Kompost und Kl?rschlamm

Ein gelber Radlader setzt in einer Kompostieranlage Kompost um.zum Vergr??ern anklicken
Radlader beim Umsetzen von Kompost
Quelle: Tim Hermann / UBA

Kompost und Kl?rschlamm, die wertvolle N?hr- und Humusstoffe enthalten, werden traditionell in der Landwirtschaft als organische Dünger eingesetzt. Andererseits enthalten Kompost und insb. Kl?rschlamm, umwelt- und gesundheitsgef?hrdende Schadstoffe wie Chemikalien, Schwermetalle, Pharmaka. Laut Koalitionsvertrag soll daher die Kl?rschlammdüngung eingestellt und der Phosphor zurückgewonnen werden.

Inhaltsverzeichnis

 

Einführung

Kompostierte Bioabf?lle aus Haushalten und Gewerbe, Garten- und Parkfl?chen, Abf?lle aus der Lebensmittelverarbeitung und Landwirtschaft sowie Kl?rschl?mme aus kommunalen Kl?ranlagen enthalten eine ganze Reihe wertvoller Pflanzenn?hrstoffe. Reich an Stickstoff, Phosphor, Kalium und Spurenelementen wie Kupfer und Zink dienen sie in der Landwirtschaft als organische Düngemittel. Neben der Pflanzenern?hrung stabilisiert und/oder verbessert das enthaltene organische Material den Humusgehalt des Bodens. Ihre Verwendung reduziert beziehungsweise ersetzt au?erdem den Torf im Gartenbau und den Einsatz von energieintensiv hergestellten Mineraldüngern. Das dient gleichzeitig dem ⁠Klimaschutz⁠. Vorallem ist die landwirtschaftliche Verwertung des in Abwasser und Abfall enthaltenen Phosphors vor dem Hintergrund der Endlichkeit dieser Ressource positiv zu bewerten. Da der Kl?rschlamm neben wertvollen Bestandteilen jedoch auch eine unüberschaubare Anzahl umwelt- und gesundheitsgef?hrdender Schadstoffe enth?lt, dessen Risiken nicht abzusch?tzen sind, soll die direkte landwirtschaftliche Kl?rschlammausbringung laut aktuellem Koalitionsvertrag (vom 27. November 2013) in Zukunft weitestgehend eingestellt werden. Desweiteren ist der essentielle Phosphor, der erst kürzlich in die Liste der kritischen Rohstoffe aufgenommen wurde, zurück zu gewinnen.

?

 

Gefahren für die Umwelt

Neben N?hrstoffen enthalten Kompost und vor allem Kl?rschl?mme auch Anteile an anorganischen Schadstoffen: toxische Schwermetalle wie zum Beispiel Blei, Quecksilber, Cadmium, Kupfer?sowie organische Schad- und Fremdstoffe wie Dioxine, Polychlorierte Biphenyle (⁠PCB⁠), Perfluorierte Tenside (PFT), Arzneimittelrückst?nde, Krankheitserreger, aber auch Nanopartikel, Mikroplastik und vieles mehr. Mit den Düngemitteln auf den Boden ausgebracht, k?nnen sich diese Schadstoffe im Boden anreichern und über die Pflanzen in die Nahrungskette gelangen. Eine Gefahr für Grund- und Oberfl?chenwasser besteht, wenn die Schadstoffe durch Abschwemmung oder Versickerung von Ackerfl?chen in das Oberfl?chen- und Grundwasser gelangen. über die Mengen der aus landwirtschaftlich verwertetem Kompost und Kl?rschlamm diffus in die Umwelt eingetragenen Schadstoffe und Schwermetalle?gibt es in Deutschland keine Sch?tzungen. Die Gefahren für Umwelt und Gesundheit sind ebenfalls nur schwer einzusch?tzen, da Wechselwirkungen und Transformationsprozesse der Schadstoffe h?ufig nicht bekannt und M?glichkeiten der überwachung, insbesondere für neue Stoffe, oft nicht vorhanden sind.

 

Rechtliche Regelungen

Um die Gefahren für die Umwelt so gering wie m?glich zu halten, dürfen nur zugelassene Düngemittel ausgebracht werden. Organische Reststoffdünger wie Kompost und Kl?rschlamm werden nach den Vorschriften der Düngemittelverordnung (DüMV) geregelt, au?erdem müssen die Bioabfallverordnung (BioAbfV) bzw. die Kl?rschlammverordnung (AbfKl?rV) beachtet werden. Ab dem 1. Januar 2015 gelten auch für organische Düngemittel die Grenzwerte der DüMV. Organische und mineralische Düngemittel dürfen generell nur in den Verkehr gebracht werden, wenn sie bei sachgerechter Anwendung ausreichend düngewirksam sind und die Fruchtbarkeit des Bodens, die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen nicht sch?digen und ?kosysteme nicht gef?hrden. Die Düngemittelverordnung stellt daher Mindestanforderungen hinsichtlich der Kennzeichnung, der Einhaltung von Grenzwerten bei Schadstoffen sowie hinsichtlich der Seuchen- und Phytohygiene. Da viele Schadstoffe jedoch nicht geregelt werden und Gefahren nicht einzusch?tzen sind, wird in einigen Bundesl?ndern schon heute g?nzlich auf den Einsatz von Kl?rschl?mmen verzichtet.

Der maximal zul?ssige Gehalt für Schadstoffe und Schwermetalle orientiert sich an den Vorsorgewerten der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung. Die BioAbfV und die AbfKl?rV geben weitere differenzierte Beschr?nkungen, Verbote und Auflagen bei der Ausbringung von Bioabf?llen und Kl?rschl?mmen auf landwirtschaftlich und g?rtnerisch genutzten B?den.

Die Ausbringungsmengen von Bioabf?llen und Kl?rschl?mmen sind begrenzt. Innerhalb von drei Jahren dürfen beispielsweise maximal fünf Tonnen getrockneter Kl?rschlamm pro Hektar ausgebracht werden. Eine zeitgleiche Ausbringung von Düngemitteln mit Bioabf?llen ist nicht zul?ssig.

Um die übertragung von Krankheitserregern zu verhindern, ist der Einsatz von Kl?rschlamm im ?kologischen Landbau, auf Dauergrünland, im Forst sowie im Obst und Gemüsebau generell verboten.

Mit der novellierten AbfKl?rV soll die Pflicht zur Phosphorrückgewinnung aus Kl?rschl?mmen, die nicht mehr landwirtschaftlich ausgebracht werden dürfen, geregelt werden. Voraussichtlich müssen alle Kl?rschl?mme mit einem bestimmten Gehalt an Phosphor einer Phosphorrückgewinnung unterzogen werden. Die Rückgewinnung kann direkt auf der Kl?ranlage aus Kl?rschlamm oder Schlammwasser, aber auch aus Kl?rschlammasche nach der Monoverbrennung erfolgen. Eine vorrübergehende Ablagerung auf Monodeponien soll ebenfalls m?glich sein. Verhindert werden soll die Mitverbrennung phosphorreicher Kl?rschl?mme, wenn so der wertvolle Phosphor dem Stoffkreislauf entzogen wird.

Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen und Vorgaben bei der Verwertung von organischen Reststoffdüngemitteln müssen Landwirte, genau wie bei allen anderen Düngemitteln, die Grunds?tze der Guten fachlichen Praxis nach der Düngeverordnung (DüV) einhalten.