Aufmerksamkeits-Defizits-Hyperaktivit?ts-St?rung (ADHS)

Zwei Kinder wandern im Wald.zum Vergr??ern anklicken
Der Aufenthalt in ?grüner“ Umgebung mildert ADHS-Symptome.
Quelle: nadezhda1906 / Fotolia.com

ADHS ist eine der h?ufigsten Verhaltensst?rungen im Kindes- und Jugendalter. Zu Faktoren, die ADHS verursachen oder den Verlauf beeinflussen k?nnten, gibt es laufend neue Hinweise. Wir geben hier eine Zusammenfassung über einige wesentliche Einflussgr??en, die bekannt sind oder derzeit wissenschaftlich diskutiert werden, insbesondere im Hinblick auf Schadstoffbelastungen aus der Umwelt.

Die Aufmerksamkeits-Defizits-Hyperaktivit?ts-St?rung (ADHS) geh?rt zur Gruppe der Verhaltens- und emotionalen St?rungen. ADHS beginnt im Kindesalter und kann Betroffene w?hrend des gesamten Lebens begleiten. ADHS ist gekennzeichnet durch motorische Unruhe, mangelnde Konzentrationsf?higkeit und gesteigerte Impulsivit?t. Menschen mit ADHS unterliegen einer st?ndigen Reizüberflutung, da sie aufgrund von Stoffwechsel- und Funktionsst?rungen im Gehirn wichtige von unwichtigen Informationen nicht unterscheiden k?nnen und so st?ndig unter gro?er Anspannung stehen. Liegt keine Hyperaktivit?t vor, so spricht man auch von ADS.

Wie h?ufig ist ADHS in Deutschland?

In der kritischen ?ffentlichkeit wird h?ufig thematisiert, dass ADHS in der westlichen Welt eine Art ?Modediagnose“ ist, die es erlaubt, schwieriges kindliches Verhalten medikament?s zu d?mpfen. Tats?chlich ist die Diagnose von ADHS nicht einfach zu stellen.?

Daten des Kinder- und Jugend-Gesundheitssurveys (KiGGS) 2003-2006 zeigen für Deutschland bei 3 bis 17-j?hrigen Kindern eine H?ufigkeit von 5% auf. Berücksichtigt wurden solche Kinder, bei denen ein Arzt oder ein Psychologe jemals ADHS diagnostiziert hat. Jungen sind mehr als viermal h?ufiger betroffen als M?dchen. Hinzu kamen noch einmal 5% Verdachtsf?lle, gem?? der Auswertung von Elternangaben ohne dass eine Diagnose erstellt wurde.

Welche Risikofaktoren sind bekannt?

Bei kaum einer anderen Krankheit mit unklarer Ursache gibt es so viele Hinweise und Studien zu m?glichen Faktoren, die die Entstehung und den Verlauf beeinflussen, wie bei ADHS. Als relativ gesichert gilt, dass eine genetische Veranlagung einen wesentlichen Risikofaktor darstellt. Die relevanten Gene konnten allerdings bisher nicht identifiziert werden, Interaktionen zwischen Umweltfaktoren und Genver?nderungen k?nnten eine wesentliche Rolle spielen.?

ADHS beginnt im Kindesalter, so dass ungünstigen Einflüssen w?hrend der Schwangerschaft eine gro?e Bedeutung zukommen k?nnte. Risikofaktoren für das Auftreten von ADHS bei Kindern k?nnten sein: Nikotin- und Alkoholkonsum w?hrend der Schwangerschaft und Geburtskomplikationen (z.B. Sauerstoffmangel). In der Diskussion ist auch, dass eine Schwangerschaftsdiabetes, die Einnahme von Paracetamol und der Verzehr von Lakritz w?hrend der Schwangerschaft die kognitive Entwicklung der Feten st?ren k?nnte. Alle diese Faktoren stellen Hinweise aus Studien dar, sie k?nnen daher nicht als ausreichend kausal belegt gelten.?

