FiW-I-2: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Das Bild zeigt einen auf einem Sofa im Schneidersitz sitzenden und telefonierenden Mann. Auf dem Boden des Raumes steht Wasser. Der Mann zeigt vorwurfsvoll auf die Wasserfl?che.zum Vergr??ern anklicken
Das Risiko, dass Wohnung oder Haus Schaden durch Klimawandelfolgen nehmen k?nnte, wird untersch?tzt
Quelle: Andrey Popov / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FiW-I-2: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Das Risikobewusstsein in der deutschen Bev?lkerung ist trotz der extremen Wetterereignisse der vergangenen Jahre noch immer gering. Nicht einmal ein Viertel der befragten Bürgerinnen und Bürger geht davon aus, dass für ihr Haus oder ihre Wohnung ein reales Schadensrisiko durch Stürme und Hochwasser besteht. Entsprechend gering ist infolgedessen auch die Bereitschaft, eine Versicherung abzuschlie?en, die klimabedingte Risiken abdeckt.

Drei Stapels?ulen stellen die Einsch?tzung zur Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser für die Jahre 2012, 2014 und 2016 dar. Der Anteil der Befragten in Prozent wird im Folgenden für die jeweiligen Kategorien mit aufsteigendem Jahr gelesen: überhaupt nicht betroffen: 36, 36 und 30 Prozent; weniger betroffen: 45, 41 und 48 Prozent, stark betroffen: 17, 16 und 17 Prozent, sehr stark betroffen: 2, 4 und 3. Ab 2014 gibt es zus?tzlich die Kategorie wei? nicht.
FiW-I-2: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

Drei Stapels?ulen stellen die Einsch?tzung zur Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser für die Jahre 2012, 2014 und 2016 dar. Der Anteil der Befragten in Prozent wird im Folgenden für die jeweiligen Kategorien mit aufsteigendem Jahr gelesen: überhaupt nicht betroffen: 36, 36 und 30 Prozent; weniger betroffen: 45, 41 und 48 Prozent, stark betroffen: 17, 16 und 17 Prozent, sehr stark betroffen: 2, 4 und 3. Ab 2014 gibt es zus?tzlich die Kategorie wei? nicht.

Quelle: BMUB & UBA (Umweltbewusstsein in Deutschland)
 

Risikobewusstsein – Schlüssel zur Vorsorge

Wie Menschen Gef?hrdungen bzw. Risiken wahrnehmen, wie sie die m?glichen Folgen und den Handlungsbedarf einsch?tzen, ist individuell sehr unterschiedlich. Neben harten naturwissenschaftlich belegten und messbaren Faktoren, die das Ausma? des Risikos bestimmen, gibt es zahlreiche subjektive Komponenten, die die Risikowahrnehmung in erheblichem Ma?e beeinflussen k?nnen. Risikowahrnehmungen sind dabei oftmals verzerrt. Sie k?nnen einerseits gepr?gt sein von unrealistischem Optimismus und der Illusion, alles unter Kontrolle zu haben, andererseits von den Eindrücken aktueller katastrophaler Ereignisse, die gro?e Betroffenheit ausl?sen und zur übersch?tzung einzelner Risiken führen k?nnen.

In der im Auftrag des ⁠UBA⁠ zweij?hrlich durchgeführten repr?sentativen Bev?lkerungsumfrage ?Umweltbewusstsein in Deutschland“ I geben die Befragten seit 2012 auch Einsch?tzungen ab, in welchem Umfang sie pers?nlich von den Folgen des Klimawandels betroffen sein werden. Im Jahr 2012 gaben 81 % der Befragten an, sie würden sich weniger bis überhaupt nicht in der Gefahr sehen, dass Hochwasserereignisse und Stürme zu Sch?den an ihrem Haus oder ihrer Wohnung führen. An dieser Einsch?tzung hat sich auch in den Folgebefragungen wenig ge?ndert: 2014 sahen sich 77 % und im Jahr 2016 78 % weniger oder nicht betroffen. Die erhobenen Werte erlauben allerdings nur eingeschr?nkte Interpretationen, da sie nicht mit der Information über die tats?chliche ⁠Exposition⁠ der Befragten gegenüber den genannten Klimawandelfolgen verbunden sind. Zu ?hnlichen Ergebnissen zu Risikoeinsch?tzungen kommen auch andere ?hnlich geartete Umfragen.

