St?rf?lle und sonstige meldepflichtige Betriebsst?rungen

Unternehmen müssen seit 1991 St?rf?lle und sonstige meldepflichtige Betriebsst?rungen bei den Landesbeh?rden melden. Im Zeitraum 2000 bis 2019 wurden zwischen 11 und 31 derartige Ereignisse pro Jahr gemeldet. Die h?ufigsten Ursachen im Jahr 2018 waren Bedienfehler, System-, Management- und Auslegungsfehler sowie technische Fehler. Die h?ufigsten Folgen waren Freisetzungen von gef?hrlichen Stoffen.

Inhaltsverzeichnis

 

Meldepflichtige Ereignisse in etwa 1 Prozent aller Betriebsbereiche

Im Jahr 2018 wurden der Zentralen Melde- und Auswertestelle für St?rf?lle (ZEMA) insgesamt 25 meldepflichtige Ereignisse in 3.714 Betriebsbereichen, die der St?rfall-Verordnung unterliegen, gemeldet (Stand 30.06.2019) (siehe Abb. "Verteilung der St?rfallereignisse 2018" und Abb. "Nach der St?rfall-Verordnung gemeldete Ereignisse"). Davon waren 15 St?rf?lle und 10 sonstige meldepflichtige Ereignisse. Es wurden demnach aus etwa 1 % aller Betriebsbereiche derartige Ereignisse gemeldet.

Die vorl?ufige Anzahl der meldepflichtigen Ereignisse für das Jahr 2019 liegt bei 22 Ereignissen in ca. 3.700 Betriebsbereichen, die der St?rfall-Verordnung unterliegen (Stand 26.03.2020).

Meldepflichtige Ereignisse nach Branchen

11 dieser Ereignisse traten 2018 bei der Herstellung von Chemikalien und der Raffination von Erd?l auf, 5 in der Metallindustrie, 4 bei der Lagerung und beim Be- und Entladen von Stoffen und Zubereitungen, 2 im Bereich W?rmeerzeugung, Bergbau und Energie sowie 2 sonstige. Ein Ereignis trat in einer Anlage zur Verwertung und Beseitigung von Abf?llen und sonstigen Stoffen auf (siehe Abb. ?Verteilung der St?rfallereignisse 2018“).?

Personen-, Sach- und Umweltsch?den durch meldepflichtige Ereignisse

Bei den 25 Ereignissen gab es 3 Todesf?lle. 60 Personen wurden bei den Ereignissen verletzt. Bei 18 dieser Ereignisse traten innerhalb der Betriebsbereiche Sachsch?den von insgesamt ca. 801,5 Millionen Euro und au?erhalb von ca. 5 Millionen Euro auf. Umweltsch?den wurden bei 3 Ereignissen innerhalb und einem Ereignis au?erhalb der Betriebsbereiche angezeigt. Hierbei kam es zu Bodenverunreinigungen und Stofffreisetzungen in Gew?sser. Die Kosten lagen hier bei ca. 25 Millionen Euro. Zudem sind bei fast der H?lfte der Ereignisse Brandgase durch Br?nde freigesetzt worden und bei über 50 % der Ereignisse Emissionen durch Stofffreisetzungen aufgetreten.

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Fehlerquellen Mensch und Technik

Im Jahr 2018 waren Fehler von Menschen und Technik die dominierenden Ursachen für St?rf?lle und sonstige meldepflichtige Ereignisse. Hier sind u. a. Bedienfehler, technische Fehler an Apparaten und Armaturen sowie Korrosion mehrfach aufgetreten.

Des Weiteren verursachten in 3 F?llen System-, Management- und Auslegungsfehler derartige Ereignisse. Der Bereich Biogasanlagen war bei 2 Ereignissen durch Sturm- und Blitzeinschlag betroffen. In 5 F?llen liegt noch keine abschlie?ende Bewertung der Ereignisse vor (Stand M?rz 2020).

 

St?rfallrisiken in Betriebsbereichen

Das Risiko eines St?rfalls besteht immer dann, wenn gef?hrliche Stoffe in gr??eren Mengen in einem Bereich, der einem Betreiber untersteht, vorliegen oder sich bei einer Betriebsst?rung bilden k?nnen. Um dieses Risiko zu minimieren, erlie? die Europ?ische Union (EU) im Jahr 1982 die Seveso-Richtlinie und überarbeitete sie seitdem mehrmals, zuletzt 2012 (Richtlinie 2012/18/EU). Der deutsche Gesetzgeber setzt diese Vorgaben der EU insbesondere mit der St?rfall-Verordnung um. Um Anforderungen an die Minderung von derartigen Risiken besser fassen zu k?nnen, hat die EU den Begriff ?Betriebsbereich“ eingeführt. Ein Betriebsbereich liegt dann vor, wenn in einem Bereich mit einer oder mehreren Anlagen, der einem Betreiber untersteht, mindestens vorgegebene Mengen an bestimmten gef?hrlichen Stoffen vorliegen oder bei einer Betriebsst?rung entstehen k?nnen. Die jeweiligen Mindestmengen sind in der St?rfall-Verordnung festgelegt.

