Klimaentwicklung in Deutschland

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Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel


Inhaltsverzeichnis

 

Die Klimaentwicklung in Deutschland seit dem Ende des 19. Jahrhunderts

Das ⁠Klima⁠ kann durch den mittleren Zustand der ⁠Atmosph?re⁠, charakteristische Extremwerte und H?ufigkeitsverteilungen meteorologischer Gr??en wie Lufttemperatur, Niederschlag, Wind an einem Ort beschrieben werden. Das Klima ist das Ergebnis des komplexen Zusammenspiels aller Komponenten des Systems Land-Atmosph?re-Ozeane. Dazu geh?ren auch die Biosph?re mit jahreszeitlichen Vegetationswechseln, die Hydrosph?re, der Boden und die Kryosph?re (Eis). Dass sich das Klima im Laufe der Zeit ?ndert, wissen wir mindestens aus der Kenntnis über die letzte Eiszeit, die gro?e Teile des heutigen Deutschlands unter einen Eispanzer setzte. Auswertungen von Beobachtungsdaten seit Mitte des 19. Jahrhunderts zeigen eine fortschreitende Erw?rmung der Erde, die durch natürliche Ursachen nicht erkl?rbar ist und es ist heute wissenschaftlicher Sachstand, dass ein weiterer Temperaturanstieg zu erwarten ist. Die Mitteltemperatur an der Land- und Wasseroberfl?che hat in den vergangenen Jahrzehnten im Mittel stetig zugenommen. Seit den 1960er Jahren war jede Dekade w?rmer als die vorherige und die bisherigen Daten für das laufende Jahrzehnt deuten darauf hin, dass auch die Dekade 2011 bis 2020 einen neuen H?chststandmarkieren wird. Entsprechend den Analysen der amerikanischen Forschungseinrichtungen NASA und NOAA liegt die globale Durchschnittstemperatur aktuell etwa 1 °C über dem Niveau in der Mitte des 18. Jahrhunderts (siehe Abbildung 2). Dabei ist ein Gro?teil der Erw?rmung in den letzten 35 Jahren zu verzeichnen: 15 der 16 w?rmsten Jahre in den globalen Aufzeichnungen wurden in den Jahren seit 2001 registriert, das Jahr 2016 war global betrachtet das bisher w?rmste Jahr und die letzten vier Jahre 2015 bis 2018 waren global die vier w?rmsten Jahre seit Beginn der systematischen Messungen.

Für Deutschland sind seit dem Jahr 1881 ausreichend Daten vorhanden, um Ver?nderungen des Klimas auch in der Fl?che detailliert zu bestimmen. Dies gilt jedoch nur für die Gr??en Temperatur und Niederschlag bei monatlicher Betrachtungsweise. Die entsprechenden t?glichen Daten sowie andere Messgr??en wie zum Beispiel die Sonnenscheindauer liegen in der Regel erst ab 1951 weitestgehend fl?chendeckend vor. Auf der Basis der zur Verfügung stehenden Daten lassen sich somit aber zumindest die mittleren Verh?ltnisse der beiden wichtigsten meteorologischen Gr??en bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und damit im Wesentlichen auch bis zum Beginn der menschlichen Einflussnahme auf das Klima zurückverfolgen. W?hrend sich die Wirkung der zus?tzlichen Treibhausgase in der Temperaturentwicklung der vergangenen 139 Jahre dabei unmittelbar niederschl?gt, ist der Zusammenhang mit den ?nderungen der Niederschlagsverh?ltnisse eher indirekter Natur. Hier spielen unter anderem durch die allgemeine Erw?rmung ausgel?ste Ver?nderungen der gro?r?umigen Wetterlagen eine Rolle. Dennoch ist der Niederschlag als ein wesentlicher Faktor für die Wasserverfügbarkeit von praktisch ebenso gro?em Interesse wie die Temperatur selbst. Auf eine Darstellung weiterer meteorologischer Gr??en wird im Folgenden aufgrund ihrer etwas geringeren Bedeutung verzichtet. Zudem lassen sich diese um mehr als die H?lfte kürzeren Zeitreihen ohnehin nur eingeschr?nkt mit den Verl?ufen von Temperatur und Niederschlag vergleichen. Letzteres gilt prinzipiell auch für die Untersuchung von Extremereignissen, da hierfür t?gliche Messwerte ben?tigt werden. Allerdings bergen gerade solche Ereignisse aufgrund ihres hohen Schadenspotenzials die gr??te Gefahr für unsere Gesellschaft. Eine Analyse der bisherigen ?nderungen dieser Ereignisse erfolgte daher trotz der auch in diesem Fall beschr?nkten Datenverfügbarkeit.

