Bodenfunktionen

Ein Maulwurf kommt an die Oberfl?che.zum Vergr??ern anklicken
Ein Maulwurf schaut aus dem Boden.

Für einen Maulwurf ist der Boden das zu Hause. B?den haben noch mehr im Angebot.

Quelle: santia3 Fotolia.com

Der Boden erfüllt zahlreiche Funktionen. Diese Dienstleistungen sind frei Haus, sehr leistungsstark und machen den eigentlichen Wert des Bodens aus. Neben den Pflanzen und Tieren profitiert in erster Linie der Mensch davon. Sauberes Wasser und gesunde Lebensmittel sind nur mit gut funktionierenden B?den zu haben. B?den sind zwar wahre Multitalente, wollen aber gepflegt sein.

Inhaltsverzeichnis

 

B?den sichern unsere Ern?hrung

Unser t?glich Brot und ein reichhaltiges Angebot an gesunden Lebensmitteln sind für mitteleurop?ische Verbraucher selbstverst?ndlich. Garant dafür sind intakte B?den. Etwa die H?lfte der Fl?che Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Sei es für den Anbau von Pflanzen und den direkten Verzehr oder für die Tiermast. Im Schnitt werden in Deutschland je nach ⁠Witterung⁠ mehr als 40 Millionen Tonnen Getreide oder zehn Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. In jüngster Zeit werden auf immer mehr Ackerfl?chen Energiepflanzen angebaut, die national und international in Konkurrenz zum Anbau von Lebensmitteln treten.

Ackerbaulich genutzte B?den existieren vor allem dort, wo die B?den von Natur aus sehr ertragreich sind. Die weniger guten B?den befinden sich unter Wald oder sind Wiesen und Weiden. In der N?he guter B?den und bevorzugter Landwirtschaftsfl?chen haben sich in historischer Zeit Siedlungen und St?dte entwickelt. Diese Aufteilung der Landschaft ist bis heute noch gut zu erkennen. Dennoch haben sich im Zuge der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ver?nderungen die Nutzung sowie die Wertsch?tzung des Bodens gewandelt. Bebaute Fl?chen und sich vergr??ernde St?dte und Gemeinden nehmen in den meisten Regionen zu. Wertvolle und ertragreiche B?den werden zu Gunsten anderer Nutzungen aufgegeben.

Die zentralen Bodeneigenschaften Humusgehalt, ⁠Korngr??e⁠ und die Bodenstruktur pr?gen neben dem herrschenden ⁠Klima⁠ die Bodenfruchtbarkeit. Im Zusammenspiel mit der Bewirtschaftung und Bestellweise resultieren daraus gute oder weniger gute Wachstumsbedingungen auf einem Boden. In der modernen Landwirtschaft werden diese Wachstumsbedingungen künstlich beeinflusst und so Ertr?ge gesteigert. Dies ver?ndert aber die natürlichen Bodeneigenschaften nicht immer positiv. B?den k?nnen aus verschiedenen Gründen langfristig ihre natürliche Ertragsf?higkeit verlieren: wegen der gezielten Zufuhr von N?hrstoffen in Form von mineralischen Düngemitteln, der maschinellen Bodenbearbeitung, dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und mancherorts, weil die dreigliedrige Fruchtfolge aufgegeben wurde. Im Gesetz zum Schutz der B?den ist deswegen die Vorsorge der oberste Grundsatz.

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B?den sind vielf?ltige Lebensr?ume

Boden ist Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die im Boden lebenden pflanzlichen Vertreter bestehen aus Pilzen, Algen und Flechten. Sie leisten den Hauptteil bei allen Zersetzungsvorg?ngen. Bei der Zersetzung der toten organischen Bestandteile wie Laub und Ernteresten werden N?hrstoffe für die Pflanzenwurzeln verfügbar gemacht. Die Zahl der Lebewesen in einer Handvoll Boden übertrifft die der Weltbev?lkerung.

Die Bodentiere bestehen je nach ihrer Gr??e beispielsweise aus sehr kleinen Fadenwürmern, mittelgro?en Milben, Regenwürmern bis hin zu Wühlm?usen und Maulwürfen. Die Bodentiere bauen durch ihr Wühlen und Graben die Struktur des Bodens auf. Sie durchmischen die mineralischen Bodenk?rner unterschiedlicher Gr??e mit den organischen Bestandteilen. So erzeugen sie Hohlr?ume für den Wasser- und Lufttransport. Die Bodentiere sind der Garant für eine gewachsene Bodenstruktur, die im Vergleich zu einem frisch verkippten oder gepflügten Boden eine hohe Bodenqualit?t garantiert.