Ungünstige psychosoziale Einflüsse gelten weniger als Ursache für ADHS. Allerdings k?nnen sie den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Zu nennen sind hier unter anderem: famili?re Instabilit?t, beengte Wohnverh?ltnisse und Armut, fehlende Regeln in der Erziehung und Schlafmangel des Kindes.

Zudem gibt es eine Reihe von Hypothesen dazu, dass die Ern?hrung zumindest die Auspr?gung von ADHS beeinflussen kann. Gem?? einer EU-Verordnung müssen Lebensmittel, die bestimmte Farbstoffe (E102, E104, E110, E122, E124, E129) enthalten, seit 2010 mit dem Satz ?kann Aktivit?t und Aufmerksamkeit von Kindern beeintr?chtigen“ gekennzeichnet sein. In den letzten Jahren mehren sich wissenschaftliche Studien zur Rolle der Ern?hrung im Zusammenhang mit ADHS. Es wird zum Beispiel untersucht, ob eine gesunde Ern?hrung mit ausreichend essentiellen Fetts?uren und genügend Mineralstoffen oder eine entsprechende Supplementierung sich günstig auf den Verlauf von ADHS auswirken k?nnte.?

Welche Rolle spielen Umweltfaktoren?

Viele Umweltgifte wie einige Metalle oder ⁠Pestizide⁠ (Pyrethroide) haben neurotoxische Eigenschaften und k?nnen besonders bei ⁠Exposition⁠ w?hrend der Schwangerschaft oder im Kleinkindalter die Entwicklung des Gehirns beeinflussen. Dadurch kann die neurale Entwicklung von Kindern gest?rt oder verz?gert werden. Ob eine Exposition mit Schadstoffen allerdings tats?chlich in der Folge auch zu ADHS führen kann, wird derzeit noch kontrovers diskutiert. Der Hauptzuführpfad dieser Umweltschadstoffe für die Allgemeinbev?lkerung ist die Nahrung. Hinsichtlich der Metalle ist Blei hervorzuheben, da Blei auch heute noch vereinzelt in unzul?ssigen Konzentrationen im h?uslichen Trinkwasser zu finden ist. Eine Ern?hrung mit viel Seefisch kann zu einer relevanten Belastung mit Quecksilber führen.

In den letzten Jahren wurden Studien durchgeführt und publiziert, die ADHS auch mit Luftschadstoffen in Verbindung bringen. In den Studien wurde meist untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen der kognitiven Entwicklung von Kindern und der Exposition gegenüber st?dtischen Verkehrsimmissionen gibt. In einigen Studien ergeben sich Hinweise auf positive Zusammenh?nge zur ?N?he“ zum Stra?enverkehr als auch für die H?he der auftretenden Schadstoffe (NO2, Feinstaub), allerdings sind die Ergebnisse bisher widersprüchlich.?

Gegen eine Bedeutung von Luftschadstoffen bei der Entstehung von ADHS sprechen die Ergebnisse des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys. Dort wurde für das Vorkommen von ADHS (Befragung der Eltern nach jemals gestellter Diagnose und Summenscore aus abgefragten Verhaltensweisen) zum Beispiel kein Effekt der st?dtischen oder l?ndlichen Wohnumgebung ermittelt. Deutlich war aber der Einfluss der sozialen Stellung: Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus wiesen h?ufiger ADHS auf als Kinder aus Familien mit hohem Status.?

In vielen Ratgebern für Erziehende finden sich Hinweise unter anderem dazu, dass Kinder mit ADHS vor zus?tzlicher Reizüberflutung geschützt werden sollten. So gibt es zum Beispiel wissenschaftliche Untersuchungen, die zeigen, dass ein t?glicher Aufenthalt in ?grüner“ Umgebung (W?lder oder Parks) die ADHS-Symptomatik mildern kann.

Teilen:
Artikel:
Drucken Senden
Schlagworte:
 ADHS  Kinder  Umwelt und Gesundheit