Glas und Altglas

Altglas kann unendlich oft wieder eingeschmolzen und zur Herstellung neuer Glasprodukte genutzt werden. Solch eine erneute stoffliche Nutzung ist umweltvertr?glich und kann viel Energie (ca. 10 %) und viele Rohstoffe einsparen, wenn die verschiedenen Glasprodukte wie Flaschen und Fenstergl?ser an ihrem Lebensende dem richtigen Entsorgungsweg zugeführt werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Massenprodukt Glas

In Deutschland stellten Glashersteller 2019 rund 7,378 Millionen Tonnen (Mio. t) Glas her. Aus 4,130 Mio. t davon wurde Beh?lterglas gefertigt, aus 2,014 Mio. t Flachglas. Aus rund 276.737 Tonnen (t) entstanden spezielle Gl?ser für Haushalte, Forschung und Wirtschaft. Der folgende Text beschreibt die Sammlung und Verwertung dieser Gl?ser. Zus?tzlich gibt es Produzenten von Mineralwollen, die rund 1 Mio. t Glas- und Steinwolle herstellen, die als D?mmmaterial eingesetzt wurden (siehe Abb. ?Glasproduktion im Jahr 2019 und die Anteile der einzelnen Glasbranchen“).

Diagramm: Im Jahr 2019 wurden 7,378 Millionen Tonnen Glas in Deutschland produziert. Davon fielen 56 Prozent auf Beh?lterglas, 27,3 Prozent auf Flachglas, 3,8 Prozent auf Spezialgl?ser und 13 Prozent auf Glas- und Steinwolle.
Glasproduktion im Jahr 2019 und die Anteile der einzelnen Glasbranchen
Quelle: Bundesverband Glasindustrie Diagramm als PDF
 

Glas: gut recycelbar!

Glas l?sst sich unendlich oft wieder verwenden. Es kann beliebig oft in den Schmelzprozess zurückgeführt und zu neuen Produkten verarbeitet werden. Da recyceltes Glas bei niedrigeren Temperaturen als die zur Glasherstellung erforderlichen Rohstoffe schmilzt, sinkt der Energiebedarf, wenn Glasscherben zugesetzt werden. über den Daumen l?sst sich sagen, dass der Energiebedarf um etwa 0,2 bis 0,3 % sinkt, wird ein Prozent Altglas dem Schmelzofen hinzugefügt. Einschmelzen von Altglas schützt so das ⁠Klima⁠ und spart Rohstoffe wie Quarzsand, Soda und Kalk ein. Das tr?gt ebenfalls zur Verringerung der dem Herstellungsprozess anrechenbaren Umweltbelastungen bei. Weiterhin braucht eingeschmolzenes Altglas nicht deponiert zu werden.

Glashersteller setzen Scherben, die als Ausschuss bei der Produktion anfallen, wieder ein. Der Einsatz von Altglas h?ngt aber von den herstellungsspezifischen Anforderungen an den Reinheitsgrad der Scherben ab. So kann gef?rbtes Glas nicht zur Herstellung von Wei?glas genutzt werden und Keramikscherben oder Steine st?ren den Produktionsprozess.

Im Jahr 2008 haben Glashersteller in Glaswannen durchschnittlich 62,7 % Scherben eingesetzt. Im Jahr 2006 sind es bei der Produktion von Braunglas im Schnitt 40 % Altglas gewesen, bei Wei?glas 57 % und bei Grünglas 63 %. Die Spitzenwerte liegen bei einzelnen Schmelzwannen bei rund 70 % (Wei?glas und Braunglas) oder etwa 90 % (Grünglas).

 

Altglassammlung mit Tradition

Für Beh?lterglas wurde bereits im Jahr 1974 ein fl?chendeckendes Sammelsystem eingerichtet. Meist werden Bringcontainersysteme zur getrennten Erfassung von Wei?-, Braun- und Grünglas eingesetzt. über 250 000 solcher Altglascontainer sind bundesweit im Einsatz.

Die Aufbereitung des gesammelten Beh?lterglases erfolgt zwar weitestgehend vollautomatisch. Die Farbsortierung erfordert jedoch aus technischen und ?konomischen Gründen eine nach Farben getrennte Sammlung der Glasbeh?lter. So ist die Sortenreinheit der gesammelten Glasmengen eine Voraussetzung für die Rückführung von Beh?lterglasscherben in den Schmelzprozess zur Herstellung neuer Flaschen und Gl?ser.

Im Jahr 2006 erreichte die Beh?lterglasverwertung eine Quote von 83,6 %. Bis zu diesem Jahr hat die Gesellschaft für Glasrecycling und Abfallvermeidung mbH (GGA) die entsprechenden Daten zur Verfügung gestellt. Nach dem kartellrechtlichen Verbot dieser Organisation fehlen verl?ssliche Daten über das Aufkommen von Beh?lterglasscherben. Zahlen müssen nunmehr aus den entsprechenden Abfallstatistiken sowie den j?hrlichen Erhebungen zum Aufkommen und zur Verwertung von Verpackungsabf?llen in Deutschland (siehe auch ?Verpackungsabf?lle“) entnommen werden. Diese Ver?ffentlichung weist für das Jahr 2017 eine Verwertungsquote von 84,4 % für auf den Markt gebrachte Beh?ltergl?ser aus (siehe Abb. ?Verwertung von Glas aus gebrauchten Verpackungen“).

