Anpassung auf EU-Ebene

Mann springt mit blauen und den EU-Sternen bedruckten Schirm in der Hand in die Luft.zum Vergr??ern anklicken
In 2013 legte die EU-Kommission eine eigene Anpassungsstrategie vor.
Quelle: kallejipp/photocase.com

Die Folgen des Klimawandels sind in Europa bereits zu spüren. Anstrengungen für die Anpassung an den Klimawandel werden somit immer wichtiger. Die EU-Kommission hat 2013 eine Anpassungsstrategie vorgelegt, um dem wachsenden Handlungsbedarf Rechnung zu tragen. Die Klimawandelanpassung ist eine wichtige Erg?nzung zu den Ma?nahmen zum Klimaschutz.

Inhaltsverzeichnis

 

Die europ?ischen Anpassungsstrategie

Im Jahr 2009 legte die Europ?ische Union (EU) mit dem Wei?buch ?Anpassung an den Klimawandel: Ein europ?ischer Aktionsrahmen“ einen ersten strategischen Ansatz für gezielte Klimaanpassungsma?nahmen vor. Im Anschluss begann die EU, das Thema Anpassung in ihre Politik und mehrere ihrer Finanzierungsprogramme zu integrieren. Nun stehen die Koordinierung von Anpassungsma?nahmen, die Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Entwicklung und Bewertung entsprechender Anpassungsinstrumente, die Problembew?ltigung grenzüberschreitender Klimaauswirkungen sowie die Etablierung überregionaler Anpassungsma?nahmen auf der Agenda. Zust?ndig hierfür ist innerhalb der EU-Kommission die Generaldirektion Climate Action (DG CLIMA).

Ein wichtiges Ergebnis des Wei?buches war die Entwicklung eines EU-weiten, l?nderübergreifenden Internetportals zum Thema Anpassung durch die EU-Kommission und die Europ?ische Umweltagentur (EEA) unter Beteiligung der europ?ischen Nationen. Die Internetplattform ?Climate-ADAPT“ ging im Jahr 2012 online. Sie dient dazu, den Informationsaustausch über Anpassungsma?nahmen zu verbessern und Synergien zu bilden. Dafür werden umfassende Informationen aus Forschung, Politik und ?ffentlichkeit sowie ein breites Angebot an Informationsinstrumenten bereitgestellt. Eine ausführliche Datenbank benennt Anpassungsprojekte, Publikationen, Akteure, Fallstudien, Indikatoren, Daten und vieles mehr. Sie erg?nzt nationale Datenbanken und erm?glicht den Austausch von Anpassungswissen und das gegenseitige Lernen in Europa.
Ebenso sind FAQ für interessierte Informationsanbietende auf Climate-ADAPT verfügbar.
Aufbau und Nutzer von Climate-ADAPT stellt die unten stehende Grafik dar.

Viele europ?ische Mitgliedstaaten sind bereits aktiv in der Anpassung an den Klimawandel. Auch werden immer mehr überregionale und l?nderübergreifende Anpassungsprojekte etabliert, die beispielsweise das Baltikum, die Alpen oder die Donau betreffen. Doch in vielen L?ndern befindet sich die Klimaanpassung erst im Anfangsstadium. Einige Mitgliedstaaten haben noch keine nationale ⁠Anpassungsstrategie⁠ entwickelt und ergreifen relativ wenige konkrete Ma?nahmen vor Ort. Oftmals werden nur lokale Kleinprojekte durchgeführt oder sektorspezifische Pl?ne, zum Beispiel für Hitzewellen, erstellt. Jedoch mangelt es gegenw?rtig an umfassenden Vulnerabilit?tsbewertungen aller Sektoren, auf deren Basis gezielt politische Ma?nahmen getroffen werden k?nnen.

Nutzergruppen, Werkzeuge, Themen und Schlüsselakteure der European Climate Adaptation Platform
Angebote und Nutzergruppen von Climate-ADAPT
Quelle: KomPass 2012
 

Strategiepaket zur Anpassung an den Klimawandel

Vor diesem Hintergrund hat DG CLIMA im Jahr 2013 ein Strategiepaket zur Anpassung an den Klimawandel vorgelegt. Dieses schl?gt einen Handlungsrahmen vor, der nationale, regionale und lokale Anstrengungen sinnvoll erg?nzen soll. Das wichtigste Element des Strategiepakets bildet die ?EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“. Sie stellt eine Bestandsaufnahme zu aktuellen und zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels bereit. Au?erdem gibt sie einen überblick über künftige Prognosen und stellt die Kosten des Nichthandelns dem Mehrwert des rechtzeitigen Handelns in Bezug auf gegenw?rtige und unvermeidbare Folgen des Klimawandels gegenüber.
Die Strategie benennt drei spezifische Ziele:

  1. F?rderung von Ma?nahmen der Mitgliedstaaten
    Die Mitgliedstaaten der EU sollen für eigene umfassende Anpassungsstrategien sensibilisiert und bei der Strategieentwicklung unterstützt werden. Finanzmittel tragen dazu bei, die Anpassungskapazit?ten der Mitgliedstaaten zu st?rken. Diese werden vorwiegend aus dem Umweltfinanzierungsmittel LIFE zur Verfügung gestellt. Die Anpassung von St?dten soll insbesondere auf freiwilligen Selbstverpflichtungen und auf Aufkl?rungsma?nahmen nach dem Vorbild des ?Konvents der Bürgermeister“ aufbauen. Zur Bewertung und Kontrolle von Anpassungsma?nahmen plant die Kommission die Entwicklung eines indikatorenbasierten Anzeigers, dem sogenannten ?Score-Board“. Auf Grundlage der Ergebnisse dieses Anzeigers sowie der Berichte gem?? der ⁠Monitoring⁠-Verordnung wird die Kommission im Jahr 2017 den Stand der Umsetzung prüfen und gegebenenfalls notwendige Korrekturen einleiten. Bei unzureichenden Fortschritten erw?gt die Kommission rechtsverbindliche Instrumente.
  2. Fundierte Entscheidungsfindung
    Um bei der Anpassung an den Klimawandel eine Entscheidungsfindung auf Grundlage einer soliden Wissensbasis zu erm?glichen, sollen Wissenslücken geschlossen werden. Hierfür wurde anderem die Anpassungsplattform Climate-ADAPT weiter ausgebaut und als zentrale Anlaufstelle für Informationen über Anpassung in Europa etabliert.
    In einem Climate-ADAPT-Profil sind aktuelle Informationen zum Mandat, zum Management von Climate-ADAPT und Hinweise für Nutzer und Anbieter von Anpassungswissen verfügbar.
    Eine von der EEA 2017 durchgeführte Evaluierung https://www.eea.europa.eu/highlights/eus-climate-adapt-found-to zeigt die wachsende Wertsch?tzung von Climate-ADAPT unter Anpassungsexperten in ganz Europa auf allen politischen Handlungsebenen und die wachsende Reichweite des dort eingebrachten Wissens. Fallstudien (Climate-ADAPT use cases) belegen den Einfluss der Plattform auf die Qualit?t der politischen Entscheidungsfindung zur Anpassung in Europa. Erste Ma?nahmen zur Umsetzung der Empfehlungen der Evaluierung werden bereits umgesetzt.
  3. EU-Ma?nahmen zur Klimasicherung in vulnerablen Schlüsselsektoren
    Im Rahmen der Klimasicherung werden Anpassungsbedürfnisse und -m?glichkeiten für wichtige EU-Politikfelder, wie die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) oder die Koh?sionspolitik, bereitgestellt. Die thematische Integration soll sicherstellen, dass EU-finanzierte Investitionen und Ma?nahmen in diesen Bereichen mit fortschreitendem Klimawandel in ihrer Effektivit?t robust bleiben. Au?erdem sollen die Klimaresilienz der europ?ischen Infrastruktur gest?rkt sowie Versicherungs- und andere Finanzprodukte zur Absicherung bei Naturkatastrophen gef?rdert werden.

Darüber hinaus enth?lt das Strategiepaket verschiedene Begleitdokumente zur Klimafolgenabsch?tzung zu unterschiedlichen Handlungsfeldern wie Küsten- und Meeresschutz, Gesundheit, Infrastruktur, Migration und l?ndlicher Entwicklung. Des Weiteren umfasst es Leitlinien, insbesondere zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der Erarbeitung eigener nationaler Anpassungsstrategien. Das Strategiepaket verfolgt eine st?rkere Koordinierung von Anpassungsma?nahmen, die die Vorsorge und das Reaktionsverm?gen der EU gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels verbessern soll. übergreifendes Ziel ist es, menschliche, wirtschaftliche und ?kologische Verluste zu minimieren und das Wirtschaftswachstum sowie klimaresiliente Investitionen zu f?rdern. Die Sektoren Bauwesen, Wasserwirtschaft, Versicherung, Agrartechnologie und ?kosystemmanagement werden besonders hervorgehoben.

In Anlehnung an den dritten Handlungsschwerpunkt der EU-Strategie hat die Kommission unter Federführung der Generaldirektion Binnenmarkt und Dienstleistungen (GD MARKT) im Rahmen des Strategiepakts ein Grünbuch zu ?Versicherungen gegen Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Katastrophen“ ver?ffentlicht. In Folge des Klimawandels treten derartige Katastrophenf?lle immer h?ufiger auf, verursachen Sch?den in Milliardenh?he und gef?hrden so die wirtschaftliche Stabilit?t. Oftmals besteht kein ausreichender Versicherungsschutz. Zudem ist die Bev?lkerung vielfach nur unzureichend für Vorsorgema?nahmen sensibilisiert. Mit dem Grünbuch wird daher ein breit angelegter ?ffentlicher Konsultationsprozess zu der Frage angestrengt, ob die gegenw?rtig in der EU verfügbaren Versicherungsmodelle langfristig einen ausreichenden Katastrophenschutz bieten.

N?chste Schritte

Sowohl die ?EU-Strategie zur Anpassung an den Klimawandel“ als auch das Grünbuch zu Versicherungen gegen Katastrophen durchlaufen einen Konsultationsprozess. Der europ?ische Umweltministerrat hat Ende Juni 2013 das Strategiepaket grunds?tzlich begrü?t. Er unterstreicht dabei unter anderem die Bedeutung der Klimaanpassung als unentbehrliche Erg?nzung zum ⁠Klimaschutz⁠. Au?erdem weist er darauf hin, dass Klimaanpassung auch mit Blick auf die Au?en- und Entwicklungspolitik von Bedeutung ist. Weitere EU-Organe wie das Parlament und der Ministerrat beraten über die Vorschl?ge der Kommission.

Die Europ?ische Kommission evaluiert derzeit den Stand der Umsetzung und die Wirksamkeit der Europ?ischen ⁠Anpassungsstrategie⁠. Die Ergebnisse der ⁠Stakeholder⁠ Workshops und der ?ffentlichen Online-Konsultationen sind online verfügbar https://ec.europa.eu/clima/events/articles/0119_en. Der Abschluss der Evaluierung mit Bericht an das Europ?ische Parlament und den Rat zur m?glichen Revision der Europ?ischen Anpassungsstrategie ist für Ende 2018 vorgesehen http://ec.europa.eu/smart-regulation/roadmaps/docs/2016_clima_011_evaluation_adaptation_strategy_en.pdf.

 

Quellen