Gesundheitsrelevante Schadstoffe im menschlichen K?rper

Um festzustellen, wie belastet Menschen mit Schadstoffen sind, werden Blut, Plasma und Urin regelm??ig untersucht. Das ist das Human-Biomonitoring. Das UBA führt zwei solche Programme durch: Bei der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit werden bev?lkerungsrepr?sentative Stichproben von Erwachsenen, und/oder von Kindern und Jugendlichen analysiert, bei der Umweltprobenbank freiwillig Studierende.

Inhaltsverzeichnis

 

Human-Biomonitoring

Um die Schadstoffbelastung des Menschen sachlich beurteilen zu k?nnen, spielt das Human-Biomonitoring (HBM) eine wesentliche Rolle. Nachfolgend werden zwei HBM-Programme vorgestellt, die in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre durchgeführt werden: die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit (ehemals Umwelt-Survey) und die Umweltprobenbank des Bundes. Allgemeine Informationen zum Human-Biomonitoring in Deutschland finden Sie hier.

Collage aus 16 Bildern, die Einflussfaktoren aus der Umwelt wie L?rm oder Abgase zeigen
Seit 1985 untersucht das Umweltbundesamt die Schadstoffbelastung der Menschen in Deutschland
Quelle: Siehe Impressum
 

Die deutsche Umweltstudie zur Gesundheit, GerES

Das Umweltbundesamt (⁠UBA⁠) erfasst und bewertet mit der Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit (ehemals Umwelt-Survey) repr?sentative Daten für eine gesundheitsbezogene Beobachtung der Umweltbelastung. Es handelt sich dabei um repr?sentative Stichproben für die erwachsene oder kindliche Bev?lkerung Deutschlands nach Alter, Geschlecht sowie Gemeindegr??e (vgl. Schulz et al. 2007). Die Studie wird in mehrj?hrigen Abst?nden durchgeführt und dient auch dazu, zeitliche Entwicklungen der Belastung aufzuzeigen sowie Auskunft über den Erfolg oder die Notwendigkeit umweltpolitischer Ma?nahmen zu geben. Eine beschreibende Zusammenfassung der Studie finden Sie hier. Detaillierte Informationen finden Sie unter den nachfolgenden Links zu den Umweltstudien.

Das UBA führte die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit bisland fünfmal durch:

  • In den Jahren 1985 und 1986 untersuchte und befragte das UBA in den alten Bundesl?ndern 25- bis 69-j?hrige Erwachsene (GerES I).
  • In den Jahren 1990 bis 1992 untersuchte und befragte das UBA 6- bis 14-j?hrige Kinder, Jugendliche und 25- bis 69-j?hrige Erwachsene (GerES II).
  • In den Jahren 1997 bis 1999 wurden erneut Erwachsene (18 bis 69 Jahre) untersucht und befragt (GerES III).
  • Von Mai 2003 bis Mai 2006 führte das Umweltbundesamt die erste Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit von 3- bis 14-j?hrigen Kindern und Jugendlichen (ehemals Kinder-Umwelt-Survey, KUS, jetzt GerES IV) durch.
  • Von Januar 2015 bis Juni 2017 wurden erneut Kinder und Jugendliche (3 bis 17 Jahre) vom UBA untersucht und befragt (GerES V).

Diese Untersuchungen fanden jeweils in enger Anbindung an die nationalen Gesundheitsstudien des Robert Koch-Instituts statt. Das Schadstoffspektrum, auf das Blut und Urin untersucht werden, ist breit angelegt. Um Hinweise auf m?gliche Ursachen der Schadstoffbelastungen im K?rper der Menschen aus dem Wohnumfeld zu erhalten, werden im Haushalt auch Trinkwasser-, Innenraumluft- und Hausstaubproben (also der Inhalt von Staubsaugerbeuteln) analysiert. Die Interpretation der Messergebnisse beziehen auch Informationen aus Frageb?gen zu umweltrelevanten Verhaltensweisen und belastungsrelevanten Bedingungen im Haushalt und im Wohnumfeld ein.

 

Die Umweltprobenbank

Das zweite Programm ist die Umweltprobenbank des Bundes (UPB). Die UPB archiviert tiefgekühlt Umwelt- und Humanproben, die vor ihrer Einlagerung auf umweltrelevante Stoffe analysiert werden. Mit diesen Proben k?nnen zum einen zeitliche Ver?nderungen von Stoffkonzentrationen erfasst und zum anderen rückwirkend Stoffe oder deren Folgeprodukte untersucht werden, die zum Zeitpunkt der Probenahme noch nicht bekannt oder analysierbar waren.?