Generell ist eine Vorsortierung beim Verbraucher unbedingt erforderlich. Fensterglas, Autoglas, Kristallglas und feuerfeste Gl?ser wie Laborglas, Ceran?, Pyrex? lassen sich bei der Altglasaufbereitung nur schwer aussortieren und k?nnen zu hohen Produktionsausf?llen oder zur Anreicherung von Schwermetallen im Beh?lterglaskreislauf führen, zum Beispiel durch Bleikristallglasscherben. Deshalb dürfen diese Gl?ser nicht in Altglasbeh?ltern entsorgt werden.

Diagramm: Zwischen 2007 und 2017 stieg die Verwertungsquote von Glas aus gebrauchten Verpackungen von 83,7 auf 84,4 Prozent.
Verwertung von Glas aus gebrauchten Verpackungen
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Stoffliche Verwertung von Beh?lterglas

In der Beh?lterglasindustrie stellt Altglas mittlerweile die wichtigste Rohstoffkomponente dar. Eine Tonne Altglas darf jedoch nicht mehr als 25 g an Keramik, Steinen und Porzellan (KSP-Fraktion) enthalten und maximal 5 g an Nichteisenmetallen wie Aluminium. Zudem sind Grenzwerte für Eisenmetalle und für organische Bestandteile wie Kunststoffe und Papier zu unterschreiten.

Besonders wichtig ist die Farbreinheit der Altglasscherben. Um wei?es Beh?lterglas herzustellen, ist bei einer Altglasscherbenzugabe von 50 % eine Farbreinheit von 99,7 % erforderlich. Der Fehlfarbenanteil im Braunglas darf die 8 %-Marke nicht überschreiten. Lediglich grünes Glas l?sst einen Fehlfarbenanteil von bis zu 15 % zu.

 

Stoffliche Verwertung von Flachglas

Für Flachglasprodukte wie Fensterglas und andere Baugl?ser gelten besondere Qualit?tsanforderungen wie Farbreinheit und Blasenfreiheit. Die Flachglasindustrie setzt daher überwiegend sortenreine Glasscherben aus weiterverarbeitenden Betrieben und Eigenscherben ein. In den letzten Jahren wurden die Sammelsysteme zur Erfassung m?glichst sortenreiner und fremdstoffarmer Flachglasprodukte im weiterverarbeitenden Gewerbe ausgebaut. Altglas, das nicht den vorgegebenen Anforderungen an den Reinheitsgrad entspricht, muss aufbereitet werden. Hierfür stehen in Deutschland derzeit zehn Aufbereitungsanlagen zur Verfügung.

Altglasfraktionen, die sich aus Qualit?tsgründen nicht für die Herstellung neuer Flachgl?ser eignen, k?nnen in geringem Umfang bei der Herstellung von Beh?lterglas eingesetzt werden, aber auch bei der Herstellung von D?mmwolle, Schmirgelpapier, Schaumglas und Glasbausteinen.

 

Autoscheiben werden geschreddert

Demontagebetriebe für Altfahrzeuge müssen Front-, Heck- und Seitenscheiben sowie Glasd?cher von Altfahrzeugen ausbauen und dem Recycling zuführen. Das schreibt die Altfahrzeugverordnung vor (siehe "Altfahrzeugverwertung und Fahrzeugverbleib"). Im Jahr 2018 fielen in Deutschland 565.033 Altfahrzeuge an. Sie enthielten im Schnitt etwa 30 kg Fahrzeugglas je Altfahrzeug, insgesamt rund 17.000 t. Aufgrund beh?rdlicher Ausnahmen von der Demontagepflicht haben die Altfahrzeugverwerter nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (?ffentlich verfügbare Werte auf 100 t gerundet) davon nur etwa 8 % – also 1.339 t – demontiert. Der überwiegende Anteil der Fahrzeugscheiben und Glasd?cher gelangt mit den Altfahrzeugen in Schredderanlagen. Die dabei anfallenden nichtmetallischen mineralischen Rückst?nde wurden im Jahr 2018 überwiegend verwertet etwa als Bergversatz oder im Deponiebau und teilweise beseitigt.

über die Ersatzverglasung, also den Anfall von Fahrzeugglas durch Scheibenwechsel, liegen ?ltere Daten vor: Im Jahr 2005 wurden in Deutschland 2,54 Millionen Scheiben an PKWs und Kombis ersetzt. Geht man von einem durchschnittlichen Gewicht einer Windschutzscheibe von ca. 10 kg aus, so bedeutet dies einen Anfall von 25.000 t an Verbundsicherheitsglas (VSG). Hinzu kommt noch eine unbekannte Menge aus der Ersatzverglasung von Nutzfahrzeugen. Etwa 90 % der Altgl?ser aus der Ersatzverglasung werden einer Verwertung zugeführt.

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 Altglas  Beh?lterglas  Flachglas  Verwertungsquote  Altautoverwertung