LW-I-4: Schaderregerbefall - Fallstudie

Das Bild zeigt die Gro?aufnahme einer Rapsblüte, in der zahlreiche schwarze K?fer sitzen, die die Blüten auffressen.zum Vergr??ern anklicken
Rapsglanzk?fer k?nnen bei Massenauftreten an Rapsblüten erhebliche Sch?den anrichten.
Quelle: agrarmotive / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-I-4: Schaderregerbefall - Fallstudie

Im Falle des Braunrosts, Echten Mehltaus und Rapsglanzk?fers wird davon ausgegangen, dass der ⁠Klimawandel⁠ mit w?rmeren Wintern und einem trockeneren und w?rmeren Frühjahr den Befall f?rdert. Dennoch verl?uft die Schaderregerentwicklung sehr spezifisch. Generalisierende Aussagen zum Einfluss des Klimawandels auf die Befallssituation sind auf der derzeitigen Datengrundlage noch nicht m?glich. Die Zeitreihe kann erst 2023 fortgeschrieben werden.

Die Linien-Grafik zeigt den Befall als Prozent befallener Pflanzen von Winterweizen und zwar den Braunrostbefall und den Befall mit Echtem Mehltau, beides für Sachsen-Anhalt.
LW-I-4: Schaderregerbefall - Fallstudie

Die Linien-Grafik zeigt den Befall als Prozent befallener Pflanzen von Winterweizen und zwar den Braunrostbefall und den Befall mit Echtem Mehltau, beides für Sachsen-Anhalt. Die Datenreihen von 1976 bis 2013 zeigen einige Datenlücken. Der Braunrostbefall ist signifikant steigend, der Befall mit Echtem Mehltau geht signifikant zurück. Au?erdem ist der Befall von Winterraps mit dem Rapsglanzk?fer als Maximalbefall in Anzahl pro Pflanze für Mecklenburg-Vorpommern von 1990 bis 2013 dargestellt. Die Zeitreihe zeigt einen signifikant steigenden Trend.

Quelle: Julius-Kühn-Institut (Auswertungen von Befallsdaten der L?nder)
 

Erh?hter Druck durch Schadorganismen ist m?glich

Mit dem ⁠Klimawandel⁠ ver?ndern sich nicht nur die Bedingungen für die landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, sondern auch für Schaderreger und Pflanzenkrankheiten. W?rmere ⁠Witterung⁠ und die Verl?ngerung der ⁠Vegetationsperiode⁠ bieten einigen Schaderregern günstigere Ausbreitungsbedingungen und erm?glichen, dass sich mehr Generationen im Jahr ausbilden k?nnen. Andere Schaderreger dagegen, die zum Beispiel auf l?ngere Feuchteperioden angewiesen sind, k?nnten zurückgehen. Bedingt durch den Klimawandel ist in den n?chsten Jahren daher mit Verschiebungen im Artenspektrum von Pflanzensch?dlingen in der Landwirtschaft zu rechnen. Sch?den durch Pilzerkrankungen k?nnen – mit Ausnahme von Krankheiten, die durch w?rmeliebende Pilzarten wie beispielsweise den Mehltau ausgel?st werden – in vielen Bereichen voraussichtlich abnehmen. Die Bedeutung verschiedener Ungr?ser und Unkr?uter, tierischer Sch?dlinge und nichtparasit?rer Krankheiten k?nnte dagegen eher zunehmen. Ferner profitieren Insekten grunds?tzlich von w?rmeren Temperaturen. Neue Risiken sind von Schaderregern zu erwarten, die bisher nicht in unseren Breiten vorkamen und sich nach ihrer Einschleppung unter den ver?nderten klimatischen Rahmenbedingungen ausbreiten und etablieren k?nnen.

Auf eine Zu- oder Abnahme des Schaderregerbefalls insgesamt lassen die bisherigen Beobachtungen aber nicht schlie?en. Im Einzelnen sind die Entwicklungen noch nicht prognostizierbar. Klar ist jedoch, dass viele Schaderreger sehr empfindlich und spontan auf ver?nderte Witterungsverh?ltnisse reagieren k?nnen und den Landwirtinnen und Landwirten damit rasche und flexible Reaktionen auf die akute Schaderregerproblematik abverlangt werden.