Ende 2019 hatten wir in Deutschland 3.714 Betriebsbereiche. Geschieht in einem Betriebsbereich eine Betriebsst?rung, die so gravierend ist, dass sie in der St?rfall-Verordnung genannte Kriterien erfüllt, muss der jeweilige Betreiber des Betriebsbereichs diese der zust?ndigen Landesbeh?rde melden (meldepflichtige Ereignisse).

Um einen St?rfall handelt es sich, wenn durch ein derartiges Ereignis

  • das Leben von Menschen bedroht wird,
  • schwerwiegende Gesundheitsbeeintr?chtigungen von Menschen zu befürchten sind,
  • die Gesundheit einer gro?en Zahl von Menschen beeintr?chtigt wird und
  • die Umwelt oder bestimmte Kultur- und Sachgüter gesch?digt werden, so dass dadurch eine Ver?nderung von Best?nden oder der Nutzbarkeit das Gemeinwohl beeintr?chtigen.
 

Verhinderung von St?rf?llen und Minimierung ihrer Folgen

Die St?rfall-Verordnung verpflichtet den Betreiber eines Betriebsbereichs insbesondere dazu, St?rf?lle zu verhindern und zus?tzliche Ma?nahmen zu treffen, um die Auswirkungen von dennoch auftretenden St?rf?llen zu begrenzen. Diese Grundpflichten werden durch zahlreiche Betreiberpflichten in der St?rfall-Verordnung konkretisiert und um Beh?rdenpflichten erg?nzt.

Der Schaden, der bei einem St?rfall entstehen kann, h?ngt wesentlich von den Mengen an vorhandenen oder den m?glicherweise entstehenden Mengen gef?hrlicher Stoffe ab. Um Anwohner und die Umwelt bestm?glich zu schützen werden Betriebsbereiche, in denen gef?hrliche Stoffe vorhanden sind, in zwei Kategorien eingeteilt: In ?Betriebsbereiche der unteren Klasse“ und in ?Betriebsbereiche der oberen Klasse“.

  • In ?Betriebsbereichen der unteren Klasse“ sind bestimmte Mengen an gef?hrlichen Stoffen vorhanden. Die Betreiber müssen ?grundlegende Pflichten zur Verhinderung und Begrenzung von St?rf?llen“ erfüllen. Dazu z?hlen ein Konzept, wie ein Betreiber St?rf?lle verhindert, und ein Konzept, wie er die Auswirkungen eines St?rfalls durch technische oder organisatorische Ma?nahmen begrenzt. Das kann das Einhausen von Anlagenteilen sein oder die Bereitstellung einer betrieblichen Feuerwehr und von Rettungsdiensten.
  • In ?Betriebsbereichen der oberen Klasse“ sind gr??ere Mengen an gef?hrlichen Stoffen vorhanden. Hier muss der Betreiber ?erweiterte Pflichten“ zur Verhinderung und Begrenzung von St?rf?llen und damit auch erh?hte Sicherheitsanforderungen erfüllen. Diese muss er in einem Sicherheitsbericht dokumentieren. Au?erdem muss er einen Alarm- und Gefahrenabwehrplan erstellen. Im Sicherheitsbericht beschreibt er die Risiken eines St?rfalls und welche Vorkehrungen er trifft, um diese Risiken zu senken. Im Alarm- und Gefahrenabwehrplan muss er festlegen, wer bei einem St?rfall informiert wird und welche Ma?nahmen er zu ergreifen hat.
 

Unternehmen sollen voneinander lernen

Seit 1991 müssen Unternehmen alle St?rf?lle melden. Seit 1993 gibt es dafür eine zentrale Anlaufstelle, die ?Zentrale Melde- und Auswertestelle für St?rf?lle und St?rungen in verfahrenstechnischen Anlagen“ (ZEMA). Die ZEMA geh?rt zum Umweltbundesamt. Neben der Erfassung und Auswertung von Ereignissen, ist es ein Ziel der ZEMA, verallgemeinerbare Erkenntnisse zur Weiterentwicklung des Standes der Sicherheitstechnik zu gewinnen.