Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft

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Pflanzenschutzmittel werden vielfach eingesetzt
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Pflanzenschutzmittel werden in der Landwirtschaft in gro?em Umfang eingesetzt. Sie dienen vor allem dazu, Kulturpflanzen gesund und Unkr?uter und Sch?dlinge fern zu halten. Sie wirken jedoch auch dort, wo dies nicht erwünscht ist: auf die Artenvielfalt und die Gew?sserqualit?t angrenzender Biotope.

Pflanzenschutzmittel – was ist das?

Pflanzenschutzmittel sind chemische oder biologische Wirkstoffe, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um unerwünschte Organismen abzut?ten. Sie schützen Kulturpflanzen und ihre Erzeugnisse vor verschiedenen Schadorganismen, zum Beispiel Blatt- oder Fruchtsch?digenden Insekten, unerwünschten Ackerbegleitkr?utern oder Vorratssch?dlingen. In Deutschland waren 2016 circa 270 Wirkstoffe in insgesamt 753 verschiedenen Pflanzenschutzmitteln zugelassen. Die Menge der in Deutschland abgesetzten Pflanzenschutzmittel lag seit 2006 bei j?hrlich circa 30.000 bis 35.000 Tonnen (ohne inerte Gase, die ausschlie?lich im Vorratsschutz eingesetzt werden). Zwar kann von der abgesetzten Menge nicht direkt auf den j?hrlichen Verbrauch rückgeschlossen werden, weil Landwirte Pflanzenschutzmittel bei günstigen Preisen auf Vorrat kaufen. Die Zahlen geben jedoch einen Eindruck von der enormen Menge an Spritzmitteln, die j?hrlich auf deutschen ?ckern landen.

Die Gruppe der Herbizide, allgemein als Unkrautvernichtungsmittel bekannt, macht hierbei mit über 40 Prozent den gr??ten Teil der abgegebenen Spritzmittel aus. Die meisten Pflanzenschutzmittel verfügen über ein relativ breites Wirkungsspektrum, so dass sch?dliche Nebenwirkungen auf Tiere und Pflanzen, die keine Schadorganismen sind, nicht ausgeschlossen werden k?nnen. Der gro?fl?chige und umweltoffene Einsatz der Pflanzenschutzmittel ist daher nicht nur mit einem hohen Nutzen für die landwirtschaftliche Produktion, sondern immer auch mit hohen Risiken für die Natur, das Grundwasser und die biologische Vielfalt verbunden.

Gefahren für die Umwelt

Die immer intensivere Bewirtschaftung von Fl?chen und der vermehrte Anbau von Energiepflanzen haben die Rahmenbedingungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland drastisch ver?ndert. Für den Umweltschutz sind Pflanzenschutzmittel relevant, weil sie sowohl beim Ausbringen auf das Feld, etwa durch Verdriftung von Spritzmitteln oder von kontaminierten Beizst?uben, als auch sp?ter durch Abschwemmung von den Ackerfl?chen in benachbarte Saumbiotope oder Gew?sser gelangen k?nnen.

Der intensive Einsatz hochwirksamer Breitband-Herbizide und -Insektizide führt zwangsl?ufig auch dazu, dass die Pflanzenwelt verarmt und vielen Vogel-, S?uger- und anderen Tierarten der Agrarlandschaft die Nahrungsgrundlage weitestgehend entzogen wird. In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass Pflanzenschutzmittel über die Nahrungskette eine der Hauptursachen für den Rückgang verschiedener Feldvogelarten, wie zum Beispiel der Feldlerche, der Goldammer oder des Rebhuhns sind. Auch der weltweit beobachtete Rückgang von Blütenbest?ubern wird in der wissenschaftlichen Literatur in einem urs?chlichen Zusammenhang mit den Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die zeitliche Verfügbarkeit und die Vielfalt des Blütenangebots gesehen.

Unerwünschte Nebenwirkungen von Pflanzenschutzmitteln k?nnen nicht nur für benachbarte natürliche Lebensr?ume, sondern auch für die behandelten landwirtschaftlichen Fl?chen selbst ein Problem darstellen. Beispiele hierfür sind Beeintr?chtigungen der Bodenfruchtbarkeit durch die Sch?digung wichtiger Bodenorganismen oder von Tieren, die sich nur zeitweise auf den Fl?chen aufhalten, wie zum Beispiel Wirbeltiere oder Blütenbest?uber bei der Nahrungssuche. Zudem sind Probleme wie ?gebundene Rückst?nde“ als Langzeithypothek im Boden, Nachweise von Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser oder Oberfl?chengew?ssern, sowie die Belastung von Nahrungsmitteln zu nennen.