Besonders Regenwürmer leisten einen wichtigen Beitrag für die Verkittung organischer und mineralischer Bestandteile des Bodens. Das ist eine Grundvoraussetzung für das Wasser- und N?hrstoffangebot für die Pflanzen. Die besten Lebensbedingungen finden Bodenlebewesen in einem lockeren, gut durchlüfteten Boden mit günstigen Temperatur- und Feuchteverh?ltnissen.

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B?den archivieren Kulturgeschichte

Der Boden ist ein Archiv, in dem wir lesen k?nnen wie in einem Buch. Denn Boden bildet in seiner vertikalen Abfolge die Geschichte unserer Natur- und Kulturlandschaft eindrucksvoll ab. Unsere heutigen B?den sind das Ergebnis einer nacheiszeitlichen Entwicklung, die vor circa 10.000 Jahren begann und die Umwelt- und Nutzungsbedingungen in diesem Zeitraum widerspiegelt. Der Aufbau der B?den verr?t etwas über das ⁠Klima⁠ im Bildungszeitraum und gibt eindeutige Indizien über menschliche Handlungsweisen und Kulturtechniken. B?den konservieren arch?ologische Fundstücke und geben Hinweise auf die frühere Bewirtschaftung von ?ckern und Weiden.

Beispielsweise führten mittelalterliche Rodungen von ganzen W?ldern und in der Folge eine fehlende Bodenbedeckung bei starken Regenf?llen zu folgenschweren Erosionsereignissen, die bis heute in der Landschaft sichtbar sind. Es lagerten sich ?B?den über B?den“ ab, die so genannten Kolluvien. Bei ⁠Erosion⁠ durch Wind entstanden Dünen im Landesinneren. Die berühmten Heidefl?chen sind Landschaften, die einzig auf die menschliche Kulturtechnik der Plaggenwirtschaft? zurückgehen. Ohne den aktiven Eingriff des Menschen würden auf Heidefl?chen in relativ kurzer Zeit wieder W?lder wachsen. Ackerfl?chen, die durch eine leichte Wellenform der Bodenoberfl?che gekennzeichnet sind, werden als ?W?lb?cker“ bezeichnet. Sie entstanden ebenfalls in der Folge einer Anbautechnik aus dem Mittelalter: Die Abfolge von Furchen und Scheiteln sicherte den Ertrag sowohl in trockenen als auch in feuchten Jahren. Die heutige Bebauung in Siedlungsgebieten und die Belastung mit zu hohen N?hrstoffgaben und Schadstoffen, werden über lange Zeitr?ume im Archiv Boden nachlesbar bleiben.

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B?den sind Wasserspeicher

Boden besteht aus einer Vielzahl mineralischer Partikel zwischen denen sich Hohlr?ume befinden, die so genannten Poren. Die Gr??e der Poren variiert je nach K?rnung und der Struktur des Bodens, die im Wesentlichen eine Folge der Aktivit?t der Bodenlebewesen ist. Die Poren sind entweder mit Luft oder mit Wasser gefüllt. Sie erm?glichen je nach Gr??e den schnellen Transport des Wassers in tiefere Schichten oder speichern es als Bodenwasser. Ein Boden, der vorwiegend aus Sand besteht, transportiert das Wasser schnell und kann deswegen wenig Bodenwasser für die Pflanzen speichern. Dagegen besitzt ein Boden, der sich haupts?chlich aus Schluff zusammensetzt, viele mittelgro?e Poren, die Wasser lange speichern k?nnen. Pflanzen werden so gut mit Luft, Wasser und N?hrstoffen versorgt. Für das gesamte Speichervolumen ist auch die vertikale M?chtigkeit des Bodens, seine Entwicklungstiefe entscheidend. Deswegen sind m?chtige, gewachsene B?den von so gro?er Bedeutung. Da B?den Wasser speichern k?nnen, geben sie Regenwasser verz?gert an B?che und Flüsse ab und mindern so das Hochwasserrisiko. Diese sogenannte Retention des Wassers ist jedoch nur auf unbebauten B?den m?glich. Unbebaute B?den sind zudem die Voraussetzung für das Grundwasser und unsere Versorgung mit Trinkwasser.

Schema Boden als Wasserspeicher
Schematische Darstellung von Boden als Wasserspeicher

Nicht bebaute B?den speichern Wasser. Das bremst Hochwasserwellen und sichert die Wasserversorgung.

Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt
 

B?den filtern Verunreinigungen

Boden ist aufgrund seiner Partikelstruktur und den physikochemischen Eigenschaften in der Lage, chemische Elemente und Verbindungen zu filtern, zu neutralisieren und zu binden. Das gilt sowohl für N?hrstoffe als auch für alle Stoffe, die giftig oder toxisch wirken k?nnen. Infolgedessen verhindert der Boden den Transport von Schadstoffen in das Grundwasser und damit langfristig in unser Trinkwasser. Je nach Korngr??enzusammensetzung, Menge an Humus und der H?he des pH-Wertes ist die Leistung des Filters hoch oder weniger hoch. Entscheidend sind die menschliche Nutzung und die Menge der Schadstoffe, mit denen der Boden in Berührung kommt. Denn unsere B?den sind nur bis zu einem bestimmten Ma? in der Lage, diese Herkulesaufgabe zu stemmen.

Bei der Filterung werden Schadstoffe und generell alle Elemente und Verbindungen, die im Bodenwasser gel?st sind, an Humus- und Tonpartikeln gebunden. Das bedeutet, dass ein Boden mit hohen Anteilen der ⁠Korngr??e⁠ Ton viel besser filtern kann als ein reiner Sandboden. Ver?ndert sich die Chemie des Bodens, k?nnen die zun?chst gebundenen Stoffe wieder mobilisiert werden. Dies ist der Fall, wenn bei zunehmender ⁠Versauerung⁠ der B?den der ⁠pH-Wert⁠ sinkt.

Chemische Verbindungen k?nnen im Boden neutralisiert werden. Bei dieser Pufferung werden die Verbindungen durch eine chemische Reaktion ver?ndert und verlieren die ursprüngliche Struktur. Ein Beispiel ist die Pufferung von S?uren. Beispielsweise wird Salpeters?ure, die aus Stickstoffverbindungen in der ⁠Atmosph?re⁠ stammt, im Boden neutralisiert. Das funktioniert so lange, wie im Boden genügend Kapazit?t vorhanden ist, um die notwendigen chemischen Vorg?nge aufrechtzuerhalten. Besonders leistungsf?hig dafür sind Carbonate und Tonminerale. Sind diese aufgebraucht, versauert der Boden zusehends und die pH-Werte sinken in einen besonders niedrigen Bereich. Dieser Zustand ist bei vielen Waldb?den erreicht. Daher werden die betroffenen B?den künstlich gekalkt. Da die Ackerb?den Mineraldünger erhalten und ohnehin regelm??ig gekalkt werden, liegen die pH-Werte in einem günstigeren Bereich.

B?den filtern Verunreinigungen
B?den filtern und neutralisieren allerhand Schadstoffe. Davon profitieren Mensch und Umwelt.
Quelle: S. Marahrens / Umweltbundesamt
 

B?den beeinflussen das Klima

Boden ist neben den Weltmeeren und W?ldern ein gro?er Kohlenstoffspeicher. Der Humus im Boden, also der Anteil zersetzter und umgewandelter organischer Substanz, enth?lt Kohlenstoff, der so der ⁠Atmosph?re⁠ entzogen ist. Neben dem positiven Effekt auf das ⁠Klima⁠ hat der Boden auch einen direkten Einfluss auf die unmittelbare Umgebung.

Die im Boden gespeicherte W?rme und die von den Pflanzen gesteuerte ⁠Verdunstung⁠ des Bodenwassers beeinflussen die Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit vor Ort. Der Temperaturunterschied zwischen bebauten und unbebauten Bodenoberfl?chen ist immens. Ein bewachsener Boden sorgt über die Verdunstung für erhebliche Abkühlung. Darüber hinaus erw?rmt sich ein bewachsener Boden weniger stark als eine Asphaltdecke. Der Effekt ist an warmen Sommertagen sehr sch?n in Parkanlagen oder im Wald spürbar.

B?den beeinflussen das Klima
B?den beeinflussen das Klima auf lokaler und globaler Ebene.
Quelle: FG II 2.7 / Umweltbundesamt
 

B?den bedecken Bodensch?tze

In Deutschland verbraucht jeder Mensch im Laufe seines Lebens nach Berechnungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe etwa 1.000 Tonnen Rohstoffe. Die Gesamtmenge verteilt sich mit unterschiedlichen Anteilen auf mineralische, energetische und metallische Bodensch?tze. Der Abbau dieser Rohstoffe ist jedoch mit sichtbaren Eingriffen in die Landschaft und einer Zerst?rung des natürlich gewachsenen Bodens verbunden. In Deutschland ist daher die Rekultivierung w?hrend und nach den Abbauma?nahmen inzwischen fester Bestandteil der Rohstoffgewinnung.

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