 

Mittlere Klima?nderungen

Für die Auswertung der mittleren klimatischen Verh?ltnisse wurden die für die Gr??en Temperatur und Niederschlag seit 1881 vorliegenden Monatsdaten zu jahreszeitlichen und j?hrlichen Mittelwerten zusammengefasst. Die an meteorologischen Stationen punktuell erhobenen Daten wurden darüber hinaus mittels wissenschaftlicher Verfahren auf die gesamte Fl?che von Deutschland übertragen.

Temperatur

Das Jahresmittel der Lufttemperatur ist im Fl?chenmittel von Deutschland von 1881 bis 2018 statistisch gesichert um 1,5 °C angestiegenI (siehe Abbildung 2). Dieser Wert liegt um 0,5 °C h?her als der globale Temperaturanstieg w?hrend des gleichen Zeitraums. über solch langfristige Auswertungen hinaus ist es gem?? den Empfehlungen der Weltorganisation für Meteorologie (⁠WMO⁠) üblich, zur Erfassung des Klimas und seiner ?nderungen Mittelwerte über einen Zeitraum von 30 Jahren zu bilden. Dadurch l?sst sich der Einfluss kurzzeitiger Witterungsschwankungen aus der statistischen Betrachtung des Klimas einerseits ausklammern, andererseits das Auf und Ab des Klimas aber trotzdem nachverfolgen. Als Klimareferenzperiode schl?gt die WMO dabei den Zeitraum von 1961–1990 vor. Auch im Vergleich der Klimareferenzperiode (1961–1990) zum aktuellen Bezugszeitraum (1981–2010) ist der Mittelwert der Lufttemperatur in Deutschland von 8,2 °C auf 8,9 °C gestiegen.

Bei genauerer Betrachtung der zeitlichen Entwicklung zeigt sich, dass sich der Temperaturanstieg nicht gleichm??ig vollzogen hat. Vielmehr gab es neben den Phasen der Erw?rmung auch Zeitr?ume der Stagnation sowie immer wieder auch kurze Abschnitte, in denen die Temperaturen tendenziell etwas zurückgegangen sind. Ein Grund für diesen ungleichm??igen Verlauf ist die gro?e Schwankungsbreite der ⁠Witterung⁠ von Jahr zu Jahr in einer im globalen Ma?stab kleinen Region wie Deutschland. So ist in Abbildung 2 auch zu erkennen, dass die Variabilit?t der Temperatur in Deutschland (Balken) bedeutend gr??er ist als bei der globalen Temperatur (Fl?che). über Zeitr?ume von mehreren Jahrzehnten spielt aber vor allem auch die sogenannte dekadische ⁠Klimavariabilit?t⁠ eine entscheidende Rolle. Dabei handelt es sich um periodische Schwankungen von einigen Jahren bis hin zu wenigen Jahrzehnten Andauer, die eng mit den Meeresstr?mungen gekoppelt sind. Abh?ngig von den sich von Zeit zu Zeit ?ndernden Meeresoberfl?chentemperaturen kommt es zu Phasen der Erw?rmung oder Abkühlung der ⁠Atmosph?re⁠. Diese Phasen überlagern den Einfluss der das ⁠Klima⁠ von au?en antreibenden Faktoren, zu denen neben den natürlichen Elementen Sonneneinstrahlung und Vulkanaktivit?t auch die vom Menschen verursachten Einflüsse infolge von Landnutzungs?nderungen, der Luftverschmutzung durch den Schwefelaussto? von Industrieanlagen sowie durch die ⁠Emission⁠ von Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid z?hlen. In den Zeitr?umen einer st?rker abkühlenden Wirkung der Ozeanzirkulation auf die Atmosph?re kann es daher zu einer vollst?ndigen Verschleierung des lang-fristigen Trends kommen, auch dann, wenn die Summe der externen Klimaantriebe allein zu einer Erw?rmung führen würde. Kehrt sich der Einfluss der Ozeane um, steigen auch die beobachteten Temperaturen wieder an.

