Gew?ssertyp 2017 - Tiefer, gro?er, kalkarmer Mittelgebirgssee

Ein Luftbild der Talsperre Lehnmühle in Sachsenzum Vergr??ern anklicken
Talsperre Lehnmühle in Sachsen
Quelle: Landestalsperrenverwaltung Sachsen

Die ?Tiefen, gro?en, kalkarmen Mittelgebirgsseen“ liegen vornehmlich in den Mittelgebirgen von Sachsen, Thüringen, Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Typische Vertreter sind die Talsperren Leibis-Lichte in Thüringen, Eibenstock in Sachsen, die Rappbode in Sachsen-Anhalt, Oleftalsperre in Nordrhein-Westfalen, Granetalsperre in Niedersachsen und die F?rmitztalsperre in Bayern.

Inhaltsverzeichnis

 

Kurzbeschreibung

Im Kartendienst zum Gew?ssertyp des Jahres finden Sie alle Flie?gew?sser, Seen, ?stuare (⁠übergangsgew?sser⁠) und Küstengew?sser. Alle ?Tiefen, gro?en, kalkarmen Mittelgebirgsseen“ ?in Deutschland und deren Bewertung des Zustands sind dort farbig hervorgehoben. Sie k?nnen sich für den See, der Sie interessiert, weitere Angaben zum Zustand der Gew?sserflora und -fauna abrufen.

Steckbrief:

Mittlere Tiefe:?? ? 5 - 25 m

Maximale Tiefe:? 12 –80 m

Seebeckenmaterial:

Talsperren mit Steinschüttungen und Bl?cken insbesondere in Staumauern?he, an Zuflüssen und Uferbereichen Sande und Kiese

Natürlicherweise typische Habitate Gew?sserform (Ufer, Umfeld):

je nach ⁠Talform⁠ des aufgestauten Flusslaufs, meist m??ig steile bis steile B?schungen, zur Stauwurzel hin oft flachere Ufer, gro?e Waldfl?chen im ⁠Einzugsgebiet

Lebensgemeinschaft:

In Abh?ngigkeit vom Huminstoffgehalt Kieselalgen,Goldbraune Algen, an Wasserstandsschwankungen angepasste Pflanzenarten wie Strandling und Hirschsprung

Hauptbelastungsfaktoren:

N?hrstoffeintr?ge aus dem Einzugsgebiet, ?kologische Durchg?ngigkeit, Tourismus, Bootsverkehr

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Lebensraum

Die Einzugsgebiete der Talsperren des Typs sind oft sehr waldreich, die Uferbereiche und B?schungen sehr steil. An den Staumauern dominieren Steinschüttungen und gro?e Bl?cke, an den Zul?ufen und Uferbereichen feine Kiese und Sande. Die Seen haben Kalkgehalte unter 15 mg/l Ca und durch den Einfluss von Mooren und sauren Waldb?den im ⁠Einzugsgebiet⁠ meist erh?hte Gehalte an Huminstoffen. Die Huminstoffe senken den ⁠pH-Wert⁠ in den schwach sauren Bereich und führen zu leicht brauner F?rbung des Wassers. Diese Einflüsse bestimmten ma?geblich die Artenzusammensetzung in den Seen.

Das Wasser der Talsperren wird schnell ausgetauscht. In stark bewirtschafteten Talsperren sind die Verweilzeiten h?ufig geringer als 30 Tage. Zudem schwanken die Wasserst?nde stark. Wo Uferfl?chen sporadisch trocken fallen, haben sich wenige, sehr spezielle Pflanzenarten wie der Strandling und der Hirschsprung auf die wechselnden Wasserst?nde eingestellt. Die Fischfauna wird oft dominiert von Bach- und Seeforellen. Auch Hechte, Zander, ?schen und Flussbarsche sind h?ufig.

