RO-R-1: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft

Das Bild zeigt eine hügelige Landschaft mit Wiesen, Hecken, Baumgruppen und Waldfl?chen im herbstlichen Licht. zum Vergr??ern anklicken
Vorrang-/Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft leisten Beitrag zum gro?r?umigen Biotopverbund
Quelle: ExQuisine / stock.adobe.com

Monitoringbericht 2019 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

RO-R-1: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft

Im Jahr 2017 waren in Deutschland ca. 122.000 Quadratkilometer – etwa ein Drittel der Landfl?che der Bundesrepublik – als Vorrang- oder Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft ausgewiesen. Landes- und Regionalplanung unterstützen mit dieser Ma?nahme den ⁠Biotopverbund⁠ und helfen so Tier- und Pflanzenarten, ihr jeweiliges Verbreitungsgebiet an die sich ?ndernden klimatischen Bedingungen anzupassen.

Eine Linie stellt die Fl?che der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft als indexierte Werte dar.
RO-R-1: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft

Eine Linie stellt die Fl?che der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft als indexierte Werte dar. Das Jahr 2009 ist auf 100 gesetzt. Es gibt bis 2017 keinen Trend. Zus?tzlich sind in einer Stapels?ule die Fl?chen der Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft in Quadratkilometern in drei Kategorien abgebildet: Vorbehaltsgebiete Natur und Landschaft ohne überschneidung (mit signifikant fallendem Trend), Vorranggebiete Natur und Landschaft ohne überschneidung (mit signifikant steigendem Trend) sowie überschneidungen von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten (mit signifikant fallendem Trend). Fl?chenm??ig dominieren die Vorbehaltsgebiete deutlich.

Quelle: Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (ROPLAMO - Raumordnungsplan-Monitor)
 

Raum für Entwicklung sichern – Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft

Der ⁠Klimawandel⁠ wird die ?kologischen Bedingungen für Tier- und Pflanzenarten auf gro?er Fl?che ver?ndern. H?here Temperaturen und ein sich ?nderndes Niederschlagsgeschehen sowie Extremereignisse wirken sich auf verschiedene Bestandteile von ?kosystemen aus und beeinflussen z. B. den N?hrstoffhaushalt, die Lebensraumstrukturen oder das verfügbare Nahrungsangebot. Letztlich bedeutet das: Die Grenzen von Lebensr?umen von Tier- und Pflanzenarten verschieben sich.

Unter diesen Umst?nden ist für ⁠Fauna⁠ und ⁠Flora⁠, insbesondere für spezialisierte Arten mit spezifischen Standort- und Habitatansprüchen, ein funktionierender ⁠Biotopverbund⁠ überlebensnotwendig. In einem zusammenh?ngenden Netz ?kologisch bedeutsamer Freir?ume ist es den Arten m?glich, sich neue, klimatisch geeignetere Lebensr?ume mit einer ausreichenden Gr??e und Ausstattung zu erschlie?en. Nur so ist auch der für den Fortbestand der Arten notwendige Austausch zwischen verschiedenen Populationen und Vorkommen gew?hrleistet.

Mit der Ausweisung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten für Natur und Landschaft kann die ⁠Raumordnung⁠ einen Beitrag dazu leisten, ein ?kologisches Verbundsystem aufzubauen. Sie kann dadurch Fl?chen sichern bzw. mit Nutzungsbeschr?nkungen belegen, die für die Anpassung von Tier- und Pflanzenarten an die klimatisch bedingten Ver?nderungen von Bedeutung sind. Im Jahr 2017 war das auf etwas mehr als einem Drittel der Fl?che der Bundesrepublik Deutschland der Fall: Insgesamt ca. 122.000 Quadratkilometer waren in diesem Jahr als Vorrang- und bzw. oder Vorbehaltsgebiet ausgewiesen. Es ist zu berücksichtigen, dass in der Auswertung verschiedene, teils heterogene Ausweisungen in den L?ndern zusammengefasst sind, z. B. Raumordnungsgebiete für den Schutz der Natur, den Schutz der Landschaft und die landschaftsorientierte Erholung sowie Gebiete für den Aufbau eines ?kologischen Verbundsystems. Aus diesem Grund überlagern sich Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft stellenweise, z. B. wenn Fl?chen sowohl Vorranggebiet für den Arten- und Biotopschutz als auch Vorbehaltsgebiet für den besonderen Schutz des Landschaftsbilds sind. In der Zeitreihe werden diese Teilfl?chen nur einmal berücksichtigt.

