Düngemittel

Gro?aufnahme eines Traktors, der auf einem Feld Gülle ausf?hrtzum Vergr??ern anklicken
Mit der Gülle gelangen zu viele N?hrstoffe in den Boden und belasten so auch das Grundwasser.
Quelle: Hans von der Beele / Thinkstock

Der Einsatz von Düngemitteln in der Landwirtschaft ist eine Grundvoraussetzung für die Bodenfruchtbarkeit und Versorgung der Pflanzen mit N?hrstoffen. Es kommt jedoch auf das richtige Ma? an. Ein sparsamer Umgang und eine an den Pflanzenbedarf angepasste Dosierung sind besonders wichtig. Nur so k?nnen negative Auswirkungen auf B?den, Gew?sser, Klima und die Biodiversit?t verhindert werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Düngemittel – Was ist das?

Neben ausreichend Wasser ben?tigen Pflanzen N?hrstoffe (zum Beispiel Stickstoff, Phosphat, Kalium) und Spurenelemente (zum Beispiel Kupfer und Zink), um sich entwickeln und wachsen zu k?nnen. Nur so erzielen sie hohe Ertr?ge bei guter Qualit?t. Pflanzen nehmen N?hrstoffe und Spurenelemente über ihr Wurzelgeflecht aus dem Boden auf. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Humusgehalt des Bodens. Humus ist reich an Pflanzenn?hrstoffen und weist eine hohe Wasserspeicherkapazit?t auf. Nur wenn der Boden die N?hrstoffe, die ihm mit der Ernte der Pflanzen entzogen werden, zurückerh?lt, k?nnen seine Fruchtbarkeit und das landwirtschaftliche Ertragspotenzial langfristig gesichert werden. Eine ausreichende, an den N?hrstoffbedarf der Pflanzen angepasste Versorgung des Bodens – und damit der auf ihm wachsenden Pflanzen – mit Düngemitteln ist daher unverzichtbar. Bei Düngemitteln wird zwischen organischen und mineralischen Düngemitteln unterschieden. Zu den organischen Düngemitteln geh?ren tierische Ausscheidungen wie Gülle, Stallmist, Jauche (Wirtschaftsdünger). Auch Gründünger, Mulch sowie organische Reststoffdünger und Kultursubstrate wie kompostierter Bioabfall, Kl?rschl?mme, Kultursubstrate (Torf) und G?rreste sind organische Dünger. Synthetische Düngemittel werden hingegen durch eine technische Aufbereitung natürlicher Rohstoffe hergestellt und als Einzel- oder Mehrfachn?hrstoffdünger angeboten.

 

Gefahren für die Umwelt

Bei unsachgem??er Handhabung k?nnen mit der Lagerung und Ausbringung von Düngemitteln eine ganze Reihe schwerwiegender Beeintr?chtigungen der Umwelt verbunden sein. Die Herstellung von synthetischen Düngemitteln ist zudem sehr energieaufwendig, was mit einem hohen Ressourcenverbrauch und der ⁠Emission⁠ von Treibhausgasen verbunden ist. Vor allem Stickstoff und Phosphor k?nnen sich negativ auf die Bodenfruchtbarkeit und die Qualit?t der Gew?sser auswirken. Die Qualit?t der Luft kann durch Ammoniakemissionen beeintr?chtigt werden, die beim Wirtschaftsdüngermanagement (Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern) und bei der Ausbringung von v.a. Harnstoffdüngern entstehen, sowie durch Lachgasemissionen, die aus gedüngten B?den freigesetzt werden, beeintr?chtigt werden.

 

Schwermetalle in Düngemitteln

Düngemittel enthalten neben den erwünschten Spurenn?hrstoffen (wie Kupfer, Zink, Eisen) auch von den Pflanzen nicht ben?tigte Schwermetalle. Zu diesen geh?ren zum Beispiel Blei, Cadmium, Nickel, Quecksilber, Arsen und Uran in unterschiedlicher H?he. Bei intensiver Düngung k?nnen sich diese im Boden anreichern und über die Pflanzen in die Nahrungskette sowie das Grundwasser gelangen. Eine wesentliche Rolle spielen dabei die mineralischen Phosphor-Dünger aus sediment?ren Rohphosphaten, die bereits von Natur aus hohe Schwermetallgehalte aufweisen (vor allem Cadmium und Uran).

