Fahrleistungen, Verkehrsleistungen und ?Modal Split“

Im Personen- und im Güterverkehr steigen sowohl Fahrleistung als auch Verkehrsleistung in ihrer Tendenz weiterhin an. In beiden Sektoren verzeichnet vor allem der Luftverkehr gro?e Wachstumsraten.

Inhaltsverzeichnis

 

Fahrleistung im Personen- und Güterverkehr

Die ⁠Fahrleistung⁠ in Kilometern ist die Gesamtstrecke, die von Verkehrsmitteln wie Pkw, Lkw oder Eisenbahn in einem Jahr zurückgelegt wird. Sie ist neben den Faktoren ?Geschwindigkeit“ und ?Art des Fahrzeugs“ die wichtigste Gr??e zur Ermittlung der Schadstoff- und L?rmemissionen des Verkehrs.

Die Fahrleistung aller Kraftfahrzeuge im Stra?enverkehr stieg in Deutschland von 1991 bis 2019 um ca. 31,5 %. Die Fahrleistung des Personenverkehrs nahm in diesem Zeitraum um 29 % zu, die des Güterverkehrs um 69 %. Der sprunghafte Anstieg der Fahrleistung der Lkw ist für die Umwelt besonders problematisch, da diese pro gefahrenen Kilometer deutlich h?here Luftschadstoff- und L?rmemissionen als Pkw verursachen (siehe Abb. ?Gesamtfahrleistungen nach Kraftfahrzeugarten“ und Tab. ?Anteile der Kraftfahrzeugarten an den Gesamtfahrleistungen“).

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Verkehrsleistung und ?Modal Split“

Wird die ⁠Fahrleistung⁠ mit der Zahl der bef?rderten Personen multipliziert, ergibt das die ⁠Verkehrsleistung⁠ gemessen in Personenkilometern (Pkm). Wird die Fahrleistung des Güterverkehrs mit den bef?rderten Tonnen multipliziert, ergibt sich die Verkehrsleistung gemessen in Tonnenkilometern (tkm). Die prozentualen Anteile der einzelnen Verkehrsmittel an der gesamten Verkehrsleistung geben Aufschluss über die Verkehrsmittelnutzung und den damit zurückgelegten Kilometern pro Person oder Tonne. Das ist der so genannte ?Modal Split“.

 

Personenverkehr

Die ⁠Verkehrsleistung⁠ im Personenverkehr erh?hte sich zwischen den Jahren 1991 und 2019 um fast 34 %. Der motorisierte Individualverkehr – Pkw und Kraftr?der – nahm dabei um etwa 28,5 % zu und behielt damit seine dominierende Stellung: Sein Anteil an der gesamten Personenverkehrsleistung ging von 1991 (81,6 %) bis 2019 (73,4 %) kaum zurück (siehe Abb. ?Personenverkehr: Verkehrsleistung nach Verkehrsmitteln“). Die h?chste Zuwachsrate erzielte der Luftverkehr. Von 1991 bis 2019 stieg die Verkehrsleistung im Luftverkehr (Inlands-, Gelegenheits- sowie Linienflugverkehr einschlie?lich Pauschalreiseflugverkehr auf dem Gebiet der EU) um rund 218 %. Beim ?ffentlichen Stra?enverkehr und den Eisenbahnen ist dagegen eine deutlichgeringere Zunahme von zusammen knapp 30% zu verzeichnen. Der Anteil dieser vergleichsweise weniger umweltbelastenden Verkehrsarten an der Gesamtverkehrleistung ging in den Jahren von 1991 bis 2019 um einen halben Prozentpunkt zurück. Er betrug 1991 noch 15,8 %.

Wird der nicht-motorisierte Personenverkehr (Fu?g?nger, Rad) in die Verkehrsleistung mit einbezogen, liegen die Zahlen kaum anders: Der motorisierte Individualverkehr dominiert mit einem Anteil von fast 74 % und liegt damit eindeutig vor dem Umweltverbund (Fu?g?nger-, Rad-, Schienen- und ?ffentlicher Stra?enpersonenverkehr) mit zusammen etwa 20,5 % (siehe Abb. ?Modal Split der Verkehrsleistung im Personenverkehr einschlie?lich des nicht motorisierten Verkehrs“). Diese Anteile blieben seit 2003 in etwa stabil. Innerhalb des Umweltverbundes sanken die Anteile des ?ffentlichen Stra?enpersonenverkehrs und des Fu?verkehrs, w?hrend die Anteile des Eisenbahn- und des Fahrradverkehrs gestiegen sind.

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Die meisten Personenkilometer für die Freizeit, starke Zunahme der Gesch?ftsreisen

Der Urlaubs- und Freizeitverkehr hatte im Jahr 2018 mit rund 40,6 % den gr??ten Anteil an der Personenverkehrsleistung. Dann folgt der Berufs- und Ausbildungsverkehr mit 21 %. Auf Gesch?ftsreisen entfielen 17,5% und auf Einkaufsfahrten etwa 16,2 % des Personenverkehrs. Zwischen 2003 und 2018 ist eine deutliche Zunahme des Anteils der Gesch?ftsreisen zu verzeichnen, dieser lag 2003 noch bei etwa 12,5 %. Fast 5 % der Personenverkehrsleistung wurden im Rahmen von Begleitfahrten wie dem Bringen und Holen von Personen erbracht (siehe Abb. ?Personenverkehrsleistung nach Fahrzwecken 2003 und 2018 im Vergleich, Anteile in Prozent“).

