Umweltwirtschaft und grüne Zukunftsm?rkte

Umweltschutz ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Deutschland. Deutsche Umweltschutzgüter sind in allen Weltregionen und über alle Umweltschutzbereiche hinweg gefragt. Die Weltm?rkte für Umwelt- und Effizienztechnologien weisen ein sehr hohes Wachstum auf und für die Unternehmen werden Energie-, Rohstoff- und Materialeffizienz zu einem immer wichtiger werdenden Wettbewerbsfaktor.

Inhaltsverzeichnis

 

Umweltwirtschaft in Deutschland

Die Umweltwirtschaft ist eine Querschnittsbranche, die alle Unternehmen erfasst, die Umweltschutzgüter und -dienstleistungen anbieten. Deutsche Unternehmen produzierten im Jahr 2017 Güter im Wert von 86,8 Milliarden Euro, die für Umweltschutzzwecke eingesetzt werden k?nnen. Das entspricht 6 % der gesamten Industrieproduktion (siehe Tab. ?Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern in Deutschland nach Umweltbereichen“).

Güter, die dem ⁠Klimaschutz⁠ dienen k?nnen, stellen mit 40 % des Produktionsvolumens erneut den mit Abstand gr??ten Umweltbereich. Hierzu geh?ren beispielsweise Windenergie- und Solaranlagen.

Potenzielle Umweltschutzgüter k?nnen Umweltschutzzwecken dienen, aber auch andere Funktionen erfüllen. Dazu geh?ren Güter wie Luft- oder Abwasserfilter oder Rotorbl?tter für Windkraftanlagen, die ausschlie?lich für Umweltschutzzwecke eingesetzt werden. Es werden auch Güter einbezogen, die sowohl im Umweltschutz, aber auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden k?nnen, wie beispielsweise Pumpen, Leitungen oder Mess-, Steuer- und Regelger?te. Das Konzept der potenziellen Umwelt- und Klimaschutzgüter haben Wirtschaftsforschungsinstitute in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt entwickelt.

Zwischen 2011 und 2013 ging die Produktion von potentiellen Umwelt- und Klimaschutzgütern leicht zurück: von 85 Mrd. Euro im Jahr 2011 auf 82 Mrd. Euro in 2013. Dies ist vor allem auf den massiven Einbruch in der Solarindustrie zurückzuführen. Seit 2013 ist wieder ein Anstieg der Umweltschutzgüterproduktion zu verzeichnen. Es kam zu einer leichten Erholung im Solarbereich und einer Steigerung der Produktion bei der Windkraft. Dieser ⁠Trend⁠ kehrte sich jedoch 2017 um, insbesondere weil es im Bereich Windkraft zu starken Produktionsrückg?ngen kam. Wachstum verzeichneten darüber hinaus die Bereiche Luftreinhaltung sowie Mess-, Steuer-und Regelungstechnik (MSR-Technik). Dadurch kam es seit 2013 insgesamt zu einem Wachstum der Produktion von potentiellen Umweltschutzgütern von jeweils mindestens 1,1 % pro Jahr. In den traditionellen Bereichen Abfall, Abwasser und L?rm stieg die Herstellung in den letzten Jahren.

Tabelle: Im Jahr 2017 wurden in Deutschland potenzielle Umweltschutzgüter im Wert von 86,8 Milliarden Euro produziert. Dies sind 1,4 Milliarden Euro mehr als im Jahr 2016.
Tab: Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern in Deutschland nach Umweltbereichen
Quelle: Gehrke et al. Tabelle als PDF
 

Produktion potenzieller Umweltschutzgüter nach Wirtschaftszweigen

Ein Blick auf die sektorale Aufteilung zeigt, dass die H?lfte aller Umweltschutzgüter in nur zwei Wirtschaftszweigen produziert wurde: dem Maschinenbau und dem Sektor Gummi- und Kunststoffwaren (siehe Abb. ?Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern nach Wirtschaftszweigen 2017“). Beide Wirtschaftszweige sind für mehrere Umweltbereiche von Bedeutung. So machen Maschinenbauerzeugnisse fast 90 % der Produktion von Gütern zur rationellen Energieumwandlung aus, aber auch mehr als 40 % der Produktion von Gütern zur Luftreinhaltung und fast 30 % der Produktion sowohl von Gütern zur Abwasserbehandlung als auch aus dem Bereich der erneuerbaren Energien. Gummi-und Kunststoffwaren sind besonders im Abfallbereich (Beh?ltnisse, Rohre und andere Bauteile) und bei der L?rmminderung (Schalld?mmung) im Einsatz. Daneben werden sie gebraucht, um Energie zu sparen (rationelle Energieverwendung).

