Thermische Behandlung

Abfallverbrennungsanlagezum Vergr??ern anklicken
Abfallverbrennungsanlagen erzeugen bei der thermischen Behandlung Strom und W?rme
Quelle: Bernd Engelmann / Umweltbundesamt

Die thermische Abfallbehandlung ist in Deutschland eine der tragenden S?ulen der Abfallentsorgung. Je nach Art der Abf?lle stehen geeignete Anlagen zur thermischen Behandlung zur Verfügung. In fast allen Anlagen wird auch die beim Verbrennen freigesetzte Energie genutzt. Sie wird als elektrische Energie, W?rme und/oder Prozessdampf abgegeben.

Inhaltsverzeichnis

 

Thermische Abfallbehandlung

Alle in Deutschland betriebenen Anlagen zur thermischen Abfallbehandlung entsprechen den Anforderungen der europ?ischen Richtlinie über Industrieemissionen (2010/75/EG). Der Stand der Technik auf europ?ischer Ebene ist in dem Merkblatt über die beste verfügbare Technik der Abfallverbrennung formuliert (BVT-Merkblatt). Dieses Merkblatt dient der Umsetzung der Vorgaben zur integrierten Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung der Richtlinie.

Die europ?ischen Vorgaben an die Abfallverbrennung sind in Deutschland durch?die 17. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über die Verbrennung und die Mitverbrennung von Abf?llen – 17. ⁠BImSchV⁠) umgesetzt. Den Anforderungen der 17. BImSchV unterliegen alle Abfallverbrennungsanlagen und Anlagen, die Abf?lle mitverbrennen.

 

Thermische Behandlung von Siedlungsabf?llen

Die Verbrennung von Hausmüll und anderen Siedlungsabf?llen hat in Deutschland eine lange Tradition. Hierfür sind derzeit 68 Siedlungsabfallverbrennungsanlagen (MVA) mit einer Jahreskapazit?t von circa 19,6 Millionen Tonnen vorhanden.?Unten auf dieser Seite?finden Sie eine Liste mit den Adressen und Kapazit?ten der thermischen Behandlungsanlagen, die überwiegend Siedlungsabf?lle verbrennen.

Alle bestehenden Müllverbrennungsanlagen nutzen die entstehende Energie als Strom, Prozessdampf und/oder Fernw?rme. Der energetische Gesamt-Nutzungsgrad liegt im Durchschnitt bei circa 50 Prozent. Bei einer besseren Anbindung der Anlagenstandorte k?nnten die bestehenden Anlagen deutlich mehr Energie in Form von Dampf, zum Beispiel als Fernw?rme abgeben.

Der Betrieb der meisten Anlagen mit nasser Abgasreinigung erfolgt abwasserfrei. In der Regel werden die anfallenden Rostaschen im Stra?en- und Wegebau verwendet. Darüber hinaus werden Eisen und Nicht-Eisen-Metalle aus der Schlacke zurückgewonnen und stofflich verwertet.

Die Website der Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland e.V. bietet eine übersicht der Anlagenstandorte. Ferner finden Sie dort interaktive Karten und eine Zusammenfassung der Rechtsgrundlagen.

Liste mit den Adressen und Kapazit?ten der thermischen Behandlungsanlagen, die überwiegend Siedlungsabf?lle verbrennen
Thermischen Behandlungsanlagen, die überwiegend Siedlungsabf?lle verbrennen

Liste mit den Adressen und Kapazit?ten der thermischen Behandlungsanlagen, die überwiegend Siedlungsabf?lle verbrennen

Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Thermische Behandlung von Ersatzbrennstoffen

Neben der Mitverbrennung in bestehenden Industriefeuerungsanlagen sind in Deutschland mittlerweile etwa 30 sogenannte Ersatzbrennstoff-Kraftwerke in Betrieb. Ihre Jahreskapazit?t betr?gt insgesamt circa 4,7 Millionen Tonnen. Diese Anlagen sind speziell auf die Nutzung von Ersatzbrennstoffen, also auf den Einsatz von mittel- beziehungsweise hochkalorischen aufbereiteten Abfallstoffen, ausgelegt.

Die Ersatzbrennstoff-Kraftwerke befinden sich mit anderen Industrieanlagen am selben Standort und sind mit ihnen gekoppelt. Sie beliefern diese Industrieanlagen mit ⁠Prozessw?rme⁠ oder elektrischer Energie und ersetzen dadurch die sonst notwendige Erzeugung von W?rme und Strom aus Regelbrennstoffen (z.B. Kohle, ?l und Gas).

Liste der Anlagen zur thermischen Entsorgung samt Kapazit?ten und Standort
Thermische Behandlung von Ersatzbrennstoffen
Quelle: Umweltbundesamt PDF-Dokument (Download)
 

Entsorgung von Krankenhausabf?llen

Eine relativ geringe Menge des gesamten Abfalls von Krankenh?usern muss speziell behandelt werden. Maximal fünf Prozent (etwa 5.000 Mg/a) des Gesamtabfallaufkommens aus Krankenh?usern und sonstigen Gesundheitseinrichtungen bestehen aus infekti?sen Abf?llen, die auf Grund ihres Infektionsrisikos als gef?hrliche Abf?lle nach der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) gelten.

Die infekti?sen Abf?lle werden gem?? der Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abf?llen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes (LAGA M18) getrennt erfasst und mit einem thermischen Verfahren nach Vorgaben des Robert Koch-Institutes behandelt. Dies kann neben der Sterilisation beziehungsweise Desinfektion mittels Wasserdampf auch durch Verbrennung der Abf?lle erfolgen.