In Deutschland stellt sich der bislang beobachtete Temperaturanstieg überwiegend einheitlich dar. Prinzipiell gilt dies auch für die unterschiedlichen meteorologischen Jahreszeiten. Nur im Sommer (Juni bis August) weicht der Wert mit einem Fl?chenmittel von 1,4 °C leicht vom Jahresmittel ab. Die anderen Jahreszeiten weisen mit 1,5 °C den gleichen Temperaturanstieg auf wie das gesamte Jahr. ?hnliches gilt für die r?umlichen Unterschiede. Hier reicht die Spanne des Anstiegs der Jahresmitteltemperatur von 1,3 °C bis 1,6 °C, wobei die Erw?rmung in den westlichen und südlichen Bundesl?ndern tendenziell bislang etwas h?her und in den n?rdlichen Bundesl?ndern sowie in Brandenburg und Berlin etwas geringer ausgefallen ist als im Landesdurchschnitt. Gr??ere Abweichungen von dieser generellen r?umlichen Verteilung gibt es ausschlie?lich für die Wintermonate. W?hrend dieser Jahreszeit stiegen die Temperaturen in den nord?stlichen Bundesl?ndern mit Werten von 1,2 °C bis 1,3 °C bislang allgemein am geringsten an, w?hrend es in den anderen Gebieten bis zu 1,7 °C (Bayern) w?rmer geworden ist.

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I S?mtliche im Text gemachten Angaben zu ?nderungen von Temperatur und Niederschlag sowie zu den auf diesen Gr??en basierenden Extremindizes wurden mittels linearem ⁠Trend⁠ (least-square) berechnet und werden als statistisch gesichert bezeichnet, sofern sie mindestens das 99 %Signifikanzniveau erreichen.

Abbildung 2: Temperaturanomalie
Abbildung 2: Temperaturanomalie

Abweichung der Jahresmittel der Temperatur für Deutschland und Global vom vielj?hrigen Mittel 1961–1990 (Daten: DWD, NOAA)

Quelle: Daten: DWD NOAA
 

Niederschlag

Im Gegensatz zur Temperatur weisen die ?nderungen des Niederschlags in Deutschland insbesondere jahreszeitlich, aber auch r?umlich deutliche Unterschiede auf. W?hrend die mittleren Regenmengen im Sommer weitestgehend unver?ndert geblieben sind, ist es insbesondere im Winter signifikant feuchter geworden. In den übergangsjahreszeiten sind die Niederschlagsmengen ebenfalls angestiegen, jedoch deutlich weniger stark und statistisch auch nicht nachweisbar. In der Summe ergibt sich daher im Fl?chenmittel von Deutschland seit 1881 ein Anstieg der mittleren j?hrlichen Niederschlagsmenge von 8,7 %. Dabei zeigen sich allerdings gro?e r?umliche Unterschiede. W?hrend es insbesondere in den nordwestlichen Bundesl?ndern mit bis zu 16 % in Schleswig-Holstein deutlich nasser geworden ist, nahmen die Niederschlagsmengen von Mecklenburg-Vorpommern bis Sachsen-Anhalt und Thüringen im Jahresmittel nur leicht zu (unter 10 %). In Sachsen ist es im selben Zeitraum sogar geringfügig trockener geworden. Ein grunds?tzlich ?hnliches r?umliches Bild ergibt sich auch für die übergangsjahreszeiten Frühling und Herbst.

