POP- und PCB-haltige Abf?lle

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Trafostation: Trafos enthielten PCB als Kühlmittel
Quelle: Cornelia Wohlrab / Fotolia.com

POPs (persistent organic pollutants) sind langlebige Schadstoffe, die sich in der Umwelt und in Mensch und Tier anreichern. Sie sind ein globales Problem. Polychlorierte Biphenyle (PCB) geh?ren ebenfalls zu den POPs. Sie werden allerdings in Deutschland seit langem nicht mehr genutzt und fallen nur noch in bestimmten Abf?llen an.

Inhaltsverzeichnis

 

POP-haltige Abf?lle

Wegen ihrer gef?hrlichen Eigenschaften gibt es zu persistenten organischen Schadstoffen (POPs) verschiedene internationaler Umwelt-Abkommen. Das Stockholmer übereinkommen ist ein globales Abkommen zur Beendigung oder Einschr?nkung der Produktion, Verwendung und Freisetzung von POPs. Es fordert entweder die konsequente Eliminierung eines Stoffes (Aufnahme in Anhang A) oder es schr?nkt seine Produktion und Verwendung ein (Aufnahme in Anhang B). Abf?lle, die POPs enthalten oder damit kontaminiert sind, müssen so entsorgt werden, ?dass die darin enthaltenen persistenten organischen Schadstoffe zerst?rt oder unumkehrbar umgewandelt werden, so dass sie nicht mehr die Eigenschaften persistenter organischer Schadstoffe aufweisen oder auf andere Weise umweltgerecht entsorgt werden, wenn ihre Zerst?rung oder unumkehrbare Umwandlung nicht die unter Umweltgesichtspunkten vorzuziehende M?glichkeit darstellt“.

Die neu gefasste europ?ische Verordnung (EU) 2019/1021 hat diese Grundforderung übernommen und die Formulierung ?auf andere Weise umweltgerecht entsorgt“ pr?zisiert.
Die besonderen Eigenschaften der POPs erfordern spezielle Entsorgungsmethoden, die die oben genannten Forderungen erfüllen. Diese Entsorgungsmethoden werden n?her beschrieben in allgemeinen (POPs) und speziellen (z.B. ⁠PCB⁠) technischen Richtlinien die im Rahmen des Basler übereinkommens erarbeitet wurden. In Deutschland wird haupts?chlich die Hochtemperaturverbrennung und die dauerhafte Ablagerung in Untertagedeponien angewendet.

POP⁠-Abfall-überwachungsverordnung
Seit 2017 die ?Verordnung über die überwachung von nicht gef?hrlichen Abf?llen mit persistenten organischen Schadstoffen und zur ?nderung der Abfallverzeichnis-Verordnung“ in Kraft getreten ist, müssen Abf?lle, welche einen in der EU POP-Verordnung Anhang IV enthaltenen Stoff enthalten oder durch diesen verunreinigt sind und den dort angegebenen Grenzwert erreichen oder überschreiten sowie unter der Abfallverzeichnis-Verordnung als nicht gef?hrlicher Abfall gelten, getrennt von anderen Abf?llen gesammelt und bef?rdert werden. Eine Vermischung ist nur zul?ssig, sofern sichergestellt wird, dass das gesamte entstehende Gemisch laut Kreislaufwirtschaftsgesetzt ordnungsgem?? und schadlos verwertet oder beseitigt wird. POP-haltige Abf?lle die unzul?ssig vermischt worden sind, sind zu trennen und einer schadlosen Verwertung oder Beseitigung zuzuführen, wenn die Trennung technisch m?glich und wirtschaftlich zumutbar ist (Bundesrat 2017).