Charakteristische Tier- und Pflanzenarten für den Tiefen, gro?en, kalkarmern Mittelgebirgssee

Oligotricha striata (Linnaeus 1758)

Oligotricha striata ist eine von mehr als 300 in Deutschland lebenden K?cherfliegenarten. Die Larven schützen ihren weichen Hinterleib durch einen bis zu 4 cm langen, selbstgebauten K?cher aus Pflanzenmaterial. Sie leben r?uberisch von Wasserinsekten oder auch von Pflanzenteilen, welche sie mit ihren Mundwerkzeugen zerkleinern. Das erwachsene Tier (Imago) lebt an Land und saugt Blütennektar. Zwischen M?rz und Juli schlüpft es aus der verpuppten Larve an der Wasseroberfl?che und kann bereits nach wenigen Minuten fliegen. Nach der Paarung legen die Weibchen die Eier wieder in ein geeignetes Gew?sser und der etwa 1 Jahr dauernde Entwicklungszyklus beginnt erneut. Die Lebensphasen im Wasser – also das Ei-, das Larven- und das Puppenstadium dauern oft bis zu 10 Monate.?

Tabellaria flocculosa

Tabellaria flocculosa ist eine Kieselalge (Diatomee). Sie kommen als Einzelzellen vor oder bilden kleine Kolonien in Form von unverzweigten F?den, die in Zickzackb?ndchen oder Sternchen angeordnet sind. Die ungeschlechtliche Fortpflanzung erfolgt durch Teilung der Einzelzellen, die zu einer Verkleinerung der Zellen oder zum Zerbrechen der Kolonien führen kann. Tabellaria flocculosa kommt in stehenden Gew?ssern auf den Oberfl?che von Steinen oder an Wasserpflanzen und besonders h?ufig frei schwebend im Plankton vor. Die Art besiedelt in der Regel Gew?sser, die aufgrund ihres geringen bis m??igen N?hrstoffangebots eine geringe organische Produktion aufweisen.?

Biegsame Glanzleuchteralge (Nitella flexilis)

Die meisten Arten der Armleuchteralgen (Characeen) stehen aufgrund ihrer Vorliebe für saubere, n?hrstoffarme Seen, Teiche oder Flie?gew?sser in Deutschland und anderen L?ndern auf der Roten Liste gef?hrdeter Arten. Die Sprosse der Biegsamen Glanzleuchteralge sind nur etwa 1-1,5 mm dick, werden aber zwischen 10 – 40 Zentimeter lang - in Ausnahmef?llen bis zu einem Meter. Armleuchteralgen überwuchern den lichtüberfluteten Gew?sserboden oft wie ein dichter Rasen, der Jungfischen ein ideales Versteck vor Fressfeinden bietet. Vielen Wasservogelarten dienen die Algen oder die in ihnen lebenden Kleintiere als Nahrung.

Flussbarsch (Perca fluviatilis)

Der Flussbarsch ist in ganz Europa in stehenden und flie?enden Gew?ssern heimisch und gilt als ?u?erst anpassungsf?hige Fischart. Flussbarsche werden je nach Nahrungsangebot durchschnittlich 20 bis 30 Zentimeter lang, nur selten über 50 cm. Zur Nahrung des Flussbarsches geh?ren Plankton - Organismen, Bodentiere, Insekten, die an der Wasseroberfl?che erbeutet werden und Fische – auch der eigenen Art. Die Laichzeit erstreckt sich von M?rz bis Juni wobei bis zu 300.000 Eier pro Weibchen in Form von langen, netzartigen Gallertschnüren (sog. Barschschnüren) an Wasserpflanzen, Steinen oder ?sten an flachen Uferstellen abgelegt werden.

Haubentaucher (Podiceps cristatus)

Der knapp entengro?e Haubentaucher ist in Deutschland der h?ufigste und bekannteste Vertreter der Familie der Lappentaucher. Er brütet im Uferbereich fischreicher Seen, Talsperren und an gr??eren Teichen. Neben kleineren bis mittelgro?en Fischen stehen auch Insektenlarven, Kaulquappen, Fr?sche, Krebstiere, Spinnen und Wasserinsekten auf seinem Speiseplan. Die Nahrung wird meist tauchend erjagt, wobei der Haubentaucher oft mehr als 40 Sekunden unter Wasser bleibt. Besonders auff?llig ist sein Balzverhalten. Dabei werden scheinbar ?T?nze“ auf freier Wasserfl?che aufgeführt, wie ab M?rz nach Rückkehr aus den überwinterungsgebieten gut zu beobachten ist.?

