Bodenbearbeitung

Die Braunerde. Eine von vielen starken Bodentypen.zum Vergr??ern anklicken
Ein Traktor bricht Grünland um.
Quelle: Otto Durst / Fotolia

Mit der landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung werden Ackerb?den auf die Aussaat der Kulturpflanzen vorbereitet, um optimale Wachstumsbedingungen zu bieten. Die dabei verwendeten Maschinen und die Bodenbearbeitung selbst k?nnen aber zu Folgesch?den wie Erosion und Verdichtung beitragen.

Inhaltsverzeichnis

 

Einführung

Ackerb?den werden mechanisch bearbeitet. Das verbessert die Wachstumsbedingungen für Kulturpflanzen und die Fruchtbarkeit. Die Ertragsf?higkeit des Bodens wird erhalten und maximiert. Die intensivere landwirtschaftliche Produktion und der technische Fortschritt führen dazu, dass heute hochspezialisierte, leistungsstarke und schwere Maschinen (bis zu 60 Tonnen), Ger?te und Transportfahrzeuge zum Einsatz kommen. Die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung untergliedert sich allgemein in die Prim?r- beziehungsweise Grundbodenbearbeitung und in die Sekund?rbodenbearbeitung. Bei der konventionellen Grundbodenbearbeitung wird der Boden krumentief (also die oberen 30 Zentimeter) gewendet, gelockert und durchmischt. Unkr?uter und Pflanzenreste werden in den Boden eingearbeitet und Düngemittel gleichm??ig in der Ackerkrume verteilt. Die Sekund?rbodenbearbeitung umfasst die Nachbearbeitung der obersten zehn Zentimeter und dient der Saatbettbereitung für die Kulturpflanzen in einem flachen Saathorizont.

Das wiederholte Befahren des empfindlichen Ackerbodens mit schwerem Ger?t und die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung selbst, haben direkten Einfluss auf die Bodenstruktur und die Lebensbedingungen der Bodenlebewesen. Weiterhin hat sie indirekten Einfluss auf die Empfindlichkeit des Bodens gegenüber ⁠Erosion⁠, N?hrstoffaustrag und eine abnehmende Bodenfruchtbarkeit.

Die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung und -nutzung erfordert daher einen schonenden, standortgerechten Einsatz, um sch?dliche Nebeneffekte zu vermeiden und gleichzeitig das Ziel einer nachhaltigen, leistungsf?higen und umweltschonenden Landbewirtschaftung zu erreichen.

 

Folgen der Bodenbearbeitung

Landwirtschaftliche Bodenbearbeitungsverfahren sollen ein physikalisch günstiges Bodengefüge in der Ackerkrume mit einem st?rungsfreien übergang zum Unterboden bereitstellen. Es gilt den Wasserhaushalt zu optimieren, die N?hrstoffverfügbarkeit den Ansprüchen der Kulturpflanzen anzupassen und die organische Substanz (Pflanzenreste und Wirtschaftsdünger) in den Boden einzuarbeiten. Auch der Unkraut- und Schaderregerdruck muss mechanisch reguliert und m?glichst gering gehalten werden.

Mit der mechanischen Bodenbearbeitung greift der Mensch jedoch in das Bodengefüge ein und bewirkt h?ufig sogar das Gegenteil. Bei der Bodenbearbeitung mit dem Pflug wird der Boden in den oberen 30 Zentimetern, der sogenannten Ackerkrume, gewendet und gelockert. Damit entsteht einerseits eine gut durchlüftete und durchwurzelbare sowie reststofffreie und vegetationslose Ackeroberfl?che. Sie ist Voraussetzung für die st?rungsfreie Aussaat der Kulturpflanzen und Folgefrüchte. Andererseits neigt der gelockerte Boden zur Verdichtung. Diese Gefahr erh?ht sich bei h?ufigem Befahren mit schwerem Ger?t, insbesondere bei zu feuchten Bedingungen. Als Folge von Bodenverdichtungen kann die Bodenfruchtbarkeit, die mit der mechanischen Bodenbearbeitung eigentlich optimiert werden sollte, abnehmen. Wenn der Boden seine natürlichen Funktionen nicht mehr wahrnehmen kann, spricht man von einer sch?dlichen Bodenver?nderung. Ihre Beseitigung ist mit hohen Kosten verbunden.

Das Ausma? der durch Verdichtung betroffenen B?den ist nur schwer einsch?tzbar. Expertensch?tzungen gehen von zehn bis 20 Prozent der Ackerfl?che aus. Betroffen sind vor allem Areale, die h?ufig befahren werden und Bereiche mit besonders ungünstigen Feuchteverh?ltnissen. Bei etwa der H?lfte der Ackerb?den Deutschlands ist die Struktur des Bodengefüges in einem Zustand, der bei weiterer Verdichtung zu einer dauerhaften Beeintr?chtigung der B?den führen kann. Dies wurde Anhand eines Kriterienkatalogs für die Bewertung der Eigenschaften des Bodengefüges ermittelt und?in einem vom Umweltbundesamt gef?rderten Forschungsvorhaben erarbeitet.

