Emission flüchtiger organischer Verbindungen ohne Methan (NMVOC)

Der Aussto? flüchtiger organischer Verbindungen ohne Methan konnte zwischen 1990 und 2018 um 72 % gesenkt werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Entwicklung seit 1990

Von 1990 bis 2018 konnten die NMVOC-Emissionen von 4,0 Millionen Tonnen (Mio. t) auf 1,1 Mio. t gesenkt und somit um knapp 72 % zurückgeführt werden (siehe Abb. ?Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen ohne Methan (NMVOC) nach Quellkategorien“). Der Rückgang l?sst sich in erster Linie mit der Entwicklung der Emissionen aus dem Stra?enverkehr sowie bei den L?semittelanwendungen im industriellen und gewerblichen Bereich erkl?ren.

Diagramm: Die Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen ohne Methan (NMVOC) insgesamt gingen von 1990 bis 2018 um 72 % zurück. Die Gesamtemissionen sanken von 4,0 auf 1,1 Millionen Tonnen, den gr??ten Anteil hat in den letzten Jahren die L?semittelanwendung.
Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen ohne Methan (NMVOC) nach Quellkategorien
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Entwicklungen im Verkehrssektor

Die Emissionen im Stra?enverkehr aus Antrieb und ⁠Verdunstung⁠ (nur Ottokraftstoff) wurden von 1,6 Millionen Tonnen (Mio. t) (1990) auf 88 Tausend Tonnen (Tsd. t) (2018) gemindert. Durch die Einführung und Weiterentwicklung der geregelten Katalysatoren bei Otto-Pkw und die Verringerung der Zahl der Zweitakt-Fahrzeuge in den neuen L?ndern ist der Anteil der Emissionen des Stra?enverkehrs von 39 % im Jahr 1990 auf 7 % im Jahr 2018 gesunken.

Die Menge der durch Verdunstung aus den Fahrzeugtanks freigesetzten NMVOC nahm – parallel zur Menge der verbrauchsbedingten Emissionen – zwischen 1990 und 2018 um über 90 % ab. Ihr Anteil an den Emissionen des Stra?enverkehrs stieg dabei von 13,2 auf 23,1 %. Gegenüber der gesamten deutschen NMVOC-⁠Emission⁠ schrumpfte der Anteil fahrzeugseitiger verdunstungsbedingter Emissionen von rund 10,3 auf rund 1,7 %.

Die Verteilungsverluste von Kraftstoffen sanken - insbesondere durch die fortschreitende Ausstattung der Tankstellen mit Gaspendel- und Gasrückführungssystemen - von 87,8 auf rund 16,7 Tsd. t. Der Anteil der gesamten Verteilungsverluste an den NMVOC-Emissionen sank damit von rund 2,2 % im Jahr 1990 auf knapp über 1,5 % im Jahr 2018.

 

Entwicklung in Industrie und Gewerbe

Die unter den Industrieprozessen berichteten L?semittelanwendungen dominieren die NMVOC-Emissionen in Deutschland. Die NMVOC-Emissionen durch die Verwendung von Lacken und Reinigungsmitteln konnten zwar mit geringerem L?semittelgehalt beziehungsweise durch die teilweise Umstellung auf wasserbasierende Systeme vor allem in Lackierereien, Druckereien und Metallbe- und verarbeitenden Betrieben seit 1990 etwa halbiert werden. Der prozentuale Anteil an den Gesamtemissionen stieg im Zeitraum von 1990 bis 2018 jedoch, da die Minderung gegenüber den anderen Quellkategorien nur unterdurchschnittlich ausfiel.

Die Emissionen der gesamten industriellen Produktionsprozesse sank in den letzten Jahren kontinuierlich auf 0,59 Mio. t, der Anteil an den NMVOC-Gesamtemissionen stieg aber ebenfalls zwischen den Jahren 1990 (32 %) und 2018 (51 %) (siehe Tab. ?Emissionen ausgew?hlter Luftschadstoffe nach Quellkategorien“).

Die Tabelle stellt Angaben zu NOx, NH3, NMVOC, SO2 und Staub – einschlie?lich der Feinstaubanteile PM10 und PM2,5 – sowie CO zusammen. Au?erdem werden die S?urebildner SO2, NH3 und NOx unter Berücksichtigung ihres S?ure?quivalents erfasst.
Tab: Emissionen ausgew?hlter Luftschadstoffe nach Quellkategorien
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Entwicklung in der Landwirtschaft

Die NMVOC-Emissionen aus der Landwirtschaft stammen zu über 95 % aus dem Bereich Wirtschaftsdüngermanagement (vornehmlich aus der Rinderhaltung) und der verbleibende Rest wird von Pflanzen bei der Getreideproduktion emittiert.

