Emissionen aus Kleinfeuerungsanlagen in Wohngebieten

über verschneiten D?chern qualmen etliche Schornsteine zum Vergr??ern anklicken
Besonders im Winter tragen Holz- und Kohlefeuerungen zu Feinstaubbelastung bei.
Quelle: Grzegorz Polak / Fotolia.com

Der Qualm aus Schornsteinen kann zu Geruchsbel?stigung in der Nachbarschaft führen und gesundheitssch?dlich sein.

Inhaltsverzeichnis

 

Einsatz von Kleinfeuerungsanlagen in Wohngebieten

Für viele Menschen ist es aus unterschiedlichen Gründen wieder attraktiv geworden, ?fen und Kamine zus?tzlich zur Zentralheizung zu betreiben. Viele versprechen sich Behaglichkeit und eine erh?hte Wohnqualit?t und für manche ist das Heizen mit Holz, Kohle oder Pellets auch eine kostengünstige Alternative für eine Beheizung eines Hauses oder einer Wohnung, vor allem in den Abendstunden im Frühjahr und Herbst, wenn die Zentralheizung nicht in Betrieb ist.?

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks etwa 11,2 Millionen sogenannter Einzelraumfeuerungsanlagen (⁠ZIV⁠ 2018).
?
Um der steigenden Luftverschmutzung durch unsachgem?? betriebene oder technisch veraltete Kamine und Kamin?fen (sogenannte Einzelraumfeuerungsanlagen) entgegenzuwirken, hat die Bundesregierung Ma?nahmen ergriffen und in der überarbeitung der 1. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (1.⁠BImSchV⁠) festgeschrieben.

  1. Für eine Verbrennung zul?ssig ist nur naturbelassenes Holz (Scheitholz, Holzsp?ne, -pellets oder -briketts), welches genügend lange abgelagert ist. Genauere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber "Heizen mit Holz".
  2. In einem festgelegten Stufenplan sind veraltete Einzelraumfeuerungsanlagen auszutauschen. Infos dazu finden sie hier.
  3. Offene Kamine dürfen nur gelegentlich betrieben werden.

Betreiber von Einzelraumfeuerungsanlagen müssen sich an diese Vorgaben halten. Der Schornsteinfeger überprüft deren Einhaltung.

 

Der Geruch nach ?Winter“ kann gesundheitssch?dlich sein.

Das Heizen mit Holz verursacht, auch wenn es sachgerecht vorgenommen wird, deutlich gr??ere luftverschmutzende Emissionen als andere Energietr?ger wie Heiz?l oder Erdgas. Es ist daher nicht auszuschlie?en, dass es in einigen Wohngebieten zu kurzzeitigen Belastungen mit Feinstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (⁠PAK⁠) kommen kann – insbesondere dann, wenn in einem Wohngebiet viele Holz?fen und Kamine gleichzeitig betrieben werden und Inversionswetterlagen auftreten. PAKs entstehen bei unvollst?ndiger Verbrennung. Einige dieser PAKs sind krebserregende, erbgutver?ndernde und/oder fortpflanzungsgef?hrdende Schadstoffe, die gesundheitssch?dlich sind. Sie haften an emittierten Staubteilchen an und k?nnen, wenn letztere klein genug sind, eingeatmet werden. Feinstaub ist meist aber auch allein durch die Kleinheit seiner Partikel für den Menschen gef?hrlich. Je kleiner die Partikel sind, umso tiefer dringen sie in die Atemwege vor. Die kleinsten Teilchen (sogenannte ultrafeine Partikel) erreichen sogar den Blutkreislauf und verbreiten sich bis in alle Organe. Gesundheitliche Wirkungen, die mit Feinstaubbelastungen nachweislich zusammenh?ngen, reichen von Schleimhautreizungen / lokalen Entzündungen in der Luftr?hre und den Bronchien / Lungenalveolen, verst?rkter Plaquebildung in den Blutgef??en bis hin zu Schlaganfall und Krebs. Auch Zusammenh?nge zu neurologischen Erkrankungen wie Demenz und Morbus Parkinson werden diskutiert. Für Schwangere oder vorgesch?digte Personen kann Feinstaub eine besonders starke gesundheitliche Belastung darstellen.

Vom ⁠UBA⁠ in Auftrag gegebene Luftmessungen zeigten, dass Holzfeuerungsabgase einen deutlichen Anteil an der Feinstaubbelastung in Wohngebieten haben k?nnen (Baumbach 2013). Diese spezielle zeitliche und r?umliche ⁠Emission⁠ kann nicht für eine gesundheitliche Bewertung erfasst werden, da es zum einen keine nur für diese Quelle spezifischen Messstationen und zum anderen keinen gesundheitlichen kurzfristigen Grenzwert (Ein-Stunden-Wert) für die Bewertung der gesundheitlichen Belastung gibt.

