Antifouling im Wassersport: Tipps zum umweltschonenden Umgang

Ein Bootsrumpf und im Hintergrund ein Yachthafen.zum Vergr??ern anklicken
Es gibt unterschiedliche Methoden, den Bootsrumpf vor Bewuchs zu schützen.
Quelle: Susanne Kambor

Antifouling-Beschichtungen sollen Bootsrümpfe vor Bewuchs schützen. Die Produkte enthalten aber meist giftige Biozide, welche anschlie?end in die Umwelt gelangen und die ?kosysteme sch?digen k?nnen. Es ist daher wichtig, die Beschichtungen so anzuwenden, dass Mensch und Umwelt m?glichst wenig belastet werden.

Es gibt unterschiedliche Methoden, den Bootsrumpf vor Bewuchs zu schützen. Die etablierteste Ma?nahme ist die Verwendung biozidhaltiger Antifouling-Beschichtungen. Aus diesen l?sen sich biozide Wirkstoffe nach und nach heraus, um an der Grenzfl?che zum umgebenden Wasser die Bewuchsorganismen zu t?ten oder auf andere Weise zu sch?digen. Die giftigen Wirkstoffe werden also direkt und beabsichtigt in die Gew?sser eingetragen und k?nnen dort, neben den eigentlichen Zielorganismen, auch andere im Gew?sser lebende Organismen sch?digen.

Die bioziden Antifouling-Produkte werden europaweit durch die Biozid-Verordnung EU 528/2012 reguliert. Unter den 11 zurzeit in der EU verkehrsf?higen Antifouling-Wirkstoffen werden die kupferbasierten Antifouling-Biozide besonders h?ufig verwendet. Kupfer ist prinzipiell in der Umwelt nicht abbaubar. Es lagert sich in den Sedimenten der Binnengew?sser oder Meere an und kann dort lebende Sedimentorganismen sch?digen. Zwischen 2013 – 2015 konnten beispielsweise in etwa 10% der Messstellen der Bund/L?nder Arbeitsgemeinschaft Wasser (⁠LAWA⁠) kritische Kupferkonzentrationen in Schwebstoffproben nachgewiesen werden. Das Umweltbundesamt sch?tzt (siehe Hintergrundpapier), dass ca. 19 Prozent der gesamten Kupfereintr?ge in deutsche Oberfl?chengew?sser von Sportbooten-Beschichtungen emittiert werden. Die Verwendung von bioziden Antifouling-Beschichtungen im Freizeitbereich tr?gt somit erheblich zur Schadstoffbelastung deutscher Oberfl?chengew?sser bei.

Dabei ist ein Verzicht auf biozidhaltige Produkte gerade im Sportbootbereich oft m?glich und sollte immer in Erw?gung gezogen werden; alternative biozidfreie Produkte sind auf dem Markt durchaus verfügbar. 71 Prozent der Sportboot-Liegepl?tze in Deutschland befinden sich in Binnenrevieren. Die Zusammensetzung und die Menge an Bewuchs sind im Vergleich zu Nord- und Ostsee hier weniger problematisch, sodass ein Verzicht auf Biozide gerade im Landesinneren ohne weiteres m?glich ist. Aber auch in Gew?ssern mit anspruchsvolleren Bewuchs-Bedingungen wie zum Beispiel in der Ostsee kann unter bestimmten Voraussetzungen auf Biozide verzichtet werden, wie Langzeitstudien im Rahmen des EU-Forschungsprojekts CHANGE zeigten.

Auch bei der Verwendung biozidhaltiger Beschichtungen bestehen M?glichkeiten, den Bewuchsschutz umweltvertr?glicher zu gestalten. So konnten zum Beispiel Untersuchungen im EU-Forschungsprojekt CHANGE zeigen, dass Produkte mit geringeren Kupfer-Konzentrationen als üblich (bzw. -Freisetzungsraten) in vielen Bereichen der Ostsee einen ausreichenden Bewuchsschutz bieten.

Eine Palette an m?glichen Ma?nahmen zeigt der Leitfaden des Umweltbundesamtes ?Antifouling im Wassersport“ auf. Er soll Bootsbesitzende umf?nglich über das Thema Antifouling informieren, aufkl?ren und sensibilisieren. So sollten bei der Produktwahl zum Beispiel grunds?tzlich immer die Nutzungsgewohnheiten und die ?rtlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden. Neben allgemeinen Informationen zum Thema Fouling, Antifouling und den Umweltrisiken werden auch die g?ngigsten biozidfreien Bewuchsschutzmethoden kurz vorgestellt und der aktuelle Stand der Zulassung von biozidhaltigen Antifouling-Produkten in Deutschland und anderen europ?ischen L?ndern zusammengefasst.

Insgesamt bilden drei Kapitel zu den Themenbl?cken Produktauswahl, Umgang mit Antifouling-Produkten und Reinigung von Bootsrümpfen den Kern des Leitfadens. Diese Inhalte sind jeweils in ?verbindliche“ und ?vorbildliche“ Ma?nahmen unterteilt. Dies soll den Anwenderinnen und Anwendern erleichtern zu erkennen, was zwingend zu beachten ist oder im Sinne der Umwelt und des Gesundheitsschutzes zus?tzlich umgesetzt werden kann.
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