Ammoniak, Geruch und Staub

Schwein hinter Gittern in einem Stallzum Vergr??ern anklicken
Schweinehaltung – Verursacher von Ammoniakemissionen
Quelle: Martina Berg / Fotolia.com

Die intensive Tierhaltung ist ein wesentlicher Produktionszweig der Landwirtschaft in Deutschland. Sie verursacht jedoch Ammoniakemissionen, Gerüche und Staub. Das bel?stigt nicht nur Menschen, die in der Nachbarschaft von Tierhaltungsanlagen wohnen, sondern belastet auch die Umwelt.

Inhaltsverzeichnis

 

Emissionen der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist mit einem Anteil von etwa 95 Prozent Hauptemittent des Luftschadstoffs Ammoniak?in Deutschland. Gem?? der Emissionsberichterstattung 2013 stammt der überwiegende Teil der landwirtschaftlichen Ammoniak-Emissionen aus der Rinderhaltung (52 Prozent), der Schweinehaltung (20 Prozent), der Geflügelhaltung (9 Prozent) sowie der Mineraldüngeranwendung (15 Prozent). In der Schweinehaltung entsteht der Gro?teil der Emissionen direkt im Stall, in der Rinderhaltung bei der Lagerung von Wirtschaftsdünger und seiner -ausbringung. Ammoniak breitet sich in der ⁠Atmosph?re⁠ aus. Es kann dort mit anderen Bestandteilen der Atmosph?re reagieren und lagert sich anschlie?end wieder in ?kosystemen ab. Ammoniak selbst und das nach Umwandlung entstehende Ammonium sch?digen Land- und Wasser?kosystemen erheblich durch ⁠Versauerung⁠ und ⁠Eutrophierung⁠ (N?hrstoffanreicherung). Bodenversauerung und N?hrstoffüberversorgung natürlicher und naturnaher ?kosysteme (wie zum Beispiel Moore, Magerstandorte, Gew?sser) k?nnen zu Ver?nderungen der Artenvielfalt führen. In der Umgebung von gro?en Tierhaltungsanlagen k?nnen Ammoniak-Emissionen besonders hoch sein und zu direkten Sch?den an der Vegetation führen. Ammoniak und Ammonium sind au?erdem wesentliche Vorl?ufersubstanzen für die Bildung von gesundheitssch?dlichem Feinstaub.

Neben Ammoniak werden in der Tierproduktion auch Gerüche und St?ube (die auch biologische Komponenten, wie zum Beispiel Keime, enthalten) freigesetzt, die im Nahbereich des Emittenten von Bedeutung sind. Eine geeignete Ma?nahme zur Minderung der Emissionen aus dem Stall sind Abluftreinigungsanlagen. In Deutschland sind derzeit über 1.000 Anlagen – vor allem in Schweinemastbetrieben – mit einer Abluftreinigung ausgestattet. Gegenw?rtig werden auch Abluftreinigungsanlagen in Kombination mit Unterflurabsaugung in Schweinest?llen auf Praxistauglichkeit getestet (geringerer Energiebedarf; auch für freibelüftete St?lle geeignet). Für die Geflügelproduktion besteht dagegen noch weiterer Entwicklungsbedarf.?

 

Rechtliche Grundlagen und Minderungsziele

Deutschland darf nach den internationalen Luftreinhalte-Verpflichtungen (⁠UN⁠/ECE CLRTAP – Multikomponentenprotokoll; Richtlinie über nationale Emissionsh?chstmengen EU-NEC-RL) seit 2010 nicht mehr als 550.000 Tonnen Ammoniak j?hrlich emittieren. Gegenw?rtig wird diese Grenze noch überschritten beziehungsweise nicht sicher eingehalten. Die Vertragsstaaten der Genfer Luftreinhaltekonvention haben im Mai 2012 eine Novellierung des Multikomponenten-Protokolls mit weitergehenden Emissionsminderungen vereinbart. Bis 2020 muss Deutschland seine Ammoniak-Emissionen gegenüber 2005 um 5 Prozent reduzieren. über diese Zielvorgabe hinausgehend hat die Europ?ische Kommission Ende Dezember 2013 einen Vorschlag für eien neue NEC-Richtlinie vorgelegt.?Nach dem derzeitigen?Vorschlag der EU-KOM müsste Deutschland seine j?hrlichen Ammoniak-Emissionen bis 2030 verglichen zu 2005 um 39 Prozent senken. Um diesen Zielwert zu erreichen?sind weitere?Ma?nahmen zur Senkung der Ammoniakemissionen unbedingt erforderlich.?

