Humanarzneimittel

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In mindestens 71 L?ndern rund um den Globus wurden bisher Arzneimittelfunde berichtet.
Quelle: djahan / Fotolia.com

In Deutschland sind ca. 2300 verschiedene Wirkstoffe für die Humanmedizin zugelassen. Von diesen Wirkstoffen werden ca. 1200 vom Umweltbundesamt als umweltrelevant eingestuft. Als nicht umweltrelevant erachtet werden zum Beispiel natürliche Stoffe wie Vitamine, Elektrolyte, Aminos?uren, Proteine und Peptide. Das Besondere an Humanarzneimitteln ist, dass sie mit den menschlichen Ausscheidungen kontinuierlich in die Abw?sser gelangen und ein Gro?teil in den Kl?ranlagen nicht eliminiert wird. Damit erfolgt ein steter Eintrag von Arzneimittelstoffen in die Umwelt, wenn auch in relativ geringen Mengen.?

Ein weltweites Problem

Seit den 80er Jahren wird vermehrt von Arzneimittelfunden in der Umwelt berichtet, was unter anderem durch verbesserte Analysemethoden erm?glicht wird. In einer neueren Studie des Umweltbundesamtes wurden Daten zu weltweiten Arzneimittelfunden in der Umwelt gesammelt.?In 75 L?ndern rund um den Globus konnten 771 Wirkstoffen und deren Umwandlungsprodukten nachgewiesen werden. Davon wurden 19 Stoffe,?wie zum Beispiel Diclofenac, in allen untersuchten L?ndern im Oberfl?chengew?sser, Grundwasser und Trinkwasser gefunden. In einigen L?ndern lag die Konzentration bestimmter Arzneimittelwirkstoffe in Oberfl?chengew?ssern in einem Bereich, in dem negative Wirkungen auf z.B. Fische nicht ausgeschlossen werden k?nnen.

Wirkungen in der Umwelt

Die gemessenen Konzentrationen der Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt liegen in der Regel unterhalb der therapeutischen Dosen der Arzneimittelprodukte.. Damit ist jedoch für die Umwelt keine Entwarnung gegeben. Denn obwohl Arzneimittel zu den humantoxikologisch am besten untersuchten Stoffen z?hlen, sind die ?kotoxikologischen Folgen der vergleichsweise geringen, dafür jedoch permanenten Belastung der Gew?sser und des Bodens mit Arzneimittelresten weitgehend unbekannt.

Ein Beispiel für Auswirkungen von Arzneimitteln in der Umwelt ist das Massensterben mehrerer Geierarten in den 1990er Jahren in Pakistan, Indien und Bangladesch. Innerhalb von 10 Jahren waren die einst sehr gro?en Geierpopulationen derart reduziert, dass diese V?gel nun vom Aussterben bedroht sind. Nach jahrelanger Suche wurde das entzündungshemmende Arzneimittel Diclofenac als Verursacher identifiziert, welches seit den 1990er Jahren in Indien und Pakistan in der Tiermedizin, insbesondere bei Rindern, eingesetzt wurde. Die Aufnahme von Diclofenac über den Fra? von Rinderkadavern führte bei den Geiern zum t?dlichen Nierenversagen.

Ab den 90er Jahren rückten Stoffe mit hormonellen Wirkungen, sogenannte endokrine Disruptoren, verst?rkt in den Fokus, und damit auch hormonelle Medikamente zur Schwangerschaftsverhütung und die Umweltauswirkungen von?Arzneimittelresten. Zum Beispiel wurde in Flüssen unterhalb von Kl?ranlagenabl?ufen die Verweiblichung von m?nnlichen Fischen beobachtet, die in Kontakt mit hormonell wirksamen Arzneistoffen gekommen waren. Diese Verweiblichung kann zur Beintr?chtigung der Fortpflanzungsf?higkeit führen und damit Auswirkung auf ganze Populationen haben. Auch bei Amphibien und Reptilien wurde das Ph?nomen der Verweiblichung bereits beschrieben. Ein hochaktuelles Thema ist die zunehmende ⁠Resistenz⁠ von Bakterien gegenüber Antibiotika, die die erfolgreiche Therapie von Infektionskrankheiten stark gef?hrdet. In welchem Ausma?Antibiotikarückst?nde in der Umwelt diese Resistenzbildung f?rdern, ist bisher jedoch nicht eindeutig zu beziffern.

Medikamente richtig entsorgen

Unsachgem?? über den Ausguss oder die Toilette entsorgte Medikamente gelangen zus?tzlich in das Abwasser und k?nnen so auch zur Belastung für die Umwelt werden. Dieser Anteil ist bislang erheblich: eine Umfrage im Jahr 2013 ergab, dass in Deutschland 47 Prozent der Befragten flüssige Arzneimittel zumindest gelegentlich über das Abwasser entsorgen. Mit richtiger Entsorgung k?nnen Sie daher erheblich dazu beitragen, die Umwelt zu schützen.

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