 

PCB-haltige Ger?te in Deutschland

PCB⁠ wurde ab 1929 erstmals im industriellen Ma?stab hergestellt. Aufgrund der chemischen und physikalischen Eigenschaften wurde es bald als Kühl- und Isoliermittel in der Elektroindustrie, als Hydraulikflüssigkeit in der Maschinenindustrie und als W?rmeübertragungsflüssigkeit in vielen Industriezweigen eingesetzt (sogenannte geschlossene Anwendung). Zugleich diente es auch als Weichmacher und Brandverz?gerer für Lacke, Farben, Klebstoffe, Dichtungsmassen, Kunststoffe und Verpackungsmittel (sog. offene Anwendung).


So haben es polychlorierte Biphenyle zu einer technologisch au?ergew?hnlich erfolgreichen Anwendung und damit auch Verbreitung gebracht. Ihre toxischen Wirkungen, die Anreicherung in der Nahrungskette und ihr Potenzial, sich über weite Entfernungen zu verbreiten, wurden sp?t erkannt. So konnten sie sich breit in der Umwelt verteilen. Dies geschah insbesondere über eine offene Anwendung und unsachgem??e Abfallentsorgung. Erst sp?ter wurden in den Industriestaaten Regelungen zur überwachung und noch sp?ter zur Verwendungsbeschr?nkung und Beseitigung geschaffen – in der Bundesrepublik Deutschland durch die PCB-, PCT-, VC-Verbotsverordnung von 1989.


PCB aus elektrotechnischen Anwendungen ist in Deutschland bereits nahezu vollst?ndig entsorgt worden.?Dagegen fallen PCB-haltige Dichtungsmassen und Anstriche weiterhin an, wenn Bauwerke rückgebaut oder abgerissen werden. Sie zu erkennen und zu entsorgen, ist zum Beispiel Gegenstand von technischen Leitlinien der Bundesl?nder. In letzter Zeit wurde eine Reihe weiterer Stoffe durch das Stockholmer übereinkommen als POPs eingestuft. Hierzu z?hlen einige in Kunststoffgegenst?nden in gro?er Menge verwendete bromhaltige Flammschutzmittel wie die Tetra-, Penta-, Hexa-, Hepta- und Decabromdiphenylether sowie Hexabromcyclododecan. Einzelheiten der Entsorgung von Abf?llen, die diese Stoffe enthalten, werden und wurden in verschiedenen Projekten des Umweltbundesamtes erforscht.

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Rechtliche Vorgaben

Die EG-Richtlinie 96/59/EG 16. September 1996 über die Beseitigung polychlorierter Biphenyle und polychlorierter Terphenyle (⁠PCB⁠/PCT) schreibt eine Bestandsaufnahme PCB-haltiger Ger?te vor, die mehr als 5 dm3 PCB (5 Liter) enthalten. PCB im Sinne der Richtlinie sind au?erdem polychlorierte Diphenylmethane (PCDM) sowie jedes Gemisch mit einem Summengehalt gr??er als 0,005 Gewichts-Prozent (entspricht > 50 mg/kg) der genannten Stoffe. PCB-haltige Ger?te sind alle Einrichtungen, die PCB enthalten oder enthalten haben (z. B. Transformatoren, Kondensatoren, Beh?lter mit Restbest?nden) und die trotz Dekontaminierung den festgelegten Grenzwert überschreiten. Der Weiterbetrieb solcher Ger?te war mit Ausnahmegenehmigung durch die Bundesl?nder bis l?ngstens 2010 zul?ssig. In Deutschland wurde die Richtlinie durch die PCB/PCT-Abfallverordnung vom 26. Juni 2000 umgesetzt.


Nach der EU Verordnung (EU) Nr. 2019/1021 über persistente organische Schadstoffe vom 20. Juni 2019 über persistente organische Schadstoffe (sogenannte EU ⁠POP⁠-Verordnung) z?hlen PCBs zu den Stoffen, deren Herstellung, Inverkehrbringen und Verwendung auch als Bestandteil von Artikeln verboten sind.


