FW-R-4: Erhaltung forstgenetischer Ressourcen

Das Bild zeigt einen Baumsteiger, der hoch oben in der Krone eines Laubbaums t?tig ist. zum Vergr??ern anklicken
Die Generhaltung widmet sich auch Baumarten, die in den W?ldern heute seltener vorkommen.
Quelle: Amt für Waldgenetik / Teisendorf

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-R-4: Erhaltung forstgenetischer Ressourcen

Die In-situ- und Ex-situ-Erhaltungsbest?nde konnten in den zurückliegenden Jahren ausgeweitet werden. Sie stellen sicher, dass die genetische Vielfalt bei den h?ufigen und seltenen Baumarten erhalten bleibt. Damit werden grundlegende Voraussetzungen für die Bewahrung der ⁠Anpassungsf?higkeit⁠ der W?lder geschaffen.

Die S?ulengrafik zeigt die Hektar-Fl?che von Best?nden zur Generhaltung am Ort des natürlichen Vorkommens der Arten (in situ) und angelegten Best?nden und Samenplantagen zur Generhaltung au?erhalb des natürlichen Vorkommens der Arten (Ex-situ) in den Jahren 2004, 2010, 2012 und 2017. Es überwiegen sehr deutlich die Fl?chen der in situ-Best?nde. Eine sehr deutliche Zunahme gab es zwischen 2006 und 2010. Die Fl?che der ex-situ-Best?nde hat sukzessive, wenn auch geringfügig zugenommen.
FW-R-4: Erhaltung forstgenetischer Ressourcen

Die S?ulengrafik zeigt die Hektar-Fl?che von Best?nden zur Generhaltung am Ort des natürlichen Vorkommens der Arten (in situ) und angelegten Best?nden und Samenplantagen zur Generhaltung au?erhalb des natürlichen Vorkommens der Arten (Ex-situ) in den Jahren 2004, 2010, 2012 und 2017. Es überwiegen sehr deutlich die Fl?chen der in situ-Best?nde. Eine sehr deutliche Zunahme gab es zwischen 2006 und 2010. Die Fl?che der ex-situ-Best?nde hat sukzessive, wenn auch geringfügig zugenommen.

Quelle: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ern?hrung (Generhaltungsobjekte: GENRES (Informationssystem genetische Ressourcen) - FGRDEU-Online (Nationales Inventar forstgenetischer Ressourcen)
 

Genetische Vielfalt – Schlüssel zur Anpassung

Im Rahmen des weiter fortschreitenden Klimawandels erh?hen extreme Witterungsereignisse und ihre Folgewirkungen den Selektionsdruck auf Waldbest?nde. Nur genetisch angepasste Individuen, d. h. einzelne B?ume, k?nnen innerhalb gr??erer Populationen überleben, wachsen und sich fortpflanzen. Angesichts der Vielzahl der Wechselwirkungen und der Dynamik der Einzelfaktoren l?sst sich nicht vorhersagen, welche Individuen oder Populationen das sein werden. Die L?sung dieses Dilemmas besteht in der Aufrechterhaltung einer hinreichend gro?en Anzahl und Vielfalt potenziell anpassungsf?higer Individuen. Denn die genetische Vielfalt sowohl auf der Ebene der Individuen als auch der Populationen ist die Basis von Anpassung und Artenreichtum. Daher steht die Beobachtung und Erhaltung der genetischen Vielfalt und des genetischen Systems seit nahezu 100 Jahren im Fokus von Ma?nahmen zur Erhaltung genetischer Ressourcen32. Von besonderer Bedeutung ist die weitergehende Erfassung der genetischen Eignung der verschiedenen r?umlichen Vorkommen heimischer Baumarten in Deutschland.

Die Ma?nahmen zur Erhaltung forstlicher Genressourcen k?nnen entweder in In-situ- und Ex-situ-Ma?nahmen eingeteilt werden. Die In-situ-Ma?nahmen geh?ren zur dynamischen Erhaltung. Sie haben zum Ziel, die jeweiligen genetischen Ressourcen am Ort ihres Vorkommens als sogenannte ?Generhaltungsobjekte“ zu erhalten. Die Sicherung und Verbreitung ihrer genetischen Informationen in die n?chste Baumgeneration erfolgt über die natürliche Verjüngung. Besonders gef?hrdete Arten oder Varianten werden in speziell angelegten Archiven, ggf. in Samenplantagen, (Ex-situ) erhalten. Die Ex-situ-Ma?nahmen sind statische Ma?nahmen, die die Sicherung der aktuellen Auspr?gung der genetischen Vielfalt zum Ziel haben. Darunter fallen Ma?nahmen zur langfristigen Einlagerung von Saatgut, Pollen, Pflanzen oder Pflanzenteilen unter kontrollierten Bedingungen als Tr?ger genetischer Informationen. Diese Erhaltungsstrategien haben unterschiedlich hohe Anforderungen hinsichtlich des Fl?chenbedarfs, der Anlagekosten, Nutzung und Beobachtung, sodass die finanziell aufw?ndige Ex-situ- Erhaltung weniger Anwendung findet als die In-situ- Erhaltung.