Die Abbildung zeigt in welchen Wirtschaftszweigen Umweltschutzgüter produziert werden. Den gr??ten Anteil hatte 2017 der Maschinenbau mit 25 % gefolgt von Gummi- und Kunststoffwaren mit 23 %.
Produktion von potenziellen Umweltschutzgütern nach Wirtschaftszweigen 2017
Quelle: Gehrke et al. Diagramm als PDF
 

Umweltwirtschaft im internationalen Wettbewerb

Weltweit stiegen die Exporte potenzieller Umweltschutzgüter von 2002 bis 2015 um durchschnittlich 8,4 % pro Jahr, und damit deutlich st?rker als das Welthandelsvolumen der Industriewaren insgesamt (6,9 %). Diese starke Dynamik ist vor allem der Entwicklung in den Jahren 2002 bis 2008 zu verdanken. In diesem Zeitraum erreichte das Exportwachstum im Bereich der Umweltschutzgüter 18 % pro Jahr.

Im Jahr 2017 hat die deutsche Wirtschaft Umweltschutzgüter im Wert von 58 Mrd. Euro exportiert. Das entspricht einem Welthandelsanteil von 13,6 %. Nachdem es lange gr??ter Exporteur von Umweltschutzgütern war, liegt Deutschland damit nun an zweiter Position hinter China (siehe Abb. ?Welthandelsanteile der gr??ten Anbieter von potenziellen Umweltschutzgütern“).

Chinas Anteil am internationalen Handel mit potenziellen Umweltschutzgütern hat sich seit 2002 mehr als verdreifacht. Auch andere aufholende Volkswirtschaften gewinnen als Anbieter an Bedeutung.

Diagramm: Deutschland ist auf dem Weltmarkt für Umweltschutzgüter sehr gut positioniert und liegt hinter China an zweiter Position. Der Welthandelsanteil von Deutschland lag im Jahr 2017 bei 13,6 Prozent.
Welthandelsanteile der gr??ten Anbieter von potenziellen Umweltschutzgütern
Quelle: Gehrke et al. Diagramm als PDF
 

?Grüne Zukunftsm?rkte“ als Wirtschaftsfaktor

Umweltschutz hat nicht nur durch die Produktion von Umweltschutzgütern Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Er entwickelt sich zunehmend auch zu einem Kernthema in den ?klassischen“ Wirtschaftszweigen wie beispielsweise dem Automobil- oder Maschinenbau. Der Einsatz von Umwelt- und Effizienztechnologien gewinnt an Bedeutung und entscheidet wesentlich über die Wettbewerbsf?higkeit der Unternehmen. Für diese ?grünen Zukunftsm?rkte“ wird ein durchschnittliches j?hrliches Wachstum des globalen Marktvolumens bis 2025 von 6,9 % vorausgesagt (GreenTech-Atlas).

Grüne Zukunftsm?rkte haben eine Schlüsselrolle für die Erhaltung der Lebensgrundlagen der Menschheit und die Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse. Zudem sind sie wirtschaftlich besonders bedeutsam. Sechs grüne Zukunftsm?rkte sind:

  • Umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie
  • Energieeffizienz
  • Rohstoff- und Materialeffizienz
  • Nachhaltige Mobilit?t
  • Nachhaltige Wasserwirtschaft
  • Abfall- und Kreislaufwirtschaft

Diese grünen Zukunftsm?rkte sind weit über den Nischenstatus hinaus gewachsen. Sowohl in Deutschland als auch weltweit hat das Marktvolumen der grünen Zukunftsm?rkte zugenommen. Im Jahr 2016 betrug das globale Marktvolumen nach Sch?tzungen von Roland Berger Consulting 3,2 Billionen Euro, 2013 waren es noch 2,5 Billionen Euro. Die vorliegenden Prognosen des Umwelttechnologie-Atlas ?GreenTech-Atlas” gehen von einem weiteren Anstieg des Marktvolumens aus. Die Methodik zur ⁠Prognose⁠ der Marktvolumen ist im ?GreenTech-Atlas”?auf S. 47 beschrieben.

 

Umweltpolitik muss weiterhin Innovationsanreize setzen

Der Konkurrenzdruck auf den grünen Zukunftsm?rkten steigt. Neben den etablierten Wettbewerbern wie den USA und Japan dr?ngen auch Schwellenl?nder wie China auf die grünen Zukunftsm?rkte, denn sie haben ebenfalls die wirtschaftlichen Chancen erkannt, die auf diesen M?rkten bestehen. Weitere Anstrengungen im Bereich der Forschung und Entwicklung sowie der F?rderung der Marktdiffusion innovativer Umwelt- und Klimaschutztechniken sind daher dringend erforderlich, um die starke Wettbewerbsposition Deutschlands auf den grünen Zukunftsm?rkten zu sichern. Wichtig ist es, Rahmenbedingungen in allen relevanten Politikbereichen zu schaffen, die systematisch Innovationsanreize setzen und so helfen, die gute Wettbewerbsposition Deutschlands langfristig zu sichern und auszubauen. Eine fortschrittliche Umweltpolitik ist dafür eine zentrale Voraussetzung.

Weitere Informationen und Daten zur Entwicklung der grünen Zukunftsm?rkte findet man hier.