Die ausgewiesenen Fl?chen nahmen von 2010 bis 2014 um ca. 6.000 Quadratkilometer ab, es wurden vor allem Ausweisungen von Vorbehaltsgebieten zurückgenommen und nur z. T. durch die Neuausweisung von Vorranggebieten kompensiert. Von 2014 bis 2017 nahm die ausgewiesene Fl?che aufgrund der Ausweisung von Vorranggebieten wieder um 3.200 Quadratkilometer zu.

Nahezu alle Planungsregionen machen von der M?glichkeit Gebrauch, Vorrang- oder Vorbehaltsgebiete für Natur und Landschaft auszuweisen. Die gro?fl?chige Nutzung der Ausweisungskategorien zeigt den Stellenwert, den die Planungsregionen dem Schutz von Natur- und Landschaft und damit auch der Schaffung und Erhaltung eines ?kologischen Verbundsystems einr?umen. Diese Zahlen genügen aber nicht, um beurteilen zu k?nnen, ob das ?kologische Verbundsystem seine Aufgaben erfüllt und die Landschaft für Tier- und Pflanzenarten tats?chlich durchl?ssig ist. Eine solche Bewertung müsste vor allem ins Kalkül ziehen, wie die ausgewiesenen Gebiete r?umlich verteilt und miteinander vernetzt sind und welche ?kologische Qualit?t sie aufweisen. Zudem sind die Vorrang- und Vorbehaltsgebiete nicht die einzigen Fl?chen, die den ?kologischen Verbund sicherstellen sollen. Die Entwicklung und Sicherung des Biotopverbunds ist zun?chst eine wesentliche Aufgabe des Naturschutzes, der u. a. mit diesem Zweck Schutzgebiete auf naturschutzrechtlicher Grundlage ausweist und deren Management plant und umsetzt. Diese Fl?chen sind auch Teil des Biotopverbunds, werden in dieser Auswertung aber nur berücksichtigt, sofern sie durch die Raumordnung gleichzeitig als Vorrang- oder Vorbehaltsgebiet ausgewiesen sind. Auch von Seiten der Raumordnung selbst sind nicht alle Instrumente berücksichtigt, die wie z. B. Regionale Grünzüge bzw. Grünz?suren einem ?kologischen Verbundsystem zugutekommen k?nnen. Da diesen Fl?chen aber auch Aufgaben wie die Erholungsnutzung zugewiesen sein k?nnen, die den Zielen des Biotopverbunds zuwiderlaufen, werden sie an dieser Stelle nicht berücksichtigt.

Neben den positiven Wirkungen bieten die ?kologischen Verbundsysteme grunds?tzlich auch Raum für weniger erfreuliche Entwicklungen. Beispielsweise wird damit gerechnet, dass sich in Folge der Klimaver?nderungen unerwünschte Arten oder vom Menschen eingebrachte Arten weiter ausbreiten. Hier wird es auf ein gutes Management der Verbundsysteme ankommen, um den Zielstellungen des Naturschutzes zuwiderlaufende Entwicklungen zu vermeiden oder deren Auswirkungen zu minimieren.

 

Schnittstellen

BD-R-2: Gebietsschutz

 

Ziele

Beitrag zur Anpassung der Arten an die klimabedingte Verschiebung von Lebensr?umen durch die planerische Unterstützung bei der Sicherung der Vorranggebiete des Naturschutzes und eines ?kologischen Verbundsystems (⁠DAS⁠, Kap. 3.2.14)

Sicherung eines funktional zusammenh?ngenden Netzes ?kologisch bedeutsamer Freir?ume, das Wanderungsbewegungen über L?ndergrenzen hinweg erm?glicht (Handlungskonzept ⁠Klimawandel⁠, ⁠MKRO⁠ 2013, Kap. 3.7)

Sicherung von Lebensraumkorridoren und Funktionsr?umen für den Austausch der Arten zwischen schutzwürdigen Lebensr?umen durch die Raum-, Regional- und ⁠Bauleitplanung⁠; nachrichtliche übernahme von weiteren Lebensraumkorridoren in Raumordnungspl?ne (Bundesprogramm Wiedervernetzung, Kap. C.3.1, C.3.2)