Ballastwasserbehandlung

Tankerschiff im Ozeanzum Vergr??ern anklicken
Durch Ballastwasser werden Arten und Krankheitserreger weltweit verbreitet.
Quelle: Lidian Neelemann / Fotolia.com

Um ihre Stabilit?t sicherzustellen, nehmen Schiffe Ballastwasser auf und geben dieses w?hrend oder am Ende ihrer Reise wieder ab. Hierbei nehmen sie aber nicht nur Ballastwasser auf, in den Tanks reisen auch alle mit dem Wasser aufgenommenen Organismen als blinde Passagiere mit. Diese k?nnen dann in der neuen Umgebung zu massiven ?kologischen, ?konomischen und gesundheitlichen Problemen führen.

Was ist?Ballastwasser und warum muss es?behandelt werden?

Um die Stabilit?t eines Schiffes sicherzustellen, müssen Gewichts?nderungen w?hrend der Be- und Entladevorg?nge ausgeglichen werden. Dazu nehmen Schiffe Ballastwasser in eigens an Bord installierte Tanks aus dem Hafenbecken auf und geben dieses w?hrend ihrer Reise in anderen H?fen wieder ab. Auch w?hrend der Fahrt muss unter Umst?nden Ballastwasser aufgenommen und/oder abgegeben werden. Mit dem Ballastwasser werden jedoch auch eine Vielzahl von Organismen aufgenommen. Diese reisen dann als blinde Passagiere in den Ballastwassertanks mit und werden weltweit verbreitet - darunter Muscheln, Algen, Wasserfl?he und kleine Fische, aber auch Mikroorganismen wie Bakterien oder Viren. Finden diese Organismen in der neuen Umgebung für sie günstige Lebensbedingungen vor, k?nnen sich in den betroffenen ?kosystemen neue Populationen dieser dort gebietsfremden Arten etablieren. Im schlimmsten Fall kann dies zur Verdr?ngung von heimischen Arten aus ihrem angestammten ⁠?kosystem⁠ führen. Diese sogenannten invasiven Arten?stellen eine gro?e Belastung der Meeres-, ?stuar- und Binnengew?sser dar. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Einschleppung der ursprünglich in China vorkommenden Wollhandkrabbe, welche mittlerweile in ganz Europa vorkommt. Da sie hier kaum natürliche Feinde hat, verdr?ngt sie andere Bewohner der Gew?sser aus deren natürlichem Lebensraum. Der Eintrag invasiver Arten verursacht jedoch nicht nur ?kologische Sch?den, auch eine Reihe von ?konomischen und gesundheitlichen Problemen k?nnen die Folge sein.

Die Ballastwasserkonvention der IMO

Um diesem Problem zu begegnen, wurde im Februar 2004 die Ballastwasserkonvention von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (International Maritime Organisation, IMO) verabschiedet. Die Konvention?trat am 08. September 2017 in Kraft. Das übereinkommen regelt den Austausch und die Behandlung von Ballastwasser, um die Einschleppung von Arten über einen unkontrollierten Wasseraustausch zu verhindern. Es legt Qualit?tsnormen fest, denen das Ballastwasser von Schiffen entsprechen muss, bevor es wieder in die Meeresumwelt abgegeben werden darf (der sogenannte D2-Standard). Beispielsweise darf ein Kubikmeter Ballastwasser nur weniger als zehn lebende Organismen enthalten, die gr??er als 50 Mikrometer sind. Durch eine gezielte Behandlung des Ballastwassers gegen Organismen soll dieser Standard in Zukunft erreicht werden.
In den sogenannten Ballastwasserbehandlungsanlagen k?nnen sowohl physikalische Verfahren, wie etwa die Bestrahlung mit UV-Licht, aber auch Chemikalien, z.B. Ozon oder Chlor, eingesetzt werden, um die im Ballastwasser enthaltenen Organismen abzut?ten. Zus?tzlich wird h?ufig eine mechanische Reinigung, zum Beispiel mit Filtern, dem eigentlichen Behandlungssystem vorgeschaltet.
Erg?nzend zur Ballastwasserkonvention wurde inzwischen eine Reihe von Richtlinien verabschiedet, die Tests und Zulassung von Ballastwasserbehandlungsanlagen konkretisieren. In seiner 71. Sitzung hat der Ausschuss für den Schutz der Meeresumwelt (Marine Environment Protection Comittee, MEPC) der IMO übergangsregeln für das Inkrafttreten der Ballastwasserkonvention beschlossen. Demnach müssen alle betroffenen Schiffe bis zum Jahr 2024 mit Ballastwasserbehandlungsanlagen ausgestattet sein, die nachweislich die im übereinkommen festgeschriebene Qualit?tsnorm für behandeltes Ballastwasser (Regel D-2) erfüllen.

Umweltrisikoprüfung von Ballastwasserbehandlungsanlagen

Um einen zuverl?ssigen Betrieb auch unter extremen ?u?eren Bedingungen sicherzustellen, unterliegen Ballastwasserbehandlungsanlagen einem mehrstufigen, international geregelten Zulassungsverfahren. Anlagen, in denen Organismen mit Wirkstoffen bek?mpft werden, unterliegen einem zus?tzlichen Bewertungsverfahren. Hersteller reichen ihre Zulassungsantr?ge über einen Mitgliedstaat, wie zum Beispiel Deutschland, bei der IMO ein. Deutschland leitet diesen Antrag nur an die IMO weiter, wenn er befürwortet wird. Unterstützt Deutschland den Antrag aus bestimmten Gründen nicht - weil beispielsweise die eingesetzten Chemikalien zu hohe Risiken bergen - hat der Hersteller dennoch die M?glichkeit, den Antrag über ein anderes Land bei der IMO einzureichen. Die Entscheidung über die Zulassung wird im Ausschuss für den Schutz der Meeresumwelt der IMO getroffen. Sie wird fachlich von einer Arbeitsgruppe aus dem?internationalen Expertengremium der IMO vorbereitet. Andere Mitgliedstaaten haben die M?glichkeit den Zulassungsantrag zu?kommentieren und so ihren Standpunkt in die Diskussion einzubringen.

Die Rolle des ⁠UBA

In Deutschland liegt die Federführung für die Zulassung von Ballastwasserbehandlungsanlagen beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) mit Sitz in Hamburg. Das BSH wird von verschiedenen Fachbeh?rden und der Klassifikationsgesellschaft DNV GL entsprechend unterstützt. Das Umweltbundesamt ist in das Zulassungsverfahren eingebunden, um m?gliche Umweltrisiken, die sich aus dem Betrieb der Anlagen ergeben k?nnen, zu bewerten. Mit diesen Vollzugsaufgaben sind neben Gremienarbeit auch konzeptionelle Arbeiten zur Weiterentwicklung von Bewertungskonzepten und Prüfrichtlinien verknüpft.