Die st?rksten ?nderungen wurden bislang für den Winter beobachtet. Wie Abbildung 3 zeigt, hat das Fl?chenmittel der mittleren Niederschlagsmenge seit dem Winter 1881 / 1882 um 25 % zugenommen. Die r?umliche Verteilung der ?nderungen ?hnelt dabei der der Temperatur zu dieser Jahreszeit. Das hei?t, die geringsten Zunahmen mit Werten unter 25 % wurden bislang in den nord?stlichen Bundesl?ndern registriert. In den übrigen Bundesl?ndern sind die Regenmengen dagegen zumeist st?rker angestiegen als im Bundesdurchschnitt. Mit dieser r?umlich unterschiedlich stark ausgepr?gten Erw?rmung und Niederschlagszunahme haben sich die Unterschiede in der Kontinentalit?t der Regionen, also im Verh?ltnis des Einflusses von Land und Meer auf das ⁠Klima⁠ an einem bestimmten Ort, im Verlaufe des 20. Jahrhunderts tendenziell noch etwas verst?rkt. Für die Sommermonate l?sst sich bislang kaum eine ?nderung feststellen. Zwar hat die mittlere Niederschlagsmenge zu dieser Jahreszeit seit 1881 um 3,8 % abgenommen, jedoch l?sst sich aus diesem minimalen, im Bereich der natürlichen Variabilit?t liegenden Rückgang nicht einmal auf eine Tendenz schlie?en (siehe Abbildung 4).

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?nderungen der Extreme

Da Extreme definitionsgem?? sehr seltene Ereignisse sind, die stark von den üblichen Zust?nden abweichen, sind statistische Analysen weniger stark belastbar als Auswertungen von mittleren Zust?nden. Die Bestimmung von sogenannten Jahrhundertereignissen (das sind Extremereignisse, die statistisch einmal in 100 Jahren auftreten), muss zum Beispiel auf der Basis von Messreihen durchgeführt werden, die meistens nur wenig l?nger sind. Eine relativ einfache und sehr anschauliche M?glichkeit, ?nderungen von Extremereignissen zu bestimmen, bieten sogenannte klimatische Kenntage, bei denen es sich um Schwellenwertereignisse handelt. Es werden also Tage ausgewertet, an denen beispielsweise die H?chsttemperatur einen bestimmten Grenzwert überschreitet, wie zum Beispiel die Anzahl der Hei?en Tage mit einer H?chsttemperatur von mindestens 30 °C. Neben reinen Kenntagen k?nnen weitere Indizes genutzt werden, die unter anderem auch geeignet sind, l?nger andauernde Klimaextreme wie Hitze- oder Trockenperioden zu erfassen. Im Folgenden werden verschiedene Indizes für die Analyse der ?nderung von Extremereignissen der Temperatur und des Niederschlags vorgestellt und diskutiert.

Statistisch gesicherte Aussagen sind heute schon zu ?nderungen der H?ufigkeit von Grenzwertüberschreitungen bei der Temperatur m?glich: Die H?ufigkeit von Hei?en Tagen hat in ganz Deutschland zugenommen, w?hrend die Eistage (Tage mit einer H?chsttemperatur < 0 °C) im Laufe der letzten 60 Jahre immer seltener aufgetreten sind. Auch die H?ufigkeit von intensiven Hitzeperioden hat sowohl in der H?ufigkeit wie auch in der Intensit?t in ganz Deutschland seit 1951 zugenommen.