Die POP-Verordnung schreibt die Entsorgungsverfahren für PCB-haltige Abf?lle vor. Im Gegensatz zu anderen Abf?llen, die POPs enthalten, dürfen PCB-haltige Abf?lle nicht als Brennstoff oder anderweitig zur Energieerzeugung verwendet werden (Verwertungsverfahren R1). Die Rückgewinnung von Metallen aus solchen Abf?llen (Verwertungsverfahren R4) ist unter festgelegten Bedingungen m?glich. Zugelassen sind die Beseitigungsverfahren D9 (chemisch-physikalische Behandlung) und D10 (Verbrennung an Land), wenn dabei der PCB-Anteil ?zerst?rt oder unumkehrbar umgewandelt“ wird. Eine Vorbehandlung zur vorherigen Abtrennung und separaten Entsorgung des PCB-Anteils ist zugelassen. Anhang V der POP-Verordnung enth?lt eine Liste von Abfallarten, die (in Deutschland nur untert?gig) dauerhaft abgelagert werden dürfen, um sie der Biosph?re permanent zu entziehen. Die in Deutschland lange praktizierte dauerhafte Ablagerung PCB-enthaltender Ger?te (wie Transformatoren und Kondensatoren) in Untertagedeponien ist jedoch nicht mehr zul?ssig ist. Diese müssen dekontaminiert (Transformatoren, gro?e Kondensatoren) oder verbrannt (Kleinkondensatoren) werden.


In Deutschland kommen derzeit vor allem folgende Verfahren zur Entsorgung PCB-haltiger Abf?lle in Betracht.

Untert?gige Ablagerung (Untertagedeponie)

In drei Bundesl?ndern (Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen-Anhalt) werden Untertagedeponien im Salzgestein betrieben, die auch zur Beseitigung PCB-haltiger Abf?lle zugelassen sind. Für diese Deponien gelten die in Anhang V der POP-Verordnung genannten oberen Konzentrationsgrenzen nicht. In die Untertagedeponien wurden früher auch kontaminierte Elektroger?te verbracht. Die permanente Ablagerung PCB enthaltender Ger?te ist seit 2004 nicht mehr zul?ssig. Ein Teil der untert?gig abgelagerten Transformatoren wurde in den Jahren 2004 bis 2010 wieder ausgelagert und dekontaminiert.

Obert?gige Ablagerung

Die Ablagerung PCB-haltiger Abf?lle oberhalb der in Anhang IV der POP-Verordnung genannten Grenzkonzentration ist auf oberirdischen Deponien (Deponieklasse 0, I, II und III) nicht zul?ssig (Deponieverordnung §7).

Thermische Behandlung (Sonderabfallverbrennungsanlagen)

Die Gesamtverbrennungskapazit?t der Sonderabfallbrennungsanlagen in Deutschland betr?gt circa eine Million Tonnen pro Jahr. Diese Behandlungskapazit?t kann allerdings nur anteilig zur Behandlung PCB-haltiger Abf?lle genutzt werden. Denn es darf jeweils nur ein Teil der Anlagenkapazit?t für die PCB-haltigen Abf?lle in Ansatz gebracht werden. Dies ist abh?ngig vom PCB-Gehalt des Abfalls und der Art des Abfalls (fest, flüssig, past?s oder in Gebinden) sowie von der Auslegung der Anlage einschlie?lich der Abgasreinigung. Problemlos k?nnen in diesen Anlagen in der Regel jedoch bis zu drei Prozent stark kontaminierter Abf?lle verbrannt werden. Lediglich geringfügig PCB-kontaminierte Abf?lle (bis zu einem Gehalt von etwa 50 ⁠ppm⁠) k?nnen auch in anderen zugelassenen Abfallverbrennungsanlagen (z. B. Siedlungsabfallverbrennungsanlagen) verbrannt werden.

Zerlegung und Dekontaminierung (Vorbehandlung)

Bei der Zerlegung werden die einzelnen Materialien (Stahl, Bleche, Kupfer) nach Entfernung des PCB-haltigen ?ls in den Stoffkreislauf zurückgeführt. Die PCB enthaltenden Teile werden der Hochtemperaturverbrennung zugeführt.