Wissenswertes

Nanostrukturzum Vergr??ern anklicken
Nanostrukturen sind mehr als 1.000-mal kleiner als der Durchmesser eines Menschenhaares.
Quelle: eugenesergeev / Fotolia.com

Das Umweltbundesamt unterstützt eine sachlich geführte Diskussion über die Chancen und Risiken der Nanotechnik. Es will einen Beitrag dazu leisten, die Chancen der Nanotechnik für den Umwelt- und Gesundheitsschutz zu f?rdern und gleichzeitig die Risiken zu bewerten und zu vermeiden.

Definition von Nanomaterialien

Was sind eigentlich Nanomaterialien? Um diese Frage zu kl?ren, ver?ffentlichte die EU-Kommission im Oktober 2011 eine Empfehlung zur Definition von Nanomaterialien. Diese umfasst natürliche, in Prozessen anfallende und gezielt hergestellte Nanomaterialien einschlie?lich ihrer Aggregate und Agglomerate.
Mindestens 50 Prozent der anzahlbasierten Partikelgr??enverteilung muss im Bereich ein bis 100 Nanometer liegen. Abweichend von der Definition gelten auch einige ausdrücklich aufgez?hlte Materialien (Fullerene, Graphenflocken und einwandige Kohlenstoff-Nanor?hrchen – SWCNT), deren Abmessungen kleiner als ein Nanometer sind, als Nanomaterial. Erg?nzend k?nnen auch Materialien mit einer volumenbasierten spezifischen Oberfl?che von mehr als 60 Quadratmeter pro Kubikzentimeter als Nanomaterial angesehen werden. Dies bedeutet aber nicht, dass ein Material, das aufgrund seiner Anzahlgr??enverteilung ein Nanomaterial ist, auch eine spezifische Oberfl?che gr??er als 60 Quadratmeter/Kubikzentimeter haben muss. Diese Definition ist in der Verordnung zu Biozidprodukten (Verordnung (EU) Nr. 528/2012) und die Anh?nge der ⁠REACH⁠-Verordnung (Verordnung (EU) 2018/1881) aufgenommen.

Internationales Engagement zur Sicherheit von Nanomaterialien

Das Umweltbundesamt arbeitet unter der Leitung des Bundesumweltministeriums in der ?Working Party on Manufactured Nanomaterials (WPMN)“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (⁠OECD⁠) mit. Diese Gruppe arbeitet an verschiedenen Aspekten zu Sicherheit von Nanomaterialien. Ein Schwerpunkt ist dabei die Entwicklung von Prüfrichtlinien und Leitf?den für die international harmonisierte Untersuchung von Nanomaterialien. Das ⁠UBA⁠ koordinierte dabei die deutsche Beteiligung an der Prüfrichtlinienentwicklung im Bereich ?kotoxikologie, Umweltverhalten und physikalisch-chemischer Charakterisierung.

Nanomaterialien und REACH-Verordnung

Die Herstellung, der Import und die Verwendung von chemischen Stoffen werden in der Europ?ischen Chemikalienverordnung REACH (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) geregelt. Mit der Verordnung (EU) 2018/1881 wurden die Anh?nge der REACH-Verordnung an die Besonderheiten von Nanomaterialien angepasst. Diese Anpassungen sind ab dem 01.01.2020 anzuwenden. Als Hilfestellung für die Registrierung von Nanomaterialien im Rahmen der REACH-Verordnung hat die ECHA nanospezifische Anh?nge für ihre Leitlinien zu Informationsanforderungen und Stoffsicherheitsbeurteilung zur Verfügung gestellt.

Europ?isches Nanoproduktregister

Für eine Bewertung der m?glichen Risiken von Nanomaterialien für Mensch und Umwelt bestehen weiterhin wesentliche Wissenslücken. Daher setzt sich das Umweltbundesamt für ein europ?isches Register für Produkte, die Nanomaterialien enthalten, ein. Das Produktregister sollte einen überblick unter anderem über die nanomaterialhaltige Produkte schaffen, die Nanomaterialien freisetzen sollen oder bei denen eine Freisetzung über den gesamten Lebenszyklus nicht ausgeschlossen werden kann. Den Beh?rden würde das Register erleichtern, Schwerpunkte bei der überwachung und Vollzug von Gesetzen zu setzen. Sie k?nnten besser absch?tzen, wie und wo Mensch und Umwelt Nanomaterialien ausgesetzt sind. Im Falle negativer Auswirkungen k?nnte eine bessere Rückverfolgbarkeit gew?hrleistet werden. Für den Hersteller, Handel und Verbraucherinnen und Verbraucher schafft ein Produktregister Transparenz.