Beim Bau oder Umbau von Anlagen der Intensivtierhaltung muss oberhalb bestimmter Anlagengr??en ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz durchlaufen werden. Je nach Tierart und der geplanter Anzahl der Tierpl?tze – die in der vierten Verordnung zur Durchführung des Bundesimmissionsschutzgesetzes (4. BImSchV) festgelegt sind – ist dabei auch die ?ffentlichkeit zu beteiligen. Die Anlagen müssen nach dem Stand der Technik errichtet und betrieben werden. Durch diese nationalen Regelungen wird unter anderem die europ?ische Industrieemissionsrichtlinie (IED-Richtlinie 2010/75/EG) umgesetzt.

Gem?? IED-Richtlinie wird gegenw?rtig noch geprüft, ob auch Anlagen zur Rinderhaltung europaweit in das ausführliche immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren einbezogen werden. Dieser Schritt ist aus Sicht des Umweltschutzes l?ngst überf?llig – immerhin verursachen Rinder etwa 50 Prozent der Ammoniak-Emissionen und 92 Prozent der durch Fermentation bei der Verdauung entstehenden Methan-Emissionen. Bisher muss in Deutschland für Rinderhaltungen mit mehr als 600 Tierpl?tzen lediglich ein vereinfachtes immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren (gem?? Spalte 2 der 4. BImSchV) ohne Beteiligung der ?ffentlichkeit durchgeführt werden.

Des Weiteren müssen Betriebe der Geflügel- und Schweinehaltung, die unter die IED-Richtlinie fallen und einen festgelegten Emissionsschwellenwert (zum Beispiel für Ammoniak 10.000 kg/Jahr) überschreiten, beim Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister PRTR (Pollutant Release and Transfer Register) gemeldet sein. Das PRTR wird vom Umweltbundesamt geführt und ver?ffentlicht. Deutschland setzte mit dem PRTR ein entsprechendes UN-Protokoll auf der Grundlage der Genfer Luftreinhaltekonvention um. Die EU hat dieses Protokoll ebenfalls ratifiziert und wird ein europ?isches PRTR aufbauen, das auch die deutschen Daten enth?lt.

 

Minderungsma?nahmen

Ma?nahmen zur Minderung von Stickstoffemissionen müssen an den Quellen der Ammoniakemissionen ansetzen. Es gibt technische Minderungsma?nahmen in allen Produktionsstufen, für alle Tierkategorien und jeweilige Produktionsverfahren:

  • Ma?nahmen im Stall und bei der Lagerung: Abluftreinigung; emissionsarme Offenst?lle; Abdeckung der Lager; Hygiene.
  • Emissionsarme Ausbringung von Wirtschaftsdünger und Mineraldünger [insb. Harnstoff] (unmittelbare Einarbeitung von Wirtschaftsdünger, Emissionsarme Techniken für Wirtschafts- und Mineraldünger).
  • Angepasste Fütterungsstrategien (proteinarme Mehrphasenfütterung).
  • Wirtschaftsdünger-Separation (bessere Transportwürdigkeit bei Trennung von Fest- und Flüssiganteil; Entlastung in viehdichten Regionen mit vielen Biogasanlagen).

Darüber hinaus sind Ma?nahmen der ?Guten landwirtschaftlichen Praxis“, also in den Verfahren der gesamten Prozesskette besonders emissionsmindernd und deshalb in der Praxis umzusetzen. Die Optimierung des N-Managements sollte neben ?kologischen Parametern (geringe NH3-Emissionen) auch ?konomische und soziale Parameter einschlie?en.

Für mineralischen Dünger muss das Ziel einer hohen Stickstoffausnutzung (N-Aufnahme der Pflanze pro Düngergabe) und ein m?glichst geringer Stickstoffüberschuss (Stickstoffzugabe minus Stickstoffaufnahme durch die Pflanze) weiter verfolgt werden.