LW-R-1: Anpassung von Bewirtschaftungsrhythmen

Das Bild zeigt einen Landwirt, der in einem Acker stehend einem Traktor bei der Einsaat hinterherblickt. zum Vergr??ern anklicken
Landwirtinnen und Landwirte beachten bei ihrer Bewirtschaftungsplanung ver?nderte Klimabedingungen
Quelle: Dusan Kostic / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

LW-R-1: Anpassung von Bewirtschaftungsrhythmen

Landwirtinnen und Landwirte reagieren mit der Terminierung der einzelnen Bewirtschaftungsg?nge in den Kulturen auf die sich ver?ndernden Witterungsbedingungen. Die Bestellung von Mais verfrühte sich in den letzten vierzig Jahren um rund fünf Tage. Der ⁠Trend⁠ ist signifikant.

Die Linien-Grafik zeigt den mittleren Zeitpunkt des Beginns der Bestellung von Mais als kalendarischer Tag von 1970 bis 2017. Die Zeitreihe zeigt mit leichten Schwankungen zwischen den Jahren einen signifikant fallenden Trend.
LW-R-1: Anpassung von Bewirtschaftungsrhythmen

Die Linien-Grafik zeigt den mittleren Zeitpunkt des Beginns der Bestellung von Mais als kalendarischer Tag von 1970 bis 2017. Die Zeitreihe zeigt mit leichten Schwankungen zwischen den Jahren einen signifikant fallenden Trend.

Quelle: DWD (Ph?nologisches Beobachtungsnetz)
 

Anpassung der Bewirtschaftungsplanung


Mit den sich im Zuge des Klimawandels vollziehenden Ver?nderungen jahreszeitlicher Witterungsverl?ufe müssen die Landwirtinnen und Landwirte ihre Bewirtschaftungsplanung umstellen. Sie müssen die günstigsten Zeitpunkte für Bestellung, Aussaat und Ernte sowie für die Ausbringung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in jedem Jahr neu ermitteln. Die Witterungsverh?ltnisse spielen dabei sowohl direkt als auch indirekt eine entscheidende, wenn auch keine alleinige Rolle für die Terminierung der einzelnen Bewirtschaftungsg?nge. Direkten Einfluss nimmt die ⁠Witterung⁠ insofern, als beispielsweise der günstigste Zeitpunkt für die Bodenbearbeitung stark von der ⁠Bodenfeuchte⁠ abh?ngig ist, oder im Frühjahr die Aussaat bestimmter Kulturpflanzen wie Mais erst bei Erreichen bestimmter Bodentemperaturen erfolgen kann. Indirekte Einflüsse ver?nderter Witterungsverh?ltnisse werden wirksam, indem die Landwirtinnen und Landwirte mit ihrer Kulturpflanzen- und Sortenwahl bzw. der Fruchtfolge auf die sich ver?ndernden klimatischen Rahmenbedingungen reagieren.

Für die Landwirtschaft stellen diese Anpassungen keine grunds?tzlich neuen Herausforderungen dar, da sie mit der Durchführung von Bewirtschaftungsg?ngen schon immer auf die Jahreszeiten und ph?nologischen Entwicklungsphasen ihrer Kulturen reagiert hat. M?glicherweise nehmen aber unvorhersehbare ⁠Wetter⁠- oder Witterungssituationen zu. Um die Folgen von Extremwetterereignissen abzupuffern, ⁠Erosion⁠ zu vermeiden und die Nachlieferung von Wasser- und N?hrstoffen in Trockenperioden zu gew?hrleisten, müssen Landwirtinnen und Landwirte eine hohe Infiltrationsrate, die Wasser- und N?hrstoffspeicherf?higkeit sowie ein gutes Aggregatgefüge ihrer B?den bewahren. Wichtig ist, die organische Bodensubstanz zu erhalten bzw. standortbezogen nach oben zu korrigieren. Stabilisierende Ma?nahmen in Einzelbetrieben sind Zwischenfruchtanbau, Untersaaten, vielf?ltige Artenkombinationen, Einarbeitung von Ernterückstanden, Anbau von mehrj?hrigen Kulturen, organische Düngung und angepasste Bodenbearbeitung. Auf h?herer Organisationsebene sind wesentliche Elemente einer klimaangepassten Landwirtschaft Futter-Wirtschaftsdünger Kooperationen, die Integration und Nutzung von mehrj?hrigen Futterpflanzen in Fruchtfolgen, die Erhaltung des Grünlands, die Stabilit?t viehhaltender Gemischtbetriebe sowie ?kologischer Landbau und Landschaftsgestaltung (z. B. Agroforstsysteme, Konturbewirtschaftung, Randstreifen).

Das bundesweite ph?nologische Beobachtungsnetz des ⁠DWD⁠ erfasst neben den zeitlichen Ver?nderungen der Entwicklung von Pflanzen auch ?nderungen bei der Durchführung von Bewirtschaftungsg?ngen in landwirtschaftlichen Kulturen. Je nach betrachtetem Bewirtschaftungsgang sind die Einflüsse auf die Terminierung unterschiedlich. Neben der Witterung spielen i. d. R. auch zahlreiche andere Faktoren eine Rolle. Relevant sind zuallererst die Sorten- und Fruchtfolgenwahl. Ges?t werden kann erst dann, wenn die Vorfrucht in der Fruchtfolge ger?umt ist. Auch organisatorische Anforderungen in den Betrieben k?nnen entscheidend sein. Je nach Gr??e der Betriebsfl?che und Umfang des eigenen Maschinenparks bzw. der erforderlichen Fremdarbeit k?nnen sich Bewirtschaftungsg?nge zeitlich verschieben. Dies bedeutet, dass sich zeitliche Verschiebungen der Bewirtschaftungsg?nge in der Landwirtschaft nicht allein mit ver?nderten Witterungsverh?ltnissen erkl?ren lassen. Dennoch k?nnen entsprechende Beobachtungen Hinweise auf Anpassungen in der Bewirtschaftungsplanung geben.

Die Bestellung von Mais erfolgt i. d. R. im Laufe des April und Mai. Im Frühjahr sind bewirtschaftungsbedingte Einflüsse noch vergleichsweise gering und die Witterungseinflüsse spielen eine bedeutendere Rolle als bei der Terminierung der Bewirtschaftungsg?nge im Sommer und Herbst. Witterungseinflüsse beeinflussen dann beispielsweise das Abfrieren von Zwischenfrüchten. Wenn dies nicht mehr gew?hrleistet ist, k?nnen zus?tzliche Arbeitsg?nge für die Saatbettbereitung der Hauptkultur Mais notwendig werden.

In den zurückliegenden vierzig Jahren wurde mit der Maisbestellung immer früher begonnen. Natürlich gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Jahren, aber der ⁠Trend⁠ weist signifikant auf frühere Bestelltermine hin. So fand in den 1970er und 1980er Jahren die Bestellung vorzugsweise noch zwischen Ende April und Anfang Mai statt. Nach dem Jahr 2000 erfolgte sie im Schnitt bereits rund eine Woche früher, in einigen Jahren bereits Mitte April.

 

Schnittstellen

LW-I-1: Verschiebung agrarph?nologischer Phasen

BO-R-1: Humusgehalte von Ackerb?den - Fallstudie