Nach der Studie ?Mobilit?t in Deutschland 2017“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und digitale Infrastruktur legen in Deutschland im Durchschnitt alle Menschen jeden Tag mehr als drei Milliarden Personenkilometern auf rund 257 Millionen Wegen zurück. Rund 57 % dieser Wege werden mit dem Pkw zurückgelegt, im l?ndlichen Raum sind es sogar bis zu 70 %. Die Anteile des Fu?- und Radverkehrs sowie des ?ffentlichen Verkehrs unterscheiden sich ebenso in Abh?ngigkeit vom Raumtyp. In Metropolen hat der ?ffentliche Verkehr etwa einen Anteil von 20% (Bundesdurchschnitt ca. 10%), der Fu?verkehrsanteil liegt dort ebenso mit 27%, etwa fünf Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt.

Der nicht motorisierte Verkehr ist leise und belastet die Umwelt kaum mit Schadstoffen und Treibhausgasen. Fu?- und Radverkehr sind die umwelt- und stadtvertr?glichsten Fortbewegungsformen, auch Aktive Mobilit?t genannt. Eine weitere Verlagerung von Wegen, vor allem des motorisierten Individualverkehrs, auf umweltfreundlichere Fortbewegungsformen ist daher erstrebenswert. Die Bundesregierung unterstützt den Radverkehr u.a. durch den Nationalen Radverkehrsplan (NRVP). Der NRVP 3.0 wird 2021 der ?ffentlichkeit vorgestellt. Auch Fu?verkehrsstrategien wurden bereits von einigen Kommunen entwickelt und der Bund bereitet derzeit eine bundesweite Strategie vor. Das Land Berlin hat im Januar 2021 das erste Gesetz für Fu?g?nger und Fu?g?ngerinnen in Deutschland beschlossen.

Diagramm: In Deutschland wurden im Jahr 2018 inklusive Fu?- und Radverkehr rund 1.237 Milliarden Personenkilometer zurückgelegt. 40,6 Prozent entfielen auf Urlaubsreisen und Freizeitverkehr, 21 Prozent auf den Berufs- und Ausbildungsverkehr und 17,5 % auf Gesch?ftsverkehr.
Personenverkehrsleistung nach Fahrzwecken 2003 und 2018 im Vergleich, Anteile in Prozent
Quelle: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Diagramm als PDF
 

Güterverkehr

Die inl?ndische Güterverkehrsleistung stieg von 1991 bis 2019 um 75 %. Die gr??ten Zuw?chse erzielte der Stra?engüterverkehr mit einem Plus von fast 103 % ? einer Verdopplung der ⁠Verkehrsleistung⁠ (siehe Abb. ?Güterverkehrsleistung nach Verkehrsmitteln“). Dieser Zuwachs ging vor allem zu Lasten der umweltfreundlicheren Verkehrsmittel Bahn und Binnenschiff. Deren Anteil war 1991 bei etwa 34,5 % und ist inzwischen auf zusammen rund 26 % zurückgegangen (Bahn 18,9 %, Binnenschifffahrt 7,2 %). Rechnet man den Nahverkehr auf einer Distanz unter 50 Kilometern, in der der Lkw konkurrenzlos ist, nicht ein, hatte der Schienenverkehr im Jahr 2019 einen Anteil an der Güterverkehrsleistung von 18,9 % und die Binnenschifffahrt einen Anteil von 7,3 % (siehe Abb. ?Anteile des Schienenverkehrs und der Binnenschifffahrt an der Güterverkehrsleistung“). Die Ziele, die sich die Bundesregierung im Jahr 2002 in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie für 2015 gesteckt hatte (Anteil der Eisenbahn an der Güterverkehrsleistung: 25 %, Anteil der Binnenschifffahrt: 14 %) wurden deutlich verfehlt. In der Fortschreibung der Nachhaltigkeitsstrategie ab 2016 wurden die Einzelziele zur Verkehrsverlagerung zugunsten eines übergreifenden Ziels zur Minderung des Endenergieverbrauchs im Verkehr ersetzt – erreichbar vor allem durch technische Ma?nahmen (Steigerung der Effizienz und alternative Kraftstoffe). Ausgehend von einem niedrigen Niveau im Jahr 1991 hat sich die Verkehrsleistung im Luftverkehr (Fracht- und Luftpost) inzwischen auf 1,6 Milliarden ⁠Tonnenkilometer⁠ vervierfacht.

Zwischen 2008 und 2009 ist infolge der Wirtschaftskrise die gesamte Güterverkehrsleistung um etwa 11 % gesunken. Die gr??ten Minderungen verzeichneten in diesem Zeitraum der Schienenverkehr mit einem Rückgang von 17 % und die Binnenschifffahrt mit einem Minus von 13 %. Der Stra?engüterverkehr ging um 9 % und der Luftverkehr um 7 % zurück. Nur beim Transport von Roh?l durch Rohrfernleitungen ist die Verkehrsleistung zwischen 2008 und 2009 gestiegen – und zwar um 1,3 %.

Zwischen 2009 und 2019 stieg die Verkehrsleistung bei fast allen Verkehrstr?gern wieder an: Beim Schienenverkehr um fast 39 %, bei Rohrfernleitungen um 10,7 %, im Stra?engüterverkehr um 20 % und im Luftverkehr um 22,7 %. Die Verkehrsleistung der Binnenschiffe schwankte in den letzten Jahren stark und sank seit 2009 um 8,3 %. Die Schwankungen stehen im engen Zusammenhang mit Niedrigwasser insbesondere im Jahr 2018. Ein Teil der Verkehrsleistung hatte sich auch noch bis ins Jahr 2019 auf die Schiene verlagert.

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