Rebound-Effekte

Effizienzsteigerungen senken oft die Kosten für Produkte oder Dienstleistungen. Dies kann dazu führen, dass sich das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer ?ndert: Sie verbrauchen mehr - die ursprünglichen Einsparungen werden teilweise wieder aufgehoben. Dieser Effekt wird Rebound genannt.

Was ist der Rebound-Effekt?

Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen erfordert einen effizienten Einsatz von Energie, Rohstoffen und Wasser. Durch die Steigerung der Effizienz k?nnen Produkte oder Dienstleistungen mit weniger Ressourcenverbrauch geschaffen werden. Oft sind damit auch Kosteneinsparungen verbunden. Diese haben wiederum Rückwirkungen auf das Kaufverhalten und den Gebrauch der Produkte.

Ein einfaches Beispiel: Wenn Pkw durch Effizienzsteigerungen günstiger werden, dann f?llt beim n?chsten Kauf die Entscheidung eventuell zugunsten des gr??eren Modells aus. Ein sparsamer Pkw verursacht geringere Treibstoffkosten pro gefahrenem Kilometer. Das wirkt sich zumeist auf das Fahrverhalten aus: Wege werden h?ufiger mit dem Pkw zurückgelegt, l?ngere Strecken gefahren und ?ffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad dafür weniger genutzt. So kommt es, dass die technisch m?glichen Effizienzgewinne in der Praxis h?ufig nicht erreicht werden, weil das Produkt h?ufiger oder intensiver genutzt wird.

Neben der unmittelbaren Ver?nderung bei der Nutzung des betreffenden Produkts (direkter Rebound) sind weitere umweltrelevante ?nderungen des Nachfrageverhaltens m?glich. In dem Beispiel bedeutet das, dass das beim Pkw eingesparte Geld zum Beispiel für Flugreisen ausgegeben werden k?nnte (indirekter Rebound) und auf diese Weise ein Teil der Energieeinsparung kompensiert wird.

Wie gro? ist der Rebound-Effekt?

Die Ergebnisse der empirischen Sch?tzungen von Rebound-Effekten h?ngen von den verwendeten Methoden und den einbezogenen Effekten ab. Besonders schwierig ist es, Rebound-Effekte von Wachstums- oder Strukturwandeleffekten klar abzugrenzen. Daher sind die Bandbreiten der Sch?tzungen in den unterschiedlichen Studien sehr gro?. Auch die Art der genutzten Produkte oder Dienstleistungen ist von Bedeutung. So unterliegen T?tigkeiten, bei denen die Zeit ein limitierender Faktor ist (z.B. t?gliches Pendeln) einem geringeren Rebound hinsichtlich der Kosten als T?tigkeiten, bei denen Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielt (z.B. Urlaubsflüge). Eine gro?e Bedeutung hat auch die S?ttigung mit Gütern und Dienstleistungen. So zeigen die Beobachtungen, dass in L?ndern mit hohem Einkommen Rebound-Effekte wesentlich geringer sind als in Entwicklungsl?ndern, wo noch erheblicher Nachholbedarf beim Konsum besteht.

Die direkten Rebound-Effekte für Raumw?rmenutzung k?nnen zehn bis 30 Prozent erreichen. Bei Verkehr deuten die Studien darauf hin, dass Rebound-Effekte durch Energieeffizienz etwas geringer sind (bis ca. 20 Prozent). Die Zeit ist oft ein st?rker limitierender Faktor als die Kosten. Bei Beleuchtung ist inzwischen ein gewisser S?ttigungseffekt eingetreten. Der direkte Rebound-Effekt kann bis zu 20 Prozent betragen. Das hei?t, die tats?chlichen Energieeinsparungen für die genannten Dienstleistungen k?nnen bis zu einem Viertel kleiner als die technisch m?glichen und prognostizierten sein. Die genaue Umfang des Rebounds h?ngt jedoch von konkreten Randbedingungen ab und l?sst sich durch die Wahl geeigneter Instrumente reduzieren (siehe unten).

Werden indirekte Rebound-Effekte in die Betrachtung einbezogen, wird m?glicherweise ein noch gr??erer Teil der Effizienzgewinne kompensiert. In Einzelf?llen ist es denkbar, dass die Einspareffekte überkompensiert werden (sogenanntes Backfire). Dieser Fall ist aber die Ausnahme und ein solches Backfire ist mit Wachstums- und Strukturwandeleffekten verbunden, kann also nicht mehr als reiner Rebound-Effekt betrachtet werden.

Was bedeutet der Rebound-Effekt für die Umweltpolitik?

Effizienzsteigerungen sind eine wichtige Strategie zur Reduzierung des Ressourcenverbrauchs. So ist zum Beispiel die Steigerung der Energieeffizienz neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien die zentrale S?ule der Energiewende. Dabei muss die Umweltpolitik berücksichtigen, dass Rebound-Effekte den Rückgang des Ressourcenverbrauchs schm?lern. Tut sie dies nicht, f?llt der angestrebte Rückgang des Ressourcenverbrauchs geringer aus als angestrebt, die Umwelt- und Ressourcenziele werden verfehlt.

Die Instrumente der Ressourcenpolitik sollten daher gezielt den Rebound-Effekt adressieren. Dies kann zum Beispiel dadurch geschehen, dass ordnungsrechtliche Vorgaben für die Energieeffizienz von Produkten von vornherein so anspruchsvoll festgelegt werden, dass trotz Rebound-Effekt die angestrebte Verringerung des Energieverbrauchs eintritt. Die Entstehung von Rebound-Effekten l?sst sich au?erdem vermeiden, wenn Kostensenkungen durch Effizienzgewinne über Umweltabgaben neutralisiert werden. Eine weitere M?glichkeit besteht in der Festlegung absoluter Obergrenzen, etwa durch Quoten beim Fischfang. Auch nicht direkt am Verbrauch, sondern an den Emissionen ansetzende Obergrenzen kommen in Frage, um den Rebound-Effekt abzumildern, wie der EU-Emissionshandel zeigt.
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?Rebound-Effekt“: Wenn Energiesparen den Verbrauch erh?ht

Haushaltsger?te verbrauchen heute zwar weniger Strom als noch vor drei?ig Jahren. Dafür besitzen wir aber auch mehr Elektroger?te als früher. Sind Ger?te effizienter, tendieren wir au?erdem dazu, sie h?ufiger oder l?nger zu benutzen. Dieses Ph?nomen nennt sich ?Rebound-Effekt“. Wie gro? dieser Effekt ist und was sich dagegen tun l?sst, erkl?rt Reinhard Madlener. Er ist Professor für Energie?konomik an der Rheinisch-Westf?lischen Technischen Hochschule Aachen.

Quelle:
Green Radio