Demografischer Wandel

Eine Bev?lkerungszunahme oder -abnahme kann sich – regional unterschiedlich – auf Umweltnutzung und Umweltzustand auswirken. Nach einer Korrektur der Bev?lkerungszahl durch den Zensus 2011 stieg die Bev?lkerung Deutschlands bis 2018. Das lag vor allem an kurzfristig wirksamen Faktoren wie der Zuwanderung. Auf lange Sicht wird die Bev?lkerung voraussichtlich altern und abnehmen.

Inhaltsverzeichnis

 

Entwicklung der Bev?lkerung in den Bundesl?ndern

Von 1990 bis 2019 nahm die Bev?lkerung in acht Bundesl?ndern zu und in sieben Bundesl?ndern ab (siehe Tab. ?Bev?lkerung nach Bundesl?ndern 1990 bis 2019“).

Die unterschiedliche Bev?lkerungsentwicklung in den letzten 25 Jahren ist vor allem auf Wanderungsbewegungen zurückzuführen, zum einen auf Binnenwanderung zwischen den Bundesl?ndern und zum anderen auf Zuwanderung aus dem Ausland, die sich bevorzugt auf wirtschaftlich starke Regionen richtet. Bundesl?nder, die von Abwanderung betroffen sind, haben vor allem junge Menschen und Familien mit Kindern verloren. In der Folge fallen auch Geburtendefizite und Sterbeüberschüsse h?her aus, als in Regionen, die von Zuwanderung profitieren.

Aufgrund der Ergebnisse zum Zensus 2011 der Statistischen ?mter des Bundes und der L?nder musste die Bev?lkerungsstatistik korrigiert werden. Die Datenerhebung zum Zensus 2011 zeigte, dass 2011 in Deutschland 1,5 Millionen Menschen weniger lebten, als bisher angenommen.

Nach der neuen Berechnungsgrundlage des Zensus 2011 stieg die Bev?lkerung von 2011 bis 2019, haupts?chlich bedingt durch Zuwanderung aus dem Ausland, in 13 Bundesl?ndern an. In absoluten Zahlen wuchsen insbesondere die bev?lkerungsreichsten L?nder Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern. Berlin und Hamburg verzeichneten prozentual die h?chsten Zuw?chse.

In Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Thüringen war trotz Zuwanderung eine Abnahme der Bev?lkerung von 2011 auf 2019 zu verzeichnen. In Mecklenburg-Vorpommern blieb die Bev?lkerung seit 2011 nahezu unver?ndert.

Die Tabelle zeigt, dass zwischen 2011 und 2019 die Bev?lkerung in 13 Bundesl?ndern stieg und in drei Bundesl?ndern sank.
Tab: Bev?lkerung nach Bundesl?ndern 1990 bis 2019
Quelle: Statistisches Bundesamt Tabelle als PDF
 

Die Bev?lkerungspyramide

Die Zahlen zur Altersstruktur zeigen: 2019 betrug der Anteil der unter 20-J?hrigen 18,5 %. Auf die Bev?lkerung im Alter von 20 bis 65 Jahren entfielen 62 % und der Anteil der über 65-j?hrigen lag bei rund 22 % (siehe Abb. ?Altersstruktur nach Altersklassen 2019“). Die abnehmende Zahl der Geburten und das Altern der gegenw?rtigen stark besetzten mittleren Jahrg?nge führen zu Ver?nderungen in der Altersstruktur der Bev?lkerung. Eine klassische Bev?lkerungsstruktur, bei der die Kinder die st?rksten Jahrg?nge stellen und die Besetzungszahlen der ?lteren Jahrg?nge allm?hlich als Folge der Sterblichkeit abnehmen, zeigt die aktuelle Bev?lkerungspyramide in Deutschland nicht mehr auf. Laut Statistischem Bundesamt hat die aktuelle hohe Zuwanderung nur sehr eingeschr?nkte Auswirkungen auf die langfristige Bev?lkerungsentwicklung. Sie schl?gt sich vor allem im kurzfristigen Anstieg der Bev?lkerungszahl nieder. Der ⁠Trend⁠ einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft in Deutschland kann dadurch nicht umgekehrt werden.

Kreisdiagramm: Ende 2019 setzte sich die Bev?lkerung in Deutschland wie folgt zusammen: 18 Prozent jünger als 20 Jahre, 21 Prozent über 65 Jahre und 62 Prozent der Einwohner/-innen zwischen 20 und 65 Jahre alt (Hinweis: keine 100 % insgesamt, da bei allen Zahlen abgerundet wurde).
Altersstruktur nach Altersklassen 2019
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF
 

Bev?lkerungsdichte in Deutschland

In Deutschland lebten 2018 (31.12.) auf einem Quadratkilometer (km2) im Schnitt 232 Personen. Die drei bev?lkerungsreichsten L?nder waren Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. In diesen drei Bundesl?ndern, die 39,3 % der Fl?che Deutschlands einnehmen, lebte etwas mehr als die H?lfte der Bev?lkerung (siehe Tab. ?Fl?che und Bev?lkerung 2018“); neuere Daten liegen hier bislang noch nicht vor.

