Glyphosat

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Glyphosat wird in Deutschland auf ca. 40 Prozent der Felder eingesetzt.
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Glyphosat ist eines der meistverkauften Pestizide der Welt und wird in Deutschland auf ca. 40 Prozent der Felder eingesetzt, um Unkraut zu vernichten oder beispielsweise die Reife von Getreide zu beschleunigen. Im Folgenden werden verschiedene Gesichtspunkte m?glicher Wirkungen von Glyphosat auf die Umwelt dargestellt.

Die Genehmigung des Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffes (PSM-Wirkstoffes) Glyphosat wird in der Europ?ischen Union überprüft. Deutschland hat hierbei die Rolle des berichterstattenden Mitgliedstaates. Dies bedeutet, dass die beteiligten deutschen Beh?rden alle zur Verfügung stehende Informationen zu diesem Wirkstoff zusammentragen und bewerten. Abschlie?end wird ein Gesamtbewertungsbericht den anderen Mitgliedstaaten und der europ?ischen Kommission zur Verfügung gestellt. Er dient als Grundlage für eine Entscheidung in der Frage der Genehmigungsf?higkeit des Wirkstoffes. Am Gemeinschaftsverfahren der EU-Wirkstoffbewertung für PSM sind in Deutschland das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als Zulassungsbeh?rde für PSM, das Bundesinstituts für Risikobewertung (⁠BfR⁠), das Julius Kühn-Institut (JKI) sowie das Umweltbundesamt (⁠UBA⁠) beteiligt. Das Umweltbundesamt nimmt dabei die Aufgaben im Bereich der Umweltbewertung zum Schutz des Naturhaushaltes und des Grundwassers wahr.

Was die Belastung von Oberfl?chengew?ssern und Grundwasser mit dem Wirkstoff Glyphosat und eines seiner Metaboliten (Abbauprodukt) AMPA betrifft, so stehen dem UBA einige europaweite Daten zum ⁠Monitoring⁠ für Oberfl?chenwasser zur Verfügung. Die h?chsten gemessenen Konzentrationen in Oberfl?chengew?ssern lagen in Schweden bei 370 Mikrogramm pro Liter (μg/l) für den Wirkstoff und 49 μg/l für seinen Metaboliten (Horth, 2012). In Deutschland lagen die h?chsten gemessenen Konzentrationen deutlich niedriger (4,7μg/l für den Wirkstoff und unter 4 μg/l für seinen Metaboliten). Beide Konzentrationen liegen damit unterhalb der in den Zulassungsverfahren ermittelten regulatorisch akzeptablen Konzentrationen von 100μg/l für Glyphosat und 1200 μg/l für den Metaboliten AMPA.

Für eine Bewertung der Belastung des Grundwassers mit Glyphosat liegen dem UBA Studien vor, in denen Daten zum Monitoring von Glyphosat und seinen Metaboliten europaweit erfasst sind. Diese zeigen, dass Glyphosat an ca. 66.662 und sein Metabolit AMPA an 51.652 Grundwassermessstellen bestimmt wurde. Der Anteil an Messstellen, an denen der Grenzwert für PSM-Wirkstoffe und relevante Metaboliten von 0,1 μg/l (gesetzlich festgelegter Grenzwert) überschritten wurde, liegt unter 1%. Konzentrationen von Glyphosat über dem Grenzwert fanden sich u.a. in Italien, Deutschland, Niederlande, D?nemark, Norwegen, Frankreich und Spanien. Auf Basis der von der L?nderarbeitsgemeinschaft Wasser (⁠LAWA⁠) erhobenen Daten für Deutschland ist ersichtlich, dass Glyphosat in den Jahren 2008, 2009 und 2011 in 0,4 bis 0,5 % der Messproben (bei mehr als 1.500 Messungen/Jahr) in Konzentrationen gr??er 0,1 μg/l im Grundwasser analysiert wurde.