Auswirkungen auf die Gew?sser

In den vergangenen Jahren finden sich immer weniger Pflanzenschutzmittel im Grundwasser. Zwischen 2006 und 2008 überschritten 4,6 Prozent der gut 13.000 untersuchten Messstellen im oberfl?chennahen Grundwasser den Grenzwert von 0,1 μg/l bei mindestens einem Wirkstoff. Im vorherigen Berichtszeitraum 2001 bis 2005 waren es 5,3 Prozent. Im Zeitraum 1990 bis 1995 wiesen noch 9,7 Prozent aller Messstellen erh?hte Pflanzenschutzmittelfunde auf. Der Rückgang der Grundwasserbelastungen ist allerdings wesentlich auf abnehmende Fundzahlen von Atrazin, Desethylatrazin und einigen wenigen anderen Wirkstoffen und Metaboliten zurückzuführen. Ihre Anwendung ist bereits seit Jahren oder sogar Jahrzehnten verboten. Dies zeigt unter anderem die auch aus anderen Bereichen bekannte Verz?gerung bei ?kologischen Prozessen und rechtfertigt die strenge Zulassung in Deutschland. Dennoch treten auch bei einigen aktuell zugelassenen Wirkstoffen, wie Bentazon, Diuron oder Isoproturon, seit Jahren mit hoher Stetigkeit immer wieder Funde im Grundwasser auf. Insgesamt werden moderne Wirkstoffe jedoch weit weniger im Grundwasser gefunden als alte.

Rechtliche Regelungen

Umweltauflagen und Bestimmungen für die Anwendung sowie ein reduzierter Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Kompensation ihrer negativen Auswirkungen in der Agrarlandschaft sollen daher die Risiken auf ein vertretbares Ma? mindern. Rechtliche Grundlage für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind das novellierte Pflanzenschutzgesetz (PflSchG), die europ?ische Pflanzenschutzmittelverordnung (1107/2009/EG) sowie die Umsetzung der Rahmenrichtlinie zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden (2009/128/EG) – einschlie?lich der Erarbeitung des ?Nationalen Aktionsplans der Bundesregierung zur nachhaltigen Verwendung von Pflanzenschutzmitteln“. In diesen Vorschriften werden Ziele und Ma?nahmen für einen verbesserten Schutz von Gew?ssern und den Erhalt der ⁠Biodiversit?t⁠ definiert. Gleichzeitig sollen Anwenderinnen und Anwender intensiver beraten und geschult sowie die Kontrollen durch die L?nder verst?rkt werden. Ziel ist es, die Einhaltung der Umweltauflagen weiter zu verbessern.? Zulassungsübergreifende Managementstrategien sollen auch solche Risiken regulieren, die im Rahmen der Produktzulassung nicht ausreichend berücksichtigt werden k?nnen: zum Beispiel indirekte Effekte auf Agrarv?gel und -s?uger.

Zulassung von Pflanzenschutzmitteln

Das europ?ische und das deutsche Pflanzenschutzrecht gew?hrleisten, dass nur auf ihre Umweltauswirkungen geprüfte Pflanzenschutzmittel in den Verkehr gebracht werden. Die Umweltprüfung jedes Pflanzenschutzmittels ist Teil des Zulassungsverfahrens des Umweltbundesamts. Sie stellt sicher, dass direkte Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln auf die Umwelt einschlie?lich der Biodiversit?t weitgehend verhindert werden. Bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sind seit 1987 weit über 200 Wirkstoffe und mehr als 1.200 Mittel geprüft worden. Sie sind die Grundlage für die 691 im Jahr 2011 zugelassenen Pflanzenschutzmittel. Da hierbei die Auswirkungen jedes einzelnen Mittels unabh?ngig voneinander bewertet werden (?Indikationszulassung“), k?nnen m?gliche kumulative Effekte durch die Anwendung verschiedener Pflanzenschutzmittel in Tankmischungen oder im Rahmen saisonaler Spritzserien nicht erfasst werden. Es k?nnen sich daher Auswirkungen auf die biologische Vielfalt ergeben, die nicht durch das Zulassungsverfahren allein zu regulieren sind. So k?nnen indirekte Auswirkungen über die Nahrungskette nur durch eine generelle Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln gemindert werden. Indem zum Beispiel Landbewirtschaftungsformen ohne oder mit reduzierter Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (zum Beispiel der ?kolandbau) gef?rdert werden. Zus?tzlich müssen sie ausreichend kompensiert werden, etwa durch Schaffung von ?kologisch wertvollen Ausgleichsfl?chen in der Agrarlandschaft. ?