Schwieriger ist es, gesicherte Aussagen bei Trends von Starkniederschlagsereignissen zu treffen. Zum einen weisen solche Ereignisse eine sehr hohe Variabilit?t in Raum und Zeit auf. Zum anderen sind insbesondere in den Sommermonaten konvektive Ereignisse (Entstehung von Schauern und Gewittern) relevant, die auf einer Zeitskala von einer Stunde und weniger auftreten. Auch wenn inzwischen Tendenzen zu einer gr??eren H?ufigkeit von Starkniederschl?gen in den letzten 65 Jahren zu erkennen sind, ist es aufgrund der geringen Datenverfügbarkeit bisher noch nicht m?glich, statistisch gesicherte klimatologische Aussagen über ?nderungen von Starkniederschlagsereignissen zu treffen.

 

Temperatur

Zur Analyse der Temperaturextreme wurde neben der Anzahl der Hei?en Tage auch die Anzahl der Eistage betrachtet. Au?erdem wurde für acht deutsche St?dte die intensivste j?hrliche 14-t?gige Hitzeperiode mit einem mittleren Tagesmaximum der Lufttemperatur von mindestens 30 °C für den Zeitraum 1951–2018 ausgewertet.

Seit 1951 hat die Anzahl der Hei?en Tage im Fl?chenmittel von Deutschland von im Mittel etwa drei Tagen pro Jahr auf derzeit im Mittel etwa zehn Tage pro Jahr zugenommen (siehe Abbildung 5 links). Mehr als zehn ⁠Hei?e Tage⁠ gab es deutschlandweit vor 1994 noch nie, die Jahre mit den meisten Hei?en Tage waren 2018, 2003 und 2015. Dieser Anstieg ist trotz der gro?en Variabilit?t dieses Index von Jahr zu Jahr statistisch gesichert. Demgegenüber ist die Abnahme der mittleren Anzahl der Eistage von rund 27 Tagen pro Jahr auf derzeit etwa 18 Tage pro Jahr deutlich weniger markant und statistisch auch nicht nachweisbar (siehe Abbildung 5 rechts).

In Abbildung 6 wird für mehrere deutsche St?dte die intensivste j?hrliche 14-t?gige Hitzeperiode mit einem mittleren Tagesmaximum der Lufttemperatur von mindestens 30 °C für den Zeitraum 1950–2018 dargestellt. Für die untersuchten St?dte ist zu erkennen, dass die H?ufigkeit und Intensit?t der hier untersuchten intensiven Hitzeperioden von Norden nach Süden ansteigen. Allgemein liegen in den n?rdlicher gelegenen St?dten die h?chsten mittleren Tagesmaxima der Hitzeperioden unter 33 °C, dieser Wert wird in den südlichen Gro?st?dten des ?fteren überschritten. München hat weniger Ereignisse als für den Süden typisch, da die Station relativ hoch liegt (515 m). Darüber hinaus ist zu erkennen, dass solche extremen Hitzewellen seit den 1990er Jahren h?ufiger auftreten; in Hamburg fanden sich zum Beispiel im Zeitraum 1950–1993 nie solche Ereignisse, seit 1994 gab es inzwischen fünf extreme Hitzewellen.

Der zeitliche Verlauf der Fl?chenmittelwerte der Temperaturindizes spiegelt sich auch in deren r?umlichen Entwicklung erkennbar wider. Ebenso sind aber auch die gro?en r?umlichen Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen Deutschlands gut auszumachen. Im Zeitraum 1959–1968 lag die mittlere Anzahl der Hei?en Tage weitverbreitet zwischen null und vier Tagen pro Jahr. Nur entlang des Rheingrabens sowie in Nordostdeutschland südlich von Berlin traten vier bis acht, im südlichen Rheingraben teilweise auch bis zu zehn solcher Tage auf (siehe Abbildung 7). Bis zur Dekade 1999–2008 hat die Anzahl der Hei?en Tage dann auf im Mittel bis zu 18 Tage pro Jahr zugenommen. Lediglich im ?u?ersten Norden Schleswig-Holsteins traten auch in diesem Jahrzehnt weniger als zwei Hei?e Tage pro Jahr auf. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Hei?en Tage insbesondere im Osten Deutschlands und im Rhein-Main-Gebiet nochmals stark angestiegen, sodass im vielj?hrigen Mittel im Süden und Osten weitverbreitet mehr als zehn solcher Tage pro Jahr registriert wurden.

