IG-I-1: Hitzebedingte Minderung der Leistungsf?higkeit

Das Bild zeigt einen Mann, der vor einem Ventilator in einem Büro sitzt und sich den Handrücken vor die Stirn h?lt.zum Vergr??ern anklicken
Besch?ftigte in Freiluftberufen, aber auch in Büros müssen sich vor der sommerlichen Hitze schützen.
Quelle: Monika Wisniewska / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

IG-I-1: Hitzebedingte Minderung der Leistungsf?higkeit

Durch den ⁠Klimawandel⁠ k?nnen Belastungen durch sommerliche Hitze am Arbeitsplatz künftig zunehmen – sowohl in Geb?uden als auch im Freien. Ein steigender Anteil der Befragten der Umweltbewusstseinsstudie erwartet negative Auswirkungen auf ihre Leistungsf?higkeit am Arbeitsplatz.

Die Stapels?ulen-Grafik bildet für die Jahre 2012, 2014 und 2016 den Prozentanteil der Befragten ab, die  glauben, dass Hitzewellen zukünftig ihre Leistungsf?higkeit am Arbeitsplatz beeintr?chtigen werden. Es wird in fünf Kategorien unterschieden: überhaupt nicht, weniger, stark. sehr stark und seit 2014 auch die Kategorie wei? nicht. Der Anteil der Kategorie überhaupt nicht ist von 37,8 über 20 auf 19 Prozent zurückgegangen, der Anteil der Kategorie stark von 20,8 über 31 auf 34 gestiegen.
IG-I-1: Hitzebedingte Minderung der Leistungsf?higkeit

Die Stapels?ulen-Grafik bildet für die Jahre 2012, 2014 und 2016 den Prozentanteil der Befragten ab, die glauben, dass Hitzewellen zukünftig ihre Leistungsf?higkeit am Arbeitsplatz beeintr?chtigen werden. Es wird in fünf Kategorien unterschieden: überhaupt nicht, weniger, stark. sehr stark und seit 2014 auch die Kategorie wei? nicht. Der Anteil der Kategorie überhaupt nicht ist von 37,8 über 20 auf 19 Prozent zurückgegangen, der Anteil der Kategorie stark von 20,8 über 31 auf 34 gestiegen.

Quelle: BMUB & UBA (Umweltbewusstsein in Deutschland 2016)
 

Geringere Leistungsf?higkeit bei Sommerhitze

Steigende Temperaturen und steigende absolute Luftfeuchtigkeit haben einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und Arbeitsproduktivit?t der Arbeitnehmer. Auswirkungen entstehen nicht nur in Form einer erh?hten Krankheitsanf?lligkeit, auch abnehmende Konzentration führt zu erh?hter Fehler- und Unfallanf?lligkeit, die ebenfalls zu Produktivit?tseinbu?en führt.63 Extreme Hitzewellen bringen zus?tzliche Gesundheitsrisiken wie Hitzeschlag, starke Dehydrierung oder Ersch?pfung mit sich, w?hrend K?rpertemperaturen über 40,6 °C sogar lebensbedrohlich sind.64

Für Innenraumarbeitspl?tze zeigte sich in vielen der Studien ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Leistungsf?higkeit und dem sogenannten thermischen Behaglichkeitsbereich. Weichen die Raumtemperaturen von diesem Bereich nach unten oder oben ab, nimmt die Leistungsf?higkeit ab. Als thermisch behaglich wird ein Raumklima dann bezeichnet, wenn der Mensch Lufttemperatur, Luftfeuchte, Luftbewegung und W?rmestrahlung in seiner Umgebung als optimal empfindet und weder w?rmere noch k?ltere, weder trockenere noch feuchtere Raumluft wünscht. Für die Sommermonate werden für Besch?ftigte mit sitzenden und leichten T?tigkeiten Temperaturen zwischen 23 °C bis 26 °C als Behaglichkeitsbereich angesehen. Ma?nahmen zum sommerlichen W?rmeschutz (z. B. Verschattung oder Klimatisierung) k?nnen in Innenr?umen helfen, diesen Bereich einzuhalten.

In Deutschland arbeiten rund 2 bis 3 Millionen Menschen überwiegend oder zumindest zeitweise im Freien und sind ganzj?hrig den herrschenden ⁠Wetter⁠- und Witterungsbedingungen ausgesetzt. Zunehmende Hitzebelastungen und andere klimatische Ver?nderungen betreffen diese Menschen deutlich unmittelbarer als solche, die ihrer beruflichen Bet?tigung in Geb?uden nachgehen. Diese T?tigkeiten erbringen gesch?tzte 10 bis 15 % der Wertsch?pfung der Volkswirtschaft, haupts?chlich in den Sektoren Land- und Forstwirtschaft und Baugewerbe sowie in Teilbereichen der Industrie- und der Dienstleistungssektoren angesiedelt sind.

Der Vergleich der Ergebnisse der Umfragen "Umweltbewusstsein in Deutschland" I aus den Jahren 2012, 2014 und 2016 zeigt, dass ein wachsender Teil der Befragten erwartet, dass sich eine künftig zunehmende Hitzebelastung stark oder sehr stark auf ihre Leistungsf?higkeit am Arbeitsplatz auswirken wird. Waren es 2012 noch etwa ein Viertel der Befragten, stieg die Anteil derer, die mit Auswirkungen auf ihre Leistungsf?higkeit am Arbeitsplatz rechnen, auf 44 % in 2014 bzw. 46 % in 2016.

