Asbesthaltige Abf?lle

Asbest ist die Bezeichnung für eine Gruppe natürlich vorkommender, feinfaseriger Minerale. Da Asbest au?erordentlich hitze- und weitgehend chemikalienbest?ndig ist, wurde er in der Vergangenheit in vielen Produkten eingesetzt. Am h?ufigsten wurden Wei?asbest (Chrysotil) und Blauasbest (Krokydolith) verwendet.

Früherer Anwendungsbereich

Asbest wurde in der Vergangenheit vor allem im Baubereich eingesetzt: in Rohren für den Hoch- und Tiefbau, ebenen oder gewellten gro?formatigen Platten, aber auch als kleinformatige Fassaden- und Dachplatten.

Auch in Gebrauchsartikeln wie Pflanzschalen, Blumenk?sten, Aschenbechern und weiteren Produkten wurde Asbest oder asbesthaltiges Material eingesetzt. So wurde es auch für Elektro-Heizger?te (Speicherheizger?te, Nachtspeicher?fen, Kachel?fen, Direktheizger?te, Heizstrahler) und Haushaltsger?te (Elektroherde, Back?fen, W?schetrockner, Kleinger?te wie Haartrockner, Toaster, Diaprojektoren, Bügeleisen) genutzt.

Entsorgung vor Ort

Asbesthaltige Gegenst?nde oder Kleinmengen asbesthaltiger Abf?lle aus Haushalten werden von den ?ffentlich-rechtlichen Entsorgungstr?gern mit der Schadstoffkleinmengensammlung angenommen. Dazu bestehen vor Ort vor allem folgende M?glichkeiten:

  • Annahme an Wertstoffh?fen,
  • an anderen Einrichtungen der ?ffentlich-rechtlichen Entsorgungstr?gern oder deren beauftragten Dritten,
  • an Deponien, oder
  • Annahme in L?gern von Asbestentsorgungsbetrieben.

Asbesthaltige Abf?lle sind in geeigneten, sicher verschlie?baren und gekennzeichneten Beh?ltnissen zu sammeln und zu bef?rdern. Sie sind getrennt zu halten, um zu verhindern, dass durch Vermischung mit anderen Materialien die Menge an asbesthaltigen Abf?llen vergr??ert wird oder der Asbestgehalt unerkannt bleibt. Die ?rtlich gültigen Vorschriften für die Entsorgung sind dabei zu beachten und einzuhalten.

Eigenschaften und Gesundheitsgefahren

Es sind haupts?chlich zwei Eigenschaften, die Asbest für eine Vielzahl technischer Anwendungen interessant machten und zu einer weiten Verbreitung asbestenthaltender Produkte führten:?seine thermische Best?ndigkeit und seine Faserstruktur. Hinzu kam, dass er leicht verfügbar und kostengünstig war. Er l?sst sich leicht verarbeiten und ist resistent gegen Chemikalien. Gerade die Faserstruktur jedoch macht Asbest bei der Gewinnung, Verwendung und Entsorgung gef?hrlich. Asbest spaltet bei mechanischer Beanspruchung in eine Vielzahl sehr feiner Fasern auf. Diese k?nnen?mit der Atemluft in den K?rper gelangen und lebensbedrohliche Erkrankungen (Asbestose, Lungenkrebs, Mesotheliome) ausl?sen. Die von Asbest ausgehenden Gesundheitsgefahren führten 1995 zu einem Verbot des Inverkehrbringens (Herstellung, Vermarktung und Verwendung) von Asbestprodukten in Deutschland. Die Europ?ische Union hat mit der Richtlinie 1999/77/EG einen vollst?ndigen Ausstieg aus der Asbestverwendung beschlossen.

Die Freisetzung und das Einatmen von Asbestfasern müssen deshalb so weit wie m?glich vermieden werden. Für die Entsorgung bedeutet das, entweder die Faserstruktur zu zerst?ren oder den asbesthaltigen Abfall permanent von der Umwelt fernzuhalten. üblicherweise werden asbesthaltige Abf?lle in Deutschland auf speziellen Deponien oder Deponieabschnitten dauerhaft abgelagert. Verfahren zur Zerst?rung der Asbestfasern bei gleichzeitigem Recycling der Zementmatrix haben sich bisher leider nicht gro?technisch durchsetzen k?nnen.