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Niederschlag

W?rmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen als k?ltere Luft. Deshalb sind bei weitgehend gleichbleibender relativer Luftfeuchte grunds?tzlich auch mehr Niederschl?ge zu erwarten. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass es, insbesondere auf der sogenannten konvektiven Skala, also bei der Entstehung von Schauern und Gewittern, infolge der ge?nderten meteorologischen Verh?ltnisse auch zu einer Intensivierung der ablaufenden wolken- und niederschlagsbildenden Prozesse kommt. Die unter derartigen Bedingungen fallenden Starkniederschl?ge würden dann im Vergleich zum erh?hten Wasserdampfgehalt der Luft sogar überproportional zunehmen. Von ⁠Starkregen⁠ spricht man bei gro?en Niederschlagsmengen pro Zeiteinheit. Er f?llt meist aus konvektiver Bew?lkung (zum Beispiel Cumulonimbuswolken). Starkregen kann zu schnell ansteigenden Wasserst?nden und überschwemmungen führen, h?ufig einhergehend mit Bodenerosion. Die vom ⁠DWD⁠ genutzten drei Warnstufen sind für verschiedene Andauern in Tabelle 1 aufgeführt.

Allerdings spielen bei der Niederschlagsbildung zahlreiche weitere Faktoren und Prozesse eine wesentliche Rolle, die regionale Unterschiede bewirken. Nicht überall werden die Niederschl?ge im gleichen Ma?e zunehmen, in manchen Gebieten k?nnte es durchaus auch trockener werden.

Aufgrund der Messgegebenheiten wird dabei h?ufig zwischen Tagesniederschlagssummen und kürzeren Zeitintervallen bis hinunter auf Dauerstufen von 5 Minuten unterschieden. Allerdings beschr?nken sich viele Untersuchungen infolge der Datenverfügbarkeit auf eine minimale zeitliche Aufl?sung von 60 Minuten. Die H?ufigkeit von Starkniederschl?gen der Dauerstufe 24 Stunden (siehe auch Tabelle 1) hat in Deutschland in den vergangenen 65 Jahren im Winter bereits um rund 25 % zugenommen. Für die Sommermonate ist dagegen bislang kein eindeutiger ⁠Trend⁠ auszumachen. Für die Intensit?t der Starkniederschl?ge auf dieser Zeitskala gilt grunds?tzlich ?hnliches.

Für die in Mitteleuropa vorwiegend im Sommerhalbjahr relevanten Starkniederschl?ge kurzer Dauerstufen gibt es dagegen insgesamt noch verh?ltnism??ig wenige Erkenntnisse. Es existieren zwar einige Anhaltspunkte für eine Zunahme der Intensit?t konvektiver Ereignisse mit steigender Temperatur. Auf dieser Zeitskala besteht aber noch Forschungsbedarf. Trendanalysen von Starkniederschl?gen sind prinzipiell dadurch erschwert, dass die h?ufig besonders intensiven kleinr?umigen Niederschl?ge nicht immer von den meteorologischen Stationen erfasst werden. Für die vergangenen rund 18 Jahre existieren zwar zus?tzlich auch fl?chendeckende Radardaten, für robuste Trendaussagen ist ein solcher Zeitraum aber noch zu kurz.

