Gesundheitsrisiken durch Hitze

Sommerlich hohe Lufttemperatur birgt für Mensch und Umwelt ein hohes Sch?digungspotenzial. Der Klimawandel führt nachweislich vermehrt zu extremer Hitze am Tag und in der Nacht, wodurch sich die gesundheitlichen Risiken für bestimmte Personengruppen erh?hen k?nnen. Für die Gesundheit von besonderer Bedeutung sind Phasen mit mehrt?gig anhaltender, extremer Hitze.

Inhaltsverzeichnis

 

Indikatoren der Lufttemperatur: Hei?e Tage und Tropenn?chte

Die klimatologischen Kenngr??en ?Hei?e Tage“ und ?Tropenn?chte“ des Deutschen Wetterdienstes (⁠DWD⁠) werden unter anderem zur Beurteilung von gesundheitlichen Belastungen verwendet. So ist ein ?Hei?er Tag“ definiert als Tag, dessen h?chste Temperatur oberhalb von 30 Grad Celsius (°C) liegt, und eine ?Tropennacht“ als Nacht, deren niedrigste Temperatur 20 °C nicht unterschreitet.

Die raumbezogene Darstellung von ?Hei?en Tagen“ (HT) und ?Tropenn?chten“ (TN) über die Jahre 2000 bis 2019 zeigt, dass diese zum Beispiel w?hrend der extremen ?Hitzesommer“ in den Jahren 2003, 2015 und 2018 in Deutschland verst?rkt registriert wurden (siehe interaktive Karte ?Hei?e Tage/Tropenn?chte“).

Zu beachten ist, dass ⁠Hei?e Tage⁠ und Tropenn?chte regional unterschiedlich verteilt und verschieden stark ausgepr?gt sein k?nnen, wie sich anhand der Sommer der drei ausgew?hlten Jahre zeigen l?sst. So kamen Hei?e Tage 2003 und 2015 erheblich h?ufiger in Süddeutschland (2003: bis zu 60 HT; 2015: maximal 40 HT) als in Norddeutschland (2003: bis zu 21 HT; 2015: maximal 18 HT) vor. Darüber hinaus waren die Menschen im Süden und Westen Deutschlands zus?tzlich h?ufiger durch Tropenn?chte belastet: 2003 in Südwest- und Westdeutschland und 2015 in Südwestdeutschland (2003: bis zu 21 TN; 2015: maximal 13 TN). Demgegenüber hat die extreme Hitze der Sommer 2018 und 2019 einige Teilregionen Süd- und Südwestdeutschlands, vor allem aber weite Teile Mittel- und Ostdeutschlands betroffen (bis zu 45 HT und 13 TN).

10km
 

Informationen zur interaktiven Karte

Quellen: ⁠Hei?e Tage⁠ 2000-2019: ⁠DWD⁠/Climate Data Center; Tropenn?chte 2000-2019: Pers?nliche Mitteilungen des DWD, Download beim DWD erfolgte zuletzt am 07.11.2019.
Bearbeitung: Umweltbundesamt, FG I 1.5

 

Gesundheitsrisiko Hitze

Der ⁠Klimawandel⁠ beeinflusst in vielf?ltiger Weise unsere Umwelt. Klimamodelle prognostizieren, dass der Anstieg der mittleren j?hrlichen Lufttemperatur zukünftig zu w?rmeren bzw. hei?eren Sommern mit einer gr??eren Anzahl an Hei?en Tagen und Tropenn?chten führen wird. Extreme Hitzeereignisse k?nnen dann h?ufiger, in ihrer Intensit?t st?rker und auch l?nger anhaltend auftreten. Es gibt bereits belastbare Hinweise darauf, dass sich die maximale Lufttemperatur in Deutschland in Richtung extremer Hitze verschieben wird (vgl. Deutschl?nder & M?chel 2017). Dieser ⁠Trend⁠ ist in der Abbildung ?Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius“ bereits deutlich erkennbar.?

Die mit der Klimaerw?rmung verbundene zunehmende Hitzebelastung ist zudem von erheblicher gesundheitlicher Bedeutung, da sie den Organismus des Menschen in besonderer Weise beansprucht und zu Problemen des Herz-Kreislaufsystems führen kann. Au?erdem f?rdert eine hohe Lufttemperatur zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung die Entstehung von gesundheitsgef?hrdendem bodennahem Ozon (siehe ?Gesundheitsrisiken durch Ozon“). Anhaltend hohe Lufttemperatur w?hrend Hitzeperioden stellt ein zus?tzliches Gesundheitsrisiko für die Bev?lkerung dar. Bei Hitze kann das k?rpereigene Kühlsystem überlastet werden. Als Folge von Hitzebelastung k?nnen bei empfindlichen Personen Regulationsst?rungen und Kreislaufprobleme auftreten. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Ersch?pfung und Benommenheit. ?ltere Menschen und Personen mit chronischen Vorerkrankungen (wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen) sind von diesen Symptomen besonders betroffen. So werden w?hrend extremer Hitze einerseits vermehrt Rettungseins?tze registriert, andererseits verstarben in den Hitzesommern 2003, 2006 und 2015 in Deutschland insgesamt etwa 19.500 Menschen zus?tzlich an den Folgen der Hitzebelastung (vgl. An der Heiden et al. 2019). Modellrechnungen prognostizieren für Deutschland, dass zukünftig mit einem Anstieg hitzebedingter Mortalit?t von 1 bis 6 Prozent pro einem Grad Celsius Temperaturanstieg zu rechnen ist, dies entspr?che über 5.000 zus?tzlichen Sterbef?llen pro Jahr durch Hitze bereits bis Mitte dieses Jahrhunderts.