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Nutzung, Belastung, Ma?nahmen

Als Talsperren unterliegen die Tiefen, gro?en, kalkarmen Mittelgebirgsseen den typischen Nutzungen und Belastungen. Ein gro?er Teil dient der Trinkwassergewinnung. Weil dafür ein hygienisch und stofflich einwandfreier Zustand wichtig ist, sind Freizeitaktivit?ten wie Baden, Tauchen, Angeln und Bootsfahren in manchen Trinkwassertalsperren nur eingeschr?nkt erlaubt. Manche sind eingez?unt und die Einzugsgebiete als Wasserschutzgebiete ausgewiesen, in denen Einleitungen verboten und die Landwirtschaft einschr?nkt ist. Talsperren dienen dem Hochwasserschutz sowie der Erzeugung elektrischer Energie. Auch die Niedrigwasseraufh?hung und Schiffbarmachung sind wichtige Funktionen. Hinzu kommt in einigen Talsperren (Biggetalsperre, S?setalsperre) die Fischerei.

Bei den wenigen Talsperren, die zu hoch mit N?hrstoffen belastet sind, sollten weitere Ma?nahmen zur Reduktion ergriffen werden, z.B. im Rahmen der Umsetzung von Wasserschutzgebietsverordnungen. Zum Beispiel führen N?hrstoff- und Bodeneintr?ge im Eixendorfer See zu einer Ver?nderung der Artenzusammensetzung der Algen und Wasserpflanzen. Auch die F?rmitztalsperre ist erh?ht mit N?hrstoffen belastet.

Die Huminstoffe sind h?ufig ein Problem für die Trinkwassergewinnung. Sie gelangen über die Zuflüsse in die Seen, insbesondere bei Starkniederschl?gen und w?hrend der Schneeschmelze. An der Trinkwassertalsperre Eibenstock wird das Zuflusswasser bei Belastungsspitzen mit Huminstoffen durch ein Vorbecken, einen Umleitungsgraben und Rohrleitungen durch die Talsperre hindurchgeleitet. Weil Talsperren in den meist seenarmen Gebieten der Mittelgebirge bevorzugte Lebensr?ume für wassergebundene, gef?hrdete Arten von Lurchen, Wasserv?geln und Sumpfpflanzen sind und als Rast- und Brutpl?tze für Zugv?gel dienen, sind viele Teil von Naturschutz-, Landschaftsschutz- und Vogelschutzgebieten. Einige Talsperren sind als europ?ische FFH-Gebiete (⁠Flora⁠-⁠Fauna⁠-⁠Habitat⁠) besonders geschützt. Die Talsperren sind andererseits Barrieren für Gew?sserorganismen und Sedimente. Sie ?ndern das ⁠Abfluss⁠- und Temperaturregime der unterhalb liegenden Flüsse. Letzterem sollte durch naturnahe Nachbildung der Dynamik und der Temperatur der Abflüsse entgegen gewirkt werden.

 

Zustand

Das Ziel der Europ?ischen ⁠Wasserrahmenrichtlinie⁠ ist es, in allen Gew?ssern einen guten ?kologischen und einen guten chemischen Zustand zu erreichen. Da bei erheblich ver?nderten Gew?ssern wie Talsperren dies die Nutzungen nicht erheblich einschr?nken darf, gilt hier das gute ?kologische Potenzial. Von den 26 Tiefen, gro?en, kalkarmen Mittelgebirgsseen haben gegenw?rtig 21 das gute ?kologische Potenzial erreicht. Vier Talsperren (F?rmitztalsperre, Talsperre Schwarzenbach, Neyetalsperre, Biggetalsperre) haben aufgrund der Artenzusammensetzung von Algen und Wasserpflanzen ein m??iges Potenzial. Nur der Eixendorfer See weist aus gleichem Grund noch ein ?kologisch unbefriedigendes Potenzial auf.

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Ein Kreisdiagramm, welches den ?kologischen Zustand der Talsperren in deutschland anzeigt
Zustandsdiagramm über das ?kologische Potenzial von Talsperren
Quelle: Umweltbundesamt