Radardaten haben aber erstmals erm?glicht, das tats?chliche Auftreten von Starkregen fl?chendeckend festzustellen und auszuz?hlen. So zeigt die Abbildung 8 erstmals, dass die Stunden mit Starkniederschl?gen besonders hoher Intensit?t von über 25 l/m2 in 1 Stunde respektive über 35 l/m2 in 6 Stunden in Deutschland (siehe Abbildung 8, Mitte) deutlich gleichm??iger verteilt sind als die Gesamtstunden mit moderatem Starkregen (siehe Abbildung 8, links), dessen r?umliche Verteilung stark an das Relief Deutschlands gebunden ist. Erstmals konnte damit gezeigt werden, dass extreme kleinr?umige Starkregen kurzer Andauer und mit hohem Schadenspotenzial in Deutschland jeden treffen k?nnen und somit kein Risiko sind, das nur den südlichen L?ndern vorbehalten ist. Die zeitliche Verl?ngerung dieser Art der Starkregenanalyse wird in Zukunft auch eine Trendanalyse für diese überschreitungsh?ufigkeiten erm?glichen.

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Trockenheit

Neben der Frage nach der Ver?nderung der Starkniederschl?ge ist es insbesondere im Sommer auch von gro?er Wichtigkeit, inwieweit die Erw?rmung mit einer zus?tzlichen Austrocknung der B?den einhergeht. Besonders betroffen von der Trockenheit ist die Landwirtschaft. Spricht man in der Landwirtschaft von Trockenheit oder ⁠Dürre⁠, so bezieht sich dies immer auf den Zustand der Pflanzen, die aufgrund fehlender Wasservorr?te im Boden ihre ⁠Photosynthese⁠-Aktivit?t stark einschr?nken müssen oder im Zweifelsfall ganz absterben k?nnen. Geringe Wasservorr?te im Boden k?nnen zum einen durch fehlende oder geringe Niederschl?ge, zum anderen durch hohe Verdunstungsraten der Pflanzen hervorgerufen werden, die bei trockener und warmer ⁠Witterung⁠ h?her sind als bei kalt feuchten Bedingungen.

Ein idealer Zeiger für den Wasserversorgungsgrad der Pflanzen ist die ⁠Bodenfeuchte⁠, die in Prozent nutzbarer Feldkapazit?t (% ⁠nFK⁠) ausgedrückt wird. Die nFK ist ein relatives Ma? für das Bodenwasser, das von der Pflanze genutzt werden kann. Wenn die Bodenfeuchte unterhalb von 30 % bis 40 % nFK sinkt, nimmt die Photosynthese-Leistung und somit das Wachstum der Pflanze stark ab. Umso l?nger die Pflanze in diesem Zustand bleibt, umso st?rker kann sie gesch?digt werden. Aus diesem Grunde wurde die Anzahl der Tage betrachtet, an denen die kritischen Bodenfeuchtewerte von 30 % nFK für die Kultur Winterweizen unterschritten wurde. Betrachtet wurde die Hauptwachstumszeit von Winterweizen, die in der Regel von M?rz bis Juli oder August andauert. Au?erdem hat auch die Art des Bodens einen gro?en Einfluss auf die Bodenfeuchte. Ein schwerer Boden (zum Beispiel sandiger Lehm) kann mehr Wasser für die Pflanzen zwischenspeichern als ein leichter Boden (zum Beispiel lehmiger Sand) und somit l?ngere Trockenperioden überbrücken.

Wie in Abbildung 9 zu sehen ist, hat die mittlere Anzahl der Tage mit Bodenfeuchtewerten unter 30 % nFK in Deutschland sowohl für den schweren Boden (links) als auch für den leichten Boden (rechts) seit 1961 signifikant zugenommen. Durch die geringere Wasserspeicherkapazit?t des leichten Bodens ist hier die Anzahl der Tage, in denen der kritische Schwellenwert unterschritten wird, insgesamt h?her als für den schweren Boden. Besonders betroffen von der zunehmenden Bodentrockenheit sind der Osten Deutschlands sowie das Rhein-Main Gebiet (siehe Abbildung 10).

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