In Kl?rschl?mme gelangen Schwermetalle unter anderem über Korrosion von Wasserleitungen, aus der metallver- und bearbeitenden Industrie sowie über Medikamente. Für die Anreicherung in Wirtschaftsdüngern (vor allem Zink und Kupfer, bei Schweinegülle auch Arsen) k?nnen zum Beispiel eingesetzte Zusatzmittel in Futtermitteln für die Tierhaltung Ursache sein. In hoher Konzentration sind alle Schwermetalle giftig, einige sind jedoch gleichzeitig essenzielle Spurenelemente und für wichtige Stoffwechselvorg?nge von Pflanzen, Tieren und Menschen notwendig (zum Beispiel Kupfer, Eisen und Mangan).

Für die menschliche Gesundheit relevant sind solche Schwermetalle, die von Pflanzen und Tieren aufgenommen werden und auf diese Weise in die Nahrungskette gelangen. Die Arbeitsgruppe ?Schwermetalltransfer Boden/Pflanze“ der L?nderarbeitsgemeinschaft Boden (LABO) identifizierte die Elemente Arsen, Blei, Cadmium, Quecksilber und Thallium als ?vorrangig relevant“ für die Nahrungspflanzenqualit?t. Bei Futterpflanzen sind es vor allem Nickel und Kupfer, die sich in tierischen Lebensmitteln anreichern k?nnen.

Zink und Kupfer sind nicht nur für den Menschen gef?hrlich, sondern auch toxisch für einige Bodenmikroorganismen. Dies kann langfristig die Bodenfruchtbarkeit beeintr?chtigen.

 

Rechtliche Regelungen

Gesetzliche Grundlage für das Herstellen, Inverkehrbringen und die Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Pflanzenhilfsmitteln und Kultursubstraten ist das Düngegesetz (DüG) und die dazugeh?rigen Verordnungen. Die Düngemittelverordnung (DüMV) definiert die Anforderungen an das Inverkehrbringen von Düngemitteln, dessen Einhaltung von der amtlichen Düngemittelverkehrskontrolle (DVK) kontrolliert wird. Düngemittel dürfen laut Düngegesetz nur nach Guter fachlicher Praxis angewendet werden und müssen nach Art, Menge und Zeit an den N?hrstoffbedarf der Pflanze und des Bodens ausgerichtet sein. Bei der Düngung müssen weiterhin die im Boden verfügbaren N?hrstoffe und die organische Substanz sowie die Standort- und Anbaubedingungen mitberücksichtigt werden. Die entsprechenden Anwendungskriterien werden in der Verordnung über die gute fachliche Praxis beim Düngen (Düngeverordnung, DüV) definiert und konkretisiert. Diese betreffen zum Beispiel Regelungen für die Bestimmung des Düngebedarfs, Ausbringungszeitpunkte, Abstandsregelungen zu Oberfl?chengew?ssern, Ausbringungsbegrenzungen und Vorgaben zur Verminderung der atmosph?rischen Ammoniakverluste. Die Düngeverordnung ist das zentrale Element des deutschen Aktionsprogramms zur Umsetzung der europ?ischen Nitratrichtlinie (EG 91/676/EWG). Sie wurde in einem langj?hrigen Prozess umfangreich überarbeitet und ist in der novellierten Fassung seit dem 2. Juni 2017 in Kraft. Die überarbeitung war l?ngst überf?llig, da die bisherigen Vorgaben zum gro?en Teil nicht ausreichend waren und die Nitratbelastung des oberfl?chennahen Grundwassers nahezu unver?ndert hoch ist (Nitratbericht 2016). Wegen der mutma?lich unzureichenden Umsetzung der Nitratrichtlinie hat zudem die EU-Kommission im Oktober 2016 Klage beim Europ?ischen Gerichtshof (EU-GH) eingereicht. Im Juni 2018 hat der?Europ?ische Gerichtshofs (EuGH) Deutschland im Vertragsverletzungsverfahren wegen der Nichtumsetzung der Nitratrichtlinie verurteilt. In dem Urteil folgte der EuGH in allen gerügten Punkten der Auffassung der Kommission. Demnach hat Deutschland gegen die Nitratrichtlinie versto?en, indem keine zus?tzlichen Ma?nahmen ergriffen wurden, um das unzureichende deutsche Aktionsprogramm (in Form der Düngeverordnung) zu überarbeiten.
Das Urteil des EuGH ist in allen Punkten nachvollziehbar und gut begründet. Die erheblichen M?ngel des alten Aktionsprogramms wurden mit der in 2017 überarbeiteten Düngegesetzgebung zum Teil behoben. Die Forderungen der Kommission sind aber nicht komplett umgesetzt und bei fünf von sechs Teilen der Rüge 2 gibt es nach wie vor Defizite. Am deutlichsten wird dies beim N?hrstoffvergleich, der auch in der novellierten Düngeverordnung das zentrale Element zur Bewertung der Düngung darstellt. Ende M?rz 2020 wurde die daraufhin erneut überarbeitete Düngeverordnung im Bundesrat verabschiedet. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Die Verbringungsverordnung regelt das Inverkehrbringen, Bef?rdern und die übernahme von Wirtschaftsdüngern und erfasst die beim Handel auftretenden N?hrstoffstr?me.