Welche Schaderreger sich in besonders starker Abh?ngigkeit von Witterungs- bzw. Klimaver?nderungen entwickeln, ist bisher noch nicht umfassend untersucht worden. Erst systematische Auswertungen von Befallsdaten eines breiten Spektrums unterschiedlicher Schaderreger werden hier Klarheit bringen. Beim Braunrost (Puccinia triticina) und Echten Mehltau (Erysiphe graminis) an Weizen, Gerste und Triticale, einer Kreuzung aus Weizen und Roggen, sowie beim Rapsglanzk?fer (Meligethes aeneus) kann nach derzeitigem Wissensstand davon ausgegangen werden, dass der Klimawandel mit w?rmeren Wintern und einem trockeneren und w?rmeren Frühjahr die Entwicklung bzw. die Massenvermehrung f?rdert.

Langj?hrige Datenreihen zum Befall liegen aber bundesweit noch nicht vor, lediglich aus einzelnen Bundesl?ndern wurden Daten aufbereitet, die für den Monitoringbericht 2015 genutzt wurden. Eine Fortschreibung der Zeitreihen ist erst für den Monitoringbericht 2023 m?glich.

Beim Braunrost in Sachsen-Anhalt und beim Rapsglanzk?fer in Mecklenburg-Vorpommern zeichnet sich in der Tendenz eine zunehmende Relevanz ab. Beim Echten Mehltau, zu dem ebenfalls Daten aus Sachsen-Anhalt vorliegen, gibt es seit den 1970er Jahren zwar immer wieder Jahre mit einem hohen Befallsniveau. über die gesamte darstellbare Zeitreihe ergibt sich aber ein signifikanter Rückgang. Die Daten machen auch deutlich, dass der Befall mit dem jeweiligen Schaderreger in den einzelnen Jahren sehr unterschiedlich stark sein kann. Die eine, den Schaderregerbefall generell f?rdernde Witterungskonstellation gibt es nicht.

Repr?sentative Aussagen zur Entwicklung der Schaderregerproblematik sind auf der Grundlage der Daten zu Braunrost, Mehltau und Rapsglanzk?fer aus Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern derzeit noch nicht m?glich. Erwartungsgem?? wird es gro?e Unterschiede im Infektionsrisiko und Befall sowohl zwischen den unterschiedlichen Schaderregern als auch zwischen den Regionen und Jahren geben. Da die Züchtung bei der Entwicklung von Pflanzensorten verst?rkt auf Resistenzbildung gegenüber Schaderregern hin ausgerichtet ist, ist die Befallsh?ufigkeit bzw. -st?rke zumindest bei einigen Fruchtarten auch stark von den jeweils angebauten Sorten abh?ngig. Auch die Durchführung von Pflanzenschutzma?nahmen variiert in den Kulturen stark. Das für den Pflanzenschutz auf Bundesebene zust?ndige Julius-Kühn-Institut führt Analysen zur ⁠Klima⁠- und Witterungsabh?ngigkeit des Schaderregerbefalls durch. Auf der Grundlage dieser Arbeiten werden in Zukunft voraussichtlich umfassendere und repr?sentativere Aussagen zur Entwicklung des Schaderregerbefalls m?glich sein.

 

Schnittstellen

LW-R-3 + 4: Anpassung des Sortenspektrums, Maissorten nach Reifegruppen

 

Ziele

Vermindern der Neueinschleppungen von Schadorganismen, effiziente Bek?mpfung neuer Schadorganismen, Priorit?tensetzung bei einer Bek?mpfung je nach Risikopotenzial (u. a. schnelle Risikoanalysen und Entscheidungen), effiziente Monitoringsysteme für bestimmte Schadorganismen (Nationaler Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln 2013, Kap. 5.2.4)