Für die UPB werden Studierende von vier Universit?ten mit der Randbedingung ?ohne erkennbare spezifische Schadstoffexposition“ auf Schadstoffe in Vollblut, Blutplasma und im 24-Stunden-Sammelurin untersucht. Je Universit?t werden j?hrlich ca. 125 Teilnehmende ausgew?hlt. Dabei handelt es sich um Personen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren. Die Anzahl der Frauen und M?nner ist in etwa gleich verteilt. Diese Gesamtheit der Studierenden ist seit Beginn der Untersuchungen nach Umfang, Alter, Wohnlage, Lebensgewohnheit und Gesundheitsstatus homogen und zeigt keine starken ?nderungen der Randbedingungen.

Ausgew?hlte Ergebnisse aus Untersuchungen der Umweltprobenbank finden Sie hier.

 

Die Kommission Human-Biomonitoring

Um die in Blut oder Urin gemessenen Schadstoffgehalte der Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit und der Umweltprobenbank zu deuten, hilft die Kommission Human-Biomonitoring (Kommission HBM) des Umweltbundesamtes (⁠UBA⁠). Sie gibt dazu statistisch abgeleitete Beurteilungswerte – sogenannte Referenzwerte – an, sowie zwei gesundheitsbezogene Beurteilungswerte, die Human-Biomonitoring-Werte (HBM-Werte) I und II (vgl. Schulz et al. 2011).

  • Der Referenzwert ist die Konzentration eines Stoffes in einem K?rpermedium wie Blut oder Urin, die bei 95 Prozent (%) der untersuchten Personen nicht überschritten wird. Die Referenzwerte werden für die Beurteilung, ob bestimmte Personen oder Personengruppen im Vergleich zur Allgemeinbev?lkerung besonders stark mit einem Schadstoff belastet sind, eingesetzt. Gesundheits?mter ziehen sie auch heran, um die Ergebnisse von anlassbezogenen oder regional begrenzten Untersuchungen von Einzelpersonen zu bewerten.
  • Die Kommission HBM leitet die beiden HBM-Werte hingegen auf Grundlage toxikologischer und epidemiologischer Untersuchungen ab. Der HBM-I-Wert ist ein Kontrollwert. Der HBM-II-Wert entspricht der Konzentration eines Stoffes in einem K?rpermedium, bei dessen überschreitung nach dem Stand der derzeitigen Bewertung durch die Kommission HBM eine als relevant anzusehende gesundheitliche Beeintr?chtigung m?glich ist. Ist der HBM-II-Wert überschritten, besteht akuter Handlungsbedarf. Das hei?t, die Belastung der Bev?lkerung ist zu senken und eine umweltmedizinische Beratung zu veranlassen. Der HBM-II-Wert ist somit ein Interventions- und Ma?nahmenwert. Liegt die Konzentration in einem K?rpermedium zwischen dem HBM-I- und dem HBM-II-Wert, ist eine Beeintr?chtigung der Gesundheit nicht sicher auszuschlie?en. Deswegen sollten die Belastungsquellen identifiziert werden, um die Belastung bei vertretbarem Aufwand zu senken.

Vorsorglich weist die Kommission darauf hin, dass die HBM-Werte kein Niveau angeben, bis zu dem ?aufgefüllt“ werden kann. Bei der Anwendung der HBM-Werte sind ferner Anamnese, Symptomatik und zeitliche Zusammenh?nge zu berücksichtigen, um unter anderem Pr?ventionsma?nahmen nicht zu behindern.

Tipps zum Weiterlesen:

Apel et al. 2017: New HBM values for emerging substances, inventory of reference and HBM values in force, and working principles of the German Human Biomonitoring Commission. Int J Hyg Environ Health. 220. (2, Part A):152-66. doi: 10.1016/j.ijheh.2016.09.007.

Kolossa-Gehring et al. 2012: Environmental surveys, specimen bank and health related environmental monitoring in Germany. Int J Hyg Environ Health. 215(2): 120-126. doi: 10.1016/j.ijheh.2011.10.013.

Lermen et al. 2014: A New Approach to Standardize Multicenter Studies: Mobile Lab Technology for the German Environmental Specimen Bank. PLoS ONE 9(8): e105401. doi: 10.1371/journal.pone.0105401.

Schulz et al. 2007: Twenty years of the German Environmental Survey (GerES), Human biomonitoring – temporal and spatial (West Germany/East Germany) differences in population exposure. Int J Hyg Environ Health 210, 271-297. doi: 10.1016/j.ijheh.2007.01.034

Schulz et al. 2017: Die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen 2014-2017 (GerES V) – das Umweltmodul in KiGGS Welle 2. Journal of Health ⁠Monitoring⁠ 2 (S3):47-54. doi: 10.17886/⁠RKI⁠-GBE-2017-102.

Wiesmüller et al. 2007: The Environmental Specimen Bank for Human Tissues as part of the German Environmental Specimen Bank. Int J Hyg Environ Health. 210, 299-305. doi: 10.1016/j.ijheh.2007.01.036

G?en et al. 2018: Discovering time-trends of the German populations exposure to contaminants by analysis of human samples of the German Environmental Specimen Bank (ESB). Toxicol Lett. 298:194-200. doi: 10.1016/j.toxlet.2018.06.007.