?ltige Lebensr?ume für verschiedene Tier- und Pflanzenarten und k?nnen am ehesten auf variierende Umweltbedingungen reagieren.

Tannenw?lder sind nach den Ergebnissen der 3. Bundeswaldinventur aktuell die strukturreichsten Waldbest?nde Deutschlands. Rund 95 Prozent (%) der von Tanne dominierten W?lder sind ⁠Mischbest?nde⁠ und fast 84 % sind zudem mindestens zweischichtig aufgebaut. Allerdings sind jedoch nur etwa 1,5 % der Waldfl?che Deutschlands den Tannenw?ldern zuzuordnen; sie sind damit relativ selten. Mit fast 17 % der Waldfl?che kommen Buchenw?lder weitaus h?ufiger in Deutschland vor. Dabei sind knapp 80 % der Buchenw?lder zwei- oder mehrschichtig aufgebaut und rund 86 % sind Mischbest?nde. Die hinsichtlich der Waldfl?che wichtigsten Waldtypen der Fichten- und Kiefernw?lder (rund 30 % bzw. 23 % der Waldfl?che) sind hingegen deutlich h?ufiger einschichtige Monokulturen. So sind kieferndominierte Best?nde etwa zu 43 % Monokulturen und nur circa 66 % der Best?nde weisen eine vertikale Struktur auf. Bei reinen Fichtenw?ldern sind 29 % der Best?nde Monokulturen und weniger als 60 % der Best?nde sind zwei- oder mehrschichtig (siehe Abb. ?Strukturvielfalt nach Bestockungstyp“).

Das Blasendiagramm zeigt die vertikale (Anteil zwei- und mehrschichtiger Best?nde) und horizontale Struktur der W?lder (Anteil Mischbestockung), gewichtet nach dem Fl?chenanteil des jeweiligen Bestockungstyps an der Waldfl?che in Deutschland.
Strukturvielfalt nach Bestockungstyp
Quelle: Thünen-Institut Diagramm als PDF