Die Auswirkungen des Einsatzes von PSM mit Glyphosat auf den Naturhaushalt wurden vom UBA unter Einbeziehung aller verfügbaren Daten bewertet. Ein besonderes Augenmerk lag auf den m?glichen Wirkungen von Glyphosat auf die Diversit?t und Abundanz von sogenannten Nicht-Ziel-Organismen in Agrarlandschaften. Die biologische Vielfalt wurde als eigenst?ndiges Schutzgut im Pflanzenschutzrecht festgeschrieben (Verordnung (EG) Nr. 1107/2009). Für die Bewertung der Effekte auf die ⁠Biodiversit?t⁠ wurden die Ergebnisse einer Studie im Auftrag des UBA genutzt, die den aktuellen Erkenntnisstand zu Auswirkungen der Anwendung von PSM auf wildlebende Vogel- und S?ugerarten zusammenfasst. Die Studie belegt, dass der gro?fl?chige Einsatz von PSM in der Intensivlandwirtschaft insbesondere für Feldvogelarten wie Rebhuhn, Goldammer und Feldlerche eine wesentliche Gef?hrdungsursache darstellt und für den fortlaufenden Rückgang der Best?nde dieser Arten mitverantwortlich ist. Die intensive Anwendung insbesondere von breitbandig wirkenden Insektiziden und Herbiziden t?tet als ungewollter Nebeneffekt ihres Einsatzzwecks – dem Eind?mmen spezifischer Schadorganismen – auch Ackerkr?uter und Insekten, die wiederum Feldv?geln vor allem w?hrend der Brutzeit als Nahrung dienen. Diese indirekten Effekte durch (Zer-)St?rung der Nahrungsnetze treten nicht nur bei der Anwendung von Glyphosat, sondern auch bei anderen Breitbandherbiziden auf. Glyphosat hat aber als das mit Abstand am meisten eingesetzte Herbizid (ca. 1/3 der in der Landwirtschaft angewendeten Menge) den gr??ten Anteil an den beschriebenen Effekten.??

Das Umweltbundesamt sieht durch die oben beschriebenen Fakten best?tigt, dass das derzeitige Risikomanagement zum Schutz der biologischen Vielfalt vor den Auswirkungen des Einsatzes von PSM nicht ausreicht. Um dem Verlust an biologischer Vielfalt zu begegnen, muss in Ackerlandschaften ein Mindestanteil an Fl?chen sichergestellt werden, die Ackerkr?utern, Insekten, wie Schmetterlingen und Bienen, sowie Feldvogelarten als Lebensraum und Nahrungshabitat dienen. Die Anwendung chemischer PSM muss auf diesen Fl?chen unterbleiben, denn sie w?re unvermeidbar mit indirekten Effekten auf das Nahrungsnetz durch Abt?ten von Ackerkr?utern und Insekten verbunden. Da die konventionelle Landwirtschaft jedoch auf den intensiven Einsatz von chemischen PSM angewiesen ist, kommen Anwendungsverbote auf den Anbaufl?chen als Ma?nahme nicht in Frage. In der konventionellen Landwirtschaft k?nnen die Auswirkungen der Anwendung von Glyphosat und anderen Pestiziden deshalb zwar nicht verhindert, aber durch Ausgleichsma?nahmen teilweise kompensiert werden. Geeignete Ausgleichsma?nahmen sind insbesondere die Einrichtung von Blühstreifen, Brachfl?chen und unbehandelten Dünnsaaten, sogenannte ?kologische Ausgleichsfl?chen. Solche Ma?nahmen sind bereits jetzt Bestandteil von Agrarumweltprogrammen der Bundesl?nder, so dass Praxiserfahrungen in der Umsetzung und in der Bewertung ihrer Wirksamkeit vorliegen. Angesichts des fortschreitenden Verlustes an biologischer Vielfalt ist es zwingend notwendig, solche Ausgleichsma?nahmen in das Risikomanagement von PSM zu verankern. Die Anhebung des Fl?chenanteils der ?kologischen Landwirtschaft von zur Zeit 6 auf 20%, wie bereits mit der nationalen Nachhaltigkeitstrategie beschlossen, w?re eine weitere sinnvolle Ma?nahme zum Schutz der biologischen Vielfalt, denn die ?kologische Landwirtschaft kommt in Feldkulturen weitestgehend ohne Anwendung der für ?kolandbau genehmigten PSM aus.