In Deutschland liegt die Verantwortung für Generhaltungsma?nahmen bei den L?ndern. Die Konzepte der L?nder zur Erhaltung forstlicher Genressourcen bilden den Rahmen für die notwendigen Generhaltungsma?nahmen. Auf Bundesebene werden die Informationen über die Ausweisung aller Generhaltungsobjekte in einem Nationalen Inventar forstgenetischer Ressourcen (FGRDEU) zusammengeführt. Die Daten werden im mehrj?hrlichen Turnus aktualisiert und erg?nzt.

Eine einfache Interpretation der sich ?ndernden Anzahl und Fl?chengr??e der Generhaltungsobjekte in Deutschland ist nicht m?glich. Denn die genetische ⁠Anpassungsf?higkeit⁠ an sich ver?ndernde Klimabedingungen wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst und l?sst sich somit nur schwer absch?tzen. Die Anzahl der Generhaltungsobjekte je Baumart und die Gr??en der Erhaltungsfl?chen geben lediglich eine Orientierung. Die Interpretation dieser Daten erfordert grunds?tzlich forstwirtschaftliche Detailkenntnisse und die Anwendung von speziellen Indikatoren (z. B. Erhaltungsf?higkeit, ?kologischer Erhaltungsindex). So würde z. B. die Angabe der ?In-situ- Erhaltungsfl?che“ für seltene und Neben-Baumarten angesichts geringer Populationsgr??en bzw. Individuenzahlen den Erhaltungszustand übersch?tzen. Andererseits verr?t die Anzahl der Generhaltungsobjekte nichts über die Gr??e der Population. Ebenso stehen genetische Inventuren, die den Grunds?tzen des forstlichen Monitorings genügen, erst am Anfang. Von einem eindimensionalen ?je mehr Generhaltungsobjekte, desto besser“ kann somit nicht ausgegangen werden, denn für jede Baumart gibt es einen sinnvollen Umfang von Generhaltungsbest?nden, über den hinaus eine Steigerung der Fl?che oder des Umfangs der Einlagerung von Generhaltungsobjekten keine weitere Verbesserung der Absicherung bringt.

Insgesamt hat die Erhaltung forstgenetischer Ressourcen einen deutlichen Fortschritt erfahren. Dies zeigt sich u. a. an der bundesweit einheitlichen Abstimmung der Ausweisungskriterien für Generhaltungsobjekte, der zunehmenden Anwendung von genetischen Markern zur Charakterisierung forstgenetischer Ressourcen und der Etablierung von bundesweiten Monitoringprogrammen (derzeit für Rot-Buche und Fichte) für populationsgenetische und evolutive Fragestellungen. Diese Entwicklungen bieten eine weitere Grundlage für die Bewertung der genetischen Anpassungsf?higkeit von Geh?lzen unter den Bedingungen des Klimawandels.

In Deutschland haben die Fl?chen der In-situ- und Ex-situ-Generhaltungsobjekte in den letzten Jahren zugenommen. Lediglich zwischen 2010 und 2012 gab es eine geringfügige Reduzierung der Fl?che der In-situ-Best?nde. Bei den h?ufigeren Waldbaumarten, für die das Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) die Erzeugung, das Inverkehrbringen sowie die Ein- und Ausfuhr von Forstvermehrungsgut regelt, stieg die Fl?che von In-situ-Best?nden von 2004 bis 2017 von 12.681 auf 32.405 Hektar. Seltene und gef?hrdete Baumarten unterliegen nicht dem FoVG. Für Flaum-Eiche, Elsbeere, Speierling, Wild-Apfel, Wild-Birne, Eibe, Feld-Ahorn, Grün-Erle, Grau-Erle und Gemeiner Trauben-Kirsche erfolgte eine systematische und vereinheitlichte Erfassung. Untersucht wurden Lage, Populationsgr??e, Vitalit?tszustand und Altersstruktur der Vorkommen. Hier wurde bis 2017 eine Ausweitung der gemeldeten In-situ-Best?nde auf rund 4.560 Hektar erreicht. Auch die Fl?chen der angelegten Best?nde und Samenplantagen zur Generhaltung (Ex-situ) sind von 2004 (1.777 Hektor) auf bis 2017 (2.470 Hektar) angewachsen.

32 - Die Erhaltung forstlicher Genressourcen beispielsweise in Genarchiven oder Saatgutlagern war ein wichtiger Grundpfeiler der sich Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelnden Forstpflanzenzüchtung. Seitdem ist die Erhaltung forstgenetischer Ressourcen für eine Vielzahl von Baum- und Straucharten sowie die Beobachtung des genetischen Systems (genetisches ⁠Monitoring⁠) eine zentrale Aufgabe der Forstgenetik. W?hrend sich die ⁠Emission⁠ von Luftschadstoffen in den 1980er Jahren durch politische Rahmenbedingungen und technische L?sungen mindern lie?, sind die regionalen Auswirkungen des globalen Klimawandels bisher nicht beherrschbar. Damit ist die Sicherung vielf?ltiger genetischer Ressourcen (im Sinne von Informationen für biologische Leistungen) eine Grundvoraussetzung für die Klimaanpassung von W?ldern und eine zukunftsf?hige Waldwirtschaft.

 

Schnittstellen

FW-R-1: Mischbest?nde

 

Ziele

Erhaltung der Vielfalt und eines angepassten Genpools von Baum- und Straucharten (Forstliche Genressourcen in Deutschland, S. 29)

Erhaltung der genetischen Vielfalt der Forstpflanzen (Waldstrategie 2020, S. 23)