Die Emissionen sind zwischen 1990 und dem Jahr 2006 von ca. 0,45 Mio. t auf 0,32 Mio. t gesunken, stiegen anschlie?end bis 2013 wieder leicht an und sanken erneut bis zum Jahr 2018 auf das Niveau von 2006. Im Jahr 2018 betrugen die NMVOC-Emissionen aus der Landwirtschaft wieder 0,32 Mio. t, dies entspricht einer Reduktion um 27,5 % seit 1990. Da die anderen gro?en Quellen von NMVOC deutlich st?rker zurückgegangen sind, stieg der Anteil der Landwirtschaft an den Gesamtemissionen von 11 % in 1990 auf fast 29 % im Jahr 2018.

 

Wirkung von flüchtigen organischen Substanzen

Flüchtige organische Substanzen (⁠VOC⁠) umfassen eine Vielzahl von Stoffen, deren Molekülstruktur auf einem Kohlenstoffgrundgerüst aufbaut. Sie k?nnen die unterschiedlichsten Einwirkungen auf die Umwelt haben, etwa gro?r?umig über die Bildung von Photooxidantien, lokal als Geruchsbel?stigung oder sogar als krebserregende Substanzen (zum Beispiel Benzol). Allein aus der Gesamtemission kann daher nicht auf das Wirkungspotenzial geschlossen werden. Die Gesamtmenge der Emissionen ist jedoch in Hinblick auf die Rolle der VOC als Vorl?ufer sekund?rer Luftverunreinigungen von Bedeutung: zusammen mit Stickstoffoxiden führen sie zur Bildung von bodennahem Ozon, zum Beispiel ?Sommersmog“ (siehe ?Ozon-Belastung“).

 

Verursacher

Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen ohne Methan (NMVOC) entstanden noch 1990 zu mehr als der H?lfte bei unvollst?ndig ablaufenden Verbrennungsvorg?ngen, wovon wiederum gut zwei Drittel auf Kraftfahrzeuge entfielen. Neben dem Aussto? von Abgasen stammen aus dem Verkehr auch Emissionen durch ⁠Verdunstung⁠ am Fahrzeug bei der Tankbelüftung, durch Undichtigkeiten (vor allem am Vergaser) sowie bei der Verteilung des leichtflüchtigen Ottokraftstoffes (Lagerung, Umschlag und Betankung). Bis heute ist der Anteil der verbrennungsbedingten Emissionen am Gesamtaussto? auf gut 18 % zurückgegangen. Auch bei industriellen Produktionsprozessen, dem Einsatz von Dünger in der Landwirtschaft sowie durch Kleinfeuerungsanlagen kommt es zu nennenswerten Emissionen. Gr??ere Kraftwerksanlagen und Industriefeuerungen setzen hingegen nur sehr wenig NMVOC frei.

Die mit Abstand wichtigste Quellkategorie ist heute jedoch, bedingt durch den starken Rückgang der verkehrsbedingten Emissionen, die Verwendung von L?semitteln und l?semittelhaltigen Produkten.

 

Erfüllungsstand von Minderungsbeschlüssen

Im Multikomponentenprotokoll (1999) zur UNECE-Luftreinhaltekonvention, das die j?hrlichen Emissionen durch Einführung nationaler H?chstmengen begrenzt, hat sich Deutschland verpflichtet, die NMVOC-Emissionen bis zum Jahr 2010 auf 995 Tsd. t zu vermindern. Zudem hat Deutschland im Zuge der Novellierung des Protokolls (2012) eine Reduktion der NMVOC-Emissionen um 13 % im Zeitraum 2005 bis 2020 zugesagt.

Auf EU-Ebene legt die Richtlinie über nationale Emissionsh?chstmengen (NEC-Richtlinie 2001/81/EG) fest, dass Deutschland für NMVOC ab 2010 eine Emissionsh?chstmenge von 995 Tsd. t einhalten muss. Diese Festlegung berücksichtigte jedoch nicht die seitdem dazugekommenen Emissionen aus der Landwirtschaft, so dass diese für die überprüfung der Zielerreichung aus den Gesamtemissionen heraus gerechnet werden müssen. Mit der Richtlinie (EU) 2016/2284 (neue NEC-Richtlinie) ist zudem ein weiteres relatives Ziel gegenüber 2005, diesmal für das Jahr 2030, etabliert. Sp?testens bis zu diesem Zeitpunkt müssen die NMVOC-Emissionen um 28 % sinken.

Bereits eingeleitete Regelungen zur Begrenzung des L?semittelverbrauchs bei bestimmten Anlagen (unter anderem Druckereien, Lackierereien, Hersteller l?semittelhaltiger Produkte) und des L?semittelgehalts in Farben, Lacken und Beschichtungsstoffen bewirken voraussichtlich in den kommenden Jahren eine weitere Minderung der NMVOC-Emissionen. Durch eine Erweiterung dieser Regelungen auf EU-Ebene w?re eine noch deutlichere Minderung der Emissionen m?glich.