Die weitaus gr??ere Abfallmenge kann, mit entsprechender Sorgfalt bei Sammlung, Lagerung und Transport in den thermischen Abfallbehandlungsanlagen zusammen mit Siedlungsabf?llen entsorgt beziehungsweise verwertet werden.
In Deutschland befindet sich eine spezielle Krankenhausabfall-Verbrennungsanlage als Einzelanlage in Kiel/Wellsee. Zwei weitere Siedlungsabfallverbrennungsanlagen (Augsburg und Bielefeld) verbrennen infekti?se Abf?lle in separaten Verbrennungsaggregaten. Das dabei entstehende Abgas wird der Abgasreinigungsanlage der benachbarten Siedlungsabfallverbrennungsanlage zugeführt, um die Emissionen zu mindern.

Ein Teil der infekti?sen Abf?lle geht zur thermischen Beseitigung in speziell zur Entsorgung von gef?hrlichen Abf?llen errichtete Abfallverbrennungsanlagen (sogenannte Sonderabfallverbrennungsanlagen). Auf dem Weg dorthin wird er in dafür zugelassenen, verschlossenen Transportbeh?ltern (⁠UN⁠-Klasse 6.2) transportiert.

Die LAGA-Mitteilung 18 ?Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abf?llen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes“ ist auf der Website der L?nderarbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) verfügbar.

 

Thermische Behandlung von gef?hrlichen Abf?llen

In Deutschland gibt es etwa 30 Sonderabfallverbrennungsanlagen. Die meisten Anlagen befinden sich an Standorten der chemischen Industrie und entsorgen haupts?chlich die Abf?lle der benachbarten Industrieanlagen. Mittlerweile sind sie jedoch h?ufig aus dem Chemiebetrieb ausgegliedert und betreiben ihre eigene Abfallakquisition.

Die j?hrlich nutzbare Verbrennungskapazit?t der Sonderabfallverbrennungsanlagen liegt bei circa 1,5 Millionen Tonnen. Tats?chlich werden aber deutlich weniger Sonderabf?lle verbrannt, wobei der Auslastungsgrad einzelner Anlagen sehr unterschiedlich sein kann. Hier finden Sie eine Auflistung der ?ffentlich zug?nglichen Sonderabfallverbrennungsanlagen sowie eine Liste der Anlagenkapazit?ten.

Liste mit den Adressen und Kapazit?ten der Sonderabfallverbrennungsanlagen
Thermische Behandlungsanlagen für gef?hrliche Abf?lle (Sonderabfallverbrennungsanlagen)
Quelle: Umweltbundesamt Tabelle als PDF
 

Thermische Behandlung von Kl?rschlamm

Laut Statistischem Bundesamt fallen in Deutschland etwa zwei Millionen Tonnen Kl?rschlammtrockensubstanz aus kommunalen Kl?ranlagen an. 2004 wurden noch circa 3,5 Prozent dieser Menge deponiert. Seit dem 1. Juni 2005 ist dieser Entsorgungsweg nicht mehr zul?ssig. Die Zeitreihe zur Verteilung auf die verschiedenen Entsorgungspfade ist der Abbildung ?Kl?rschlammentsorgung“ zu entnehmen.

Weiterhin wurden 2004 noch etwa 52 Prozent des Kl?rschlamms?zur Düngung in der Landwirtschaft verwertet. Dieser Anteil ist in den letzten Jahren aber stark zurückgegangen. Die stetig steigenden Qualit?tsanforderungen an stofflich zu verwertenden Kl?rschl?mmen hinsichtlich der Schadstoffgehalte hatten einen starken Rückgang dieses Anteils zur Folge. Im Jahr 2007 lag der Anteil des Kl?rschlamms, der in der Landwirtschaft, der landbaulichen Verwertung oder zur Kompostierung eingesetzt wurde, bei 50,4 Prozent. Bis 2010 hat sich dieser Anteil auf 46,8 Prozent verringert.

Der Anteil der thermisch entsorgten oder in der Mitverbrennung verwerteten Kl?rschl?mme stieg von 2004 mit 31,5 Prozent auf 54,7 Prozent im Jahre 2011 an. In den letzten drei Jahren hat sich die Verbrennung in dafür geeigneten Verbrennungs- und Mitverbrennungsanlagen zum wesentlichen Standbein der Kl?rschlammentsorgung entwickelt. Die Situation der thermischen Kl?rschlammentsorgung in Deutschland gibt die im Jahr 2012 neu herausgegebene ?Kl?rschlammbroschüre“ wieder.

Grafik: Der Vergleich der Jahre 1991-2011 zeigt, dass Kl?rschlamm früher eher dponiert wurde, w?hrend er heute zu 54,7 Prozent verbrannt wird. Etwa ein Drittel wurde und wird von der Landwirtschaft genutzt.
Kl?rschlammentsorgung
Quelle: Umweltbundesamt
 

Mitverbrennung von Abf?llen

So wie die Abfallmonoverbrennung ist die Mitverbrennung von Abf?llen in Deutschland in der 17. ⁠BImSchV⁠ geregelt. Sie erfolgt in Kohlekraftwerken, Zementwerken und anderen Industriefeuerungsanlagen. In der Regel müssen die Abf?lle vorher zu einem Ersatzbrennstoff aufgearbeitet werden. Ersatzbrennstoffe sind Einsatzstoffe aus allgemein gesammelten Abfallfraktionen, die in vorgeschalteten Aufbereitungsanlagen, zum Beispiel durch die mechanisch-biologische Abfallbehandlung konfektioniert werden. Dabei werden die Abfallfraktionen entsprechend den verfahrensbedingten Anforderungen der mitverbrennennden Anlagen sortiert bzw. entmischt.