FW-I-4: Schadholz – Umfang zuf?lliger Nutzungen

Das Bild zeigt einen Wald mit Buchen. Zahlreiche B?ume liegen entwurzelt am Boden. zum Vergr??ern anklicken
Bei voller Belaubung fielen auch Buchen auf nassen B?den Sturm Xaver Anfang Oktober 2017 zum Opfer.
Quelle: Tanja Sanders / Thünen-Institut

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-I-4: Schadholz – Umfang zuf?lliger Nutzungen

Ungeplante Nutzungen durch Wurf-, Bruch- und Befallsholz bringen für die Forstwirtschaft viele Nachteile. Ein ⁠Trend⁠ zu mehr ungeplanten Nutzungen ist bislang nicht erkennbar. Starke Winterstürme wie vor allen in den Jahren 1990, 1999, 2007 und 2010 haben aber zu erheblichen Mengen von Schadholz geführt.

In einem Stapels?ulen-Diagramm ist der Anteil aller zuf?lligen Nutzungen am Gesamteinschlag in Prozent von 1991 bis 2012 angegeben.
FW-I-4: Schadholz – Umfang zuf?lliger Nutzungen

In einem Stapels?ulen-Diagramm ist der Anteil aller zuf?lligen Nutzungen am Gesamteinschlag in Prozent von 1991 bis 2012 angegeben. Durch Wind/Sturm verursachte zuf?llige Nutzungen und übrige Ursachen erg?nzen sich in den Balken jeweils auf 100 Prozent. Die Anteile schwanken zwischen den Jahren stark. Der Anteil von Wind/Sturm war vor allem in den Jahren 1991 mit 82 Prozent, 2000 mit 93 Prozent, 2007 mit 90 Prozent und 2008 und 2009 mit je etwa 72 Prozent am h?chsten. Ein Trend ist bisher nicht erkennbar. Eine zus?tzliche Linie stellt den Anteil der zuf?lligen Nutzungen am Gesamteinschlag in Prozent dar. Sie zeigt einen Verlauf mit starken Schwankungen und ist ohne Trend. Besonders hohe Werte gab es 1991 mit 67 Prozent, 2000 mit 55 Prozent und 2007 mit 45 Prozent. Die Werte in den anderen Jahren schwanken zwischen 10 und 40, meistens aber zwischen 10 und 20 Prozent.

Quelle: BMEL (Zusammenstellungen auf der Basis von L?nderinformationen)
 

Forstwirtschaft wird risikoreicher

Die langen Produktionszeitr?ume in der Forstwirtschaft erfordern eine sorgf?ltige und langfristige Planung der forstlichen Bewirtschaftung, und nur, wenn sich die Ma?nahmen planungsgem?? umsetzen lassen, ist es m?glich, die angestrebten Bewirtschaftungsziele zu erreichen. Der ⁠Klimawandel⁠ hat in zweierlei Hinsicht Auswirkungen auf die Planbarkeit der forstlichen Nutzung in Wirtschaftsw?ldern. Zum einen k?nnen die ver?nderten Witterungsverh?ltnisse die B?ume schw?chen und damit anf?lliger für Sch?den, insbesondere Insektenbefall, machen. Zum anderen wird davon ausgegangen, dass Extremereignisse wie beispielsweise Stürme, im Zuge des Klimawandels in ihrer H?ufigkeit und Intensit?t zunehmen.

In der Folge beider Entwicklungen kann es zu einem erh?hten Anfall von Wurf- und Bruchholz sowie zu Zwangsnutzungen nach Sch?dlingsbefall kommen. Dieses Holz gef?hrdet die Sicherheit der weiteren Produktion, da es Brutraum für Borkenk?fer ist. Hinzu kommt, dass jede ungeplante Holznutzung eine Belastung für das gesamte Wald?kosystem bedeutet. Dies ist wiederum mittel- und langfristige für die Forstwirtschaft nachteilig. Es erschwert zudem die weitere Bewirtschaftung der W?lder und ist ein Sicherheitsrisiko für Waldarbeiter und Waldbesucher.

Daher muss Wurf- und Bruchholz aus den bewirtschafteten Best?nden entfernt werden. Insbesondere nach Gro?schadensereignissen binden solche ungeplanten Holznutzungen erhebliche Kapazit?ten in den forstwirtschaftlichen Betrieben. Diese fehlen dann für die Umsetzung gezielter Bewirtschaftungsma?nahmen, die ja gerade in Anbetracht der erforderlichen ⁠Anpassung an den Klimawandel⁠ von gro?er Bedeutung sind. In der Regel dauert es mehrere Jahre, bis die Folgen von Kalamit?ten aufgearbeitet sind und die Forstwirte wieder unter ?normalen“ Nutzungsbedingungen planen und wirtschaften k?nnen.