Einstufung und Entsorgung asbesthaltiger Abf?lle

Mit der Entscheidung 2001/573/EG sind Abf?lle asbesthaltiger Baustoffe als gef?hrlich eingestuft worden. Dies gilt auch für Abf?lle von Baustoffen, in denen Asbest fest in die Bindemittelmatrix eingebunden ist, wie zum Beispiel Asbestzement. Für diese Einstufung ist allein das Gefahrenpotenzial ma?gebend, nicht jedoch die H?he des tats?chlichen Risikos einer Faserfreisetzung. Das Gefahrenpotenzial wird durch die Eigenschaft H7 ?krebserzeugend“ (Anhang III der Richtlinie 2008/98/EG) ausgedrückt. Damit sind alle asbesthaltigen Abfallarten des Europ?ischen Abfallverzeichnisses gef?hrliche Abf?lle, für deren Verbringung und Entsorgung spezielle Bestimmungen gelten. In Deutschland ist die konkrete Entsorgung asbesthaltiger Abf?lle durch Vorschriften der Bundesl?nder geregelt, die sich in Details unterscheiden k?nnen. Die Bund-L?nder-Arbeitsgemeinschaft LAGA hat hierzu eine Vollzugshilfe (Mitteilung M23) herausgegeben, die immer wieder aktualisiert wird.

W?hrend einige asbesthaltige Bauprodukte (z.B. Spritzasbest zum Brandschutz bei Stahlskelettbauten, Brandschutzw?nde im Schiffbau, W?rmeschutzbekleidung, Dichtungen, Reibbel?ge, Filter) nur für spezielle Berufsgruppen von Bedeutung sind, gibt es andere Produkte, die nahezu fl?chendeckend eingesetzt wurden. Hierzu z?hlen vor allem elektrische Heizger?te wie Nachtspeicher?fen sowie Bauelemente aus Asbestzement für Rohre, D?cher und Fassaden.

Nachtspeicher?fen k?nnen Asbest in verschiedenen Teilen enthalten. Au?erdem k?nnen die Speichersteine mit Chrom(VI)-Verbindungen als einem weiteren Schadstoff belastet sein. Deshalb dürfen sie nur Fachfirmen zerlegen und entsorgen.

Bauelemente aus Asbestzement geh?ren zu den Produkten mit fester Faserbindung und wurden in Deutschland bis etwa 1990 hergestellt. Sie enthalten circa zehn bis 15 Prozent Asbestfasern. Diese verleihen der spr?den Zementmatrix eine begrenzte Biegefestigkeit und erm?glichen so die Herstellung gro?fl?chiger dünner Bauteile. Fasern k?nnen nur freigesetzt werden, wenn die Bindung zwischen ihnen und dem Zementstein durch mechanische oder chemisch-physikalische Einwirkungen aufgehoben wird. Beim Rückbau der Bauelemente und ihrer Entsorgung ist daher besonders darauf zu achten, dass sie nicht besch?digt werden. Auch die normale Verwitterung w?hrend des Gebrauchs kann zur Abl?sung von Fasern führen. Ob von verwitterten Bauteilen eine Gefahr ausgeht, muss im Einzelfall beurteilt werden.

Wegen der langen Lebensdauer von Geb?uden sind asbesthaltige Bauelemente zu einem gro?en Teil noch heute in Gebrauch und werden noch jahrelang als Abfall entsorgt werden müssen.

Bereits seit l?ngerer Zeit sind asbestfreie Bauprodukte auf dem Markt, die zur Verst?rkung der anorganischen Bindemittelmatrix Fasern aus organischen Polymeren (Faserzement) oder aus speziellen Gl?sern (Glasfaserbeton) enthalten. Diese Fasern sind zu gro?, um in die Lunge gelangen zu k?nnen. ?u?erlich sind die Bauteile nicht immer leicht als asbestfreies Material zu erkennen. Denn sie sind gewollt als ?Asbestersatz“ mit zum Asbestzement vergleichbaren Ma?en und Formen hergestellt worden. Auch der historische Name ?Eternit“ wird für einen Teil dieser Produkte weiter verwendet. Im Zweifelsfall kann nur eine genaue Recherche darüber entscheiden, ob das Material Asbest enth?lt oder nicht.