So hat der ⁠GDV⁠ im Rahmen einer forsa-Umfrage im Juni 2013, also kurz nach der Hochwasserkatastrophe, ein Meinungsbild zum Risikobewusstsein in der Bev?lkerung eingeholt. Demnach sch?tzten sogar 90 % der Deutschen das Risiko gering ein, pers?nlich von Hochwasser, Sturm oder anderen Naturgefahren betroffen zu werden.81

Die Realit?t zeigt jedoch ein anderes Bild, denn die Hochwasser im Juni 2016 trafen zum Teil auch viele Menschen, die weitab der gro?en Flussl?ufe leben und sich in Sicherheit w?hnten. Auch überschwemmungen durch ⁠Starkregen⁠ k?nnen fernab von hochwassergef?hrdeten Gebieten entstehen und erhebliche Sch?den verursachen. Erw?hnenswert sind hier die Starkregenereignisse im Sommer 2017, die z. B. in Berlin und Brandenburg zu überschwemmungen mit gr??eren Sch?den führten.

Die Wahrnehmung des eigenen Risikos und der m?glichen Betroffenheit sowie das Vorhandensein alltagstauglicher Handlungsoptionen ist eine der wesentlichen Motivationen für jeden Einzelnen, die bestehenden M?glichkeiten der Risikominderung auszusch?pfen und entsprechende Vorsorgema?nahmen und Absicherungen zu treffen. Daher ist es von Bedeutung, dass die tats?chlichen Risiken, die mit dem ⁠Klimawandel⁠ verbunden sind, von m?glichst vielen Menschen erkannt und realistisch bewertet werden. Hilfestellung hierfür leistet u. a. das internetgestützte Informationsinstrument ?Kompass Naturgefahren“, das Mieterinnen und Mieter, Hausbesitzende und Unternehmen darüber informiert, wie stark ihr Geb?ude durch Hochwasser gef?hrdet ist. Darüber hinaus erfahren die Nutzerinnen und Nutzer dort, welche Risiken für weitere Naturgefahren wie Starkregen, Sturm, Blitzschlag und Erdbeben bestehen. Der ?Kompass Naturgefahren“ soll das Bewusstsein der Menschen für die Risiken von Naturereignissen sch?rfen und zur Eigenvorsorge auffordern. Diesen Service gibt es derzeit für den Freistaat Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Berlin.

Für die Versicherungswirtschaft ist ein angemessenes Risikobewusstsein der Bev?lkerung und der Unternehmen eine ihrer wichtigsten Gesch?ftsgrundlagen. Nur wenn dieses Bewusstsein breit verankert ist und sich infolgedessen viele Menschen versichern, lassen sich ausreichend gro?e Risikogemeinschaften für eine Versicherung bilden, die sicherstellen, dass die Versicherungspr?mien erschwinglich sind.

Zum geringen Risikobewusstsein kommt hinzu, dass viele Menschen glauben, sie seien über ihre bestehenden Versicherungen bereits ausreichend gegen Sch?den infolge des Klimawandels versichert.82 In vielen F?llen wird dabei übersehen, dass die übliche Verbundene Wohngeb?udeversicherung beispielsweise Sch?den aus starken überflutungen nicht abdeckt.

81 - GDV 2016: Die 7 gr??ten Irrtümer über den Versicherungsschutz gegen Naturgefahren.www.gdv.de/de/themen/news/die-7-groessten-irrtuemer-ueber-den-versicherungsschutz-gegennaturgefahren-13806

82 - BI – Sustainable Business Institute e. V. 2010: Herausforderung Klimakompetenz – Kundenerwartungen an Finanzdienstleister – Ergebnisse einer Befragung von Privat- und Gesch?ftskunden. In Zusammenarbeit mit dem ?Finanz-Forum: Klimawandel“ im Rahmen des vom ⁠BMBF⁠ gef?rderten Projekts ?CFI - Climate Change, Financial Markets and Innovation“. 20 S. www.cfi21.org/fileadmin/user_upload/Herausforderung_Klimakompetenz.pdf

I - Die repr?sentative Bev?lkerungsumfrage (deutschsprachige Wohnbev?lkerung ab 14 Jahre) ?Umweltbewusstsein und -verhalten in Deutschland“ wird seit dem Jahr 2000 zweij?hrlich im Auftrag des ⁠BMU⁠ und des UBA durchgeführt. Seit 2012 wurden Fragen aufgenommen, die Daten für die ⁠DAS⁠ ⁠Monitoring⁠ Indikatoren liefern, ab 2016 werden diese Fragen alle 4 Jahre in der Umweltbewusstseinsstudie erhoben.

 

Schnittstellen

BAU-I-5: Schadenaufwand in der Sachversicherung

BS-R-1 Information zum Verhalten im Katastrophenfall

HUE-1 Beherrschbarkeit von Klimawandelfolgen

?

 

Ziele

Aufkl?rung von Kundinnen und Kunden und Beh?rden über klimarelevante Zusammenh?nge und Schaffung finanzieller Anreize durch entsprechende Vertragsgestaltung durch die Versicherungswirtschaft (⁠DAS⁠, Kap. 3.2.10)