Ein Diagramm zeigt die Anzahl der Hei?en Tage im Gebietsmittel für die Jahre 1951 bis 2020. Die Entwicklung schwankt stark, aber der Anstieg ist deutlich zu erkennen. Erg?nzend ist eine Trendgerade in die Kurve gelegt, die deutlich ansteigt.
Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius
Quelle: Deutscher Wetterdienst Diagramm als PDF
 

Der W?rmeinseleffekt: Mehr Tropenn?chte in Innenst?dten

Eine Studie untersuchte vor kurzem die klimatischen Verh?ltnisse von vier Messstationen in Berlin für den Zeitraum 2001-2015 anhand der beiden Kenngr??en ?Hei?e Tage“ und ?Tropenn?chte“. W?hrend an den unterschiedlich gelegenen Stationen die Anzahl Hei?er Tage vergleichbar hoch war, traten Tropenn?chte an der innerhalb dichter, innerst?dtischer Bebauungsstrukturen gelegenen Station wesentlich h?ufiger (mehr als 3 mal so oft) auf, als auf Freifl?chen (vgl. Krug & Mücke 2018). Eine Innenstadt speichert die W?rmestrahlung tagsüber und gibt sie nachts reduziert wieder ab. Die innerst?dtische Minimaltemperatur kann w?hrend der Nacht um bis zu 10 Grad Celsius über der am Stadtrand liegen. Dies ist als st?dtischer W?rmeinseleffekt bekannt.

 

Hitzeperioden

Von besonderer gesundheitlicher Bedeutung sind zudem Perioden anhaltender Hitzebelastung (umgangssprachlich ?Hitzewellen“), in denen ⁠Hei?e Tage⁠ in Kombination mit Tropenn?chten über einen l?ngeren Zeitraum auftreten k?nnen. Sie sind gesundheitlich ?u?erst problematisch, da Menschen nicht nur tagsüber extremer Hitze ausgesetzt sind, sondern der K?rper auch in den Nachtstunden durch hohe Lufttemperatur thermophysiologisch belastet ist und sich wegen der fehlenden Nachtabkühlung nicht ausreichend gut erholen kann. Ein Vergleich von Messstellen des Deutschen Wetterdienstes (⁠DWD⁠) in Hamburg, Berlin, Frankfurt/Main und München zeigt, dass beispielsweise w?hrend der ⁠Hitzesommer⁠ 2003 und 2015 in Frankfurt/Main 6 mehrt?gige Phasen beobachtet wurden, an denen mindestens 3 aufeinanderfolgende Hei?e Tage mit sich unmittelbar anschlie?enden Tropenn?chten kombiniert waren (vgl. Krug & Mücke 2018). Zu erwarten ist, dass mit einer weiteren Erw?rmung des Klimas die Gesundheitsbelastung durch das gemeinsame Auftreten von Hei?en Tagen und Tropenn?chten w?hrend l?nger anhaltender Hitzeperioden – wie sie zum Beispiel in den Sommern der Jahre 2003, 2006 und vor allem 2018 in Frankfurt am Main beobachtet werden konnten – auch in Zukunft zunehmen wird (siehe Abb. ?Hei?e Tage und Tropenn?chte 2001 bis 2020“). Davon werden insbesondere die in den Innenst?dten (wie in Frankfurt am Main) lebenden Menschen betroffen sein.

Die Abbildung zeigt die Verteilung und die Andauer von Hei?en Tagen und Tropenn?chten zwischen 2001 und 2020 an der DWD-Messstation Frankfurt/Main – Westend. Die l?ngste Hitzeperiode wurde im Sommer 2018 mit 18 aufeinanderfolgenden Hei?en Tagen beobachtet.
Hei?e Tage und Tropenn?chte 2001 bis 2020
Quelle: Umweltbundesamt / Deutscher Wetterdienst Diagramm als PDF

Tipps zum Weiterlesen:

An der Heiden, M.; Muthers, S.; Niemann, H. ; Buchholz, U.; Grabenhenrich, L.; Matzarakis, A. (2019):? Sch?tzung hitzebedingter Todesf?lle in Deutschland zwischen 2001 und 2015. In: Bundesgesundheitsblatt 62, Heft 5, S. 571-579.

Bunz, M. & Mücke, H.-G. (2017): ⁠Klimawandel⁠ – physische und psychische Folgen. In: Bundesgesundheitsblatt 60, Heft 6, Juni 2017, S. 632-639.

Deutschl?nder, T. & M?chel, H. (2017): Temperatur inklusive Hitzewellen. S. 47-56. In: Guy P. Brasseur, Daniela Jacob, Susanne Schuck-Z?ller (Hrsg.) (2017): Klimawandel in Deutschland. Entwicklung, Folgen, Risiken und Perspektiven. ca. 350 S., über 100 Abb., Berlin Heidelberg. DOI 10.1007/978-3-662-50397-3.