Für die Vermeidung von Schwermetallkontaminationen des Bodens und einer Gef?hrdung für Mensch und Umwelt ist eine wirksame Kontrolle der landwirtschaftlichen Düngung erforderlich. Die Beschr?nkung von Schwermetalleintr?gen erfolgt in Deutschland über düngemittelrechtliche (DüMV) und abfallrechltiche (BioAbfV, AbfKl?rV) Reglementierungen. Darüber hinaus enth?lt die Bodenschutzgesetzgebung (BBodSchV) und das Lebensmittel- und Futtermittelrecht (LFGB) Vorgaben zu Grenzwerten von Schwermetallen und Schadstoffen. Zwischen diesen Rechtsbereichen bestehen jedoch zum Teil erhebliche Regelungsunterschiede. Diese betreffen zum Beispiel die geregelten Schadstoffe selbst, die Gehalte und ⁠Frachten⁠ sowie die einzuhaltenden Grenzwerte und die Gewichtung der Schutzziele (Gesundheit von Mensch und Tier, Naturhaushalt, Umweltmedien). Darüber hinaus bestehen zum Teil Diskrepanzen zu geltendem EU-Recht.

Daher hat das Bundesministerium für Ern?hrung und Landwirtschaft (⁠BMEL⁠) den Wissenschaftlichen Beirat für Düngungsfragen beim BMEL damit beauftragt einen Vorschlag zu erarbeiten, wie eine wirksame einfach vollziehbare und gegebenenfalls in das zukünftige EU-Recht übertragbare Regelung für Schadstoffe im Düngemittelrecht erreicht werden kann. Der erarbeitete Konzeptvorschlag bietet einen umfassenden Ansatz zur einheitlichen Bewertung von Schadstoffen in Düngemitteln und zur Begrenzung der mit der Düngung aufgebrachten Schadstoffmengen. Dieser liegt seit Februar 2011 vor und kann auf der Homepage des BMEL heruntergeladen werden.

Eine Grenzwertforderung für das Schwermetall Uran ist in diesem Konzeptvorschlag nicht enthalten. Dieses Schwermetall findet derzeit eine unzureichende Berücksichtigung in der Umweltgesetzgebung. Forschungsprojekte geben Hinweise auf Uraneintr?ge in B?den, Sicker- und Grundwasser durch Phosphatdünger. Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre sind mit Phosphat-Düngern j?hrlich etwa 167 Tonnen Uran auf die Ackerfl?chen ausgebracht worden, eine Verlagerung ins Grundwasser k?nnte somit langfristig hohe Trinkwasseraufbereitungskosten verursachen.

Daher empfiehlt die Kommission Bodenschutz am Umweltbundesamt, den Uran-Gehalt in Phosphat-Düngern (wie bei Cadmium) wie folgt zu regeln: Kennzeichnung ab 20 Milligramm Uran je Kilogramm Phosphat, Grenzwert 50 Milligramm Uran je Kilogramm Phosphat.

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