Entscheidend für eine Bewertung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes aus Sicht des Umweltschutzes sind weniger die ausgebrachten Mengen als vielmehr die Wirkungsintensit?t oder Wirkungs?quivalente. So k?nnen moderne hochwirksame Pflanzenschutzmittel aus ?kotoxikologischer Sicht trotz geringerer Dosierung das gleiche Gef?hrdungspotenzial wie ?ltere Mittel in hoher Dosierung aufweisen. Deshalb ist die pauschale Festsetzung von mengenbezogenen Minderungszielen für alle Pflanzenschutzmittel nicht zielführend. Reduktionsziele sind jedoch sinnvoll für Wirkstoffe, die aus Umweltsicht als kritisch anzusehen sind, jedoch nicht verboten werden k?nnen. Mit der Einführung so genannter Ausschlusskriterien für die Zulassung von Wirkstoffen (?cut-off-Kriterien“) in der neuen europ?ischen Pflanzenschutzmittelverordnung (Verordnung EG 1107/2009) soll die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln mit besonders bedenklichen Wirkstoffeigenschaften auf ein Minimum reduziert werden. So sollen in Zukunft schwer abbaubare, bioakkumulierende und umweltgiftige Wirkstoffe grunds?tzlich verboten sein – Beispiele sind die persistenten organischen Schadstoffe (POPs), aber auch krebsausl?sende oder über ?nderungen im Hormonhaushalt oder im Erbgut sch?dlich wirkende Stoffe.

Ma?nahmen in der Landwirtschaft

Die wichtigsten Instrumente, um die Belastung von Gew?ssern und B?den und die Gef?hrdung der biologischen Vielfalt zu verringern, sind der zukünftige ?Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln“ und eine konsequente Kontrolle der Anwendungsauflagen zum Schutz? von ?kosystemen durch die L?nderbeh?rden. Der nationale Aktionsplan schlie?t eine grunds?tzliche Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln in der konventionellen Landwirtschaft auf das tats?chlich notwendige Ma? ein. Dies kann unter anderem durch die verpflichtende Einführung der Grunds?tze des integrierten Pflanzenschutzes bis 2014 und kulturspezifischer Leitlinien des integrierten Pflanzenschutzes geschehen. Zus?tzlich müssen alternative Anbauverfahren mit geringerem oder ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gef?rdert werden. Es gilt, einen ausreichenden Anteil an ?kologisch wertvollen Ausgleichsfl?chen in der Agrarlandschaft zu schaffen. Zu empfindlichen Land- und Gew?sserbiotopen sind zus?tzliche Pufferzonen einzurichten, um Beeintr?chtigungen der dort lebenden Arten so gering wie m?glich zu halten.

Ma?nahmen zum Schutz von Gew?ssern und Biodiversit?t

Um die Gefahr des Eintrags von Pflanzenschutzmitteln in benachbarte Biotope zu vermindern, sollten Landwirte und die zust?ndigen Beh?rden der Bundesl?nder gezielt folgende Ma?nahmen zum Schutz der Gew?sser und der Biodiversit?t ergreifen:

  • Ausschlie?liche Verwendung abtriftarmer Ger?te/Düsen,
  • Feld- statt Hofreinigung der Ger?te,
  • effiziente Kontrolle der Einhaltung aller gew?sserschutzbezogenen Umweltauflagen zur Anwendung, Lagerung und Entsorgung sowie zum Schutz terrestrischer ?Nichtzielarten“ von Pflanzenschutzmitteln durch die Bundesl?nder,
  • Einschr?nkung der Anwendung von Gew?sser gef?hrdenden Pflanzenschutzmitteln, die in? Messprogrammen aufgefallen sind und in besonders empfindlichen Gebieten eingesetzt werden, durch bundesweite Auflagen oder durch die L?nder im Rahmen von regionalen gew?sserschutzbezogenen Regelungen,
  • Einschr?nkung der Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln auf nicht-landwirtschaftlich genutzten Fl?chen und Freifl?chen im Rahmen einer Vereinheitlichung der Genehmigungspraxis für Nichtkulturland,
  • F?rderung der Einrichtung von ⁠Gew?sserrandstreifen⁠, auch durch Schaffung von geeigneten Ausgleichsfl?chen (zum Beispiel Blühstreifen), so dass die indirekten Auswirkungen auf terrestrische Nichtzielarten minimiert werden,
  • Schlagspezifische Aufzeichnung von Art, Menge und Zeitpunkt der ausgebrachten Pflanzenschutzmittel sowie regelm??ige übermittlung dieser Informationen an die zust?ndigen Wasserbeh?rden,
  • Gestaltung der Agrarlandschaft in einer Weise, dass die Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln durch die Landwirtschaft nicht dem Erhalt der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft entgegensteht: zum Beispiel durch die Festschreibung eines verpflichtenden Anteils an geeigneten ?kologischen Ausgleichsfl?chen (unter anderem Blühstreifen, Brachen) im Rahmen der Guten Fachlichen Praxis oder der Direktzahlungsregelungen (cross compliance),
  • Definition von Mindestanforderungen zur Nützlingsf?rderung und der Aufrechterhaltung eines ausreichenden ?kologischen Wiedererholungspotenzials in der Agrarlandschaft in der Guten Fachlichen Praxis und in den kulturspezifischen Leitlinien des integrierten Pflanzenschutzes,
  • generelle oder Wirkstoff-spezifische Anwendungseinschr?nkungen in besonders empfindlichen Gebieten im Rahmen integrierter Gebietsmanagementstrategien (zum Beispiel in FFH-Gebieten gem?? der Richtlinie 92/43/EWG).