Von der Europ?ischen Kommission wurde eine sogenannte Europ?ische Beobachtungsstelle für Nanomaterialien (European Union Observatory for Nanomaterials, EU-ON) bei der Europ?ischen Chemikalienagentur (ECHA) eingerichtet.. Die Einführung des EU-ON stellt eine freiwillige Aktivit?t der Kommission dar, mit der keine Pflichten für Hersteller oder Importeure verbunden sind. Vielmehr tr?gt die ECHA bestehende Informationen aus verschiedenen Gesetzgebungen zur Chemikalienregulierung als auch Informationen aus Regelungsbereichen anderer EU-Beh?rden wie der Europ?ischen Beh?rde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und der Europ?ischen Arzneimittelagentur (EMA) zusammentragen und erg?nzt die Datenlage mittels Marktstudien und Branchenumfragen. Auf Grund eines fehlenden verpflichtenden europ?ischen Instruments haben Frankreich, D?nemark, Belgien, Schweden aber auch Norwegen inzwischen nationale Meldepflichten für Nanomaterialien bzw. nanomaterialhaltige Produkte in den vergangenen Jahren eingeführt. Diese nationalen Register fokussieren auf unterschiedliche Zielsetzungen, Ausrichtungen und Regelungsgegenst?nde und sind verpflichtend für Hersteller und Importeure von Nanomaterialien oder nanomaterialhaltigen Produkten.

Datenbl?tter zu nanotechnischen Anwendungen

Die Erwartungen in den Einsatz von Nanomaterialien in verschiedensten Anwendungen sind nach wie vor hoch. Anwendungsfelder reichen über Elektro- und Energietechnik, Chemie und Materialentwicklung bis hin zu Pharmazie, Beschichtungen, Baumaterialien und Textilien. Für die Umwelt lassen sich vielseitige Chancen ableiten, z.B. im Bereich der Energie- und Ressourceneffizienz, der Sanierung von Altlasten oder der Wasseraufbereitung. Nanomaterialien k?nnen im Vergleich zu konventionellen Chemikalien ge?nderte oder v?llig neue Eigenschaften und Funktionen aufweisen, die bei der Bewertung des Umweltrisikos berücksichtigt werden müssen.

Das ⁠UBA⁠ entwickelt zur Information der interessierten ?ffentlichkeit Datenbl?tter (siehe Liste unten) über die Chancen und Risiken von nanotechnikbasierten Anwendungen. Diese gehen vor allem auf umweltrelevante Aspekte ein.

Forschungsstrategie ?Nanotechnologie: Gesundheits- und Umweltrisiken von Nanomaterialien

Im Jahre 2007 ver?ffentlichten BAuA, ⁠BfR⁠ und UBA unter der Federführung der BAuA eine erste gemeinsame Forschungsstrategie ?Nanotechnologie: Gesundheits- und Umweltrisiken von Nanomaterialien″. Das Papier nennt strategische Ziele für die Konzeption von Forschungsprojekten. Es identifiziert nanospezifische Forschungs- und Arbeitsgebiete zu Umwelt- und Gesundheitsfragen. Die Forschungsstrategie führt au?erdem den dringenden Forschungsbedarf getrennt nach Arbeiter/Arbeiterin, Verbraucher/Verbraucherin und Umwelt auf.

In der im Jahr 2013 vorgelegten Bilanz werden der Stand und die wichtigsten Ergebnisse von 85 Forschungsprojekten zusammengestellt, die durch die gemeinsame Forschungsstrategie angesto?en oder begleitet wurden. Bei der Entwicklung der Bilanz waren auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt und die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung eingebunden.

Bei der erneuten Weiterentwicklung im Jahre 2016 wurde der Blickwinkel auch auf andere Materialinnovationen ausgeweitet, bei denen vergleichbare Risiken für Mensch und Umwelt bestehen oder abgekl?rt werden müssen. In der Strategie wird der grunds?tzliche Ansatz verfolgt, neue Materialien anwendungssicher und umweltvertr?glich über den gesamten Lebenszyklus zu entwickeln. Damit soll die Risikoforschung enger mit der Innovationsforschung verknüpft werden. Schwerpunkt liegt dabei auf Forschungsaktivit?ten zur Entwicklung, Anpassung und Standardisierung von Prüfmethoden und Konzepten zur Charakterisierung und Bewertung von Gesundheits- und Umweltrisiken, sowie auf der Weiterentwicklung von Rechtsvorschriften.

Die aktuelle Forschungsstrategie ?Nanomaterialien und andere innovative Werkstoffe: anwendungssicher und umweltvertr?glich“ von 2016-2020 befindet sicher derzeit in der Bilanzierung.

Ver?ffentlichungen

UBA-Publikationen Nanotechnik

Teilen:
Artikel:
Drucken Senden
Schlagworte:
 Nanotechnik  Nanotechnologie  Nanomaterialien  REACH-Verordnung