Klimavertr?gliche Abfallwirtschaft

Abfallwirtschaftliche Ma?nahmen in Deutschland belasteten im Jahr 1990 das Klima mit gut 38 Millionen Tonnen Kohlendioxid-?quivalenten. Bis zum Jahr 2015 wandelte sich diese Belastung in eine Entlastung von etwa 27 Millionen Tonnen. Das gelang vor allem durch den Ausstieg aus der Deponierung unbehandelter Siedlungsabf?lle sowie die verst?rkte stoffliche und energetische Nutzung der Abf?lle.

Inhaltsverzeichnis

 

Abfallbehandlung schützt heute das Klima

Die Abfallwirtschaft hat sich zu einem Klimaschützer gewandelt. Im Jahr 1990 belastete sie das ⁠Klima⁠ noch mit gut 38 Millionen Tonnen (Mio. t) an CO2-?quivalenten, das waren 3 % der gesamten ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen in Deutschland. Bis 1992 stiegen die Emissionen auf rund 40 Mio. t CO2-?quivalente, seitdem sinken sie ab. Im Jahr 2015 waren es mit rund 11 Mio. t CO2-?quivalente etwa 27 Mio. t CO2-?quivalente weniger als 1990. Der Anteil an den gesamten Treibhausgas-Emissionen betrug damit nur noch 1,2 %. Insgesamt sparte die Abfallwirtschaft im Zeitraum von 1990 bis 2015 rund 324 Mio. t CO2-?quivalente gegenüber dem Niveau vom Anfang der 90-er Jahre ein. Das geschah insbesondere durch das Aus für die Deponierung unbehandelter Siedlungsabf?lle sowie durch eine verst?rkte stoffliche und energetische Nutzung der Abf?lle (Umweltbundesamt 2010).

Weitere Informationen finden Sie auf den Themenseiten des Umweltbundesamtes.

Neuere Daten zur klimavertr?glichen Abfallwirtschaft werden aktuell in einem Forschungsvorhaben erhoben und sind voraussichtlich Anfang des Jahres 2022 online verfügbar.

 

Verwertungs- und Deponierungstrends

Die Entsorgungspfade der Siedlungsabf?lle haben sich seit dem Jahr 1990 entscheidend ver?ndert. Heute werden mehr Wertstoffe getrennt erfasst und verwertet. Weit mehr als die H?lfte des Hausmülls – vor allem Altpapier, Altglas, Verpackungen und Bioabfall – wird inzwischen stofflich verwertet. Dadurch werden natürliche Rohstoffe geschont. Dies schützt das ⁠Klima⁠, da beim Recycling weniger Energie ben?tigt wird als bei der Neugewinnung von Rohstoffen. Die effiziente energetische Nutzung der verbleibenden Restabfallmengen tr?gt ebenfalls zum ⁠Klimaschutz⁠ bei, weil fossile Brennstoffe zur Energieerzeugung ersetzt werden k?nnen.

Den gr??ten Beitrag zur Senkung von Treibhausgasemissionen im Abfallsektor liefern allerdings jene Ma?nahmen, die zu geringeren Methanemissionen aus Deponien führen. Das geschieht durch die bessere Erfassung und energetische Nutzung der Deponiegase, vor allem aber durch das seit Juni 2005 geltende Ablagerungsverbot für nicht vorbehandelte organisch abbaubare Siedlungsabf?lle. Die gesetzlichen Grundlagen dafür schuf die Bundesregierung im Jahr 2001 mit der Abfallablagerungsverordnung. Sie enth?lt Ablagerungskriterien, die seit Juni 2005 ohne Ausnahme eingehalten werden müssen, um vor allem Methanemissionen zu vermeiden. Diese Kriterien sind nur mit einer thermischen oder mechanisch-biologischen Vorbehandlung der Siedlungsabf?lle erreichbar. Diese Vorgaben hat der Gesetzgeber im Jahr 2009 mit der Zusammenführung des Deponierechtes in die Deponieverordnung überführt.

 

Erfolgsgeschichte Deponierungsverbot für unbehandelten Restabfall

Das nationale Treibhausgasinventar zeigt, dass Deutschlands Deponien im Jahr 2015 rund 25 Mio. t CO2-?quivalente weniger als im Jahr 1990 ausstie?en (siehe Abb. ?Treibhausgas-Emissionen aus der Abfallwirtschaft“).

Wie Erfahrungen der deutschen Abfallwirtschaft lehren, l?sst sich dieser Rückgang zu einem gro?en Teil auf die gesunkene deponierte Menge an biologisch abbaubaren Abf?llen zurückführen (Umweltbundesamt 2010). Einen weiteren Beitrag liefern Deponiebetreiber, indem sie einen Teil des Deponiegases, dessen Hauptbestandteil Methan ist, auffangen und energetisch nutzen. Die Methanemissionen aus Deponien werden weiter sinken, weil in ?lteren Deponien die Bildung von Deponiegas abklingt und seit Juni 2005 die Deponierung von Abf?llen mit signifikanter Methanbildung nicht mehr erlaubt ist.

Das Balkendiagramm zeigt die Entwicklung der Treibhausgasemissionen zwischen 1990 und 2015.
Treibhausgas-Emissionen aus der Abfallwirtschaft
Quelle: Nationales Treibhausgasinventar Diagramm als PDF
 

Klimabilanz der Abfallwirtschaft

Das nationale Treibhausgasinventar führt Treibhausgase aus dem Abfallbereich in verschiedenen Kapiteln auf:

  • Methanemissionen aus Deponien und der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung sowie Lachgas- und Methanemissionen aus der Kompostierung werden dem Abfallbereich zugerechnet.
  • über Emissionen aus der Abfallverbrennung wird im Kapitel Energie berichtet.
  • Vermiedene Emissionen durch Recyclingprozesse werden in den Kapiteln der zugeh?rigen Industriebranchen wie Stahl oder Papier bilanziert.