Neben Ertragseinbu?en und dem Verlust der Bodenfruchtbarkeit steigt bei verdichteten B?den die Gefahr für Bodenabtrag und Bodenerosion durch Wasser. Gepflügte, vegetationsfreie Ackerstandorte (Schwarzbrache) in hügeligem Gel?nde sind davon besonders betroffen. Bei ⁠Starkregen⁠ trifft das Niederschlagswasser ungehindert auf die Bodenoberfl?che auf. Die feinen Bodenpartikel werden mobilisiert und k?nnen das Porensystem des Bodens verstopfen. Es bildet sich eine Verschl?mmungsschicht, die das Niederschlagswasser zus?tzlich an der Infiltration hindert. Dieses l?uft nun oberfl?chlich ab und nimmt dabei Bodenpartikel und die an sie gebundenen N?hr- und Schadstoffe mit, was ebenfalls zu einem Rückgang der Bodenfruchtbarkeit führt. Werden die Bodenpartikel und N?hrstoffe in angrenzende Flüsse und Seen eingetragen, besteht die Gefahr einer N?hrstoffüberversorgung des Gew?ssers. Die Folgen und Prozesse von nicht standortgerechten Bodenbearbeitungsverfahren verst?rken sich folglich gegenseitig. In Deutschland sind derzeit etwa 15 Prozent der Ackerfl?che als stark erosionsgef?hrdet anzusehen. Auf weiteren 35 Prozent der Ackerfl?che ist die Bodenfruchtbarkeit langfristig gef?hrdet. Ein sorgsamer und standortgerechter Umgang mit der Ressource Boden als wichtigster Standortfaktor für die Landwirtschaft ist daher au?erordentlich wichtig. Ganzheitlich ausgerichtete Ma?nahmen zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und zur Minderung der Verdichtungs- und Erosionsanf?lligkeit sind notwendig und werden im Rahmen von F?rderprogrammen der Bundesl?nder, des Bundes und der Europ?ischen Union unterstützt.

 

Ma?nahmen

Ein besonders bodenschonendes Bearbeitungsverfahren ist die sogenannte konservierende Bodenbearbeitung. Sie verzichtet auf den Pflugeinsatz und setzt nichtwendende Bodenbearbeitungsger?te, wie zum Beispiel Grubber oder Scheibenegge ein. Durch den Pflugverzicht wird der Boden weitgehend in seinem natürlichen Aufbau belassen. Es kann sich ein stabiles, tragf?higes und wenig verschl?mmungsanf?lliges Bodengefüge bilden. Die erosionsmindernde Wirkung der konservierenden Bodenbearbeitung wird zus?tzlich dadurch verst?rkt, dass die Pflanzenrückst?nde nicht in den Boden eingearbeitet werden, sondern nahe oder an der Bodenoberfl?che verbleiben. Hier d?mpfen sie die zerst?rerische Kraft aufprallender (Stark) Niederschl?ge und sorgen neben dem Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, gleichzeitig für eine Minderung der Erosionsanf?lligkeit. Zu beachten ist allerdings, dass die konservierende Bodenbearbeitung h?ufig einen h?heren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erfordert, weil die Ernterückst?nde auf dem Feld verbleiben und Unkr?uter nicht untergepflügt werden.

 

Rechtliche Regelungen

Das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) und das landwirtschaftliche F?rderrecht (Cross Compliance) enthalten Anforderungen und Ma?nahmen zum Schutz des Bodens vor den negativen Auswirkungen, die mit landwirtschaftlichen Bodenbearbeitungsverfahren verbunden sein k?nnen. Die Anwendung bodenschonender Bearbeitungsverfahren wird darüber hinaus im Rahmen der zweiten S?ule der Europ?ischen Agrarpolitik als sogenannte Agrarumweltma?nahmen gezielt gef?rdert.

Bundes-Bodenschutzgesetz

Die Grunds?tze der guten fachlichen Praxis in der landwirtschaftlichen Bodennutzung sind in Paragraph 17 des Bundes-Bodenschutzgesetzes (BBodSchG) festgelegt. Die Grunds?tze sollen das Vorsorgeprinzip im Bodenschutz gew?hrleisten und eine Verschlechterung des Bodenzustandes vermeiden. Die dafür eingesetzten Ma?nahmen und Techniken folgen dem allgemeinen Stand der Technik in der Praxis und den anerkannten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Diese sehen für die nachhaltige Sicherung der Fruchtbarkeit und Leistungsf?higkeit des Bodens unter anderem folgende Grunds?tze der landwirtschaftlichen Praxis vor. Die Bodenbearbeitung muss standortangepasst und unter Berücksichtigung der ⁠Witterung⁠ erfolgen und die Bodenstruktur erhalten oder verbessert werden. Bodenverdichtungen müssen, insbesondere durch die Berücksichtigung der Bodenart, der Bodenfeuchtigkeit und des von den zur landwirtschaftlichen Bodennutzung eingesetzten Ger?ten verursachten Bodendrucks, so weit wie m?glich vermieden werden. Bodenabtrag durch Wind- und Wassererosion muss durch eine standortangepasste Nutzung, insbesondere durch Berücksichtigung der Hangneigung, der Wasser- und Windverh?ltnisse sowie der Bodenbedeckung, m?glichst vermieden werden. Weiterhin muss der standorttypische Humusgehalt durch eine ausreichende Zufuhr an organischer Substanz oder durch Reduzierung der Bearbeitungsintensit?t erhalten bleiben (§ 17 BBodSchG).