Gro?e Unterschiede in der Bev?lkerungsdichte gab es zwischen Stadt und Land. Die h?chste Bev?lkerungsdichte wiesen 2018 die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen auf. Vergleicht man die restlichen Bundesl?nder miteinander, so lag Nordrhein-Westfalen 2018 an erster Stelle. Am geringsten war die Bev?lkerungsdichte in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg.

Im Jahr 2011 betrug die Einwohnerdichte in Deutschland 225 Einwohner/-innen pro Quadratkilometer (EW/km2), war also etwas geringer als 2018. In der Reihenfolge der Bundesl?nder lag Bayern mit 176 EW/km2 im Jahr 2011 noch knapp hinter Schleswig-Holstein (177 EW/km2). Im Jahr 2018 hatte sich die Bev?lkerungsdichte in beiden Bundesl?ndern erh?ht, aber Bayern lag mit 185 EW/km2 knapp vor Schleswig-Holstein (183 EW/km2). Ansonsten blieb die Reihenfolge der Bundesl?nder unver?ndert.

Tabelle: Fl?che Deutschland: 357.582 km2, Bev?lkerung in Deutschland 2018 (31.12.) 83,019 Millionen.
Tab: Fl?che und Bev?lkerung 2018
Quelle: Statistisches Bundesamt Tabelle als PDF zur vergr??erten Darstellung
 

Stadt und Land

Derzeit dominiert immer noch eine Konzentration der Bev?lkerung auf prosperierende St?dte und Wachstumsregionen. Eine weitere Zunahme der Bev?lkerung in den St?dten und Abnahme in den stadtentfernten l?ndlichen Regionen wird sich auf die jeweilige Nutzung und den Zustand der Umwelt auswirken. Die Zunahme der Bev?lkerung in den Gro?st?dten und Stadtregionen wie Berlin, München, Hamburg, K?ln, Frankfurt und Stuttgart, Leipzig und Dresden bedeutet mehr Fl?chenbelegung, Bodenversiegelung durch den notwendigen Wohnungsbau, Infrastruktur, Verkehr und L?rm durch zunehmende Pendlerstr?me und Luftverschmutzung.

 

Demografie und effiziente Fl?chennutzung

L?ndliche R?ume und wirtschaftlich stagnierende Regionen haben immer noch Bev?lkerungsverluste zu verzeichnen. Eine stagnierende oder sinkende Bev?lkerung hat nicht in jedem Fall eine Umweltentlastung zur Folge. Leere Wohnungen und Bürogeb?ude sowie Gewerbebrachen bleiben bestehen. Viele Geb?ude, Verkehrs- und Versorgungsstrukturen müssen weiter betrieben, gewartet und instandgehalten werden. In Schrumpfungsregionen verschlechtert sich insgesamt die Effizienz der Auslastung von Geb?uden und Infrastrukturen. Dadurch steigt die ?kologische und ?konomische Belastung pro Kopf der Bev?lkerung. Denn die Geb?ude und Infrastrukturen dienen immer weniger Nutzern und müssen von immer weniger Nutzern bezahlt werden.

In stagnierenden Regionen kann Zersiedelung die Effizienz der Geb?ude- und Infrastrukturnutzung zus?tzlich verschlechtern und die pro-Kopf-Umweltbelastung erh?hen. Das kann vor allem dann geschehen, wenn einige Siedlungen erweitert werden und sich die Auslastung anderer verschlechtert.

Die Anforderungen an eine Siedlungsplanung und Wohnungspolitik sind daher künftig, in Wachstumsregionen die Siedlungen m?glichst fl?chensparend, umwelt- und sozialvertr?glich zu entwickeln und in stagnierenden oder schrumpfenden Regionen die Geb?ude und Infrastrukturen kostengünstig und dabei umwelt- und sozialvertr?glich an den künftigen Bedarf anzupassen.

 

Hilfe bei der Anpassung

Statt Siedlungen und Infrastrukturen auszubauen, sollte der Bestand – wenn m?glich – effizienter genutzt werden. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sowie das Umweltbundesamt untersuchen im Rahmen von Forschungsvorhaben regelm??ig umwelt- und sozialvertr?gliche Anpassungsstrategien für schrumpfende Regionen. Diese werden auch in wirtschaftlich starken Regionen und Universit?tsst?dten erforderlich sein, falls die Geburtenraten niedrig bleiben. Denn Kinder, die in den letzten Jahrzehnten nicht geboren wurden, fehlen heute als Eltern künftigen Nachwuchses. Weiterhin stellen diese demografischen Entwicklungen beispielsweise auch die Abfallwirtschaft vor gro?e Herausforderungen. Das Umweltbundesamt hat aus diesem Grund einen Leitfaden für Kommunen entwickelt, der als Hilfestellung bei der Bew?ltigung künftiger demografiebedingter Herausforderungen dienen soll.