Der thermische Komfort eines Arbeitnehmers bestimmt seine Arbeitsf?higkeit und hat daher direkten Einfluss auf die Produktivit?t von Unternehmen bzw. der gesamten Volkswirtschaft. Studien nehmen für Zeiten hoher Hitzebelastung für Mitteleuropa Produktivit?tsabnahmen um 3 bis 12 % an.

In einer Absch?tzung wurden diese Zahlen auf das Nationaleinkommen umgerechnet. Danach k?nnen sich aufgrund der heute schon auftretenden Hitzetage bei der oben genannten Produktivit?tsminderung Einbu?en von rund 540 Millionen bis 2,4 Milliarden Euro im Vergleich zu Jahren ohne Hitzetage ergeben.65 Allerdings unterliegt die Absch?tzung der volkswirtschaftlichen Produktivit?t erheblichen Unsicherheiten. In einigen Studien werden gerade für die Baubranche sogar Produktivit?tszuw?chse angenommen, da sich die Zeitfenster für Arbeiten im Freien im Jahresverlauf verl?ngern k?nnen.66

Die einschl?gigen Arbeitsst?ttenregeln formulieren verschiedene Vorgaben, um die Gesundheit und damit auch die Leistungsf?higkeit der Besch?ftigten in Geb?uden auch bei hohen Au?enlufttemperaturen von über 26 °C zu erhalten. überschreiten die Raumtemperaturen in solchen F?llen die Schwelle von 26 °C bzw. 30 °C sollen bzw. müssen Ma?nahmen ergriffen werden. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber k?nnen z. B. dafür sorgen, dass geeignete Sonnenschutzvorrichtungen installiert und effektiv eingesetzt, die R?umlichkeiten in den frühen Morgenstunden ausreichend gelüftet, innere W?rmelasten reduziert, Arbeitszeiten verschoben und Erfrischungsgetr?nke bereitgestellt werden. Auch kann es sinnvoll sein, bestehende Bekleidungsordnungen zu lockern.

Auch für Arbeiten im Freien sieht das Arbeitsschutzrecht Ma?nahmen vor, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor negativen gesundheitlichen Folgen von Hitze zu schützen. Arbeitgeberinnen und Arbeitsgeber k?nnen beispielsweise auf Baustellen Anlagen einrichten lassen, mit denen Arbeitsorte beschattet oder belüftet werden k?nnen. Vor allem k?nnen sie organisatorische Ma?nahmen ergreifen, indem die Arbeitszeiten der ⁠Witterung⁠ anpasst, ausreichend lange Pausenzeiten angeordnet, eine gute Getr?nkeversorgung sichergestellt und die Mitarbeitenden im Rahmen von Schulungen auf m?gliche Gefahren und die entsprechenden Gegenma?nahmen hingewiesen werden.

63 - Kjellstrom T., Holmer I., Lemke B. 2009: Workplace Heat Stress, Health and Productivity – an Increasing Challenge for Low and Middle-Income Countries during Climate Change. Global Health Action 2 (1): 2047. https://doi.org/10.3402/gha.v2i0.2047
Parsons K. 2014: Human Thermal Environments: The Effects of Hot, Moderate, and Cold Environments on Human Health, Comfort, and Performance. CRC press, 635 pp.

64 - UNDP CVF –United Nations Development Programme, Climate Vulnerable Forum 2016: Climate Change and Labour: Impacts of Heat in the Workplace. New Zealnd, 33 pp.
www.undp.org/content/undp/en/home/librarypage/climate-and-disaster-resilience-/tackling-challenges-ofclimate-change-and-workplace-heat-for-dev.html

65- Hübler M. & Klepper G. 2007: Kosten des Klimawandels – Die Wirkung steigender Temperaturen auf Gesundheit und Leistungsf?higkeit. Aktualisierte Fassung einer Studie im Auftrag des WWF Deutschland, Frankfurt, 65 S.

66 - Urban H. & Steininger K.W. 2015: Manufacturing and Trade: Labour Productivity Losses. In: Steininger K., K?nig M., Bednar-Friedl B., Loibl W., Kranzl L., Prettenthaler F., Haas W., Formayer H., Goetzl M., Zulka K. 2015:Economic Evaluation of Climate Change Impacts – Development of a Cross-Sectoral Framework and Results for Austria. Basel: 301–322.
DOI: 10.1007/978-3-319-12457-5

I - Die repr?sentative Bev?lkerungsumfrage (deutschsprachige Wohnbev?lkerung ab 14 Jahre) ?Umweltbewusstsein und -verhalten in Deutschland“ wird seit dem Jahr 2000 zweij?hrlich im Auftrag des ⁠BMU⁠ und des ⁠UBA⁠ durchgeführt. Seit 2012 wurden Fragen aufgenommen, die Daten für die ⁠DAS⁠ ⁠Monitoring⁠ Indikatoren liefern, ab 2016 werden diese Fragen alle 4 Jahre in der Umweltbewusstseinsstudie erhoben.

 

Schnittstellen

GE-I-1: Hitzebelastung

GE-R-2: Erfolge des Hitzewarnsystems

BAU-I-1: W?rmebelastung in St?dten