Für den Waldbesitzer, sei es der Staat, die Kommune oder der private Waldbesitzer, sind gro?e Mengen von Wurf-, Bruch- und Befallsholz mit erheblichen Mindereinnahmen verbunden. So sind die Aufarbeitungskosten in gesch?digten Best?nden deutlich h?her und die Holzqualit?ten oftmals schlechter. Gleichzeitig f?llt der Holzpreis vor allem nach gr??eren Schadereignissen deutlich. Holz muss dann zum Teil l?ngere Zeit gelagert werden, was zus?tzliche Kosten verursacht. Daher ist Ende 2018 ein neuer F?rdertatbestand ?F?rderung von Ma?nahmen zur Bew?ltigung der durch Extremwetterereignisse verursachten Folgen im Wald“ in der ⁠GAK⁠ beschlossen und mit zus?tzlichen Bundesmitteln in H?he von 10 Millionen Euro für das Jahr 2019 ausgestattet worden.

Auch wenn sich in den zurückliegenden knapp zwanzig Jahren kein statistisch abgesicherter ⁠Trend⁠ zu einer Zunahme des Umfangs ungeplanter Holznutzungen abzeichnet, entsteht in der Forstwirtschaft zunehmend der Eindruck, dass die Phasen ohne relevante Einflüsse von Zwangsnutzungen immer kürzer werden.

Die extrem hohen Anteile ungeplanter Nutzungen am Gesamteinschlag von Holz entstehen im Wesentlichen durch Wurf- und Bruchholz, werden also vor allem durch Stürme verursacht. So führten die Orkane Vivian und Wiebke im Sp?twinter 1990 zur Notwendigkeit umfangreicher Aufarbeitungen im darauffolgenden Jahr 1991, und zwar in gro?en Teilen Deutschlands. Im Dezember 1999 verwüstete Lothar weite Bereiche Südwestdeutschlands. Im Januar 2007 zerst?rte das Orkantief Kyrill insbesondere W?lder in Nordrhein-Westfalen, mit Schwerpunkt im Sauerland. Der Orkan Niklas Ende M?rz 2015 hinterlie? viele Sch?den in Bayern, verursachte aber geringere Schadholzmengen als vergleichbare Orkane. Der Herbststurm Xavier brachte Anfang Oktober 2017 Sch?den in noch voll belaubten Laubw?ldern Brandenburgs. Für die Statistik 2018 ist ein Anstieg der Sturm- Schadholzmengen durch die Januar-Orkane Friederike und Burglind zu erwarten. In Jahren ohne überregional bedeutsame Sturmereignisse tragen Insektensch?den den Gro?teil der ungeplanten Nutzungen bei. Hier ist insbesondere auch durch das Trockenjahr 2018 ein erheblicher Anstieg zu erwarten.

Bei der Bewertung von Daten zum Wurf-, Bruch- und Befallsholz ist zu berücksichtigen, dass diese i. d. R. keinen vollst?ndigen überblick über die tats?chlich entstandenen Sch?den erm?glichen. Nicht in allen Bundesl?ndern werden neben den Daten zum Staatswald auch Informationen zum Privat- und ⁠K?rperschaftswald⁠ erhoben und übermittelt. Der Schwerpunkt der Erfassung liegt au?erdem bislang noch auf den Winterstürmen. Neben den Auswirkungen des Klimawandels k?nnen zus?tzlich andere Trends die Entwicklung der Zeitreihe stark beeinflussen. Die Altersstruktur der deutschen W?lder tendiert zu h?herem Bestandsalter. ?ltere B?ume sind aber st?rker sturmwurfgef?hrdet als jüngere, und mit zunehmendem Holzvorrat steigt auch die Schadholzmenge. Letzteres führt auch dazu, dass je nach ?rtlichkeit der Kalamit?t die Sch?den unterschiedlich hoch ausfallen k?nnen. So werden beispielsweise Stürme in Regionen mit eher locker bestockten Kiefernforsten, die auf den sandigen B?den Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommerns weit verbreitet sind, zu geringeren Schadholzmengen führen als Stürme im vorratsreichen Schwarzwald.

 

Schnittstellen

FW-I-5: Schadholzaufkommen durch Buchdrucker

 

Ziele

Anstreben m?glichst stabiler, gemischter Best?nde mit gr??erer Widerstandsf?higkeit gegen gro?fl?chige Unglücksereignisse u. a. durch Stürme und Borkenk?fer (⁠DAS⁠, Kap. 3.2.7)

Anbau standortgerechter Baumarten mit hoher Widerstandf?higkeit und Wuchsleistung (Waldstrategie 2020, S. 23)