Der Vollzug des BBodSchG erfolgt in L?nderhoheit durch die untere Bodenschutzbeh?rde im Einvernehmen mit den zust?ndigen Landwirtschaftsbeh?rden. Auf Grund der besonderen Stellung der Landwirtschaft geschieht dies in der Praxis nur bei unmittelbar bestehenden Gefahren. Im Rahmen der Vorsorge nach § 17 besteht jedoch keinerlei Anordnungsm?glichkeit seitens der Beh?rden. Als wirksames Instrument zur gezielten Durchsetzung von Ma?nahmen hat sich die finanzielle F?rderung erwiesen. Diese ist derzeit auf freiwilliger Basis und gew?hrleistet im Rahmen der Direktzahlungen nach Cross-Compliance allenfalls Mindeststandards, die hinter die allgemeinen Anforderungen des Paragrafen 17 BBodSchG zurückfallen.

Cross-Compliance

Landwirte, die für die Bewirtschaftung ihrer Fl?chen Direktzahlungen von der Europ?ischen Agrarpolitik erhalten, müssen seit 2003, die sogenannten Cross Compliance einhalten, um f?rderf?hig zu sein. Die wesentlichen Durchführungsbestimmungen zu den Cross Compliance-Verpflichtungen sind in der Verordnung (EU) Nr. 73/2009 festgelegt. Die Cross Compliance umfassen die sogenannten ?Grundanforderungen an die Betriebsführung“ und Regelungen zur Erhaltung landwirtschaftlicher Fl?chen in ?gutem landwirtschaftlichem und ?kologischem Zustand“. Zu den ?Grundanforderungen an die Betriebsführung“ geh?ren insgesamt 18 einschl?gige europ?ische Richtlinien und Verordnungen und deren nationale Umsetzungen (Gesetze und Verordnungen) in den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Tierschutz. Bei Verst??en, die in der Regel im Rahmen von Stichprobenkontrollen aufgedeckt werden, drohen Kürzungen der Direktzahlungen.

Rechtliche Grundlage in Deutschland ist das Direktzahlungen-Verpflichtungsgesetz und die dazugeh?rige Verordnung. Die Regelungen zur Erhaltung landwirtschaftlicher Fl?chen in ?Gutem landwirtschaftlichen und ?kologischen Zustand“ (GL?Z) umfassen insgesamt acht verbindliche und einige fakultative Ma?nahmen. Dazu z?hlen Mindestanforderungen mit denen unter anderem die Bodenerosion reduziert, die Bodenstruktur und der Humusgehalt durch geeignete Ma?nahmen erhalten sowie die Instandhaltung auch stillgelegter Fl?chen gew?hrleistet werden soll.

Seit 2010 gelten darüber hinaus versch?rfte Mindestanforderungen für erosionsgef?hrdete Fl?chen. Landwirte, die Direktzahlungen erhalten wollen, müssen ihre landwirtschaftlichen Fl?chen hinsichtlich ihrer Erosionsgef?hrdung durch Wind und Wasser einteilen und die in der Direktzahlungen-Verpflichtungsverordnung vorgesehenen Ma?nahmen zur Erosionsminderung ergreifen. Auf wasser- und winderosionsgef?hrdeten Fl?chen ist das Pflügen beispielsweise in bestimmten Zeitr?umen verboten bzw. eingeschr?nkt. Darüberhinausgehende Ma?nahmen wie einfache Mulchsaatverfahren oder hangparalleles arbeiten sind nicht erforderlich, wobei sie ein h?heres Schutzniveau gew?hrleisten und als allgemeiner Standard eingesetzt werden.

Ma?nahmen zur Vermeidung zus?tzlicher bewirtschaftungsbedingter Bodenverdichtungen sind bislang nicht Bestandteil der Verordnung.

Agrarumweltma?nahmen

Im Rahmen der zweiten S?ule der Europ?ischen Agrarpolitik werden gezielt solche landwirtschaftlichen Ma?nahmen unterstützt und gef?rdert, mit denen Landwirte über die Mindestanforderungen hinaus, zus?tzliche Umweltleistungen bereitstellen. Dazu geh?ren die Anwendung bodenschonender Produktions- und Anbauverfahren, wie die konservierende Bodenbearbeitung, Mulch- und Direktsaatverfahren und der Anbau von Zwischenfrüchten.