Wenn sich Emissionen der Holzfeuerung zu der Grundbelastung in Stadtlagen addieren, oder bei bestimmten kleinr?umlichen Besonderheiten (zum Beispiel dem Eintrag von Kaminemissionen in Wohnr?ume der Nachbarbebauung) k?nnen geltende Grenzwerte für den Feinstaub deutlich überschritten werden. Die EU hat einen Jahresmittelwert für ⁠PM10⁠ von 40 μg/m3 und einen 24-Stunden-Wert von 50 μg/m3 (der an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf) als Grenzwerte festgelegt. Allerdings wurde in einem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beauftragten Gutachten 2013 festgestellt, dass die EU-Grenzwerte überarbeitungswürdig sind, weil sie m?glicherweise zu hoch angesetzt sind (WHO 2013), um die Gesundheit ausreichend zu schützen. Selbst die derzeitigen Grenzwerte für Feinstaub k?nnen in vielen L?ndern der EU nicht an allen Messstationen eingehalten werden.

 

Unsere Hinweise zu Holzfeuerungsanlagen

  1. Betreiben Sie Ihren offenen Kamin nur gelegentlich. Offene Kaminfeuer sind energetisch sehr ineffizient, verursachen sehr hohe unkontrollierbare Emissionen, belasten die Innenraumluft deutlich mit Schadstoffen und stellen als offene Feuerquelle eine besondere Brandgef?hrdung dar.?Auch geschlossene Kamin?fen sollten nicht regelm??ig betrieben werden, weil sie durch die Emissionen die Gesundheit in der Nachbarschaft stark belasten k?nnen.?
  2. Wenn Sie einen Kamin oder Kaminofen betreiben, halten Sie sich an die Empfehlungen des Herstellers sowie Ihres Schornsteinfegers. Verbrennen Sie vor allem nur geeignetes Brennmaterial und insbesondere nur trockenes, unbehandeltes Holz. Ungeeignet und verboten ist die Verbrennung von gestrichenem oder behandeltem Holz sowie Sperrholz, Span- oder Faserplatten. Grunds?tzlich dürfen Papier oder Pappe, brennbare Abf?lle und Müll nicht verbrannt werden.
  3. Verwenden sie ein Holzfeuchte-Messger?t. Solche Ger?te sind preiswert zum Beispiel in Baum?rkten zu erhalten. Ihr Holz darf nicht mehr als 25 % Restfeuchte aufweisen, um starke Rauchentwicklung, viel Asche und eine geringe Energieausbeute zu vermeiden. Weisen Sie auch Ihre Nachbarn darauf hin, falls diese eine Holzfeuerung betreiben.
  4. Wenn Sie sich als Nachbarin oder Nachbar bel?stigt fühlen, kann zun?chst ein offenes Gespr?ch mit den Betreibern der Kleinfeuerungsanlage deutliche Erfolge bringen. Oftmals k?nnen sich Betreiber und Bel?stigte einigen. Ist die Quelle schwer auszumachen, ist m?glicherweise auch Ihr ?rtlicher Schornsteinfeger ein guter Ansprechpartner. Auch das Ordnungsamt kann Hilfestellung bei der Probleml?sung bieten.
  5. Die Verbrennung ungeeigneter Brennstoffe ist kein Kavaliersdelikt, denn sie sch?digt die Gesundheit aller Menschen in der Nachbarschaft und darüber hinaus. Sollten Sie Hinweise darauf haben, dass in Ihrer Nachbarschaft Papier, Pappe, feuchtes oder behandeltes Holz, Gartenabf?lle oder sogar Müll verbrannt werden - egal ob im Ofen oder auch als Lagerfeuer - sollten Sie die Verursacher darauf hinweisen und die Vorf?lle bei Nichteinsicht und Wiederholung den zust?ndigen Beh?rden vor Ort melden, das ?rtliche Ordnungsamt oder das Umweltamt sind dafür die richtigen Ansprechpartner.
 

Literaturquellen

Baumbach G: Auswirkungen von Holzfeuerungsabgasen auf die Luftqualit?t in Wohngebieten. Tagung "Reine Luft - Luftreinhaltung heute und morgen" zum Jahr der Luft am Umweltbundesamt. Dessau-Ro?lau, 16. und 17. September 2013. (http://www.matthieusonnet.com/service/termine/reine-luft-luftreinhaltun...)

WHO (World Health Organization): Review of evidence on health aspects of air pollution - REVIHAAP Project, Technical Report. WHO Regional Office for Europe, Copenhagen, 2013.