Dem Nationalen Inventarbericht l?sst sich daher die Gesamtleistung der Abfallwirtschaft zur Treibhausminderung nicht entnehmen.

Das Umweltbundesamt beauftragte deshalb im Jahr 2005 das ?ko-Institut damit, in einer Kurzstudie die gesamten Leistungen der Siedlungsabfallwirtschaft zum ⁠Klimaschutz⁠ zu ermitteln. Das Institut nutzte die Methode der ?kobilanz, die s?mtliche Aufwendungen für Sammlung, Transporte, Recycling und Behandlung der Abf?lle den Einsparungen durch die Bereitstellung von Sekund?rprodukten und Energie gegenüberstellt. In einer detaillierten ?kobilanz (Umweltbundesamt 2010) wurde festgestellt, dass die Siedlungsabfallwirtschaft im Jahr 2006 insgesamt 18 Mio. t CO2-?quivalente eingespart hat. Das bedeutet, dass bei der Verwertung von Abf?llen mehr Treibhausgasemissionen vermieden als produziert werden.

 

Thermische Abfallbehandlung

Der meiste Restsiedlungsabfall wird in Müllverbrennungsanlagen (MVA) behandelt. Im Jahr 2009 sind so etwa 19 Millionen Tonnen (Mio. t) Restabfall energetisch genutzt worden, um Strom und zum Teil auch W?rme zu erzeugen und bereitzustellen. Die abgegebenen Energiemengen betrugen etwa 6 Terawattstunden (TWh) Strom und 14 TWh W?rme. Damit lassen sich fossile Energietr?ger ersetzen und beachtliche Mengen an CO2-Emissionen einsparen. In der Literatur werden – je nach Bilanzierungsmethode – bis zu 4,7 Mio. t CO2 j?hrlich genannt (Treder, 2009).

Weitere Gutschriften in der Klimabilanz erhalten MVA, weil sie aus der Schlacke Wertstoffe wie Eisen, Kupfer und Aluminium aussortieren. Denn es erfordert weniger Energieeinsatz, Altmetalle aufzubereiten und neu zu nutzen, als die Metallgewinnung als Prim?rrohstoff. Erh?hten sich etwa die Verwertungsquote des Eisens von 50 auf 70 Prozent (%) und der Nichteisenmetalle von 10 auf 50 %, lie?en sich in Deutschland weitere j?hrliche CO2-Emissionen in H?he von 0,8 Mio. t vermeiden.

Auch durch eine effiziente energetische Nutzung von Ersatzbrennstoffen lassen sich fossile Brennstoffe ersetzen. Dabei handelt es sich um heizwertreiche Abf?lle, die in mechanisch-biologischen Behandlungsanlagen (MBA) etwa aus Restsiedlungsabf?llen abgetrennt werden. Diese heizwertreichen Abf?lle k?nnen in Ersatzbrennstoffkraftwerken eingesetzt oder in industriellen Feuerungsanlagen mit verbrannt werden (Umweltbundesamt 2005).

Tipps zum Weiterlesen:

Treder, Martin (2009): ?Der Beitrag der deutschen Abfallverbrennungsanlagen zum Klimaschutz – Status quo (5/2009) und Perspektiven“ in Müll-Handbuch, Kennzahl 9351, Lieferung 3/09, Erich Schmidt Verlag, Berlin.

 

Optimierte Bioabfallbehandlung

Bisher wird Bioabfall und Grüngut in Deutschland überwiegend kompostiert. CO2-Emissionen lassen sich einsparen, wenn Bioabfall nicht nur kompostiert, sondern verg?rt wird und das dabei entstehende Biogas sowohl zur Strom- als auch W?rmeproduktion genutzt wird. Bei Annahme einer optimierten Verg?rung von etwa zwei Dritteln der vorhandenen Bioabf?lle mit effizienter Nutzung der im Biogas enthaltenen Energie lie?en sich gegenüber der reinen Kompostierung etwa 800.000 Tonnen CO2-?quivalente einsparen. Die stoffliche Verwertung des G?rrückstandes als Dünger oder zur Herstellung von Pflanzsubstraten w?re – wie bei der reinen Kompostierung – weiterhin m?glich (Umweltbundesamt 2006). Die Verg?rungsanlagen haben als geschlossene Systeme darüber hinaus den Vorteil, dass sie die besonders klimarelevanten Lachgasemissionen, die in Kompostierungsanlagen entstehen, deutlich vermindern.

 

Ausblick

Gem?? dem Projektionsbericht der Bundesregierung zur Entwicklung der ⁠Treibhausgas⁠-Emissionen vom September 2016 k?nnen die Emissionen der Abfallwirtschaft im Jahr 2020 im Mit-Weiteren-Ma?nahmen-⁠Szenario⁠ unter Berücksichtigung der Ma?nahmen des Aktionsprogramms ⁠Klimaschutz⁠ 2020 und des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) auf rund 8,5 Millionen Tonnen (Mio. t) CO2-?quivalente verringert werden und damit um 0,4 Mio. t CO2-?quivalente mehr als im Mit-Ma?nahmen-Szenario. Das ist die gesch?tzte Wirkung der im Aktionsprogramm beschlossenen F?rderung der direkten Deponiebelüftung im Rahmen der Richtlinie zur F?rderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und ?ffentlichen Einrichtungen (Kommunalrichtlinie).